Bücher mit dem Tag "sturm und drang"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "sturm und drang" gekennzeichnet haben.

40 Bücher

  1. Cover des Buches Briefe an die grüne Fee (ISBN: 9783744832809)
    Salih Jamal

    Briefe an die grüne Fee

     (73)
    Aktuelle Rezension von: AnjaSc

    Das Buch ist eine Auflistung aus dem Leben des namenlosen Ich-Erzählers und erinnert mich stark an Tagebucheinträge. Er rekapituliert sein Leben, während er oben auf dem Dach sitzt. Wir erfahren nur das, was uns der Protagonist wissen lassen möchte und können bei allem anderen nur mutmaßen. Egal ob es um die tatsächlichen Ereignisse geht oder um die Dinge, die die anderen Beteiligten wohl erlebt haben.

    Auf Instagram habe ich unter „Kurz und bündig“ bereits geschrieben:
    „Das Buch ist tragisch, es ist manchmal ganz laut, es ist vulgär und dann ist es wieder ganz leise und poetisch. Es ist kraftvoll und beschönigt nichts. Es ist pornös!

    Das Buch ist wirklich dreckig, es ist direkt und es ist genau das, was wir als Großstandkinder erlebt haben um uns herum:  Nutten, Dreck, Suff und Drogen. Was für einen selbstherrlicheren Mist wir getan haben und unbezwingbar haben wir uns gefühlt…  Genau wie der Ich-Erzähler in diesem Buch, gut vielleicht nicht genau so.

    Das habe ich dem Autor geschrieben, als ich das Buch beendet habe und ich möchte Euch diese Sätze nicht vorenthalten, denn so geht es mir immer noch:

    Du nimmst keinen Blatt vor den Mund. Beschreibst Exzesse so präzise, dass man als Leser weiß: Das ist scheisse was Du machst, aber trotzdem feiert man das ein oder andere!
    Was Du mit den leisen Tönen im Hintergrund beschreibst, das ist die Seele. Das Gefühl. Die Veränderung. Das, wie der Protagonist fühlt.
    Die Reise, die in den Briefen oder ( wie ich es empfunden habe ) Tagebucheinträgen beschrieben wird, ist wie ein Feuerwerk. Mal der Lichtstreif der Rakete am Himmel und dann wieder nur die schwarze verbrannte Hülse.  Ich bin abgestoßen und fasziniert zu gleichen Teilen von dem namenlosen Protagonisten.  Du weckst all das und doch ist man am Ende ausgesöhnt.

    Deshalb ist das Buch etwas besonderes.

    Von mir bekommt „Briefe an die grüne Fee“ von Salih Jamal 4,5 von 5 möglichen Punkten und eine klare Empfehlung.

  2. Cover des Buches Nathan der Weise (ISBN: 9783960550907)
    Gotthold Ephraim Lessing

    Nathan der Weise

     (1.117)
    Aktuelle Rezension von: Vera-Seidl

    Zu meinem Erschrecken gibt es inzwischen Literatur, die lästiges Recherchieren zu Lessings Drama "Nathan der Weise" ersparen und weniger Zeit zur Vorbereitung kosten soll.

    In Anbetracht solcher Worte und da ich seit einundzwanzig Jahren in der Lessingstraße wohne, wird es Zeit, dass ich dem hervorragenden Dichter und Denker ein Denkmal setze.

    Das Buch "Nathan der Weise" habe ich zwei Mal gelesen und mir fünf Inszenierungen auf der Bühne angesehen, wobei mir die des Poetenpacks am besten gefallen hat.

    Wie viel mehr das 1779 erschienende Ideendrama beinhaltet als die Frage, welcher Ring (Religion) der richtige sei, wird deutlich, wenn man das Werk in seinen Kontext einordnet.

    Ein Streit mit dem der lutherischen Orthodoxie angehörenden Theologen Johann Melchior Goeze führte nicht nur zu elf Erwiderungen Lessings mit dem Titel "Anti-Goeze" (1778), sondern auch zur Entstehung der Figur des Patriarchen im Drama, welcher als Antagonist Nathans und Saladins als christlicher Fanatiker dargestellt wird.

    Wenn man sich Lessings religionsphilosophisches Hauptwerk "Die Erziehung des Menschengeschlechts" (1780) anschaut, tritt seine deistische Auffassung noch mehr hervor und zeigt die Intoleranz des für seine Religionstoleranz berühmten Aufklärers gegenüber dem Theismus noch deutlicher.

    Der rational denkende Nathan schärft seiner Ziehtochter, Recha, in Anbetracht ihrer Rettung aus dem Feuer ein, nicht an das Wirken von Schutzengeln zu glauben.

    Ebenso sei die Begnadigung des Tempelritters durch Saladin ein Zufall, möchte der Autor dem Leser glauben machen.

    Nach Untersuchungen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie sagte der Neurologe John-Dylan Haynes vom Bernstein Center for Computational Neuroscience in Berlin 2008: "Unsere Entscheidungen sind, lange bevor unser Bewusstsein ins Spiel kommt, unbewusst vorherbestimmt. Anscheinend trifft das Gehirn die Entscheidung vor der Person."

    Wenn es nach der Aufklärung keine Wunder (mehr) gibt, woher hatte dann Gotthold Ephraim Lessing die Ideen für sein Ideendrama? Der Verstand kann ähnlich wie ein Computer nur das wiedergeben, womit er mittels Erfahrung gefüttert wurde. Werden Computer demnächst von sich sagen: "Ich denke, also bin ich", so wie es Descartes irrtümlicherweise getan hat? Waren Lessings Ideen Zufall so wie die Rettung Rechas und des Tempelritters? Ein Zufall ist, wenn einem etwas zufällt. Von wo fällt es denn? Laut Grawitationsgesetz kann es ja nur von oben fallen.
    Schon Platon wusste lange vor Lessing, dass Ideen als eigenständige Entitäten existieren und dem Bereich der sinnlich wahrnehmbaren Objekte ontologisch übergeordnet sind.

    Ohne Lessings Drama "Nathan der Weise" wären meine kritischen Gedanken zu seinem Werk nicht entstanden. Deshalb möchte ich ihn durch folgendes Gedicht ehren.

    Nathan der Weise

    Nathan der Weise
    Spricht leise
    Oder schweigt
    Seiner Tochter zugeneigt
    Seine Vermutungen
    Abwägungen
    Dass seine Ziehtochter
    Viel gemochter
    Die Schwester sei
    Und damit nicht frei
    Für den Tempelritter
    Bitter

     Vera Seidl 

     

  3. Cover des Buches Die Leiden des jungen Werthers (ISBN: 9783150192351)
    Johann Wolfgang von Goethe

    Die Leiden des jungen Werthers

     (1.617)
    Aktuelle Rezension von: Stephanie_Ruh

    "Die Leiden des jungen Werthers" von Goethe empfinde ich als schwere Kost. Vielleicht muss man dieses Werk lesen, wenn man grade Liebeskummer hat, vielleicht erschließt sich einem dann mehr?
    Stellenweise verstehe ich die Genialität Goethes, manche Formulierungen und "Bilder", die beim Lesen enstehen, sind sehr poetisch. Andere wieder gar "schröklich", um Goethe zu zitieren. Vielleicht liegt es auch an mir, weil ich Dauerjammern und Lamentieren nicht mag... Auch wenn der Schluss den meisten bereits bekannt sein dürfte, hat er sich bereits früh abgezeichnet, es gab einfach keine andere Lösung in dieser Zeit. Ich stelle fest, Dramen sind nicht so mein Ding, aber ich habe diesen Klassiker gelesen.

  4. Cover des Buches Faust (ISBN: 9783520863010)
    Johann Wolfgang von Goethe

    Faust

     (3.365)
    Aktuelle Rezension von: LeserLeserin

    Ein Buch, dass ich alle paar Jahre wieder in die Hand nehme. 

  5. Cover des Buches Woyzeck. Leonce und Lena (ISBN: 9783872911476)
    Georg Büchner

    Woyzeck. Leonce und Lena

     (447)
    Aktuelle Rezension von: hausknechthilde
    Ein Klassiker der Weltliteratur, dessen Sprache ich immer noch sehr genieße. Schade, dass die Epoche vergangen ist.
  6. Cover des Buches Die Räuber (ISBN: 9783150000151)
    Friedrich Schiller

    Die Räuber

     (653)
    Aktuelle Rezension von: Lisa_Diessner

    Direkt zu Beginn spinnt sich eine Intrige um den Helden des Stücks. Als Liebling seines Vaters, dem Grafen von Moor, ist Karl in sein Studium vertieft. Doch durch einen Brief aus der Feder seines Bruders Franz erfährt er von seiner Enterbung. Tief erschüttert gründet er mit seinen Kommilitonen eine Räuberbande, versucht dabei aber stets auf dem rechten Weg zu bleiben.

    Die Geschichte vereint verschieden Epochen. Karl steht für den Sturm und Drang und ist entsprechend sehr emotional und doch verantwortungsbewusst. So führt er seine Räuberbande mit Bedacht und steht ständig zwischen Recht und Unrecht. Franz dagegen trägt Elemente der Aufklärung und wehrt sich beständig gegen alles Göttliche – wird auf Grundlage dessen jedoch verrückt. Amalia – die Geliebte Kalr’s - verkörpert die Empfindsamkeit. Auffallend ist, dass sie sich nicht von den Machenschaften Franzens täuschen lässt und stets treu bleibt.

    Wie alle Werke von Schiller ist die Sprache teilweise schwer zu begreifen. Zwar finde ich, dass man den Inhalt des Buches gut versteht, viele Passagen sind jedoch gehoben und verworren formuliert. So wird klar, dass vor allem die Räuber über eine umfassende Bildung verfügen, was die Dialoge zeitweise wirklich amüsant werden lassen. Immerhin unterhalten sich Kriminelle sonst eher schlicht und mit grobem Vokabular.

    Auch die Handlung ist rund und wird zum Schluss vollends aufgeklärt. Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass der Held einem Happy End gegenüber steht welches durch Pflichtbewusstsein zerschlagen wird. So endet die Handlung dennoch tragisch und Karl verliert alles kurz Gewonnene. Sein eigener ehrenvoller Tod wird dagegen nur angekündigt – bleibt jedoch offen.

  7. Cover des Buches Die Soldaten (ISBN: 9783847295143)
    J. M. R. Lenz

    Die Soldaten

     (45)
    Aktuelle Rezension von: winter-chill
    Ein typisches Sturm-und-Drang-Drama. Den Ansatz find ich eigentlich ganz gut, die Idee fast revolutionär. Trotzdem hat es mich jetzt nicht vom Hocker gerissen.
  8. Cover des Buches Götz von Berlichingen (ISBN: 9783150191538)
    Johann Wolfgang von Goethe

    Götz von Berlichingen

     (166)
    Aktuelle Rezension von: Heike110566
    Goethe studierte, bevor er die Arbeiten am "Götz von Berlichingen" aufnahm, die Autobiographie des Ritters, die 1731 erstmals unter dem Titel "Lebensbeschreibung des Herrn Götzens von Berlichingen" erschien. 1771 hatte der Autor auch eine Urfassung fertig, den "Urgötz", den aber nur wenige Auserwählte, wie Herder und Lenz, zu lesen bekamen. Erst in der "Ausgabe letzter Hand" der Goethe-Werke wurde die Urfassung 1832 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bevor die uns bekannte erste Druckfassung des "Götz von Berlichingen" 1773 erschien, überarbeitete Goethe den "Urgötz" noch einmal reichlich. Er schrieb Szenen um und neu und wurde auch sprachlich entschärft. Dennoch bot dieses Stück, dass Goethe zusammen mit seinem Freund Mercks im Selbstverlag auf eigene Kosten herausgab, genügend Zündstoff für Diskussionen. Es ist zwar auf dem ersten Blick ein historisches Drama, aber Goethe hat in diesem historischen Gegenstand seine Kritik an der Gegenwart dargeboten. - So betrachtet ist es ein Charakter- und Gesellschftsdrama mit zeitgenössischem Bezug. Der Ritter Götz von Berlichingen, der dem Kaiser und ansonsten niemanden zur Treue verpflichtet ist, befindet sich in Fehde mit dem Bischof von Bamberg. Dieser hat Götzens Sohn in seine Gewalt gebracht und versucht den Ritter unter Druck zu setzen. Berlichingen wehrt sich aber und er unterstützt diejenigen, die ebenfalls etwas gegen den Bamberger und dessen Vasallen haben. Zudem ist sein früherer bester Freund, Weislingen, zum Bischof übergelaufen und unterstützt diesen nun im Kampf gegen den Ritter Götz. Der Bischof sieht in Götz Zügen gegen des Bischofs Verbündete ein Verspotten des Kaisers und damit auch einen Bruch der Treue des von Berlichingen gegenüber dem Kaiser. Im Auftrag des Bischofs reist Weislingen zu seinem alten Freund, um diesen aufzufordern der Fehde abzuschwören. Berlichingen lehnt ab und er scheint sogar Weislingen überzeugt zu haben, dass er wieder auf Berlichingens Seite wechseln sollte. Zumal der ehemalige Freund die Schwester des Ritters, Maria, heiraten will. Der Bischof lockt aber Weislingen zurück nach Bamberg, wo die schöne Adelheid derzeitig residiert. - Weislingen fällt auf diese Verlockung herein, verrät Berlichingen erneut. Der Ritter hat auch mit Nürnberg Fehde, weil von da der Verrat an seinen Sohn erfolgte. Er raubt daher Nürnberger Kaufleute aus. Diese werden beim Kaiser vorstellig und erbitten Hilfe. Weislingen unterstützt dieses Ansinnen und insistiert beim Kaiser Maximilian. Über Berlichingen wird die Acht verhängt. Die Reichsexekutive marschiert gegen den Ritter, den es aber in Unterzahl gelingt fast das gesamte Heer aufzumischen. Sein Schloss wird daraufhin belagert. Auf die Kapitulationsaufforderung reagiert er mit: "Er aber, sag's ihm, er kann mich ..." Der Ritter ist bereit für seine Ideale, die Freiheit des Menschen, einzutreten, dafür zu kämpfen und notfalls auch zu sterben. - Da bieten die Reichstruppen ihm freien Abzug an. Er fällt darauf herein und wird geschlagen. In Heilbronn muss er vor Gericht erscheinen. Vorgeworfen wird ihn der Treuebruch gegenüber dem Kaiser. Er weist darauf hin, dass er dem Kaiser nicht untreu ist, sondern nur Fehde mit Bamberg und Co hat. Er soll darauf in den Turn. - Da erscheint sein getreuer Franz von Sickingen mit 200 Mann vor Heilbronn und nimmt die Stadt ein. Götz kann auf sein Schloss zurück, steht aber weiter unter Bann. Dieser Bann trifft ihn hart. Der immer aktive Ritter ist zur Untätigkeit verdammt. - Da beginnt im Schwabenlande ein Bauernkrieg. Einige Anführer locken Berlichingen herbei und zwingen ihn ihr Hauptmann zu werden. Unter diesem Zwang wird er bann- und wortbrüchig. Zudem zerstreiten sich die Anführer untereinander. Weislingen führt die Truppen gegen Götz. Er nimmt den Ritter gefangen. Der ehemalige Freund könnte nun obenauf sein, aber er bekommt Gewissensbisse. Er zerreißt sogar das verhängte Todesurteil. Zu spät allerdings seine Reue, denn Adelheid, die inzwischen seine Frau geworden war, lässt ihn vergiften. Adelheid wird daraufhin zum zweifachen Tod durch Strang und Dolch verurteilt. Götz und seine Gemahlin landen im Turn. Dort baut er physisch immer mehr ab, verliert auch psychisch an Energie und stirbt als er vom Tode seiner getreuesten Gefährten erfährt. Sein Kampf ist gescheitert. Er ist gescheitert. - Götz von Berlichingen war nicht bereit Kompromisse einzugehen, stand mit Leidenschaft zu dem, wofür er eintrat, von dem er überzeugt war. Er versuchte als Selbsthelfer gegen das Establishment anzugehen. Im Grunde war er unter der Konstellation zum Scheitern verurteilt. Das Drama erlangte vor allem als Lesedrama Bedeutung. Mit 56 Einzelszenen, ständig wechselnden Handlungsorten, jeder Menge Personalien und teilweise sehr kurzen Szenen war dieses Stück de facto unspielbar für zeitgenössische Bühnen. Dennoch wurde es ein Meilenstein, ein Initiationsdrama für den Sturm und Drang. Und es ist noch heute ein bemerkenswertes Stück.
  9. Cover des Buches Kabale und Liebe (ISBN: 9783947894918)
    Friedrich Schiller

    Kabale und Liebe

     (1.197)
    Aktuelle Rezension von: mirja94

    Inhalt:

    Luise und Ferdinand lieben sich. Doch Luise entspricht nicht seinem Stand, also hat ihr Vater Angst, dass sie nur seine Mätresse sein soll. Auch Ferdinands Vater, der Präsident, ist von der Verbindung nicht begeistert und spinnt eine Intrige mit Wurm, der selbst ein Auge auf Luise geworfen hat, nach der Ferdinand mit Lady Milford verheiratet werden soll. Doch Luises Frömmigkeit macht einen Strich durch die Rechnung.

    Meinung:

    Ich bin enttäuscht, wie schlecht der Präsident und Wurm darin sind, Intrigen zu spinnen. Die Charaktere sind allesamt recht sprunghaft, das teilweise she unterhaltsam ist. Allgemein ist es ein tolles Beispiel für ein klassisches Drama.

    Fazit: 

    Wer kreative Schimpftiraden lernen will, sollte sich auf jeden Fall mit Schillers Werken befassen. Es hat mich unterhalten, wie ein aufgeführtes Theater, war sehr bildhaft.

  10. Cover des Buches Sturm und Drang (ISBN: 9783150002483)
    Friedrich M Klinger

    Sturm und Drang

     (9)
    Aktuelle Rezension von: Heike110566
    Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831) schrieb am 4. September 1776 an seinen Freund Ernst Schleiermacher: "Ich schreibe eine Comoedie der Wirrwarr die bald zu End ist - und wo du einen HE [Herrn] Wild, Blasius und La Feu sehr lieb kriegen wirst. Ich hab die tollsten Originalen zusammengetrieben. Und das tiefste tragische Gefühl wechselt immer mit Lachen und Wiehern." Das Drama, das bei Klinger den Arbeitstitel "Der Wirrwarr" hatte, wurde dann im Spätherbst 1776 unter dem Titel "Sturm und Drang" in Dresden von der Seylerschen Schauspieltruppe, bei der Klinger als Stückeschreiber und Schauspieler angestellt war, uraufgeführt. Das Stück ist auch tatsächlich, so wie es Klinger in dem Brief selbst schreibt, eine Mischung aus Tragödie und Komödie. Für den Stoff hat er bei Shakespeare, der von den Sturm-und-Drang-Dichtern als das Genie par excellence verehrt wurde, einige Anleihen genommen. Grundlegend für die Story ist eine Variante des Romeo-und-Julia-Motivs, die Figuren Lord Berkley und Lord Bushy sind Anleihen aus "Richard III." und La Feu ursprünglich eine Figur in "Ende gut - alles gut". Die drei Herren aus o. g. Brief landen in Amerika an und kehren in einen Gasthof ein. Im Grunde sind sie auf der Suche nach ihrem Glück. La Feu, der Weiberheld, ist nicht abgeneigt eine neue Bekanntschaft zu machen. Blasius, der Immermüde, will Ruhe finden und einfach schlafen. Und Wild - der will in die Armee, sich am Krieg beteiligen, den Tod suchen. Er, der alles verloren hat, sein Zuhause und das Mädchen, das er einst geliebt, sieht im Tod das höchste Glück für sich. In dem Gasthof sind auch noch andere Gäste: Lord Berkley, ehemals ein englischer Hofmann, lebt dort mit seiner Tochter Jenny Caroline, seiner Schwester Lady Kathrine und deren Tochter Louise. Berkley wurde aus England verbannt, nachdem er einer Kabale am Hofe zum Opfer fiel. Dabei verloren hat er seine Frau. Sein Sohn Harry, ein Teenager noch, verschwand spurlos. - Berkley macht seinen Ex-Freund Lord Bushy für die Intrige verantwortlich, stieg dieser doch nach dem Fall Berkleys auf. Berkley wünscht ihm deshalb nur das Schlechteste von der Welt. Wild, Blasius und La Feu werden Lady Kathrine und ihrer Tochter vorgestellt. La Feu ist begeistert von Kathrine, Blasius langweilt Louise. Wild kann diesen Zirkus nicht ab und verschwindet. Er begegnet Berkleys Tochter und es stellt sich heraus, dass Wild der ebenfalls einst verschwundene Sohn Carl von Lord Bushy ist, der im Alter von 15 Jahren in die 13-jährige Jenny Caroline verliebt war. - Nach dem Verschwinden der Berkleys hatte er seinen Vater, den alten Bushy, um Erlaubnis gebeten, seine Angebetete suchen zu dürfen. Kreuz und quer zog er durch Europa deswegen und nun, wo er in den Tod gehen will, findet er sie. Die Freude ist groß bei den beiden. Aber sie müssen es geheimhalten, denn es würde eine Katastrophe geben, wenn ihr Vater erfährt, dass der Sohn seines Feindes wieder da ist. Lord Berkley lernt ihn also als Wild kennen. Berkley erkennt aber Ähnlichkeiten in den Gesichtszügen mit Bushy und fragt, ob er diesen Mann kenne. Carl bejaht dies und berichtet, dass Lord Bushy einige Jahre nach der Verbannung Berkleys selbst in Ungnade fiel und alles verlor. Berkley stimmt das gutgelaunt. Dass Carl der Sohn Bushys ist, bleibt Berkley hier verborgen. Noch besser wird Berkleys Laune, als der Kapitän des Schiffes, mit dem Wild und seine Freunde ankamen, ihn aufsucht und ihm einfach einen Höflichkeitsbesuch abstatten will. Dabei stellt sich heraus, dass der Kapitän sein Sohn Harry ist. Und ob dies nicht schon genug wäre, berichtet er auch noch, dass er Lord Bushy auf See ausgesetzt habe und er beobachtete, wie das Boot von einer großen Welle gepackt wurde. Lord Bushy sei tot, lautet die Botschaft. Jenny Caroline ist entsetzt, fürchtet das, was nun kommen wird und auch tatsächlich kommt: Wild outet sich als Carl Bushy und will Harry Berkley an den Kragen. Ein Duell steht an. Vorher sind aber Carl und die Berkley-Männer gemeinsam in einer Schlacht. (Nicht gesagt wird, auf welcher Seite sie kämpfen.) Harry Berkley wird dabei verletzt und will das Duell verschieben. Carl besteht auf seine Rache. Aber kurz bevor es zum Duell kommt, erfährt er vom kleinen Mohr, einem Kind, das dem Kapitän als Sklave und Lustobjekt dient, dass der alte Bushy noch lebt. Er wurde von Besatzungsmitgliedern auf dem Schiff versteckt. Groß ist die Wiedersehensfreude der Bushys und Lord Bushy gibt auch den beiden Verliebten seinen Segen. Da tauchen die Berkley-Männer auf. Carl will nun das Duell nicht mehr, sein Vater lebt. Aber jetzt besteht Harry darauf, dass das Duell stattfindet. Der alte Berkley versucht seine Tochter zu überzeugen, wieder auf seine Seite zu wechseln. Wie könne sie gemeinsame Sache mit seinen Feinden machen. Als Harry erfährt, dass seine Schwester Carl heiraten will, zieht er gekränkt ab. Der alte Bushy erklärt, dass er gar nicht an der Kabale gegen Berkley beteiligt war. Das Wirrwarr lichtet sich und anders als bei Shakespeares Romeo und Julia, endet dieses Drama mit einem Happy End. Ganz ohne Tote. Und auch bei La Feu kommt ein Happy End. Er bekommt Lady Kathrine. - Tja, und Blasius? Wenn er nicht geweckt wurde, dann schläft er wohl immer noch. Diese Reclam-Ausgabe ist der Nachdruck der Erstausgabe als Druck, die 1777 erschien. Auf dem Original-Titelblatt steht zwar 1776, aber der tatsächliche Erstdruck wurde erst im darauffolgenden Jahr durch das Seylersche Theater vorgenommen. Seyler war ein bekannter Theatermacher, der sich Klinger eingekauft hat, weil dieser einen bekannten Namen hatte. Bis 1778 war Klinger dort beschäftigt. Anschließend wollte er, wie Carl, nach Amerika gehen und sich dort am Krieg beteiligen, aber es kam anders. Er ging zwar zum Militär, landete aber in russischen Diensten und starb auch 1831 in Russland, wo er mit einer adligen Dame verheiratet war. Der Reclam-Nachdruck der Erstausgabe wurde originalgetreu übernommen. Die Schreibweisen und die Grammatik wurden nicht den heutigen Regeln angepasst. Also: alles so, wie es damals geschrieben wurde. - Interessant ist, dass dieser Erstdruck damals recht nachlässig erfolgte. Es steht die Frage, ob Klinger tatsächlich Korrektur gelesen hat vor der Herausgabe, denn es sind viele Unzulänglichkiten vorhanden. So fehlen beispielsweise Personenangaben vor einigen Szenen. Literaturgeschichtlich hat dieses Drama insbesondere Bedeutung, da es einer ganzen Literaturepoche als Namensgeber diente. Aber: Dieses Etikett wurde erst nachträglich dem Autorenkreis, der heutzutage zu dieser Epoche zählt, aufgeklebt. Die Dichter selber sahen in diesem Stück ein normales Stück und kein Leitstück. Auch ist es nicht unbedingt gerade das Paradebeispiel für Sturm-und-Drang-Dramatik. Es wurde nur selten aufgeführt, wahrscheinlich außerhalb des Seylerschen Theaters, das auch immer mal auf Tournee war und es so an anderen Orten auch präsentierte, gar nicht. Gelesen wurde es noch seltener, denn der Text wurde kaum als Einzelstück verlegt. Inhaltlich typisch für den Sturm und Drang ist vor allem an diesem Stück, dass die Leidenschaften das Handeln bestimmen. Carl Bushy und Harry Berkley sind typische Selbsthelfertypen, die auf sich vertrauen, ihren Weg gehen und dabei ihren Weg die Gefühle und Leidenschaften bestimmen. Stellenweise ist das Stück wirr. Mehrere Handlungsstränge, die auf dem ersten Blick nicht zusammenpassen, laufen nebeneinander her. Stellenweise könnte man tatsächlich an ein Wirrwarr dabei denken, so wie der ursprüngliche Titel es auch suggerierte. Aber dennoch: Die Story von Jenny Caroline Berkley und Carl Bushy ist aus meiner Sicht eine unterhaltsame Adaption des Shakespeare-Themas um Romeo und Julia und auf jeden Fall eine Lektüre wert. Diese Reclam-Ausgabe enthält desweiteren Textdokumente zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Stücks sowie umfangreiches weiteres Material.
  11. Cover des Buches Ugolino (ISBN: 9783150001417)
    Heinrich W von Gerstenberg

    Ugolino

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Heike110566
    In der "Göttlichen Komödie" (verfasst 1311-1321) des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265-1321) begegnet man im 33. Gesang, der Höllenfahrt, Ugolino. Dort heißt es: "Dieser Sünder erhob den Mund von dem grausamen Fraße, indem er ihn an den Haaren des Kopfes trocknete, den er zernagt hatte." - Diese Übersetzung von Johann Nikolaus Meinhard, aus dem Jahre 1763, gab Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (1737-1823) die Grundidee zu dem Drama "Ugolino", das 1768 veröffentlicht wurde. Den Kopf, den Ugolino in Dantes Höllenfahrt zernagt, ist der Kopf des Erzbischof Ruggiero. Warum er dies tut, erzählt er Dante. Und Gerstenberg greift das Motiv auf, um es dramatisch zu verarbeiten. Ugolino ist in einem Turm gefangen. Mit ihm seine drei Söhne: der sechsjährige Gaddo, der dreizehnjährige Anselmo und der 20-jährige Francesco. Der Erzbischof ließ sie in das Verlies sperren, weil Ugolino seinen Machtinteressen in die Quere kam. Ugolino wollte sich zum Fürst von Pisa erheben, was aber Ruggiero offenbar gar nicht zusagte. - Die Tragödie beginnt, als bereits seit zwei Tagen das Essen ausbleibt, der Hunger bereits von allen vier Besitz ergriffen hat. Der kleine Gaddo ist schon völlig entkräftet und auch bei den anderen sinkt die Hoffnung. Francesco entdeckt aber einen Spalt im Mauerwerk, vergrößert ihn und will entfliehen, um dann seinen Vater und die Brüder zu befreien. Obwohl Ugolino nichts davon hält, startet Francesco sein riskantes Vorhaben. Tatsächlich gelingt ihm auch der Ausbruch. Aber: er wird von den Leuten des Erzbischofs gefangen und bekommt einen langsam wirkenden Gifttrank. Zusätzlich lässt Ruggiero Ugolinos Frau töten. Beide, die tote Frau und Francesco, werden in Särge gelegt und in den Turm gebracht. Anschließend wird der Turm für immer verriegelt. Die Eingesperrten sollen den Hungertod sterben, der Turm das Gebeinhaus der Verhungerten auf ewig sein. - Dies ist die Botschaft, die Francesco mitbringt. Gab es bislang noch Hoffnung für die Eingeschlossenen auf ein Erbarmen, so sind sie sich jetzt ihres Endes bewusst: Sie werden gnadenlos verhungern! Ugolinos Streben nach Macht endet im Tod für alle seine Lieben. Seine Frau, Francesco, Anselmo und Gaddo - alle müssen sterben, weil er dem Bischof ins Gehege kam. Und er, er soll es mit ansehen und miterleben, wie alle zugrunde gehen. Es ist, anders als wenn die Möglichkeit eines positiven Endes irgendwie im Bereich des Machbaren erscheint, hier kein Kampf ums Überleben, sondern ein Kampf ums Sterben. Es geht nicht mehr darum etwas der Welt zu hinterlassen, denn für die Welt existiert man bereits nicht mehr. Der Leser erlebt, was in den vier Charakteren während des langsam fortschreitenden Sterbeprozesses vorgeht. Leidenschaftliche Liebe zueinander bestimmt das Miteinander der Eingekerkerten, leidenschaftlicher Hass ihre Gedanken an den Erzbischof. Aber nicht immer geradlinig ist diese Tendenz, sondern auch, aufgrund der besonderen Situation, Extremschwankungen unterworfen. Werden doch auch mit zunehmenden Hunger die Gedanken mitunter verwirrter, treten Halluzinationen und Phantasmen auf. Der Mensch wird unkontrollierbar. Über das ganze Stück hinweg steigert sich die dramatische Situation der vier crescendoartig, bis hin dazu, dass Anselmo über seine tote Mutter herfällt und sie annagen will und Ugolino von seinem eigenen Fleisch zerrt. Ugolinos einziges Ziel am Ende: er will der letzte sein, der dahinstirbt. Eine grausige Szenerie, ein brutales Thema - zweifellos. Von Anfang an ist im Grunde klar, wie dieses Stück enden wird. Die beeindruckende Dramatik kommt dadurch zustande, dass der Leser das Wie des Sterbens der Verhungernden miterlebt, was in ihnen vorgeht und wie sich der Mensch in einer solchen Situation verändert. Sicher: keine leichte Unterhaltungskost, die da dem Publikum geboten wird. Selbst Shakespeare ließ am Ende dem Rezipienten immer einen Hoffnungsschimmer, hinterließ etwas Positives, dass man aus dem Stück mitnahm. - Aber hier, hier steht am Ende nur Tod und Verwesung. Der Held ist von Beginn an ein gescheiterter, dem Tod geweiht. Der strebende Geniegeist, der mehr wollte, als die vorgesehene Ordnung ihm gebot, gefangen, eingemauert in der Welt. Nur der Tod noch als Erstrebenswertes, als Erlösung, als Ziel der Freiheit. Die Freiheit liegt im Tod, im Sterben. In der Welt ist das Genie gefangen. - Das bleibt letztlich von diesem sehr leidenschaftlich geprägtem Frühwerk bzw Vorausläufer, je nachdem man es betrachten will, des Sturm und Drang. Im Grunde hat Gerstenberg aber damit auch bereits das Scheitern des gerade entstehenden Sturm und Drangs vorweggenommen: Das Ansinnen auf Selbstverwirklichung des schöpferisch denkenden Menschen, auch des Geniegeistes der Autoren, der mehr will als nur wie ein Automat seinen Platz einnehmen, vorgegeben durch Rollen, die man einzunehemen hat, hat keine Chance auf Erfolg in dieser Welt. Die Ruggieros werden dies zu verhindern wissen. Zu starr ist das System, als dass diese Querdenker es verändern könnten. Gerstenbergs Drama ist ein auch heute noch lesenswertes Stück. Ist es doch auch heute noch oft so wie zu Gerstenbergs Zeiten oder der Ugolinos: Rollendenken bestimmt unser Leben in großen Maße und Menschen, die sich selbstverwirklichen wollen, werden kritisch beäugt.
  12. Cover des Buches Stella (ISBN: 9783736400115)
    Johann Wolfgang von Goethe

    Stella

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Heike110566
    Goethe (1749-1832) veröffentlichte zwei Fassungen von "Stella". - "Stella - Ein Schauspiel für Liebende" erschien 1775. Später schrieb Goethe das Finale des 5. Aktes um und es heißt in dieser Version seit 1805 "Stella - Ein Trauerspiel". Cäcilie kommt mit ihrer Tochter Lucie in den Wohnort von Stella. Die Tochter soll eine Anstellung als Gesellschafterin bei der schönen Baronesse antreten. Fast zeitgleich reist auch Fernando, ein Offizier, an. Er ist der ehemalige Geliebte der schönen Stella. Lucie speist mit ihm im Posthaus zu Mittag, während die Mutter schläft. Kurz darauf machen Cäcilie und Lucie ihren Antrittsbesuch bei der jungen Baronesse, wobei Cäcilie und Stella sich ihre Lebensgeschichten beichten. Stella zeigt den beiden.Besucherinnen ein Bild des Geliebten, der sie drei Jahre zuvor verlassen hatte. Cäcilie erkennt ihren verschollenen Gatten darauf wieder, der auch gleichzeitig Lucies Vater ist. Lucie kann sich aber nicht an ihren Vater erinnern, erkennt jedoch in dem Bild den Offizier, mit dem sie zu Mittag gegessen hatte und teilt es den anderen Beiden mit. Stella läßt nach ihm schicken. Die Mutter klärt indes ihre Tochter über ihren Tischpartner auf. Stella und Fernando sehen sich kurz darauf wieder. Die beiden anderen Damen wollen wieder abreisen und ihr Geheimnis für sich behalten, aber dann kommt es auch zur Begegnung zwischen Fernando und seiner Frau ... Ein kurzweiliges, unterhaltsames und sehr gefühlvolles Stück, dessen erste Fassung aus dem Jahre 1775 ein Happy End für alle Beteiligten hat, während die Fassung von 1805 tragisch endet. Das Heft beim Hamburger Lesehefte Verlag enthält beide Versionen des Finales.
  13. Cover des Buches Der Hofmeister (ISBN: 9783849548421)
    Jakob Michael Reinhold Lenz

    Der Hofmeister

     (59)
    Aktuelle Rezension von: Arith
    Dafür dass es meine erste Komödie aus dem Sturm und Drang war, hinterließ sie einen schalen Nachgeschmack. Ich fand das Ende war zu gestellt. Es kam praktisch aus dem Nichts, als ob man gezwungener Maßen ein glückliches Ende wollte. Für alle... Sie Überlegungen zum Hofmeisterum in jener Zeit wiederum, genauso wie ersten Anschläge, das Schulsystem zu reformieren, haben mir persönlich sehr gut gefallen.
  14. Cover des Buches Don Carlos, Infant von Spanien (ISBN: 9783849565107)
    Friedrich Schiller

    Don Carlos, Infant von Spanien

     (294)
    Aktuelle Rezension von: Lisa_Diessner

    Das Buch findest aus der Zeit des "Sturm und Drang" heraus im 16Jhd. statt und fußt auf dem tatsächlich existierenden Don Carlos von Spanien. Dieser galt als zurückgeblieben und wurde tatsächlich vom Vater Phillipp II. niederträchtigst behandelt. Ein realer Hintergrund der Alles umso tragischer werden lässt. Dennoch behandelt das Buch diverse sich unterscheidende Aspekte. 

    So ist in der Fiktion der emotionale Held Calos verliebt in die Frau, die zu seiner Stiefmutter wird. Ein unglücklicher Umstand der Calos' Gefühle aus der Bahn wirft und das Verhalten zu seinem Vater stört. Ein grimmiger Mann der vorrangig König ist und sich so weder liebevoll noch empathisch verhält. Das Stück ist aufgrund dessen direkt zu Beginn hochemotional - die Hauptfigur weiß weder ein noch aus und wird lediglich von wahrer, selbstloser Freundschaft aufgefangen - die im Sinne der Norm nicht existieren dürfte. Verkörpert wird diese von Marguis von Posa (dem kein gleichnamiges Original zu Grunde liegt) -  ein Vasall Carlos' und wie ich finde der heimliche Held, da er für seine Überzeugung Alles opfert.

    Das komplette Stück behandelt den Spagat zwischen Etikette und Leidenschaft. So kann es als eine Kritik an gesellschaftlichen Normen gesehen werden - die das Individuum mit Macht in ungewollte Muster drängt, Liebe und Freundschaft verbieten und unmoralische Taten rechtfertigen. Oder schlicht das tatsächlich Menschliche verbietet.

    Die Sprache ich freilich ab und an etwas geschwollen und muss ggf. ein zweites Mal gelesen werden. Dennoch ist der Sinn und Hintergrund einfach zu fassen. So sind auch die Handlungen der Figuren zu jeder Zeit nachvollziehbar, außer es handelt sich um einen Komplott. - Eine Sache die wie ich finde besonders gut gelungen ist, da man gleichzeitig mit der Hauptfigur an Anderen zu zweifeln beginnt.

    Wer also auf tragische Helden aus dem typisch leidenschaftlichen Sturm und Drang steht kommt bei diesem Stück voll auf seine Kosten und wird nicht eine Sekunde enttäuscht werden.

  15. Cover des Buches Kleine Geschichte der deutschen Literatur (ISBN: 9783150176764)
  16. Cover des Buches Die Kindermörderin (ISBN: 9783864035432)
    Heinrich Leopold Wagner

    Die Kindermörderin

     (30)
    Aktuelle Rezension von: winter-chill
    Ein tragisches Stück, bei dem es um Sittlichkeit und Unsittlichkeit geht. Wagner zeichnet recht gut die Gesellschaft seiner Zeit, das Stück ist auch ganz gut zu lesen. Trotzdem gibt es für mich bessere Dramen. Und Goethe hat das Kindermörderinnen-Thema mit seinem Gretchen wesentlich besser umgesetzt.
  17. Cover des Buches Götz von Berlichingen / Iphigenie auf Tauris (ISBN: 9783596900756)
  18. Cover des Buches Gedichte (ISBN: 9783406452154)
    Johann Wolfgang von Goethe

    Gedichte

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Schiller. Kabale und Liebe (ISBN: 9783804417472)
    Beate Nordmann

    Schiller. Kabale und Liebe

     (15)
    Aktuelle Rezension von: MrsCodyMcFadyen
    Wieder einmal sehr hilfreich. Für alle die mit Schiller etwas Schwierigkeiten haben. Dieses Buch sorgt für Verständnis und gibt hilfreiche Tipps, besonders wenn man’s wieder in der Schule durchnehmen darf/muss. Steht alles perfekt beschrieben von Biographie, bis Personen und ihre Motive, die ganzen Szenen einzeln, Zeitgeschichte...Alles, was wichtig ist zur Arbeit mit Kabale und Liebe. Sehr gut!
  20. Cover des Buches DuMont Schnellkurs Deutsche Lyrik (ISBN: 9783832190262)
    Thomas Kraft

    DuMont Schnellkurs Deutsche Lyrik

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    für meinen Spaß an lyrischen texten habe ich mir diesen band für den geschichtlichen überblick besorgt.
    sortiert nach epochen gibt er infos über die jeweilige.
    mit den gewonnen Informationen kann ich meine vorhandenen texte gut sortieren.
  21. Cover des Buches Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (ISBN: 9783843035408)
    Friedrich Schiller

    Die Verschwörung des Fiesco zu Genua

     (24)
    Aktuelle Rezension von: sneijder
    Dieses republikanische Trauerspiel von Friedrich Schiller hat mir eigentlich sehr gut gefallen, es gab jedoch auch einzelne Stellen, die mir nicht so bekamen. Auffallend sind die moralischen Werte zu der Zeit der Erzählung, wo diese noch einigen Anklang fanden. Das Werk an sich war einigermaßen gut zu lesen, wobei ich ehrlichgesagt einige Male dem Verlaufe der Geschichte nicht so gut folgen konnte. Dies hat meiner Meinung nach vermeintlich mehre Gründe: Zum einen ist der Aufbau des Werkes an sich zu nennen, welcher ein Theaterstück verkörpert. Dies war insofern negativ auf die Verständlichkeit einfließend, als dass man sich aus den Dialogen und zu meist kurz gehaltenen Anmerkungen des „Erzählers“ ein Bild von der Situation und den aktuellen Schauplätzen zusammendenken musste. Einfacher wäre es sicher bei einer Aufführung in einem Theater zu verstehen und vor allem die Handlungen und Gespräche wären leichter nachzuvollziehen. Des Weiteren haben die vielen im Stück vorkommenden verschiedenen Charaktere einen negativen Einfluss auf die allgemeine Verständlichkeit des Werkes. Durch diese konnte man auch nicht klar die Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen erkennen, was mich immer dazu führte, im Personenverzeichnis die Namen und Beschreibungen der einzelnen Akteure nachzuschlagen. So war es mir zwar möglich der Geschichte im Grunde zu folgen, doch die Details meine ich nicht verstanden zu haben, was mir auch den Antrieb gab, mir eine Erläuterung zu dem Werk zu besorgen, welche ich aber vor dem Schreiben dieser Worte nicht mehr lesen konnte. Zwei weitere Punkte haben mich meiner Meinung nach bei dem Verständnis Schillers‘ Werk eingeschränkt: Zuerst wären die doch immer wieder vorkommenden, für mich unbekannten oder nicht ausreichend bekannten Worte zu nennen. Und zu guter letzt, fehlte es mir an historischem Wissen, welches aber nur indirekt ausschlaggebend war. Da ich nun beschlossen habe, das Werk nach durchgearbeiteter Erläuterung noch einmal zu lesen, werde ich eventuell diese Worte noch einmal grundlegend überarbeiten.
  22. Cover des Buches Julius von Tarent (ISBN: 9783150001110)
    Johann A Leisewitz

    Julius von Tarent

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Heike110566
    In der Literatur spielen Vater-Sohn- und Brüder-Konflikte immer wieder eine große Rolle. Diese Rivalitäten bieten Stoff für diverse Auseinandersetzungen, Reibereien und Kämpfe. Als Grundkonstellation dienten sie auch vielen Autoren des Sturm und Drang als Basis für ihre Dramen. So auch Johann Anton Leisewitz (1752-1806) für das Trauerspiel "Julius von Tarent", das 1776 veröffentlicht wurde. Bei Leisewitz sind diese Konfliktherde sogar in quadrierter Form in seinem Stück zu finden. Zwei Brüderpaare, zum einen der Fürst von Tarent und sein Bruder der Erzbischof, zum anderen Julius von Tarent und sein Bruder Guido, und dazu auch gleich in zweifacher Ausfertigung der Vater-Sohn-Konflikt, denn der Fürst ist der Vater sowohl des Erbprinzen Julius als auch von Guido. - Eine sehr interessante Ausgangskonstellation für ein Drama. Die Tragödie spielt in Tarent, Ende des 15. Jahrhunderts. Julius liebt Blanca. Guido liebt auch Blanca. - Da diese aber erstens keine standesgemäße Frau für die Söhne des Fürsten darstellt und sie zweitens immer wieder für Streit zwischen den Brüdern gesorgt hat, ließ der Fürst die Frau ins Kloster sperren, wo sie als Nonne sich Gott weihen sollte. Julius, der sie liebevoll begehrt und dem auch Blanca zugeneigt ist, will sie da rausholen und ist bereit, auf seine Titel und Ehren zu verzichten, wenn er mit der Frau, die er liebt, glücklich werden kann. Am liebsten würde er sofort zum Kloster aufbrechen und sie befreien, aber Aspermonte, ein Freund des Prinzen, versucht den von seinen Leidenschaften geprägten jungen Mann zu besonnen Handeln zu bewegen: einen Monat abzuwarten, statt im Affekt zu handeln. Aber auch Guido ist ein extrem von seinen Leidenschaften gesteuerter Zeitgenosse. Auch er beansprucht Blanca für sich, macht gegenüber seinen Bruder sogar die älteren Rechte geltend, denn er habe sie zuerst geliebt. Das Blanca Julius liebt, interessiert ihn nicht. Die Frau habe da nicht mitzuentscheiden, wen sie heirate, so seine Argumentation. Guido, der sich schon in diversen Kämpfen bewährt hat, sieht in Julius keinen Mann. Er sieht ihn als Weichling, als Zärtling. Und auch Julius hat mit seiner Geschlechterrolle ein Identitätsproblem. Schon in der ersten Szene des Stücks äußert er: "Ich habe ein Herz und bin ein Fürst - das ist mein Unglück" und zeigt deutlich, dass er die Diskrepanz zwischen dem Dasein, das man von ihm erwartet, und seinen eigenen Gefühlen und Ambitionen erkannt hat. Und er ist bereit den Fürstentitel abzugeben. - Bei der Begegnung zwischen den Brüdern prallen diese unterschiedlichen Weltsichten natürlich aufeinander. Julius ist aber nicht an einer Eskalation interessiert und lässt Guido stehen. Derartig brüskiert geht dieser auf Aspermonte los, fordert diesen zum Duell. Gerade rechtzeitig taucht da der Erzbischof auf. Er versucht seinem Neffen klarzumachen, dass weder er noch Julius Blanca haben könne, da sie nun der Kirche gehöre. Guido hat dafür überhaupt kein Verständnis. Dem Fürsten von Tarent nimmt dieser Streit zwischen seinen Söhnen besonders mit. Feiert er doch gerade seinen 76. Geburtstag und hat die Thronfolge im Sinn. Und da taucht sein Bruder auf und erzählt ihm von der gerade statfgefundenen Auseinandersetzung der Söhne. Aber der Fürst hat einen Plan: er hat seine Nichte Cäcilia kommen lassen, damit sie Julius heirate. So sei der Thron gesichert und Blanca kein Objekt der Begierde mehr, denn auch Guido würde dann verzichten, da er sie nur haben wolle, weil sie Julius liebt. So seine Argumentation. Allerdings scheitert der Plan, denn Cäcilia ist fest entschlossen keinen Mann zu heiraten. Auch nicht Julius. "Ich habe der Liebe auf ewig entsagt; frei geboren, will ich frei sterben; ich kann den Gedanken nicht ausstehn, die Sklavin eines Mannes zu werden." Julius ist dies natürlich recht. Sein Herz gehört Blanca, an Cäcilie hat er daher eh kein Interesse. - Aber die Wünsche des Fürsten sind damit durchkreuzt und deshalb appeliert er an seine Söhne, dass sie sich vertragen. Als er dabei erfolglos ist, zwingt er sie regelrecht dazu, dass sie sich umarmen. Das dies nur ein Schauspiel ist, dessen ist er sich bewusst. Aber für ihn ist es Hoffnung. Und Guido ist tatsächlich bewegt, bietet seinen Bruder an, auf Blanca zu verzichten, wenn auch Julius abschwöre. Aber Julius sieht dafür keine Chance, kann und will seine Leidenschaften nicht dem Staatsinteresse unterordnen. Daraufhin erklärt ihm Guido den Krieg. Noch am selben Abend zieht Julius los, um Blanca aus dem Kloster zu befreien. Anschließend will er mit ihr und mit Hilfe Aspermontes aus Tarent fliehen. Aber Guido erfährt von dem Plan, lauert seinen Bruder auf und tötet ihn. Für den Vater bricht eine Welt zusammen. Und damit gleichzeitig auch sein Fürstentum, dass er als Familiensache betrachtet. Getötet der Erbe von seinem eigenen zweiten Sohn, muss er nun als Oberhaupt der Familie und oberster Richter des Staates über den Mörder Gericht halten. Das Urteil ist natürlich der Tod. Und er vollstreckt es selbst, erdolcht den eigenen Sohn. Am Ende ist er am Ende. Die Familie ausgelöscht und damit auch der Staat zusammengebrochen, teilt er seinem Bruder mit, dass er nun ins Kloster gehen wolle und das Fürstentum an das Herrschaftshaus in Neapel übergebe. Angeregt wurde Leisewitz durch die Geschichte des Großherzogs Cosmos I. von Florenz, die er aber nicht original nachgestaltete, sondern seine eigene Geschichte ersann. Er verarbeitete hier die typischen Sujets des Sturm und Drang. Interessant dabei die bereits oben erwähnte Grundkonstellation. Zwei Brüderpaare, zwei Vater-Sohn-Paare. Sowohl Julius als auch Guido sind von Leidenschaften gesteuert. Können diese nicht unter Kontrolle halten. Die Leidenschaften sind aber völlig unterschiedlich ausgerichtet: Julius ist sanft, herzlich, sehr empfindsam; Guido ist direkt, ehrversessen, angriffslustig. In den Dialogen wirken sie wie die zwei Seiten einer Person. - Und auch das andere Brüderpaar, Fürst und Erzbischof, hat die analoge Wirkung. Die Leidenschaften der Protagonisten, die sämtlich aus dem Adel stammen, bestimmen die Handlung. Zwar scheint es auch einen Standeskonflikt zu geben, denn die Liebe zu Blanca wird als nicht standesgemäß im Text eingeordnet, aber dies ist eher nur ein Randthema, dient als Begründung für das Einweisen von Blanca ins Kloster durch den Fürsten. Während in vielen Sturm-und-Drang-Dramen der Rebell scheitert und die alte Ordnung also wieder hergestellt ist, bleibt hier am Ende ein kompletter Trümmerhaufen. Auch der Vater, die bestehende Ordnung, ist gescheitert und hat keine Zukunftsperspektive mehr. Die Ignoranz des Fürsten gegenüber den Realitäten ist die entscheidende Ursache hierfür. Er verschließt die Augen vor dem weiter bestehenden Zwist, nachdem er seine Söhne zu der symbolischen Umarmungsgeste gezwungen hat. Das Unversöhnliche ist aber nicht zwangsweise versöhnbar. Dies erkennt der Fürst leider nicht. Das Drama wird hier zur Kritik an der bestehenden politischen Herrschaft des Adels. Und Leisewitz erkennt auch, dass dies System zum Scheitern verurteilt ist. - Eine Vision hat er aber nicht. Besonders tragisch, da er auch anprangert, wie die Fürsten ihre Untertanen als ihre Privatsache betrachten. Tarent wird einfach an Neapel abgetreten, was aus dem Volk wird, interessiert dem Fürsten nicht. Am Ende gibt es keinen Schimmer der Hoffnung. So interessant die Grundkonstellation auch ist, Leisewitz gelingt es nicht besonders, einen Spannungsbogen zu erzeugen. Die Handlungsfolge ist vorhersehbar, überraschendes bleibt aus. Selbst bei Julius Ermordung verzichtet der Autor auf jedweden Kampf. Es gibt nur einen ganz kurzen Wortwechsel und dann steht als Regieanweisung: "Er [Guido] ersticht Julius." - Kein Kampf der Leidenschaften, nichts. Die Entscheidung fällt fast nebenbei. Hier wäre mehr drin gewesen. Und dies nicht nur martialisch, sondern auch sinnhaft in Bezug auf das, was der Dichter in diesem Drama darstellt und letztlich auch dem Publikum vermitteln will.
  23. Cover des Buches Wo die Würfel fallen (ISBN: 9783423400862)
    Wolfgang Seidel

    Wo die Würfel fallen

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Sturm und Drang (ISBN: 9783150176023)
    Matthias Luserke

    Sturm und Drang

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Heike110566
    Spricht man vom Sturm und Drang, dann fällt den meisten Menschen wohl als erstes "Die Leiden des jungen Werther" (1774) vom jungen Johann Wolfgang Goethe ein. Und sicher ist es auch eines der eindrucksvollsten Zeugnisse dieser kurzen literarischen Epoche, die vor allem in den 1770er Jahren ihre Spuren setzte. Aber keineswegs ist dieser Roman nun typisch für die Stürmer und Dränger. Was ist nun aber charakteristisch für den Sturm und Drang? Was waren die Themen, die Formen, die Grundlagen, die Intentionen, die Mittel usw? - Damit beschäftigt sich genau dieses Buch. Matthias Luserke gibt hier einen sehr guten Einblick in diese Zeit der Genies und bietet einen breit gefächerten Überblick in das Schaffen jener Dichter. Ausführlich wird auf die geistigen Grundlagen eingegangen, die Merkmale vorgestellt und erläutert und auch die Ursachen für das Herausbilden dieser Dichtergeneration dargestellt. Am Schluss dieses Teils geht der Autor auf die Bedeutung dieser ziemlich kurzen Epoche, die im Grunde nur wenige Jahre und auch nur wenige Autoren umfasste, für die späteren Dichtergenerationen ein. Der Hauptteil dieses Büchleins beschäftigt sich dann mit der Literatur dieser Dichter selbst. Systematisch und methodisch gut aufbereitet und auch verständlich wird das besondere der einzelnen Dichter und Werke herausgestellt. Dabei werden auch nicht die Vorläufer, zB Heinrich Wilhelm Gerstenbergs Drama "Ugolino" (1768), vergessen. Sein Hauptaugenmerk legt der Autor natürlich auf die Genie-Autoren-Generation und deren Schaffen. Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Maximilian Klinger, Heinrich Leopold Wagner, Johann Anton Leisewitz und Jakob Michael Reinhold Lenz stehen mit ihren Dramen und Erzählungen besonders im Mittelpunkt. Neben den inhaltlichen und formalen Betrachtungen zu den Werken, erhält der Leser auch Hintergrundinformationen zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte und auch den Kontext zu den Dichtern. Eingehend wird ebenfalls die Lyrik dieser Epoche beleuchtet. Der Göttinger Hain, Christian Friedrich Daniel Schubart und Johann Wolfgang Goethe stehen dabei besonders im Fokus. Abgeschlossen wird dieser Hauptteil mit einen Blick auf Randfiguren und Ausläufer. Es ist sehr viel, was dieses Buch an Material aufarbeitet und dennoch ist das Thema nicht wirklich vollständig damit ausgeleuchtet. Fast völlig vernachlässigt werden die Werke des jungen Friedrich Schiller, wie "Die Räuber" (1781), "Kabale und Liebe" (1784) oder "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" (1785), die aus meiner Sicht auch zu dieser Epoche zu rechnen sind. Luserke sieht sie aber als zu spät erschienen an, grenzt sie so aus. Epochengrenzen so radikal eng zu setzen und dabei so bedeutende Werke auszufiltern, halte ich für keine gute Idee. Der Sturm und Drang endete ja nicht an einem bestimmten Tag und danach schrieb keiner mehr in der Art. Epochen sind nicht starr, sie sind fließend. Dies wird von Luserke meiner Auffassung nach zu wenig berücksichtigt. Die Betrachtung der Epoche des Sturm und Drang durch Luserke ist deshalb keineswegs eine abschließende, sondern eine, die sehr diskussionswürdig erscheint. Sie ist dennoch zu empfehlen. - Die Literaturwissenschaft ist eine Geisteswissenschaft. Wie schon bei der Grenzziehung der Epochen deutlich wird, gibt es hier viel Spielraum für Denkmodelle, die mit den Denkern variieren. Dies macht es aber auch wieder spannend und je mehr man sich mit dieser interessanten Epoche auseinandersetzt, desto mehr wird man sich dann auch seinen eigenen Standpunkt erarbeiten, seine eigenen Denkansätze bilden. Dieses Buch ist deshalb genauso für Literaturwissenschafts- bzw Germanistikstudierende geeignet, wie auch für literaturinteressierte Laien empfehlenswert. Die im Buch angehängte umfangreiche Bibliographie bietet dann auch noch weitere Hinweise für den geneigten Leser, wie er noch tiefer in diese Materie eintauchen kann.

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