Bücher mit dem Tag "ukraine"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "ukraine" gekennzeichnet haben.

217 Bücher

  1. Cover des Buches Amokspiel (ISBN: 9783945386378)
    Sebastian Fitzek

    Amokspiel

     (2.184)
    Aktuelle Rezension von: NanuNana

    Die Idee und die Geschichte fand ich sehr interessant und ich habe das Buch in kurzer Zeit verschlungen. Es gibt kein langes Vorgeplänkel, sondern man ist schnell im Geschehen drin. Es gibt viele spannende Wendungen und Überraschungen und das Ende fand ich gut aufgelöst.

    Obwohl ich keinen der Charaktere sonderlich sympathisch fand, habe ich mit ihnen mitgefiebert. Ein kleiner Minuspunkt wäre höchstens, dass es mir (wie auch bei anderen Fitzek-Büchern) ein paar Personen zu viel waren.

    Den Schreibstil fand ich wie immer gut, es liest sich flüssig.

    Alles in allem ein sehr spannendes und empfehlenswertes Buch.

  2. Cover des Buches Als das Leben unsere Träume fand (ISBN: 9783404176007)
    Luca Di Fulvio

    Als das Leben unsere Träume fand

     (123)
    Aktuelle Rezension von: Buchwurm05

    Inhalt:

    1913. Aus ganz unterschiedlichen Gründen begeben sich Raquel, Rosetta und Rocco auf die Reise nach Buenos Aires. Eines haben sie aber gemeinsam. Sie möchten ihr altes Leben hinter sich lassen und einen Neuanfang wagen. Doch schaffen sie es ihre Träume zu verwirklichen? Denn sie müssen schnell erkennen: auch in der Ferne ist es nicht viel anders als zu Hause....

    Leseeindruck:

    Wow. Was war das denn? Mit "Als das Leben unsere Träume fand" hat Luca Di Fulvio einen bildgewaltigen und fesselnden Roman erschaffen. Er lässt förmlich seine Worte lebendig werden und schon bald war ich gefangen in seiner Geschichte. Raquel, Rosetta und Rocco sind charakterstarke Figuren, mit denen ich gelitten, mich aber auch für sie gefreut habe. Immer wenn ich dachte, dass jetzt alles gut wird, kam eine Wendung so unverhofft, dass mir der Mund offen stehen geblieben ist. Dabei geht der Autor mit seinen Figuren wahrlich nicht zimperlich um. Man muss schon starke Nerven haben, um das zu verdauen. Genau das hat den Plot für mich aber real und authentisch erscheinen lassen. Mir wurde es nie langweilig. Es war immer was los. Dabei habe ich so manche Figur aus dem Auge verloren. Ein Fehler. Denn plötzlich ist sie wieder aufgetaucht und hat für ordentlich Wirbel gesorgt. Was mich zudem fasziniert hat ist, wie leicht Luca Di Fulvio am Ende die Lebenswege der anfangs Fremden zusammengeführt hat. Nachvollziehbar und ganz natürlich. Apropos Schluss. Den fand ich raffiniert gemacht und hat sich perfekt eingefügt.

    Fazit:

    "Als das Leben unsere Träume fand" ist ein starker Roman. Trotz seiner Brutalität ist er auch berührend. Er hat mir kaum Zeit zum Durchatmen gelassen. Schade, dass ich die Figuren nun ziehen lassen muss. Für mich ein Highlight, welches ich gerne weiter empfehle. 

  3. Cover des Buches Mirror (ISBN: 9783746632346)
    Karl Olsberg

    Mirror

     (127)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz sind enorm. Verschiedene Menschen besitzen in Olsbergs Thriller bereits persönliche digitale Assistenten, Mirror genannt, die ihnen in allen möglichen Lebenssituationen für sie passende Handlungsempfehlungen einflüstern. Diese werden auf Basis des bisherigen Verhaltens des Mirror-Besitzers und der Analyse der aktuellen Situation ermittelt. Die Mirror Systeme lernen über neuronale Netzwerke ihren Besitzer immer besser kennen. Dadurch behaupten sich Menschen mit Mirror im Leben besser, sei es im Kontakt mit anderen Menschen, im Beruf oder beim Lernen, sie verfolgen auch ihre persönlichen Ziele konsequenter. Die Mirror Systeme helfen jedem zur Steigerung der individuellen Möglichkeiten weiter. 

    Was zunächst schön klingt, geht nach hinten los. Denn das Netzwerk, das selbständig lernt, erklärt alle Menschen zu seinen Feinden, die Kritik an ihm üben. Und es hat viele Möglichkeit, die Feinde auszuschalten.

  4. Cover des Buches Der Wintersoldat (ISBN: 9783406739613)
    Daniel Mason

    Der Wintersoldat

     (74)
    Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecher

    Lucius studiert im Wien der 1910er Jahre Medizin. Als der erste Weltkrieg ausbricht, wird er als medizinisches Personal an die Front geschickt. In den Karpaten kommt er in einer Kirche an, die mittlerweile zu einem Lazarett notdürftig umgebaut wurde und er fortan als Arzt sich um die verwundeten Soldaten kümmern muss. Seine einzige medizinische Hilfe erhält er durch Schwester Margarete, die ihm sowohl Lehrmeisterin als auch Geliebte wird. Doch die Wirren des Krieges bringt sie auseinander und Lucius kann nicht aufhören nach ihr zu suchen. 

    Der erste Teil des Romans hat mich sehr gefangen genommen und die detaillierten Beschreibungen der Wunden und medizinischen Eingriffen etwas mitgenommen. Danach hat die Geschichte etwas an Sogkraft verloren und die verzweifelte Suche von Lucius nach Margarete hat mich gelangweilt. Dennoch ein tolles (Hör-) Buch, das dem Leser die Verhältnisse,  Gepflogenheiten, Lebensläufe und Liebesgeschichten während des ersten Weltkrieges näher bringt. 

  5. Cover des Buches Die Seele des Bösen - Finstere Erinnerung (ISBN: 9781512195002)
    Dania Dicken

    Die Seele des Bösen - Finstere Erinnerung

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Dekanda

    Dania Dicken wählt einen brutalen Einstieg in ihre zwanzigteilige Thrillerserie um Sadie Scott. Im ersten Teil steht Sadies Vergangenheit im Fokus. Sie ist es, die sie antreibt und gleichzeitig in vielen Bereichen ihres Lebens hemmt. Unter all ihren persönlichen Ballast und einer aufflammende Liebe muss die junge Frau mit FBI-Ausbildung einen Serienmörder fassen.

    Die titelgebende Protagonisten durchdringt das gesamte Buch und lässt den aufzuklärenden Fall oft nebenher laufen. Ein interessantes Konzept für eine Thrillerreihe, was mir persönlich gut gefallen hat. Den zweiten Teil habe ich mir schon bestellt.

    Der Schreibstil ist größtenteils flüssig. Leider greift die Autorin manchmal auf einen zusammenfassenden Satz nach einer Szene zurück, der den sehr eindringlichen beschreibenden Einduck negiert. Schade eigentlich, da die Bilder auch ohne das genug Kraft besitzen würden.
    Die erzählerische Perspektive lässt sich nicht genau abgrenzen. Eigentlich wirkt sie wie eine personalisierte Perspektive, springt dann aber doch selten innerhalb eines Abschnittes ins omnipräsente.
    Meistens wird Sadie in einer sehr detaillierten Ablaufform beschrieben und authentisch dargestellt. Die Szenen, die aus der Perpektive der Opfer und der Täter geschrieben sind, schockieren in ihrer Brutalität und Tiefe.

    Die Charaktere mit denen Sadie täglich zu tun hat sind im Grunde alle nett, lieb und professionell. Die für Spannung sorgenden Konflikte sah ich eher in Sadie selbst, die mit sich und ihren Dämonen kämpft. Matt ist ein Mann, der fast schon zu freundlich und verständnisvoll ist. Im weiteren Verlauf der Reihe bin ich gespannt, ob er noch weitere Facetten (und Ecken) von sich offenbart.


    Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, ist die unaufgeregte Art die Ermittlungen darzustellen. Die Autorin lässt keinen Zweifel daran, dass Polizeiarbeit ein eher langweiliges Beweissichten ist und es sich um einen Job handelt, nach dem die Protagonisten nach Hause gehen und ihr eigenes Leben führen.

    Kritik habe ich leider an den oft sich wiederholenden Informationen. Denn Sadie bespricht ihre Erlebnisse erst mit ihrer Familie, dann mit ihrer Freundin, dann mit Matt und dann mit Kollegen. Oft sah ich nicht, dass in den Dialogen neue charakter- oder storygebende Informationen auftauchten. Hin und wieder sorgt dies für Längen.


    Fazit: 

    Ein interessanter Reihenauftakt, der mich neugierig auf den zweiten Teil gemacht hat. 4 von 5 Sternchen.



  6. Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783596512034)
    Herta Müller

    Atemschaukel

     (272)
    Aktuelle Rezension von: claida

    In dem Roman "Atemschaukel" von Herta Müller wird intensiv, mitreißend und zerstörend echt über die Deportation in ein russisches Arbeitslager berichtet.

    Die Person die man durch den Roman und die 5 Jahre im Lager begleitet ist der 17-Jährige Leopold Auberg. Man erfährt über sein Leben vorher, wie es sich im Lager langsam verändert und das Leben danach. Geprägt hat ihn der Satz der Großmutter "Ich weiß du kommst wieder", geglaubt hat es keiner bis er plötzlich wieder vor der Tür stand. Genau wie viele andere, aber nicht alle. Der Schrecken, die Arbeit, der Hunger alles wird aufgegriffen und detailliert erzählt. Vor allem alles was sich im und ums Lager abgespielt hat.

    Nachdem ich in den, zugegebener Weise sprachlich nicht ganz einfachen, Roman reingekommen bin, hat mich die Geschichte mitgerissen und nachhaltig beeindruckt. Man merkt in jedem Satz, dass der Roman auf Erzählungen des Oskar Pastior beruht. Er wurde damals deportiert und eigentlich wollte die Autorin mit ihm gemeinsam dieses Buch schreiben. Leider verstarb er vorher plötzlich, doch die Notizen der vielen Gespräche hat sie in diese Geschichte umgewandelt. 

    Die Emotionen die das Buch bei mir ausgelöst hat sind nicht in Worte zu fassen. Einfach erschreckend wie Menschen behandelt wurden und es auf dieser Welt immer noch werden. Ein paar Jahre zerstören ein ganzes Leben bzw. eine ganze Familie. Die Kapitel, welche alle Namen und bestimmte Themen haben, greifen ineinander und erzählen diese berührende Geschichte, die ich sicher nie ganz vergessen werde.

    Fazit: Das wichtige totgeschwiegene Thema, russisches Arbeitslager, wird durch die Erzählung sichtbar gemacht! So wichtig und doch so zerstörend!


  7. Cover des Buches Die andere Hälfte der Hoffnung (ISBN: 9783426304839)
    Mechtild Borrmann

    Die andere Hälfte der Hoffnung

     (75)
    Aktuelle Rezension von: EngelAnni

    In "Die andere Hälfte der Hoffnung" werden eigentlich drei Geschichten parallel erzählt. Die eines Mädchens, welches aus den Fängen eines Menschenhändlers entkommt und bei einem Bauern Unterschlupf findet, die eines Polizisten, der zwei Mädchen sucht und sich auf die Spur der Menschenhändler begibt und die einer Mutter eines der verschwundenen Mädchen, die ihre Lebensgechichte in der Ukraine erzählt.

    Zwei der drei Geschichten gefallen mir richtig gut. Dem Polizisten konnte ich sehr gut folgen und ich fand es spannend, wie der Menschenhändlerring gejagt wurde und auch der Polizist kommt mir sehr sympatisch rüber.

    Auch die Geschichte der Mutter berührt mich, sie schreibt ihre Lebensgeschichte auf. Sie hat 1986 In der Nähe von Tschernobyl gelebt. Diese Geschichte hat mich sehr bewegt.

    Leider gefällt mir die Geschichte von dem Mädchen, was fliehen kann nicht so gut.  Deswegen vergebe ich "nur" vier Sterne.

  8. Cover des Buches Kind 44 (ISBN: 9783442481859)
    Tom Rob Smith

    Kind 44

     (758)
    Aktuelle Rezension von: Alexa-Tim

    Das Buch habe ich im Buddyread mit jemanden zusammengelesen und bin darüber sehr froh.

    Den Schreibstil finde ich angenehm und gut zu lesen. Der Anfang ist spannend. Leider schweift der Autor danach zu oft ab, weshalb ich dann die Lust zum Weiterlesen eher verloren habe. Es hat einfach die Spannung rausgenommen aus der Geschichte. Wenn es um die Story ging und nicht um die Nebensächlichkeiten war es auch wieder spannend.

    Im hinteren Teil des Buches nahm die Spannung dann wieder richtig Fahrt auf. Der Fall war an sich sehr spannend und auch wie es damals in Russland zur Stalinzeit zu ging war einfach krass.
    Man hätte tatsächlich unwichtigeres im ersten Teil des Buches weglassen können.

    Von mir gibt es daher 3,5 Sterne.

  9. Cover des Buches Graue Bienen (ISBN: 9783257070828)
    Andrej Kurkow

    Graue Bienen

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Buecherseele79

    Sergej lebt im Donbass, in der grauen Zone. Das Dorf ist fast verlassen, neben ihm lebt noch sein Feindfreund Paschka im Dorf. Täglich stecken die beiden zwischen dem Kriegsgeschehen von ukrainischen Soldaten und prorussischen Separatisten. Im Frühjahr bricht Sergej wieder auf - mit seinen Bienen - damit sie in Ruhe Hönig sammeln können.

    "Aber die Bienen, sie verstanden doch überhaupt nicht, was Krieg war! Die Bienen konnten sich nicht von Frieden auf Krieg umstellen und von Krieg auf Frieden wie die Menschen." (Seite 200)

    "Graue Bienen" von Andrej Kurkow konnte aktueller nicht sein. Und der Autor bringt in einfachem Schreibstil diesen Schrecken in fast kleinen Häppchen an die Leserschaft. 

    Zu Beginn war ich etwas enttäuscht, dümpelt die Geschichte doch eher vor sich hin, auch wenn ich nicht wusste ob ich Sergej und Paschka bewundern soll, dass sie in einem Kriegsgebiet ihr Leben, irgendwie, weiterleben. Wirklich passieren tut hier nichts, beide gehen mit einer gewissen Gleichgültigkeit an die Situation heran. 

    Sergej leidet unter dem Weggang von Frau und Tochter. Auch so hat er keine Kontakte, lebt für dich und seine Bienen. Man merkt wie diese Situation ihn abstumpft und Sergej eher so ein Einzelgänger wird. Das Verhältnis von Sergej und Paschka war hier und da lustig, sind sie doch Feinde seit Kindheitstagen, auf der anderen Seite haben sie nur sich.

    Interessant und aufwühlend wird es als Sergej mit seinen Bienen durch die Ukraine und dann in russische Besatzungsgebiete fährt um seinen Bienen das Bestmögliche zu ermöglichen. 

    Hier schaut man zusammen mit Sergej über den Tellerrand und der ist alles andere als locker und fröhlich. Während Sergej ohne Strom oder Post lebt, geht in anderen Dörfern das Leben normal weiter. Dieser Spalt lässt einen stocken. Auch wie die Mitmenschen mit Sergej umgehen ist oft nicht einfach.

    Extrem wird es als Sergej einen alten Imkerfreund auf der Krim besuchen möchte. Hier erhält man Einblicke in die russischen Gepflogenheiten und die ja, das muss jeder für sich selbst lesen und erleben. Es deckt sich aber mit vielen Berichten.

    Was für mich auf jeden Fall das Highlight sind - die Bienen. Wie viel Liebe Sergej für sie hat, was er für einen Aufwand betreibt, auch Wissenswertes erfährt man über die fleißigen Arbeiterinnen - das gibt wieder kleine Lichtblicke.

    Ein Buch was durch seine Einfachheit besticht aber auf keinen Fall oberflächlich oder übertrieben erscheint. Ein Buch was aktueller nicht sein könnte. 






  10. Cover des Buches Hundepark (ISBN: 9783462000115)
    Sofi Oksanen

    Hundepark

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecher

    Olenka wächst in Estland auf und kehrt als kleines Kind mit ihrer Familie in die Ukraine zurück. Wohl fühlt sie sich nicht wirklich dort, da ihre Familie stückchenweise auseinanderbricht und sie die Armut hautnah zu spüren bekommt. Als junge Erwachsene versucht sie sich als Model in Paris und kehrt wegen mangelndem Erfolg aber bald wieder in die Heimat zurück. Einen Job zu finden erweist sich als sehr schwer und sie geht auf ein dubioses Angebot ein. Dort ist sie als Eizellenspenderin tätig, steigt jedoch bald in der Karriereleiter auf, arbeitet in dem Reproduktionsunternehmen im Büro und ist für sehr wichtige Kunden zuständig. 

    Angepriesen als literarischer Thriller hat mich das Buch leider gar nicht abgeholt. Das Thema Kinderwunschindustrie und vorallem der geschichtliche und hochaktuelle Bezug zur Ukraine hätte äußerst spannend werden können, aber der Schreibstil der Autorin war leider nichts für mich und ich habe mich teilweise gelangweilt und die Art und Weise der Erzählung nicht verstanden. Man lernt durch die Zeitsprünge in der Geschichte viel über die Ukraine und schon die Ansätze des Krieges, Korruption und zu was Armut die Menschen treiben kann. Furchtbar, wenn man sich vorstellt was viele Frauen ertragen müssen, die als Eizellenspenderin oder Leihmutter eingekauft werden!

  11. Cover des Buches Sie kam aus Mariupol (ISBN: 9783499290657)
    Natascha Wodin

    Sie kam aus Mariupol

     (55)
    Aktuelle Rezension von: bigpanda

    Die Autorin begibt sich auf die Suche nach ihrer Familie von der sie nur vage Erzählungen kennt. Als Zwangsarbeiter kamen ihre Eltern während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland nachdem sie schon viel Leid in ihrem Leben erfahren mussten. Es ist sehr bewegend, wie die Autorin ihr eigenes wie auch das Schicksal ihrer Eltern beschreibt und die Recherche nach ihren Vorfahren berichtet. 

  12. Cover des Buches Denk ich an Kiew (ISBN: 9783785728321)
    Erin Litteken

    Denk ich an Kiew

     (76)
    Aktuelle Rezension von: Magda

    Eine spannende Geschichtsstunde bietet Erin Litteken in ihrem Debütroman „Denk ich an Kiew“ an. 

    Es ist die bewegende Geschichte von Katja, die in der Ukraine großgeworden ist, dort die Liebe ihres Lebens kennengelernt hat und schließlich ums Überleben kämpfen musste. Ihre ganze Lebensgeschichte hat sie in einem Tagebuch festgehalten, jedoch nie über das Erlebte gesprochen. 

    Nach Jahren findet die Enkelin Cassie im Zimmer ihrer Großmutter das geheimnisvolle, auf Ukrainisch geschriebene Buch. Nachdem Cassie merkt, dass ihre Bobby sich merkwürdig verhält: Lebensmittel versteckt, Cassie mit einer unbekannten Alina verwechselt, spricht sie die Großmutter darauf an. Bobby schenkt Cassie ihr Tagebuch mit der Bitte es zu übersetzen und zu lesen. So erfährt Cassie die ganze Wahrheit über die schicksalhafte Vergangenheit ihrer Oma und lernt die tragische Geschichte der Ukraine vor dem 2. Weltkrieg kennen.

    In dieser bewegenden Geschichte bin ich versunken. Bobbys Lebensgeschichte erschüttert zutiefst – es ist gleichzeitig die Geschichte der Ukraine und ihrer Bevölkerung, die man unter Stalins Herrschaft zu Tode aushungern versuchte. Nicht alle haben den Holodomor überlebt, die Überlebenden -genau wie Bobby- konnten das Erlebte nicht vergessen und haben jahrelang darunter gelitten.

    Auch Cassie hat nach dem Unfallstod ihres Mannes lange mit ihrem Schicksal gehadert. Sehr feinfühlig und voller Empathie erzählt Erin Litteken über die Schicksale der Großmutter und ihrer Enkelin; gekonnt verbindet sie die beiden Geschichten. Ihre Erzählung wirkt authentisch und weckt - besonders in Angesicht der aktuellen dramatischen Lage in Ukraine - tiefe Emotionen.

    Wunderschön ist auch das Cover des Buches mit einem Bild des reifen, goldgelben Getreide auf einem Feld und den heranziehenden, dunklen Gewitterwolken – ein Sinnbild des Landes in seiner tragischen Lage. 

    Das Buch bekommt meine wärmste Empfehlung.

  13. Cover des Buches Jägerin und Sammlerin (ISBN: 9783351037987)
    Lana Lux

    Jägerin und Sammlerin

     (36)
    Aktuelle Rezension von: Mikki44

    In "Jägerin und Sammlerin" erzählt Lana Lux die infernale und zutiefst giftige Beziehung zwischen Alisa, der Tochter, und Tanya, der Mutter.

    Der Roman beginnt aus der Sichtweise von Alisa, ihren Kampf um Anerkennung, gesellschaftlichen und mütterlichen Druck, die schmerzliche Abwesenheit des Vaters, dem Alleinsein und die bulimischen Folgen, durch die der Körper und die Seele versuchen, allem gerecht zu werden. Erst nach und nach wird deutlich, wie groß die Auswirkungen der doch extrem toxischen Beziehung zur Mutter sind und Alisa in allen Entscheidungen vom eigenen Weg und der Selbstständigkeit ablenken. "Du bist nicht genug" schwebt wie eine dunkle Wolke über ihrem ganzen Leben. Zu einem späteren Zeitpunkt erfährt man auch die Geschichte von Tanya, die auch nicht so rosig ablief. Jedoch hat es Lux bis dahin schon geschafft, dass ich Tanya schütteln möchte und selbst mir als Leserin diese giftige Aura entgegenschlägt.

    Ein ganz anderes Buch als Kukolka, von dem ich so begeistert war, und doch ebenso sprachlich wie auch inhaltlich gut.

  14. Cover des Buches Das Kindermädchen (ISBN: 9783442475452)
    Elisabeth Herrmann

    Das Kindermädchen

     (171)
    Aktuelle Rezension von: P_Gandalf

    Der Roman "Das Kindermädchen" erschien bereits 2005 und ist bis heute ein sehr guter Kriminalroman.

    Joachim Vernau ist Anwalt in einer angesehenen Kanzlei in Berlin und mit der Tochter des Hauses liiert. Die nächsten beiden Schritte auf der Karriereleiter sind zum Greifen nach, Heirat mit Sigrun (von) Zernikow und Partner in der elterlichen Kanzlei.

    Da taucht eine alte Frau, eine Ukrainerin, auf und möchte eine Bestätigung über geleistete Zwangsarbeit als Kindermädchen während des 2. Weltkrieges in eben dieser Familie. Und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf.

    Bis dato war mir bekannt, dass Zwangsarbeiter*innen in Fabriken und in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Das auch blutjunge Mädchen zur Arbeit in Familien - z.B. als Kindermädchen - gepresst wurden, war mir nicht bekannt. Gut, dass auch dieses dunkle Kapitel thematisiert wird. 

    Elisabeth Herrmann hat einen spannenden, gut recherchierten Roman abgeliefert. Die Personen sind gut getroffen und glaubwürdig. Dabei gelingt es ihr immer wieder lustige Passagen einzubinden. Vernau's Verhältnis zu seiner Mutter und ihrer Haushälterin haben mich immer wieder zum Lachen gebracht. 

    Fazit:

    Sehr guter, lesenswerter Krimi, der nicht einen Tag gealtert ist. Dabei erfährt man noch einiges neues über die Zeit des 2. Weltkriegs und vor allem über die letzten, chaotischen Monate des "1000-jährigen Reiches".

  15. Cover des Buches Weggeworfen (ISBN: 9783960290001)
    Tina Voß

    Weggeworfen

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Drei
    Dieser Thriller macht Spaß und hinterläßt Neugier auf den zweiten Teil. Das kleine bisschen hannoversches Lokalkolorit machte mir besondere Freude.
  16. Cover des Buches Das Phantom des Alexander Wolf (ISBN: 9783423143356)
    Gaito Gasdanow

    Das Phantom des Alexander Wolf

     (63)
    Aktuelle Rezension von: Christian_Fis

    Eine Geschichte mit dem Spannungsbogen eines Kriminalromans über den Einfluss und die Formbarkeit von Erinnerungen, über Tod und Liebe, geschrieben in einer sorgfältigen, rhythmischen Sprache. Der Roman ist ein Lesegenuss und entwickelt einen Sog, dass man ihn in einem Zug durchliest.

  17. Cover des Buches Eine Formalie in Kiew (ISBN: 9783446269378)
    Dmitrij Kapitelman

    Eine Formalie in Kiew

     (32)
    Aktuelle Rezension von: KlarasBuchBlock

    In seinem Roman „Eine Formalie in Kiew“ von Dmitrij Kapitelman, geht es um ihn selbst, den Protagonisten Dima, der nach 25 Jahren in Deutschland einen Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft stellt. Dafür muss er in seiner Geburtsstadt Kiew ein Dokument besorgen. Laut seinem Vater ist dort alles allerdings nur mit Geld möglich, jeder ist käuflich.
    Zu seiner Überraschung erhält er seine Dokumente zügig, ohne jemanden bestechen zu müssen. Doch kurz bevor er zurück nach Deutschland fliegt, bekommt er eine Nachricht, dass sein Vater Leonid für einen Arztbesuch ebenfalls in die Ukraine kommt. Bei einer Untersuchung wird festgestellt, dass Leonid nicht nur ein neues Gebiss benötigt, sondern auch dement wird. Nun muss sich die kleine Familie zusammenraufen, um den Vater unversehrt zurück nach Deutschland zu bringen.
    Eine Geschichte über Zugehörigkeit und Heimat, Familie, Bürokratie und Gesellschaft mit der Ukraine und Deutschland als Beispiele. Trotz der Leichtfüßigkeit, mit der es mitunter geschrieben ist, verliert die Schwere des Themas nicht an Ernsthaftigkeit. Ich fand den Roman sehr interessant, teilweise auch amüsant und insgesamt sehr gelungen.

  18. Cover des Buches Roter Herbst in Chortitza (ISBN: 9783765509889)
    Tim Tichatzki

    Roter Herbst in Chortitza

     (18)
    Aktuelle Rezension von: vielleser18
    Was für ein bewegender Roman !

    Erzählt wird die Geschichte von Willi und seinem Freund Maxim. Willi gehört zu der Mennonitengemeinde von Osterwick, einem kleinen Ort in der Ukraine. Ihre Vorfahren kamen auf Einladung von Katharina der Großen aus Deutschland und besiedelten die Gebiete. Von den Menschen, die 1919, als die Geschichte beginnt,  in Osterwick lebten, hat kaum einer Deutschland je gesehen, dennoch werden Sprache und Traditonen von Generation zu Generation weitergegeben. Genauso wie das Rechts der Mennoniten auf Kriegsdienstverweigerung.
    1919 herrscht Bürgerkrieg. Der erste Weltkrieg ist zu Ende, der Zar gestürzt. Es herrst Gewalt und Willkür, Kämpfe zwischen den "Roten und den "Weißen" - und mittendrin Willi und sein Freund Maxim. Maxim und sein Vater konnten nach Osterwick flüchten, während seine Mutter und seine zwei Schwestern gefangen genommen wurden. Die kommende Zeit wird eine Zerreißprobe, nicht nur für die Freunde, sondern auch für die Dorfbevölkerung.
    Repressalien, Konfizierungen und hohe Abgabequoten, die erfüllt werden sollen. Sollte man sich wehren ? Wie lang kann alles ertragen und erduldet werden?
    Hier beginnt die Geschichte von Willi und Maxim und führt uns durch die bitteren Jahre bis 1947. Am Ende des Buches rundet noch ein Ausblick auf 70 Jahre später die Geschichte ab.

    Es ist keine reine fiktive Geschichte, es sind die Erinnerungen und Erlebnisse seiner Schwiegermutter, die der Autor Tim Tachatzki zu diesem Roman verarbeitet hat. Damit sie nie in Vergessenheit geraten. Ihre Geschichte ist die von vielen. Es sind die Erinnerungen an Zeiten des Umbruchs, der Willkür, der Diktatur und Krieg, geprägt von Gewalt und Hungersnöten, Zeiten, in denen es ums reine Überleben, aber auch um das Festhalten am Glauben ging. Es geht um die Opfer und ihr Leid, aber auch die Täter werden beschrieben.

    Die Sichtweisen verändern sich im Buch, die Grausamkeiten werden so ziemlich deutlich beschrieben. Keine leicht Lektüre, man fühlt und leidet mit. Nicht alles ist leicht zu ertragen. Dennoch ist es wichtig, dass es erzählt wird, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

    Von mir bekommt "Roter Herbst in Chortitza" volle Leseempfehlung. Wichtiges Thema, fesselnd erzählt  - die Geschichte einer Russlanddeutschen Familie, aber auch die einer dunklen Zeit.
  19. Cover des Buches Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (ISBN: 9783518467268)
    Amos Oz

    Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

     (109)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Eigentlich hatte ich nie vor, dieses Buch zu lesen. Schlussendlich tat ich es trotzdem und zwar für die Weltreise-Challenge. Also liess ich mich von Amos Oz durch Jerusalem und seine Geschichte führen. Es war kein Flop, obwohl ich mich doch etwas durch das Buch quälen musste, und das ist schon mal nicht schlecht.

    Grundsätzlich bin ich nun froh, sagen zu können, dass ich ein Buch von Amos Oz gelesen habe. Dazu auch noch sein wohl bekanntestes. Am meisten gefielen mir die einzelnen Passagen, in denen es um die Literatur und Amos' intellektuelle Familie ging. Also vor allem der Anfang hat es mir doch sehr angetan.

    Doch schlussendlich hat sich das Buch für mich zu sehr verzweigt, aber damit hatte ich schon gerechnet. Vielleicht war meine Lektüre somit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wobei ich wie schon gesagt, vom Anfang sehr begeistert war. Aber mit der Zeit liess meine Faszination merklich nach und ich blieb eigentlich nur wegen ein bisschen Faktenwissen und der Challenge dabei.

    Sprachlich bewegt sich Oz auf einem Niveau, das seinem Ruf gerecht wird. Ein präziser Schriftsteller, sehr begabt, ein Talent, welches aus seinem familiären Umfeld gewachsen ist. Wer in eine solch akademische Familie hineingeboren wird, dem liegt das Spielen mit den Worten wahrscheinlich im Blut. Dennoch war es ermutigend zu erfahren, dass auch jemand wie ein Amos Oz Mühe hatte. Deshalb war es auch wieder das Ende, das mich nach längerer Durststrecke wieder mitnahm.

    Ich bin froh, dass ich das Buch durch habe. Trotz meines Mühsals war die Lektüre nicht vergebens. Viele schöne Textzeilen warten darauf, niedergeschrieben zu werden. Ausserdem habe ich einiges über die Geschichte Jerusalems und Israels lernen können. Kein Buch ist vergebens und dieses schon gar nicht.

    Bücher wie "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" tun gut, auch wenn man sich durch sie durchkämpft. Auch dann, wenn man die Handlungen der Figuren nicht versteht. Nicht versteht, wie sie oft nicht zufrieden sein können, wenn sie doch ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber jeder kämpft mit seinen Geistern, auch das lehrt uns Oz. Manchmal sind sie auch zu stark, dies zeigt das prägende Erlebnis des Todes der Mutter, das an unterschiedlichen Stellen thematisiert wird.

    Ein eindrückliches Buch mit starkem Charakter. Ein Buch, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt, trotz aller Unwirtlichkeiten. Deshalb prädestiniert wie kein zweites, um Israel zu repräsentieren.
  20. Cover des Buches Roter Herbst in Chortitza (ISBN: 9783765587146)
    Tim Tichatzki

    Roter Herbst in Chortitza

     (31)
    Aktuelle Rezension von: nellsche

    Im Jahr 1919 fegt ein Bürgerkrieg über das zerfallende Zarenreich. Mittendrin finden die Freunde Willi und Maxim ein Maschinengewehr. Während es für Maxim ein Geschenk des Himmels ist, lehnt Willi als Sohn mennonitischer Siedler jede Form von Gewalt ab. Eine Zerreißprobe für ihre Freundschaft beginnt.

    Die Beschreibung hat mich sofort neugierig gemacht, so dass ich mich sehr auf das Hörbuch gefreut habe.
    Der Sprecher Makke Schneider hat mir sehr gut gefallen, ich mochte seine Stimme und die Betonungen.
    Ich hatte zu Beginn ein paar Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Ich bin dann ein paar Tage später nochmal gestartet und kam dann viel besser zurecht. Die Geschichte hat mich dann schnell gefesselt und in ihren Bann gezogen. Sehr gut haben mir die Wechsel der Erzählstränge um Willi und Maxim gefallen, denn so bekam ich sehr intensive Einblicke in die beiden.
    Die Geschichte war wirklich harte Kost und ging mir sehr nahe, gerade weil ihr wahre Begebenheiten zugrunde lagen. Die Schrecken des Krieges, die Infos über Russlanddeutsche, der Glaube der Mennoniten - alles wurde spannend und interessant beschrieben und ging mir teilweise sehr nahe. Manchmal waren die Erzählungen richtig grausam und erschütternd. Ein Buch voller Emotionen, die mich nicht kalt ließen.

    Diese Geschichte hat mich sehr bewegt und betroffen gemacht. Obwohl sie teilweise sehr grausam ist, ist sie absolut hörens- bzw. lesenswert. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

  21. Cover des Buches Blutadler (ISBN: 9783746633206)
    Craig Russell

    Blutadler

     (187)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    Brutale Serienmorde lösen in Hamburg Entsetzen aus. Selbst für den ermittelnden Kommissar und seine Kollegen sind die Tatorte schockierend, denn die Brutalität der Morde ist kaum zu übertreffen. Alles sieht nach einem alten Wikingerritus aus, dem Blutadler. Die Ermittlungen werden zum Spiel gegen die Zeit, denn die Morde gehen weiter. Und auch die Verstrickung von Bundesnachrichtendienst und Mafia machen die Arbeit nicht einfacher.

    Der Schreibstil des Autors ist ausgesprochen lebendig und mitreißend, aber durch seine bildhafte Darstellungsweise auch für den Leser nicht ganz Ohne. Die Handlung und die Figuren sind gut ausgearbeitet und nachvollziehbar, auch wenn die politischen Verstrickungen immer größere Ausmaße annahmen. 

    Mein Fazit: Für meinen Geschmack driftet ein sonst spannender Thriller zu sehr in die politischen Wirren ab und nicht alles bleibt glaubhaft, obwohl die reine Polizeiarbeit recht gut recherchiert wird. Schade um einen sonst guten Thriller der gute Spannung hält. Wer sich daran nicht stört, dürfte hier seine Freude haben.

  22. Cover des Buches Wofür es lohnte, das Leben zu wagen (ISBN: 9783958901209)
    Christian Hardinghaus

    Wofür es lohnte, das Leben zu wagen

     (9)
    Aktuelle Rezension von: mabuerele

    „...Angesichts des Todes werden die Werte des Lebens ein Nichts...“


    Das Sachbuch beginnt mit einem Vorwort von Hans Machemer. Dort legt er kurz dar, wie und weshalb es zur Veröffentlichung der Geschichte kam. Es sind die Briefe seines Vaters, die den Inhalt des Buches bilden.

    Anschließend folgen von Christian Hardinghaus eine geschichtliche Beurteilung und die Vorgeschichte.

    Helmut Machemer ist Augenarzt. Mit 36 Jahren und auf Grund seines Berufs wäre er vom Kriegsdienst freigestellt gewesen. Doch seine Frau Erna ist nach Lesart der damaligen Zeit halbjüdisch. Damit gelten sie und die drei kleinen Söhne als Mischlinge. Erna musste deshalb schon ihr Medizinstudium aufgegeben. Da sich Helmut nicht von seiner Familie trennen will, sieht er nur eine Chance. Wenn er sich freiwillig zum Heer meldet und dort alle Tapferkeitsauszeichnungen erhält, kann er damit erreichen, dass seine Familie arisiert wird. Diese Sonderregelung gibt es im Rassengesetz.

    Hans Machemer ist dabei, als die Deutsche Wehrmacht am 22. Juni 1941 ohne Kriegserklärung über die sowjetische Grenze marschiert. Er ist Unterarzt der Aufklärungs-Abteilung der 16. Panzerdivision. Gleichzeitig schreibt er in Briefen seine Erlebnisse und Gedanken nieder und fotografiert das Geschehen. Die Vielzahl dieser Briefe bildet den Hauptinhalt des Buches.

    Der erste Brief datiert vom 5. Oktober 1941. Die Deutsche Wehrmacht befindet sich auf einem fast ungebremsten Vormarsch. Deshalb zeigen die ersten Briefe auch seinen Optimismus. Deutlich wird die Überlegenheit der deutschen Truppen herausgestellt. Es ist nicht zu überlesen, dass die Propaganda der letzten Jahre Spuren hinterlassen hat. Das zeigt sich in einer gewissen Überheblichkeit. Andererseits überwiegt auch im Verhalten gegenüber dem Gegner die Menschlichkeit. Das Regiment zieht durch die Ukraine und trifft dabei nicht nur auf Feinde. Exakt werden die Dörfer und das dortige Leben beschrieben. Schnell machen sie Bekanntschaft mit Wanzen und Flöhen.

    Die ganze Widersprüchlichkeit der Gedankenwelt wird hier an einer Stelle besonders deutlich. Helmut möchte, dass seine Familie arisiert wird, nimmt aber den Judenhass in der Ukraine als gegeben hin.

    Mit dem ersten Wintereinbruch ändert sich der Schriftstil leicht. Plötzlich geht es nicht mehr nach vorn. Die Langeweile des Stellungskrieges, erste Erfrierungen, fehlende Winterbekleidung gewinnen zunehmend Raum in den Briefen. Nachdem er im ersten Teil davon berichtet hat, dass die Rote Armee beim Rückzug verbrannte Erde zurückgelassen hat, verwendet nun die Deutsche Wehrmacht ebenfalls diese Taktik. Doch immer überwiegt die Hoffnung auf den Sieg.

    Hinzu kommt, dass Helmut in den Briefen darauf drängt, Maßnahmen zu ergreifen, um die Arisierung der Familie voranzutreiben. Er hat Angst um seine Kinder. Auf seine Beförderung wartet er seit zwei Jahren. Das ärgert ihn, ändert aber wenig an seinem Pflichtbewusstsein.

    Deutlich wird, wie hart das Leben eines Arztes direkt an der Front ist. Es geht um die Erstversorgung der Verwundeten. Die nächste Schwierigkeit besteht darin, sie in ein Lazarett zu bringen. Das ist nur noch bedingt möglich. Der russische Winter lässt nicht nur Wasser gefrieren, sondern auch Füße und Hände. Fahrzeuge fallen aus. Der Stellungskrieg zermürbt. Bisher registrierte Helmut in seinen Briefen die Menge der gefallenen Russen. Nun werden zunehmend eigene Kameraden beerdigt. Außerdem gibt es Probleme mit der Post. Die mit Sehnsucht erwarteten Päckchen aus der Heimat bleiben aus.

    Berührend zu lesen sind die Briefe der Kinder, die sie an ihren Vater schreiben. Im letzten Drittel des Buches sind auch Briefe von Erna veröffentlicht. Dort tauschen sich die Eheleute über Schreibstil und Lesbarkeit aus. Erna schreibt alle Briefe ihres Mannes ab.

    Wie ein roter Faden zieht sich durch das Buch die Hoffnung auf Sieg und Heimkehr. So schreibt Helmut:


    „...Dass der Russe seine letzten Reserven ausschöpft, ist keine Frage...“


    Auch das Eingangszitat stammt aus einem der letzten Briefe. Seine Zeilen sprechen von Kameradschaft selbst in schwierigen Situationen, setzen sich mit Fehlverhalten auseinander und bescheinigen dem Regiment einen Hauch preußischer Disziplin. Doch gerade in der letzten Zeit kommt er auch mit Ärzten in Kontakt, die die Situation wesentlich kritischer sehen. Helmut hat aber nur ein Ziel vor den Augen, und dafür setzt er sich mit ganzer Kraft ein: die Sicherheit seiner Familie. Dabei ahnt er aus meiner Sicht nicht einmal, wie groß die Gefahr für sie wirklich ist. Trotzdem gibt er Verhaltensratschläge, was zu tun ist, falls er nicht zurückkehrt. Die lange Zeit wirkt zermürbend. Heimaturlaub ist nicht in Sicht oder wird gestrichen.

    Und dann stellt er eine Frage, die Monate vorher überhaupt nicht im Raum stand.


    „...Dankt uns die Heimat einmal, was wir für sie tun?...“


    Die Briefe ermöglichen mir als Leser einen Einblick in eine Gedankenwelt, die schwierig nachzuvollziehen ist. Die Soldaten sahen sich als Verteidiger der Heimat. Sie taten ihrer Ansicht nach ihre Pflicht. Dass es zunehmend von beiden Seiten Grausamkeiten gab, wurde registriert, aber kaum bewertet.

    Die politische Beeinflussung des Gegners durch Kommissare wird häufig angesprochen, die Wirkung der eigenen Propagandamaschinerie nicht registriert.

    Eingebunden im Buch sind viele Originalfotos. Sie veranschaulichen die Situation.

    Außerdem gehört zum Buch eine DVD. Auch dort befinden sich bisher unveröffentlichte Bilder. Gut gefallen hat mir der Kommentar des Autors. Unter anderen führt er aus, welchen Gefahren sich Helmut mit diesen Aufnahmen ausgesetzt hat.

    Außerdem sind Originaldokumente dem Buch beigefügt.

    Helmut erreicht sein Ziel. Seine Familie wird deutschblütigen Personen gleichgestellt. Doch er zahlt dafür einen hohen Preis. Seine Söhne werden ohne ihn aufwachsen.

    Ich bin mir bewusst, dass diese Rezension dem Buch nicht allumfassend gerecht werden kann. Sie spiegelt nur einen Teil des Inhalts wider.

    Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es ist ein wichtiges Zeitdokument, da es ungeschönt die Gedanken eines Arztes an der Front wiedergibt. Der meist sachliche Schriftstil wirkt besonders beeindruckend.

  23. Cover des Buches Baba Dunjas letzte Liebe (ISBN: 9783462054729)
    Alina Bronsky

    Baba Dunjas letzte Liebe

     (298)
    Aktuelle Rezension von: buchstaeblichverliebt

    Baba Dunja lehnt sich auf. 

    Nach dem Reaktorunglück zieht sie (verbotenerweise) zurück nach Tschernowo in die Todeszone, um dort ihren Lebensabend selbstbestimmt zu verbringen. 

    Gesellschaft leisten ihr die Geister der Vergangenheit und einige wenige Alte - allesamt skurrile und eigenbrödlerische Gestalten.

    Zeit spielt keine Rolle. Sie klammert sich an alte Gepflogenheiten und Traditionen. So ackert sie für ihren Lebensunterhalt im Garten, treibt Tauschhandel und lebt das Leben längst vergangener Zeiten. 

    Einzig der postialische Austausch mit ihrer Tochter verbindet sie sporadisch mit dem Außenleben, fernab der Todeszone. Ihre Enkelin hat sie noch nie zuvor gesehen und doch hegt sie Hoffnung und Sehnsucht für das ihr unbekannte Mädchen. 

    Nach einem Mord wird Baba Dunja verurteilt und kommt in Haft, doch auch dort hält sie an ihren Wertvorstellungen fest und lässt sich  nicht unterkriegen.  

    Stets verbunden und verwurzelt mit Geist und Herz in der Heimat. 


  24. Cover des Buches Kukolka (ISBN: 9783746635392)
    Lana Lux

    Kukolka

     (160)
    Aktuelle Rezension von: einstrauss_vollerbuecher

    Kukolka = Püppchen. So wird Samira genannt, nachdem sie aus dem Heim geflüchtet ist und bei Rocky landet. Rocky gibt ihr ein neues zu Hause und das was sie noch nie hatte: Eine Art Familie, bestehend aus verschiedenen Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Schicksalen. Für ihren Traum in Deutschland zu leben, geht Kukolka für Rocky arbeiten: betteln, "Taschen putzen" und noch wesentlich schlimmeres.

    Kukolka ist ein Roman der absolut traurig macht. Traurig, weil er mit so viel Nüchternheit erzählt wird und so real ist, dass es schon fast schmerzt! In ihrem Debütroman schreibt Lana Lux über schwierige Themen wie Menschenhandel und Zwangsprostitution und berichtet dabei schonungslos und ehrlich. Ein Buch, das einen als Leser viel abverlangt, aber genauso viel gibt, wenn man Trauer, Ekel und Gewalt ausblendet. Ein Buch, dass Augen öffnet, aber Sprachlosigkeit hinterlässt.

    Ganz klare Leseempfehlung, allerdings nichts für zarte Gemüter!

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks