Bücher mit dem Tag "thomas mann"

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126 Bücher

  1. Cover des Buches Der Zauberberg (ISBN: 9783596904167)
    Thomas Mann

    Der Zauberberg

     (534)
    Aktuelle Rezension von: Eliza08

    Ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts welcher mich restlose begeisterte. Der „große“ Thomas Mann hat bereits zu Lebzeiten viel Aufsehen und Anerkennung für sein Werk erlangt. Ich bin vor allem von der Grundidee dieses Romans sehr begeistert und habe mich deswegen entschlossen diesen hier kurz vorzustellen.

    Das Cover ist schlicht in beiger Farbe gestaltet. Erkennbar ist ein großes opulentes Gebäude, welches wohl den Berghof, Handlungsort des Romans, nachempfunden ist. Der Klappentext ist relativ kurzgehalten und dem Leser werden die wesentlichen Geheimnisse der Geschichte geschickt vorenthalten. In der Handlung geht es um Hans Castorp, welcher seinen in Langzeitkurz befindlichen Vetter Joachim Ziemßen besucht. Dieser befindet sich in einem Sanatorium namens „Berghof“ im Schweizer Kurort Davos. Ursprünglich plant Hans Castorp für drei Wochen seinem Vetter beim „Heilungsprozess“ beizustehen. Aufgrund von besonderen Umständen, sowie „gesundheitlichen“ Bedenken seitens der Heimleitung, verlängert Hans Castorp seinen Aufenthalt. Was ihn im Folgenden erwartet, verändert sein Leben und seine Sichtweise auf die Menschen.

    Der Hauptprotagonist Hans Castorp ist ein junger Ingenieur, welcher nach dem Tod seiner Eltern bei seinem Onkel aufgewachsen ist. Er ist in seiner Persönlichkeit noch etwas unsicher und sucht Halt bei seinem Vetter Joachim Ziemßen. Im Laufe des Romans entwickelt er ein gewisses Gespür für menschliche Handlungen, sowie seine Umwelt, welches ihn immer nachdenklicher werden lässt. Charakteristisch für sein Wesen und fast schon sinnbildlich für die damalige Zeit ist, das Obrigkeitsdenken in den „gehobenen Klassen“ der Gesellschaft. Den dort handelnden Ärzten wird bedingungslos Glauben „geschenkt“. Widerworte sind nahezu ausgeschlossen. Dies zeigt sich an so vielen verschiedenen Stellen in der Erzählung, obwohl Gegenargumente sehr wohl angebracht wären. Als bedeutsame wesentliche Nebenfiguren in der mit zahlreichen Charakteren gefütterten Erzählung sind neben dem Vetter Joachim Ziemßen, Lodovico Settembrini, Clawdia Chauchat eine junge russische Ehefrau eines hochrangigen Beamten, die Heimleiter des Berghofs Dr. Behrens und Dr. Krokowski, sowie der Jesuitenschüler Naphta zu erwähnen. Gerade die beiden selbsternannten „Mentoren“ Settembrini und Naphta haben wesentlich Einfluss auf Hans. Settembrini, Freimaurer und Liberalist lässt dabei seine Arroganz und Ignoranz gegenüber Andersdenkenden oder anderen Kulturen freien Lauf. Nahpta entwickelt sich zu seinem Gegenspieler, was im Laufe der Erzählung noch für dramatische Entwicklungen sorgen wird.

    Die Spannung der Erzählung speist sich aus dem fortlaufenden Aufenthalt Castorps und der Entwicklung der handelnden Personen. Der Aufbau der Handlung ist stringent und mit keinen Zeitsprüngen versehen. Der Roman spielt in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg und ist somit zeitlich sehr gut einordbar. Der Schreibstil des Autors ist monumental, gestochen poetisch und präzise detailliert mit dem Hang in das Philosophische Denken der damaligen Zeit. Gerade die philosophischen Aspekte einzelner Figuren geben dem Roman eine besondere Tiefe. Ein kleines Beispiel einer kurzen Denkpassage über den Sinn von Zeit. Auf Seite 474 heißt es: „Was ist die Zeit? Ein Geheimnis, wesenslos und allmächtig. Eine Bedingung der Erscheinungswelt, eine Bewegung, verkoppelt und vermengt dem Dasein der Körper im Raum und ihrer Bewegung. Wäre aber keine Zeit, wenn keine Bewegung wäre? Keine Bewegung, wenn keine Zeit?“.

    Allein die Schreibweise des Autors ist eine wahre Wonne, wenn diese auch in der heutigen Charteristik der modernen Erzählung zu verträumt und schwerfällig wirkt. Dieser Roman ist eine parodierte Gesellschaftskritik an dem System. Eine kleine Anzahl von privilegierten Persönlichkeiten lassen sich in einem Sanatorium zu „Tode pflegen“ und leben in ihrer eigenen kleinen „Lebensblase“.

    Rassismus und Vorurteile werden trotz des selbsternannten Bildungsbürgertums offenkundig und ohne Ressentiments ausgesprochen. Auch die Klassifizierung von Menschen mit Würde (Intelligenz) und weniger Würde (weniger intelligent deswegen kränklicher) findet ohne Kompromisse statt. Gerade unter dem Hinblick des bald ausbrechenden ersten Weltkrieges und seiner politischen Folgen für die Weiterentwicklung Europas hat der Autor die partielle singuläre und rassistische „Denkweise“ der gebildeten Gesellschaft sehr gut beschrieben. Die Ohnmacht gegenüber der medizinischen Obrigkeit setzt dem ganzen dann zusätzlich die Krone auf.

    Die Protagonisten sind so intelligent, als dass sie die Dummheit ihres Handelns als unzulänglich erkennbar scheinen lassen. Dies ist die süffisante Zusammenfassung der „Kurgäste“ als partielle Teilnehmer eines Systems, welches skrupellos Menschen aufgrund kapitalistischer Vorzüge ausbeuten möchte. Als Fazit kann zusammengefasst werden, dass dieser Klassiker der Weltliteratur gerade unter dem Aspekt der Freude an Sprache sowie ihrer punktuellen Gesellschaftskritik sehr zu empfehlen ist. Trotz der sehr detailreichen Tiefe ist es lohnend sich auf diese literarische Reise in die vermeintliche „Zauberwelt“ einzulassen.

  2. Cover des Buches 1913 (ISBN: 9783596520534)
    Florian Illies

    1913

     (278)
    Aktuelle Rezension von: Eva_Beimer

    FLORIAN ILLIES: 1913 – DER SOMMER DES JAHRHUNDERTS

     

    INHALT:

    Florian Illies entfaltet virtuos ein historisches Panorama. 1913: Es ist das eine Jahr, in dem unsere Gegenwart begann. In Literatur, Kunst und Musik werden die Extreme ausgereizt, als gäbe es kein Morgen. Zwischen Paris und Moskau, zwischen London, Berlin und Venedig begegnen wir zahllosen Künstlern, deren Schaffen unsere Welt auf Dauer prägte. Man kokst, trinkt, ätzt, hasst, schreibt, malt, zieht sich gegenseitig an und stößt sich ab, liebt und verflucht sich.
     Es ist ein Jahr, in dem alles möglich scheint. Und doch wohnt dem gleißenden Anfang das Ahnen des Verfalles inne. Literatur, Kunst und Musik wussten schon 1913, dass die Menschheit ihre Unschuld verloren hatte. Florian Illies lässt dieses eine Jahr, einen Moment höchster Blüte und zugleich ein Hochamt des Unterganges, in einem grandiosen Panorama lebendig werden.

     

    MEINE MEINUNG:

    Auch dieser Band – eigentlich der erste dieser Art von Florian Illies – hat mir sehr gut gefallen. Ich habe auf die unterhaltsamste Weise eine Menge gelernt. Es hat mich auch nicht im Geringsten gestört, daß ich den Ergänzungsband – 1913: WAS ICH UNBEDINGT NOCH ERZÄHLEN WOLLTE schon vorher gelesen habe. 

    Wie ich schon schrieb, gefällt mir der Stil des Autors einfach sehr gut, ich schätze vor allem die gelegentlich eingestreuten süffisanten Kommentare, die mir so manches Mal ein Schmunzeln entlockten.

    Jetzt hoffe ich, daß Illies so ein Buch vielleicht über die 50er oder 60er Jahre schreibt – und das bitte schnell!

  3. Cover des Buches Die Stille der Lärchen (ISBN: 9783462047349)
    Lenz Koppelstätter

    Die Stille der Lärchen

     (80)
    Aktuelle Rezension von: Mary2

    Ein weiterer Südtirol-Krimi aus der Feder von Lenz Koppelstätter liegt hier mit „Die Stille der Lärchen“ vor.

    Das Cover zeigt eine traumhafte Kulisse, die den Hintergrund für den gewaltsamen Tod der 17-jährigen Marie bildet. Nahe bei den Urlärchen, einem bekannten Naturdenkmal im Ultental, liegt die erschossene Schülerin.

    Das Dorf meint den Täter rasch zu kennen, ein anderer legt jedoch ein Geständnis ab.

    Commissario Grauner und Saltapepe suchen lange nach einem Motiv und stoßen auf Schweigen im Dorf, ein verfallenes Heilbad sowie literarische Rätsel.

     

    Mir hat auch dieser Krimi gut gefallen. Wieder versteht es der ortskundige Autor, die Atmosphäre Südtirols einzufangen und die Leser in das hintere Ultental mitzunehmen. Beigefügtes Kartenmaterial bildet eine gelungene Ergänzung zum Text. Die beiden unterschiedlichen Ermittler stellen ein gutes Team dar. Die persönlichen Nebenschauplätze von Grauner und Saltapepe halten sich in einem angemessenem Umfang. Das im ersten Band der Reihe erwähnte Geheimnis aus der Vergangenheit von Grauner wird etwas erhellt, ist aber noch nicht zu Ende erzählt.

     

    Der Krimi bleibt bis zum Schluss rätselhaft, eine echte Chance, mitzuraten hat der Leser nicht, da unerwartete Wendungen immer wieder eingearbeitet sind.

     

    Nach gut 300 Seiten ist die Lösung gefunden, es bleibt der Eindruck eines soliden und sehr stimmungsvollen Krimis. Gerne mehr aus der Reihe!

  4. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596521487)
    Thomas Mann

    Buddenbrooks

     (2.378)
    Aktuelle Rezension von: Julia250916

    Dies ist das bisher einzige Buch, welches ich nach der Hälfte abbrechen musste. Es hat sich so gezogen und hat mich leider nur gelangweilt. Es wird viel zu viel erklärt und ein immer wiederkehrender Wechsel von Dialekten. Leider hat es mir nicht gefallen...

  5. Cover des Buches Die Tochter des Zauberers - Erika Mann und ihre Flucht ins Leben (ISBN: 9783746635811)
    Heidi Rehn

    Die Tochter des Zauberers - Erika Mann und ihre Flucht ins Leben

     (42)
    Aktuelle Rezension von: MarinaH

    Inhaltszusammenfassung:

    Von den Nationalsozialisten verfolgt, landet die Tochter des berühmten Thomas Mann, im Exil in New York. Schnell trifft sie auf schillernden Persönlichkeiten und auch auf den deutschen Arzt, Martin Gumpert. 

    Mit einem politischen Kabarett, möchte sie die Amerikaner zum Kampf gegen Hitler aufrufen, die zu dieser Zeit nur wenig von dem Mann mitbekommen haben. Doch bedauerlicherweise ist das Kabarett zum scheitern verdammt, da können selbst die Sponsorgelder des vermögenden Maurice Wertheim nichts bewirken. Schnell schwört Erika dem Vorhaben ab und widmet sich ihren persönlichen Problemen, sie kann sich nicht zwischen Maurice und Martin entscheiden!
    Verfolgt von Problemen und einem zu engen Verhältnis zu ihrem Bruder, probiert ‚Eri‘ sich durchs Leben zu kämpfen.

    Persönliche Meinung:

    Meiner Meinung nach, ist das Buch flach und schlapp geschrieben. Heidi Rehn konnte mir nicht den erwarteten Einblick in Erikas Leben gewähren und stellt die Charaktere sehr oberflächlich dar. Ohne jeglichem Feingefühl und Empathie scheinen sie alle gerade so durchs Leben zu stolpern.
    Die Bindung Erikas zu ihrem Bruder Klaus, ist meiner Meinung nach sehr fragwürdig. Auf mich wirken die beiden wie ein Ehepaar, die ständigen Worte und Berührungen die sie dabei austauschen spielen dabei keine kleine Rolle.
    Die Geschichte ging nur schleppend voran, schnell wurde das eigentliche Projekt außer Sicht gelassen. Erikas politisches Engagement wurde dabei immer weiter in den Hintergrund geschoben.

    Fazit: Ich würde das Buch nicht weiterempfehlen, der trockene Schreibstil der Autorin spricht mich auf keinen Fall an. Man zwingt sich durch dieses Buch und erhofft auf ein schnelles Ende. 

  6. Cover des Buches Der Tod in Venedig (ISBN: 9783596904075)
    Thomas Mann

    Der Tod in Venedig

     (450)
    Aktuelle Rezension von: Der_Buchklub

    Zur vollständigen Buchbesprechung geht es hier:

    https://www.podbean.com/media/share/pb-3wa9m-f72663

    Vorsicht, Spoiler!

  7. Cover des Buches Doktor Faustus (ISBN: 9783596904037)
    Thomas Mann

    Doktor Faustus

     (136)
    Aktuelle Rezension von: Magicsunset

    „Ich möchte seine Einsamkeit einem Abgrund vergleichen, in welchem Gefühle, die man ihm entgegenbrachte, lautlos und spurlos untergingen. Um ihn war Kälte – und wie wird mir zumute, indem ich dies Wort gebrauche, das auch er in einem ungeheuerlichen Zusammenhange einst niederschrieb!“ (Zitat Seite 15)

     

    Inhalt

    Dr. phil. Serenus Zeitblom ist sechzig Jahre alt, als er am 27. Mai 1943 beginnt, die Lebensgeschichte seines langjährigen Freundes Adrian Leverkühn niederzuschreiben. Der innovative Komponist ist vor drei Jahren verstorben und hat seinem Freund Serenus alle  persönlichen Aufzeichnungen und Unterlagen hinterlassen. Auf Grund dieser Aufzeichnungen schildert nun der Ich-Erzähler Serenus Zeitblom die Kindheit, Jugend, gemeinsame Studienzeit, aber auch die weiteren Lebenswege, die unterschiedlich verlaufen, sich jedoch immer wieder kreuzen. Teilweise verfasst Zeitblom die Texte zu einzelnen Kompositionen des genialen Musikers Leverkühn und erlebt auch seinen künstlerischen Werdegang schon ab der frühen Schulzeit mit, mit allen Höhen und Tiefen, geprägt von einer manchmal besessenen Hingabe zur Musik und zum Komponieren, der Suche nach neuen musikalischen Strukturen. „Nur einer so dringlich beobachtenden Freundschaft wie der meinen, konnte ein solcher  Bedeutungswechsel der Dinge fühlbar oder ahnbar werden, und Gott sei davor, daß die Wahrheit mir die Freude an Adrians Nähe beeinträchtigt hätte! Was mit ihm vorging, konnte mich erschüttern, mich aber niemals von ihm entfernen.“ (Zitat Seite 322)

     

    Thema und Genre

    Den realen Hintergrund dieses biografischen Romans um einen fiktiven Komponisten bildet die Geschichte Deutschlands zwischen 1884 und 1945, die gesellschaftlichen Veränderungen. Das alte Faust-Thema in dieser modernen Version, welche die unerschöpfliche künstlerische Schaffenskraft in den Mittelpunkt des Pakes stellt, steht für das Leben des Adrian Leverkühn, der als Künstler genial und hochbegabt, als Mensch jedoch einsam und unnahbar bis zur Gefühllosigkeit ist. Dieses Buch ist jedoch ebenso ein Gesellschaftsroman, ein zeitgeschichtliches Dokument Deutschlands in diesen wichtigen Jahren, das die Situation des Bildungsbürgertums, die Stellung der Frauen, die kulturellen und künstlerischen Strömungen, besonders in Musik und Sprache, schildert. Es ist eine weit gefasste Suche nach den kulturgeschichtlichen Gründen für die Entstehung des nationalen Gedankengutes, das sich aus dem Verständnis der deutschen Romantik entwickelt hat und mit zum Nationalsozialismus führte. Die Handlungsorte und Personen dieses Romans sind fiktiv, alle haben jedoch reale Vorbilder, dadurch wird dieser Roman auch autobiografisch geprägt.

     

    Fazit

    Meine hier notierten Bemerkungen sind keinesfalls als literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Roman von Thomas Mann zu sehen, dafür gibt es qualifizierte Fachliteratur, sondern schildern meine wichtigsten Eindrücke beim Lesen dieses interessanten, ideenreichen, zeitlosen, bis heute noch lebhaft diskutierten Romans des deutschen Literaturnobelpreisträgers.

  8. Cover des Buches Faserland (ISBN: 9783462301465)
    Christian Kracht

    Faserland

     (376)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Das Buch fühlt sich so an, als hätte es ein Kleinkind geschrieben. "Ich mag die eine Frau sehr", "Ich mag das nicht", "mein Arsch ist klebrig" und natürlich wird in jedem Kapitel gekackt, gepisst und gefurzt. Der übermäßige Brauch von dem Wort "dass" macht auch eindeutig klar, dass der Autor die Schönheit der deutschen Sprache nicht zu würdigen weiß.

    Die Handlung beschränkt sich auf Saufen und Rauchen, irgendwo kommt auch ein bisschen Sex und natürlich sind da auch Drogen dabei. Was wäre schon ein nihilistisches Buch ohne Drogen? Die Figur selbst ist reich und oberflächlich, eine Zutat, die man in so vielen Drecksbüchern schon gelesen hat, dass das einem aus dem Hals hängt. Warum dürfen sich die Reichen alles erlauben und werden dafür geliebt, während die Arme für jede Handlung gehasst werden?

    Ich will nichts in ein Buch interpretieren. Ich will nicht den tieferen Sinn darin suchen, sondern ich lasse mich immer vom Autoren leiten, von einem Satz zum nächsten und das hier fühlte sich schon wie eine Beleidigung an. Ich habe mich zu tote gelangweilt. Soll der Protagonist seine geliebte Jacke sonst wohin stecken. Seit American Psycho können mich solche Bücher nicht schockieren.

  9. Cover des Buches Sunset (ISBN: 9783492274180)
    Klaus Modick

    Sunset

     (51)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Die beiden Zeitgenossen Lion Feuchtwanger und Bertold Brecht verband nicht nur ihr schriftstellerisches Schaffen sondern vielmehr eine tiefe Freundschaft. Trotz grossen Gegensätzen haben sich die beiden gegenseitige immer wieder inspiriert. In dieser feinsinnigen und stillen Erzählung von Klaus Modick verwebt sich Vergangenheit und Gegenwart. Lion Feuchtwanger erinnert sich in seinem Haus am Meer Kaliforniens an die wunderbare Zeit mit seinem Weggefährten und die Nachricht vom Tode Brechts, der um einige Jahre jünger war als er selbst, trifft ihn schwer. Im Inneren oft als eigenen Sohn betrachtet, führt er geistige und träumerische Zwiegespräche mit seinem fernen Freund.

    Lion Feuchtwanger reflektiert aber auch über seine literarische Arbeit, über die Umstände der Zeit, die Geschichte Israels und Palästinas und die persönlichen und weltpolitischen Katastrophen. Er hat keine Wahl, wie Klaus Modick schreibt, sondern er muss sich der Wahrheit stellen, da er an den Sieg der Vernunft glaubt.

    Ein kleines Meisterwerk, das wie ich finde, sehr lesbar und lehrreich ist, in einer gepflegten und aussergewöhnlich schönen Sprache, die jeden Satz zu einem Lesegenuss macht.

  10. Cover des Buches Der Tod in Venedig und andere Erzählungen (ISBN: 9783596900275)
    Thomas Mann

    Der Tod in Venedig und andere Erzählungen

     (148)
    Aktuelle Rezension von: Der_Buchklub

    Zur vollständigen Buchbesprechung geht es hier:

    https://www.podbean.com/media/share/pb-3wa9m-f72663

    Vorsicht, Spoiler!

  11. Cover des Buches Königsallee (ISBN: 9783423144162)
    Hans Pleschinski

    Königsallee

     (31)
    Aktuelle Rezension von: BuecherVonInnen

    Klappentext:
    Sommer 1954: Thomas Mann kommt zusammen mit seiner Frau Katia nach Düsseldorf, um aus dem „Felix Krull“ zu lesen, der sich zum Bestseller entwickelt. Im selben Hotel, dem „Breidenbacher Hof“, ist gleichzeitig Klaus Heuser, auf Heimaturlaub aus Asien, mit seinem Freund Anwar abgestiegen, ein Zufall, der es in sich hat. Denn Klaus Heuser, den er 1927 kennengelernt hatte, gehört zu Thomas Manns großen Lieben. In der Figur des Joseph hat er ihm ein Denkmal gesetzt. Nun sorgt die mögliche Begegnung der beiden für größte Unruhe, zusätzlich zu dem Aufruhr, den der Besuch des ins Exil gegangenen Schriftstellers im Nachkriegs-Deutschland ohnehin auslöst. Erika Mann mischt sich ein, Golo Mann und Ernst Bertram verfolgen ihre eigenen Ziele, und die Honoratioren der Stadt ringen um Haltung. Dazwischen die ewigen Fragen der Literatur, nach Ruhm und Verzicht, der Verantwortung des Künstlers und dem Preis des eigenen Lebens, nach dem Gelingen und Rang. Anschaulich und dezent, auf der Folie realer Vorkommnisse und bisher unbekannter Dokumente, dabei mit einem Anklang an „Lotte in Weimar“, lebendig und kenntnisreich, atmosphärisch und voll sprechender Details und unvergesslicher Figuren erzählt Hans Pleschinski in diesem großen Roman von Liebe, Verantwortung und Literatur – und von den 50er-Jahren in Deutschland.
    Dieses Buch lieh ich mir ursprünglich aus, da es hier um Düsseldorf in den 50er Jahren geht.
    Dass es sich um Thomas Mann und seinen ersten Besuch in Deutschland nach dem Krieg handelte, war für mich eher nebensächlich.
    Sicherlich hatte ich Bücher von Thomas Mann gelesen, doch kann ich in seiner Biographie eher über die tragischen Selbstmorde einige seiner Kinder erfahren. Er selber, oder seine Frau, waren mir als Person nicht so wichtig. Biographien, die angelesen wurden, wurden wieder weg gelegt, da sie mir zu trocken waren.
    Doch nun stieß ich auf „Königsallee“. Da ich einige Jahre in Düsseldorf lebte, kannte ich natürlich diese Straße und ja, ich kenne den Breidenbacher Hof nicht nur von außen.

    Diese Geschichte interessierte mich. Wie war das Hotel in den 50er Jahren? War es in dieser Zeit auch so steif? So würdevoll?
    Dieses Bedürfnis mehr darüber zu erfahren wurde auf den ersten 70 Seiten gut gestillt. Letztendlich wurde nur beschrieben, wie sich das Hotel auf den Besuch vorbereitet. Auf „ihn“.
    Sehr sehr nett zu lesen.
    Dem folgte die Einführung der Figur des Klaus Heuser. Jemand den Thomas Mann als 18-jährigen auf Sylt kennen lernte und später in sein Haus nach München einlud.
    Dort küsste Thomas Mann Klaus Heuser und es wurde klar, dass Klaus Heuser eine der großen Lieben im Leben Thomas Manns war. „Verewigt“ in der Figur des Joseph.

    Klaus Heuser ist nun das erste Mal nach vielen Jahren auf Heimatbesuch in Düsseldorf, begleitet von seinem Freund Anwar Batak Sumayputry.

    Nun setzen sowohl Erika Mann (Tochter) als auch Katia Mann (Ehefrau) alles daran, dass der 79-jährige Thomas Mann im Hotel nicht auf seine ehemalige große Liebe stößt.
    So besucht Erika Klaus Heuser und Partner in deren gemeinsamen Schlafzimmer, erzählt und hält lange Monologe. Zeigt ihr schauspielerisches Talent. Für meinen Geschmack hätten diese Seiten etwas kürzer ausfallen dürfen, andererseits habe ich so einiges über die Mann´s erfahren.

    Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, erhält Klaus Heuser anschließend Besuch von Ernst Bertram. Patenonkel von Thomas Manns Tochter Erika, 70-jähriger Kriegsverbrecher und Dichter. Unter anderem verbrannte er Bücher mit Ausnahme derer von Thomas Mann.
    Er möchte Verzeihung von Thomas Mann und möchte Klaus Heuser als Vermittler nutzen.
    Doch dieser will nicht vermitteln.
    Puh, diese Begegnung fand ich anstrengend, für das Buch aber wichtig.

    Letztendlich taucht auch der Beisser, Golo Mann, bei Klaus Heuser auf. Auch er möchte etwas von ihm: Dass Klaus Heuser nach der Lesung Thomas Manns diesem sein neues Buch überreicht.

    Klaus Heuser verweigert all´ diese Gefälligkeiten. Genießt die Zeit mit seinem Freund, genießt den Aufenthalt und nimmt letztendlich an dem Empfang nach der Lesung statt und trifft auf seinen alten Freund und „erfüllt“ alle Aufträge, um die er gebeten wurde.

    Ein tolles Buch, welches mich sehr in den Bann gezogen hat.

  12. Cover des Buches Die Erzählungen (ISBN: 9783100485144)
    Thomas Mann

    Die Erzählungen

     (45)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Genial. Die Sprache und die Bilder sind einmalig.
  13. Cover des Buches Der Zauberer (ISBN: 9783446270893)
    Colm Tóibín

    Der Zauberer

     (8)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Bisher habe ich mich mit Thomas Mann nur am Rande auseinandergesetzt. Ich kenne ein paar wenige Bücher von ihm und auch seine Lebensgeschichte habe ich bislang nicht verfolgt. Der neue Roman von Colm Tóibín hat mich neugierig auf den weltbekannten Schriftsteller gemacht.

    Der Roman beginnt im Jahre 1891 in Lübeck, wo Thomas Mann mit seinen vier Geschwistern in einer grossbürgerlichen Familie, der Vater ist ein angesehener Kaufmann, aufwächst. Seine Mutter, die brasilianischer Herkunft ist, wird mit ihrer frohen und lebenslustigen Art in der protestantisch geprägten Stadt nie ganz heimisch. So übersiedelt sie nach dem Tod ihres Mannes mit den jüngeren Geschwistern von Thomas nach München. Die beiden älteren Brüder Heinrich und Thomas fühlen sich bereits in jungen Jahren der Lyrik und Dichtung stark verbunden. Beide werden Schriftsteller und durch ihre unterschiedlichen politischen Ansichten entfremden sie sich zeitweise stark. Thomas, der in gehobenen Gesellschaftskreisen verkehrt steht in starkem Gegensatz zu Heinrich, der zeitlebens mit Geldsorgen zu kämpfen hat.

    In München lernt Thomas seine zukünftige Ehefrau Katia Pringsheim kennen. Auch sie entstammt einer angesehenen Familie. Es folgen schwierige politische Verhältnisse, welche die Manns ins Exil nach Amerika zwingen. Thomas und Katia können sich nicht mehr mit den Deutschen und deren Gräueltaten im 2. Weltkrieg identifizieren. Ihre eigenen sechs Kinder gehen sehr unterschiedliche Wege, davon erfahren wir viel über die Lebenswelten der exzentrischen Erika und des rebellischen Klaus.

    Erst viele Jahre nach dem Krieg kehren Thomas, Katia und Erika für einen Besuch nach Deutschland zurück, wo sie auch die sowjetische Besatzungszone im Osten besuchen. Für die Amerikaner ist dies ein grober Affront, so dass die Manns in ihrer zweiten Heimat in Pacific Palisades nicht weiter willkommen sind. Es folgt ein letzter Umzug zurück nach Europa in die beschauliche Schweiz, wo sie am Zürichsee ihren Lebensabend verbringen.

    Colm Tóibín hat alle Charaktere der Familie Mann subtil herausgearbeitet. Die Personen werden so dargestellt, dass weder ihre Lebensformen gewertet werden noch gibt es Verurteilungen von abwegigen Standpunkten. Gerade diese lebensnahen Schilderungen machten das Buch zu einem grossen Lesegenuss. Sehr gelungen finde ich auch die Beschreibungen der inneren Zerrissenheit von Thomas Mann, seine nicht-ausgelebte Homosexualität, seine durchaus besonnene Wesensart und seine Reflexionen zu familiären und politischen Angelegenheiten. 

    Für mich war es ein sehr informatives und tiefgründiges Buch, welches Fiktion und Realität wunderbar miteinander verbindet. Diesbezüglich möchte ich den sehr schönen Schluss des Romans erwähnen, wo Thomas nochmals zurück nach Lübeck reist und sich der Kreis gedanklich mit Rückblenden in seine Kindheit eindringlich schliesst.

  14. Cover des Buches Mephisto (ISBN: 9783499276866)
    Klaus Mann

    Mephisto

     (322)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle

    Als Klaus Mann den Roman  schrieb wollte er eine Wirkung erzielen und sein Qualitätsmaßstab war, ob er diese Wirkung erreichte oder nicht. Mein Maßstab ist notwendigerweise ein anderer.

    Der Ich Erzähler behauptet steif und fest, der Held der Geschichte, der eitle Schauspieler Höfen sei ein Karrierist, einer, der alles für seine Karriere tut und sich den Nazis andient. Aber mehr als ein Mitläufer wird aus ihm nicht. Er schafft es zwar, in den unmittelbaren Umkreis der Macht zu gelangen, aber zu mehr als einem Hofnarren, langt es bei ihm nicht. Er gibt sich nicht einmal als Nazis und seinem anfallsweise auftretendem schlechten Gewissen gibt er auch immer wieder nach.

    Klaus Mann benutzte vorallem eine realistische Palette, dabei viele Klischees. Seinem Hofgen ist weder dämonisch noch lächerlich.

    Interessanter sind die Einblicke ins Schauspielerleben, die man in dem Roman erhält.


  15. Cover des Buches Wiesenstein (ISBN: 9783406700613)
    Hans Pleschinski

    Wiesenstein

     (52)
    Aktuelle Rezension von: Sigismund
    Fünf Jahre nach seinem viel gelobten Roman „Königsallee“ um Nobelpreisträger Thomas Mann widmet sich Hans Pleschinski (61) nun in seiner auch für literaturwissenschaftlich Unerfahrene absolut lesenswerten Romanbiografie „Wiesenstein“, im März beim Verlag C. H. Beck erschienen, dem Leben und Wirken des Dramatikers und Lyrikers Gerhart Hauptmann (1862-1946). Während die vordergründige Romanhandlung nur Hauptmanns letzte Lebensmonate zwischen März 1945 und Juni 1946 in seiner geliebten Jugendstilvilla Wiesenstein, „der mystischen Schutzhülle meiner Seele“, im niederschlesischen Agnetendorf umfasst - also die dramatischen Wochen zwischen letzten Kriegstagen, russischer Besetzung, polnischer Rache und der Vertreibung aller Deutschen -, lässt Pleschinski in Gesprächen des Hauspersonals, in Rezitationen aus Hauptmanns Werken, in Tischgesprächen des Dichters oder in dessen Erinnerungen nicht nur das Leben des 83-Jährigen bis in dessen Kindheit als Hotelierssohn in Bad Salzbrunn vor unseren Augen ablaufen. Der Autor zeigt uns vor allem das kulturelle Vermächtnis des in seiner literarischen Vielfalt wie auch politisch schwer einzuordnenden Nobelpreisträgers. Gewiss, manche Passage hätte Pleschinski vielleicht kürzer fassen können. Dennoch bleibt der Roman auch für literaturwissenschaftliche Laien interessant und spannend zu lesen. Der Autor wertet nicht, lässt auch nichts aus. Er verdeutlicht, dass nicht nur Macht, sondern auch Ruhm korrumpiert: Hauptmann wurde zeitlebens, ungeachtet der Widersprüchlichkeit seiner Werke, von Öffentlichkeit und Machthabern wenn nicht verehrt, dann doch geehrt. Schon zu Kaisers Zeiten erhielt er 1912 den Literaturnobelpreis, wurde zum Nationaldichter erhoben. Förderte der Schriftsteller bei Ausbruch des Ersten wie des Zweiten Weltkriegs in seinem Werk die Kriegseuphorie, wandelte er sich nach ersten Verlusten plötzlich zum Pazifisten. Von den Nazis wurde der Volksdichter gebraucht, auch missbraucht. Selbst die russischen Besatzer wissen nach Kriegsende, sein Loblied zu singen. Zuletzt erscheint der ostzonale Kulturwissenschaftler Johannes R. Becher in der Villa Wiesenstein und will unter Verweis auf Hauptmanns Vorkriegsdrama „Die Finsternisse“, in dem er die immerwährende Verfolgung des jüdischen Volkes beklagt hatte, den schon Todgeweihten noch für das neue Deutschland gewinnen. Jeder findet also in der Vielfalt der Werke Hauptmanns für sich mindestens eines, das dem aktuell angesagten Zeitgeist entspricht und alle unpassenden zu vernachlässigen ermöglicht. Pleschinski zeigt die Widersprüche Hauptmanns: Zum 80. Geburtstag nahm dieser 1942 die Ehrungen der Nazis entgegen. Er bewirtete in der Villa Wiesenstein in Kriegszeiten den in Polen als Generalgouverneur eingesetzten Hans Frank ebenso wie später russische Kommandanten. Hauptmann wandelte als gefeierter Nationaldichter zwischen den Welten. Er selbst, den Hitler in die „Liste der Gottbegnadeten“ aufgenommen hatte, hielt sich im Rückblick für überparteilich, nennt sich in Pleschinskis Buch selbst einen „Kompromissler“, gesteht kurz vor seinem Tod aber dann doch mit Blick auf seinen langjährigen Rivalen um die Publikumsgunst, den frühzeitig emigrierten Thomas Mann: „Wer nur zuschaut, ist deswegen noch lange nicht unschuldig.“ Pleschinskis Roman „Wiesenstein“ ist ein wunderbares Buch, das jeder Freund deutscher Literatur lesen sollte.
  16. Cover des Buches Die Manns (ISBN: 9783596195664)
    Tilmann Lahme

    Die Manns

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Da ist sie nun, die Strafe für den Verstoß gegen das Buchkaufverbot ;-)

    Ich hatte mich sehr darauf gefreut, noch mehr über die Familie Thomas Manns zu erfahren, aber dieses Buch mit dem so interessanten Cover – ein Foto - habe ich abgebrochen. Normalerweise gebe ich dann keine Bewertung ab und schreibe schon gar keine Rezension. Aber da ich dem Buch zweimal eine Chance gegeben und zudem das ganze erste Kapitel 'Eine deutsche Familie' somit zweimal gelesen und immer noch keinen Zugang gefunden habe, erlaube ich mir ein Urteil und das fällt nicht gut aus.

    Wie kann man über ein so interessantes, vollgepacktes Leben so ein langweiliges Buch schreiben? Schon das Vorwort – Vorspiel genannt – das über die Ausbürgerung im Dezember 1936 durch das Naziregime berichtet, macht den Einstieg ins Buch nicht verlockend. Warum gerade das aus dem Leben der Familie? Warum nicht die Meinung des Autors, Fragen oder irgendetwas, das zum Weiterlesen verlockt?

    Zwar geht der Autor chronologisch vor, aber es wirkt auf mich doch zusammenhanglos und ohne Konzept aneinandergereiht, Stellen aus Briefen, Tagebüchern, Klaus Manns Autobiografie und anderen Biografien. Der Autor springt von einer Person zur anderen und für mich ist kein roter Faden erkennbar. Ein Beispiel:

    'Die Manie der Familie ist nicht so sehr die des Schreibens wie die des Veröffentlichens.' (schreibt Pierre Bertaux, ein Freund von Golo). Gleich folgt der nächste Abschnitt, ohne Zeilenabstand, lediglich eingerückt: 'Erika und Klaus Mann feiern eine Party. Sie dauert neun Monate (gemeint: spontane USA-Reise).

    Zwar gibt der Autor im Anhang akribisch seine Fundstellen an, aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass zwar ein Brief an sich ein Faktum ist, dass aber auch die Auswahl von Fakten wertend sein kann.

    Inhaltlich fängt dieses Buch im Jahre 1922 an, wo Klaus und Erika schon etwas älter sind und wir mit ihren schulischen Schwierigkeiten konfrontiert werden. Auch wenn ich nur einen Teil des Buches gelesen habe, kann ich jetzt schon sagen, dass die Familie Thomas Mann mit ihren sechs Kindern sehr unsympathisch rüberkommt. Geradezu schockiert hat mich die Tatsache, dass sich der Vater wenig um seine Kinder kümmert, alles seiner Frau Katia überlässt, aber andererseits die älteren Kinder an seiner Verliebtheit in Klaus Heuser teilnehmen lässt. Noch schlimmer: er bevorzugt drei seiner Kinder und gibt offen zu, den Jüngsten nicht zu mögen.

    Wenn ich über eine berühmte, bekannte Familie lese, möchte ich etwas über das turbulente Familienleben erfahren und nicht in Einzelheiten, was z.B. der älteste Sohn Klaus Mann – der mir übrigens zu schwerpunktmäßig vorkommt – geschrieben und wen er getroffen hat. Wo bleibt etwas über das turbulente Familienleben, der Alltag dieser achtköpfigen Familie? Aufzeichnungen darüber gäbe es genug, denn Vater Thomas Mann hat akribisch Tagebuch geführt. Dass das alles fehlt und wird auch nicht durch ein paar Fotos wettgemacht.

    Ein sehr enttäuschendes Buch, das ich nicht weiter empfehlen kann.

  17. Cover des Buches Tonio Kröger (ISBN: 9783100482815)
    Thomas Mann

    Tonio Kröger

     (52)
    Aktuelle Rezension von: Nickmeh

    Einfach fantastisch, Thomas Mann, wie er leibt und lebt! Tonio wurde von niemanden wirklich ernst genommen, von oberflächlichen Freunden bereits in der Kindheit ausgelacht. Dies erzählt Mann, wie immer, detailgenau, gefühlvoll und kreativ. Und genau das macht das gesamte Buch, in denen keine Hollywoodsszenarien abgehandelt werden, so interessant lesenswert.


    Als Erwachsener  und als bereits anerkannter Schriftsteller trifft Tonio seine alten Freude, auf einer Reise durch Nordeuropa wieder. Er beobachtet sie, Erinnerungen kommen hoch. Eigentlich ist er ganz glücklich in seiner Melancholie. 


    Keiner (außer Hermann Hesse) beschreibt alltägliches so schön wie Thomas Mann!

  18. Cover des Buches Königliche Hoheit (ISBN: 9783596904013)
    Thomas Mann

    Königliche Hoheit

     (36)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Das Land steckt in zunehmenden Finanzschwierigkeiten.

    Das ändert sich mit dem Einzug des Milliardärs Poelmann in eines der fürstlichen Schlösser auch ändert sich das Leben des Prinzen: Er verliebt sich in dessen Tochter Imma. Diese ist, auf ihre Art, ebenfalls eine Hoheit: Durch Geld und Herkunft aus der amerikanischen Gesellschaft ausgeschlossen, lebt sie in zynischer Distanz zu ihrer Umwelt. Aus der Spannung zwischen ihrem Zynismus und des Prinzen herrschaftlicher Simplizität entsteht der reizvolle Kampf der beiden umeinander.

  19. Cover des Buches Der Tod in Venedig (ISBN: 9783957282682)
    Susanne Kuhlendahl

    Der Tod in Venedig

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    «Damit ein bedeutendes Geistesprodukt auf der Stelle eine breite und tiefe Wirkung zu üben vermöge, muß eine geheime Verwandtschaft, ja Übereinstimmung zwischen dem persönlichen Schicksal seines Urhebers und dem allgemeinen des mitlebenden Geschlechtes bestehen.» (Tod in Venedig – Thomas Mann)


    Susanne Kuhlendahl hat die Novelle «Der Tod in Venedig» von Thomas Mann als Graphik Novel umgesetzt. Wo Thomas Mann Worte sprechen lässt, benutzt sie das Bild. Natürlich ist auch Text enthalten – und der ist originalgetreu. Es ist alles enthalten, was diesen Fünfakter ausmacht: die Symbolkraft und die Sinnhaftigkeit: Schönheit, Begierde, Abgrund.


    Thomas Manns schreibt über den erfolgreichen, alternden Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der in Venedig beim Anblick des fast vierzehnjährigen Knaben Tadzio seiner Schönheit verfällt. Ein Klassiker der deutschen Literatur. In Tadzio erkennt der Künstler die Essenz der Schönheit, zitiert griechische Klassiker immer wieder. Seine Begierde wächst, der verfolgt den Jüngling auf Schritt und Tritt. Eine unmögliche Liebe mit tragischem Ausgang. In seine pädophile Neigung verstrickt, verliert von Aschenbach dabei zunächst seine Würde und um Schluss sich selbst. Der Leser ahnt von Anfang an, dass dem Schriftsteller der Tod bevorsteht, figürlich treten immer wieder Personen und Symbole auf, die das Ende ankündigen. Susanne Kuhlendahl hat diese Symbolkraft, sowie die Zerrissenheit und Gier des Protagonisten fein umgesetzt, seinen Verlust der Würde. Auf seiner Fahrt nach Venedig beobachtet der Schriftsteller einen alten Mann, der sich zwischen jungen Leuten herumtreibt, sich ihnen anbiedert, sich kleidet, als wäre er einer von ihnen. Von Aschenbach ist angewidert. Beim Verlassen des Schiffs spricht der Mann den Schriftsteller an, verliert dabei sein Gebiss. In Szenen wie diesen geht Susanne Kuhlendahl in die Tiefe, zoomt mit ihren Zeichnungen die Details heraus.


    «Sein Mund wässert, er drückt die Augen ein, er leckt die Mundwinkel, und die gefärbte Bartfliege an seiner Greisenlippe sträubt sich empor. ‹Unsere Komplimente›, lallt er, zwei Fingerspitzen am Munde, ‹unsere Komplimente dem Liebchen, dem allerliebsten, dem schönsten Liebchen ...› Und plötzlich fällt ihm das falsche Obergebiss vom Kiefer auf die Unterlippe. Aschenbach konnte entweichen. ‹Dem Liebchen, dem feinen Liebchen›, hörte er in girrenden, hohlen und behinderten Lauten in seinem Rücken, während er, am Strickgeländer sich haltend, die Fallreepstreppe hinabklomm.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



    Thomas Mann lässt seinen auktorialen Erzähler Gustav von Aschenbach beobachten, kritisiert das Verhalten des Schriftstellers voller Ironie. Dann wieder wechselt die Perspektive zum Icherzähler von Aschenbach. Für ihn ist Schönheit eng mit Jugend verbunden. Als er Tadzio am Strand beobachtet, beschreibt er ihn so:


    «Sein honigfarbenes Haar schmiegte sich in Ringeln an die Schläfen und in den Nacken, die Sonne erleuchtete den Flaum des oberen Rückgrats, die feine Zeichnung der Rippen, das Gleichmaß der Brust traten durch die knappe Umhüllung des Rumpfs hervor, seine Achselhöhlen waren noch glatt wie bei einer Statue, seine Kniekehlen glänzten, und ihr bläuliches Geäder ließ seine Körper wie aus klarerem Stoff.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)


    Diese zeichnerische Umsetzung des Stoffs ist Susanne Kuhlendahl sehr gut gelungen. Aquarelle, Zeichenstift mit Aquarelltechnik in Farbe gesetzt, großflächig, oder ins Detail gezoomt, ist jedes Bild für sich ein Genuss. Jede Doppelseite ist eine Einheit, ein Szenenausschnitt. Figurentiefe und Emonationalität entsteht durch die Ausdruckskraft der Gesichtszüge und Körperhaltung – hier haben mich die Details beeindruckt. Auch die Symbolhaftigkeit des Todes ist schauerlich gut gelungen: ein Passant in München, der Gondoliere in Venedig, Träume, Visionen, die vergammelten roten Erdbeeren. Von Aschenbach, streng, diszipliniert, unzufrieden und arrogant, löst sich immer weiter auf in Entsetzen und Verzweiflung. Thomas Mann sagte über seine Novelle, sie sei die «Tragödie einer Entwürdigung» – und es ist der Autorin wunderbar gelungen, dies zeichnerisch umzusetzen. 




    «Er liebte das Meer aus tiefen Gründen: aus dem Ruheverlangen des schwer arbeitenden Künstlers, der vor der anspruchsvollen Vielgestalt der Erscheinungen an der Brust des Einfachen, Ungeheueren sich zu bergen begehrt; aus einem verbotenen, seiner Aufgabe gerade entgegengesetzten und ebendarum verführerischen Hange zum Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, zum Nichts.» (Tod in Venedig, Thomas Mann)



    Das optische Bild der Jugend als Ideal, faltenfrei, grauhaarfrei, feste, rosige Haut, schlanke, elastische Körper, die strotzende Kraft des jungen Menschen, jung sein, gesund sein, Hochleistung erbringen – Schönheit. Ein noch heute aktuelles Thema. Verliebt, Gier. Was ist Liebe? Von Aschenbach wechselt in der Novelle nicht ein Wort mit dem schönen Knaben, weiß nichts über ihn, er liebt den jungen, anziehenden Körper. Er beobachtet Tadzio, verfolgt ihn – heute ein klares Stalking. Er schert sich auch einen Kehricht darum, dass Tadzio das verunsichert, es ihn stört. Die Novelle ist noch heute als Schullektüre gelistet – und diese Graphic Novel kann ich empfehlen. Vielleicht ein Einstieg zu Thomas Mann.


    Familie Mann wohnte in München und hat sich 1911 länger in Venedig aufgehalten. Und den polnischen Jungen Tadzio gab es dort wirklich. Insofern trägt die Geschichte einige autobiografische Züge.


    Susanne Kuhlendahl ist Illustratorin. Vor allem das Erzählen von komplexen Geschichten in Bildern, das Mitfühlen- und Miterlebenlassen des Lesers ist ihre Leidenschaft. Die Diplom-Designerin arbeitet für namhafte Schulbuch-, Kinderbuch-, Bastel- und Kalenderverlage. Sie ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.


  20. Cover des Buches Zauberberge – Als es die Dichter und Denker auf die Schweizer Gipfel zog (ISBN: 9783711200297)
    Andreas Lesti

    Zauberberge – Als es die Dichter und Denker auf die Schweizer Gipfel zog

     (4)
    Aktuelle Rezension von: annlu

    *Krankheit, Wahnsinn, Schönheit und Tod*


    Andreas Lesti macht sich auf, auf eine Reise in die Schweizer Berge – auf den Spuren bekannter Intellektueller. Thomas Manns Zauberberg führt ihn nach Davos. Er sucht die Spuren der Sanatorien und ihrer berühmten Besucher. In Sils Maria sind es der Wintersport – und Friedrich Nietzsche – die seinen Aufenthalt prägen. Nach Zermatt führt ihn nicht nur das Matterhorn, sondern auch die letzten Tage von Theodor W. Adorno. 



    Eine literarische Reise in die Schweizer Berge – das Thema hat mich ungemein angesprochen. Das Buch ist eine Mischung aus aktueller Reisebeschreibung, Rückblick auf die Vergangenheit der besuchten Orte, aber auch eine Hommage an einige literarische (philosophische) Werke. Während sich Teile davon locker leicht lesen (so die Informationen zur Reise des Autors oder einige Anekdoten) sind andere schwerere Kost (besonders die Abschnitte, die von Zitaten und Überlegungen zu den Werken der erwähnten Intellektuellen nur so wimmeln). So habe ich das Buch abschnittsweise und für meine Verhältnisse recht langsam gelesen und genossen. 


    Die Einleitung erzählt über den ersten Versuch des Autors, in die Schweiz zu reisen. Versuch deshalb, weil er genau auf die ersten Ausbreitungstage von Corona in Österreich und der Schweiz fiel. Obwohl ich bei Erwähnungen von Corona skeptisch bin, hat es hier die passende Stimmung erzeugt. Schließlich folgte Lesti den Spuren des Zauberberg-Romans von Thomas Mann, dessen Protagonist nach Davos kommt, dort die Diagnose Tuberkulose gestellt bekommt und sieben Jahre den Ort nicht mehr verlässt. Das Kapitel um Davos ist geprägt von dessen Vergangenheit – mit seien vielen Sanatorien, den Krankengeschichten und dem Tod.


    Anders zeigt sich Sils Maria, das den Wintersport groß schreibt. Bei seinem Aufenthalt steigt der Autor im altehrwürdigen Hotel – dem Waldhaus - ab, dessen Atmosphäre die Intellektualität auszuatmen scheint. So wandelt das Kapitel von den Anfängen des Wintersporttourismus bis zu tiefgründigen Gesprächen. Zermatt hingegen ist geprägt vom Matterhorn. Von den Besuchen Intellektueller scheint man hier wenig beeindruckt – wichtiger sind die Heldentaten des frühen Alpinismus. 


    Fazit: Das Buch spannt einen Spagat von der Vergangenheit in die Zukunft der Schweizer Berge, wobei es seinen Blick auf bekannte Schriftsteller, Dichter, Philosophen und Politiker richtet, die diese besucht haben. 

  21. Cover des Buches Der Brief des Zauberers (ISBN: 9783746631424)
    Britta Böhler

    Der Brief des Zauberers

     (14)
    Aktuelle Rezension von: urwort
    „Not und Widrigkeit sind keine Hindernisse für den Schöpfergeist. Vielleicht sind sie sogar notwendige Voraussetzungen.“

    Der Schriftsteller Thomas Mann (1875-1955) gönnte sich mit seiner Familie zu Zeiten Hitlers Machtergreifung nach langen Reisen Erholung außerhalb Deutschlands. 1933 blieben seine Werke bei der Bücherverbrennung zwar verschont, dennoch wird ihm eine Heimkehr abgeraten, weshalb er sich bald im Schweizer Exil widerfindet – mit einem Bruchteil seiner Habe.

    „Man fühlt sich unbedeutend und nichtig, wenn man sich die Erde zwischen all den anderen Gestirnen vorstellt. Ein klitzekleines Sandkorn, nicht mehr. Und ein Menschenleben ist nicht einmal ein Blinzeln in der Gewaltigkeit des Weltalls.“

    Zwei Jahre sind vergangen, ihn traf noch nicht das Schicksal der anderen Exilanten, die in Deutschland nicht mehr veröffentlichen dürfen. Doch nun möchte auch er Stellung nehmen – dieses Buch handelt nicht von Thomas Mann als Autor, sondern er als Mensch mit Ängsten und inneren Zerwürfnissen tritt in den Vordergrund. Drei Tage ringt Mann mit der Entscheidung den „Korrodi-Brief“ zu veröffentlichen.

    „Wo ich bin, ist Deutschland.“

    Britta Böhler legt ein gut recherchiertes Debut vor, welches uns Buddenbrooks’ Autor aus einfühlsamer Perspektive betrachten lässt. So interessant die Geschichte auch ist, so banal ist der Schreibstil. Ob eine bewusste Vereinfachung erzielt wurde oder Roman mit Sachbuch verwechselt wurde, bliebt offen. Die Lektüre liest sich schnell, Kenntnisse über Manns Werk sind dabei nicht vonnöten; vielmehr eignet es sich als blumige Ergänzung zu dessen Biographie. Trotz der vielversprechenden Idee bleibt die Lektüre unbefriedigend.  
  22. Cover des Buches Mario und der Zauberer (ISBN: 9783946257059)
    Thomas Mann

    Mario und der Zauberer

     (208)
    Aktuelle Rezension von: Melanie1609

    Das Buch „Mario und der Zauberer“ von Thomas Mann ist eine verbindliche Lektüre für das Abitur 2023. Das Buch ist aus der Sicht eines Familienvaters geschrieben, welches zunächst für Verwirrung sorgt, da er nicht die Hauptfigur ist und nur von seinem Erlebnis erzählt. Somit geraten Mario und der Zauberer zunächst in den Hintergrund. Das Buch ist im Verhältnis zu den anderen Pflichtlektüren, wie zum Beispiel „der Untertan“ angenehmer zum lesen. Es hat nicht viele Seiten und beinhaltet auch keine einzelnen Kapitel. Daraus folgt, dass es angenehmer und flüssiger zu lesen ist. Der Zauberer, Cipolla, hypnotisiert und manipuliert seine Kunden, in dem er sie bloßstellt und leiden hinzufügt. Dabei stellt sich auch die Frage was all diese Dinge in einer Familien Aufführung zu suchen hat und keiner eingreift und ihn stoppt? Am Ende trifft eine Überraschende Wendung ein mit der man am Anfang nicht gerechnet hat.

    Durch diese ganzen Aspekte würde ich jedoch sagen, dass das Buch eine angenehme Lektüre für das Abitur ist.

  23. Cover des Buches Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (ISBN: 9783596904174)
    Thomas Sprecher

    Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

     (304)
    Aktuelle Rezension von: Anita27a

    In meiner Schulzeit, die nun schon länger her ist, habe ich einmal den  "Tod in Venedig" von Thomas Mann gelesen. Ich fand die Geschichte damals so eigenartig und auch bedrückend, dass ich mich bisher an kein Werk von Thomas Mann mehr herangewagt habe.
    Als nun in der Klassikerrunde "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" auf dem Programm standen, war ich zunächst einmal recht skeptisch, ob ich denn mit dem Roman zurecht kommen würde.
    Erzählt wird die Geschichte von Felix Krull, dem Sprössling des dem Alkohol nicht abgeneigtem Schaumweinfabrikanten Engelbert Krull aus dem Rheingau.
    Schon als Knabe von außergewöhnlicher Schönheit und mit ungewöhnlich viel Fantasie und Einbildungskraft ausgestattet, schwindelt sich Felix von frühester Kindheit an mit sonnigem Gemüt durchs Leben.
    Thomas Mann erzählt von dessen Kindheit, seinem Versagen in der Schule, er berichtet von ersten kleinen Diebstählen, zuerst eher zufällig, von ersten Liebesabenteuern und schliesslich vom Verfall der Firma und dem Selbstmord seines Vaters und der damit einhergehenden Ächtung im Wohnort.
    Durch die Vermittlung seines Paten kommt es, dass Felix in die Welt hinausgeht, über Frankfurt nach Paris, wo er schliesslich eine Anstellung in einem der besten Hotels der Stadt erhält.
    Hier nun beginnt Felix sich fintenreich und mit allerlei Halbwahrheiten und Hochstapeleien durchs Leben zu mogeln. Hierbei ist er ungeheuer charmant, erfolgreich, selbstbewusst und nicht nur die Damenwelt liegt ihm zu Füßen.

    Dies alles klingt wunderbar und der Roman könnte durchaus kurzweilig und flüssig sein, ist es aber nicht, denn er ist von Thomas Mann geschrieben.
    Die komplexe Sprache , ausformuliert bis ins Detail, Bandwurmsätze am laufenden Band machen das Buch nicht einfach zu lesen. Anfangs habe ich sehr damit gehadert. An diese Art zu schreiben, an die vielen ausufernden philosophischen Einschübe und Betrachtungen musste ich mich erst gewöhnen.
    TM bedient sich einer aussergewöhnlich schönen Sprache. Als ich es einmal akzeptiert hatte, dass ich hier nicht schnell lesen kann und auch Wörter nachschlagen muss, wurde das Lesen zum Genuss für mich.
    Wunderbar fand ich das Spiel mit der schönen Sprache, die eingestreuten französichen Begriffe, aussergewöhnliche Namen, wie Sally Meerschaum, Schimmelpreester, Müller-Rose, Professor Kuckuck. Gefallen hat mir der Sinn fūr Schönheit, die Offenheit auch in sexueller Hinsicht, Passagen wie die ūber das wahre Wesen der Liebe.
    Irritiert haben mich das unglaubliche Selbstbewusstsein, das ausgeprägte Klassenbewusstsein, die Arroganz der Betrachtungen.
    Hier bin ich nicht sicher wieviel davon echt ist und wieviel ironisch/gesellschaftskritisch gemeint ist.
    Alles in allem war die Lektūre sehr anregend und ich denke ich werde die eine oder andere Passage noch einmal lesen.
    Ich vergebe 4 Sterne, einen Stern ziehe ich aufgrund der vielen langatmigen Passagen ab, die man nur mit einer guten Portion Durchhaltewillen meistert.

  24. Cover des Buches Thomas Mann (ISBN: 9783406615245)
    Hermann Kurzke

    Thomas Mann

     (16)
    Noch keine Rezension vorhanden

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