Bücher mit dem Tag "mystizismus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "mystizismus" gekennzeichnet haben.

21 Bücher

  1. Cover des Buches Das verlorene Symbol (ISBN: 9783404160006)
    Dan Brown

    Das verlorene Symbol

     (2.003)
    Aktuelle Rezension von: JourneyGirl

    Auch dieses Buch ist absolut spitze! Schade, dass es nie verfilmt wurde! Das Buch spielt in Washington D.C., einer traumhaften Stadt... Dan Brown schreibt einfach gute Bücher!

  2. Cover des Buches Meister und Margarita (ISBN: 9783423143011)
    Michail Bulgakow

    Meister und Margarita

     (429)
    Aktuelle Rezension von: claudiaZ

    Grundsätzlich mag ich Bücher, in denen die Handlung nicht vorhersehbar ist, die mich vielmehr überraschen. Hier stellte sich für mich beim Lesen jedoch die Frage, ob das Maß überschritten wurde.

    Zu Beginn konnte ich die Handlung sehr gut nachvollziehen und die gesellschaftskritische Satire gut interpretieren. Später ging für mich die Handlung komplett ins Fiktionale über. Interessant fand ich die Einbindung des Erzählstrangs, der in Jerschalaim spielt.

    Hilfreich war im Nachhinein, das in meiner Ausgabe enthaltene Nachwort der Übersetzerin Alexandra Berlina. Vieles wurde dadurch verständlicher. Auch habe ich mich mit dem Leben bzw. den Lebensumständen Bulgakows beschäftigt, wodurch nochmals Einiges klarer wurde. Vor diesem Hintergrund finde ich den Roman wirklich bemerkenswert. Ein re-read ist nicht ausgeschlossen.

  3. Cover des Buches Der Club Dumas (ISBN: 9783458362494)
    Arturo Pérez-Reverte

    Der Club Dumas

     (154)
    Aktuelle Rezension von: Anita27a



    Ein Roman der es verstand mich phasenweise zu fesseln, aber auch gewaltige Längen hatte und ein Ende das mich etwas ratlos zurück lässt.

    Ohne den Film "Die neun Pforten " zu kennen, nahm ich mir aus meinem SuB das Buch "Der Club Dumas " von Arturo Perez-Reverte zu lesen vor. Der Klappentext versprach ein mysteriöses Krimierlebnis vor bibliophilem Hintergrund.
    Tatsächlich gab es bereits auf den ersten Seiten einen Toten und einen Hinweis auf einen Text aus der Feder Alexandre Dumas dem Fortsetzungsroman
    " Die drei Musketiere " zugehörig.
    Lucas Corso ein " Bücherjäger" , also jemand der für Geld seinen Auftraggebern kostbare Buchschätze zu besorgen weiß, wird von einem Freund gebeten eben jenen handgeschriebenen Text auf seine Echtheit hin zu überprüfen.
    Parallel hierzu erhält Corso von einem zwielichtigen einflussreichen Antiquar den Auftrag, ein kostbares okkultes Buch von dem es wissentlich nur noch drei Exemplare gibt und nur eines davon original zu sein scheint, mit den übrigen Exemplaren zu vergleichen.
    Corso macht sich also auf den Weg um die Besitzer der beiden anderen Ausgaben aufzusuchen und merkt schon bald, dass er selbst in Gefahr ist.
    Es beginnt eine Verfolgung durch Europa und bald weiss man nicht mehr so genau was real ist und was fiktiv.
    Die beiden Aufträge überschneiden sich und Corso empfindet seine Rolle bald als marionettenähnlich in einem undurchsichtigen Spiel voller Intrigen.

    Eigentlich wäre der Plot recht spannend und phasenweise hat mich das Buch auch zu fesseln verstanden. Die ausschweifenden dazwischengeschobenen Schilderungen, sei es aus der Welt des Buchdrucks oder andere bibliophile Themen betreffend, haben mich in meinem Lesefluss jedoch etwas behindert.
    Es gibt sicher interessierte Leser die gerade diese Passagen an dem Buch sehr schätzen, hierzu gehöre ich nicht.
    Dennoch habe ich nicht aufgegeben. Der Schluss war für mich dann doch überraschend und lässt mich mit einigen offenen Fragen zurück.
    Insgesamt ein phasenweise durchaus spannendes Leseerlebnis voller Mystik, ein bisschen Erotik, ein bisschen Schaudern und das alles vor der Ahnung, dass irgendwie der Teufel seine Finger mit im Spiel hat , oder?

  4. Cover des Buches Kafka am Strand (ISBN: 9783832178666)
    Haruki Murakami

    Kafka am Strand

     (1.086)
    Aktuelle Rezension von: RoyalAlbert

    Der Roman von Haruki Marukami beschreibt in mehreren aufeinander zulaufenden Erzählsträngen die vom Schicksal des Lebens geprägten Protagonisten in Anlehnung an die Ödipus Tragödie. Faszinierend ist, wie die Hauptfiguren zueinander in Beziehung stehen, wie sie ihre Schicksale angehen und  nach und nach die einzelnen Handlungsstränge miteinander verbunden werden. Keiner versteht es wie Haruki Marukami, Tragik, Skurriles und Witz so miteinander zu verbinden. Sprachlich ist der Stil des Autors etwas ganz Besonderes. Die einzelnen Erzählebenen wechseln zwischen Traum und Wirklichkeit und ließen mich an einen meiner Lieblingsromane von Carlos Ruiz Zafon Das Spiel des Engels erinnern. Ein großartiges Buch ist „Kafka am Strand“. Etwas fordernd ist das offene Ende, aber darin kann auch der Reiz liegen.

  5. Cover des Buches Unheimliche Geschichten (ISBN: 9783423281188)
    Edgar Allan Poe

    Unheimliche Geschichten

     (105)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly

    Unheimliche Geschichten aus der Feder von Edgar Allan Poe im Duett mit Benjamin Lacombes‘ wundersamen Illustrationen. Diese Mischung erhöht den Gänsehauteffekt, den die schaurigen Geschichten Poe’s erzeugen. Lacombe’s Interpretationen der Personen und einzelner Schlüsselsequenzen aus den Geschichten treffen die Stimmung sehr deutlich, da seine im ersten Moment „verniedlicht“ wirkenden Persönlichkeiten durch Haltung und Mimik eine sehr intensive Aussagekraft transportieren. In E.A. Poe’s Geschichten entwickeln sich ebenso die offenbar harmonischen Beziehungen schnell zu puren Grausamkeiten und stetiger Düsternis. Stille, freundliche Persönlichkeiten verkehren sich ins krasse Gegenteil oder erleiden schlimme Krankheiten, die sie dahinsiechen lassen. Lacombe fängt die schleichende Melancholie bis hin zum schaurigen Gewaltmoment auf seine eigentümlich bezaubernde Art ein.

    Eine perfekte und sehr gelungene Kombination, die zur Lektüre der schaurigen Klassiker, wie z.B. Der schwarze Kater oder der Fall des Hauses Ascher anregt.


  6. Cover des Buches Friedhof der Kuscheltiere (ISBN: 9783453441606)
    Stephen King

    Friedhof der Kuscheltiere

     (1.955)
    Aktuelle Rezension von: Emi_readsbooks

    Friedhof der Kuscheltiere ist ein sehr bekanntes Werk von Stephen King und ich habe es auch bereits vor etwas längerer Zeit gelesen, dennoch wollte ich dazu gerne eine Rezension verfassen.

    Louis und Rachel ziehen gemeinsam mit ihren Kindern Ellie und Gage und deren Kater in eine neue Kleinstadt. 

    Man wird langsam in die Geschichte eingeführt; kann den Protagonisten und seine Familie kennenlernen. Dann jedoch geschieht ein Unglück und alles läuft aus dem Ruder. 

    Purer Nervenkitzel und Gänsehautmomente sind hier garantiert, und dann dieses Ende 😱

  7. Cover des Buches Die Nonnen von Sant' Ambrogio (ISBN: 9783423348447)
    Hubert Wolf

    Die Nonnen von Sant' Ambrogio

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Lesefreund6203


     

    Das dies ein Sachbuch ist, das muss sich der Leser hier und da vor Augen halten, denn wie ein Thriller, ein historischer Kriminalroman, ein intensiv und spannend erzählter Gerichtsthriller kommt das Buch von Hubert Wolf in großen Teilen daher.

     

    Wenn die „Dramaturgie einer Vergiftung“ als Augenzeugenbericht nachvollzogen wird, wenn über „weitere Morde“ fast lapidar Zeugnis abgelegt wird, dann lässt sich eine leichte Schauder nicht verhindern. Und wenn man den gewundenen Ausführungen so mancher Beklagter im Buch folgt, dann sind solche „neuscholastischen Windungen“ nicht anders, als die altbekannten, wohl formulierten und wohl klingenden, inhaltslosen Ausreden, die man bis heute von manchen Kreisen der Kurie „um die Ohren“ bekommt.

     

    Ein Buch auch, dass natürlich Wasser auf die Mühlen all jener Kirchenkritiker ist, deren schlimmste Annahmen von Sumpf und Morast, von sexuellen Orgien und machtvoller Härte im Schutz der eigenen Interessen durch diesen Inquisitionsprozess aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bei weitem noch übertroffen wird.

     

    Im Mittelpunkt stehen, vordergründig, die Nonnen des Klosters Sant`Ambrogio. Ein Ort, an dem nicht nur das „Geistliche“ der Nonnen hoch verehrt wird (und Nonnen gar zu ebzeiten als „Heilige“ verehrt wurden), sondern auch „das Weibliche im Geistlichen“, wenn man es freundlich ausdrücken will. Nichts anderes als  verbrämte sexuelle Untiefen sind es, die dort an der Tagesordnung sind, hintergründig gesteuert von ausgewählten Mächtigen des Jesuitenordens unter Einbeziehung hoher bist höchster Würdenträger des Vatikans. Und sollte man meinen, das Ganze als „Verwirrungen des Fleisches“ abtun zu können, fällt es schwer, die Vergiftungen und Morde zu erklären, die über jene Nonnen einbrachen, die den Versuch unternahmen, sich zu wehren.

     

    Ekstase, mythische Verzückung, spezielle sexuelle Übergriffe gegen Novizinnen, wie der Ausbund uralter und wegdriftender Sekten mitsamt exorbitanter Körperlichkeit und sexueller Dynamik wirkt das, was da im „Namen der Jungfrau Maria“ alles hinter verschlossenen Klostertüren geschieht.

     

    Und dass dies Hubert Wolf zugänglich ist in der Gegenwart, auch dies liegt an alten, verkrusteten Strukturen der katholischen Kirche. Denn einen Prozess gab es, als eine Nonne Hilfe suchte. Eine Inquisition, die ihresgleichen in der Kirchengeschichte sucht und kaum findet. Weit gefehlt aber, wer davon ausgehen würde, dass es hier um „größtmögliche Aufklärung“ in irgendeinem öffentlichen Sinne gegangen wäre.

     

    „Geheimakten“ sind es, unter tiefstem Verschluss gehalten wurden die Ergebnisse, die Aussagen, die Akten dieses Prozesses. Und die dann doch für die Forschung zugänglich wurden und Wolf diese Akten sich vorgenommen hat.

     

    Sowohl also die Geschehnisse als solche, wie auch der Umgang mit den Akten und die Folgen für die Beteiligten werfen ein sehr bezeichnendes Licht auf die Umgangsformen der katholischen Kirche auf Skandal, die im stark sexuellen angesiedelt sind und auch vor Mord nicht zurückschrecken. Wer nun meint, dies alles sei ja „tiefstes Mittelalter“, der achte auf die Zeit, in der dies geschah (der Neuzeit nahe) und auf die Parallelen zu Ereignisse auch in den letzten Jahrzehnten.

     

    Ein detailliert recherchiertes Buch, das weitgehend flüssig zu lesen daherkommt, sich allerdings hier und da in kleinteiligen Einzelheiten auch festhakt. Was aber den überzeugenden Gesamteindruck nicht grundlegend schmälert.

  8. Cover des Buches Das Foucaultsche Pendel (ISBN: B005QMPEXU)
    Umberto Eco

    Das Foucaultsche Pendel

     (349)
    Aktuelle Rezension von: Andre-Schweda

    Warnung vor dem Buche.

    Wer sich in die verquere Welt von Esoterikern, Geheimbündlern, Kabbalisten und wie sie alle noch so heißen hineinspüren möchte, kann dies hier tun. 

    Eco entlarvt auf viel zu vielen Seiten und mit viel zu vielen Begriffen und Namen, den Kopfsalat der Mystiker und Konsorten. 

    Ich habe das Buch leider von Anfang bis Ende während dreier oder vierer Urlaube durchgelesen. Mühsam und schleppend ging's voran, stets mit der Hoffnung, dass noch etwas geschehen werde, was der Mühe wert sei; aber Pustekuchen!

    Eco zeigt deutlich, dass esoterischer Wahn und Verbohrtheit einen nicht aufzulösenden Bewusstseinswandel verursachen können, der mit Mitteln der Vernunft nicht mehr rückgängig zu machen sein kann. 

    Dennoch: Hier hätte ich gerne eine Zusammenfassung à la Reader's Digest gehabt, damit es schneller zu Ende gewesen wäre.



  9. Cover des Buches Der Genesis-Code (ISBN: 9783688112609)
    Christopher Forrest

    Der Genesis-Code

     (21)
    Aktuelle Rezension von: FlatArt
    Ich habe das Buch in einer soliden Buchhandlung erworben, ohne mich zuvor hier oder anderswo im Web nach Kritiken umzusehen. Der Einband sprach mich an, die auf der Rückseite des Covers dargestellte Synopsis klang zwischen all den gerade grassierenden Büchern mit Serienkillern und Vatikan-Thrillern geradezu erfrischend anders und interessant. Eine kurze Leseprobe auf den ersten Seiten ... okay ... na gut, gekauft!
    BÖSER FEHLER!
    Christopher Forrests Debüt ist eine Ansammlungen von Plattheiten und Klischees! Geradezu verzweifelt bemüht sich der Autor, um die ansich sehr gute Idee eine spannende Handlung zu konstruieren. Er springt von Handlungsort zu Handlungsort, führt vergleichsweise viele Nebencharaktere ein, ohne dem Leser anzudeuten, wer wichtig und wer als Randfigur vernachlässigbar ist - alle bekommen die gleiche (nicht all zu große) charakterliche Tiefe.
    Zur Hälfte des Buches war zwar klar, wer mit wem und wieso bereits schon mal vorher irgendwie etwas zu tun hatte, aber darüber hatte ich gänzlich das Interesse an der Geschichte an sich verloren.
    Ich habe das Buch zu Ende gelesen und ich kann jedem potentiellen Käufer versprechen: wer bereits ein paar Thriller gelesen hat, wird hier keine Überraschung erleben.
    Alles irgendwo anders schon mal besser gelesen!
    Die Auflösung des titelgebenden Rätsels geriet beinahe zur Nebensache. Aber das war mir egal. Ich war nur froh, dass es vorbei war und ich mir endlich wieder einen richtigen Thriller kaufen kann. Einen mit Spannung!
  10. Cover des Buches Tolkien und der Erste Weltkrieg (ISBN: 9783608984514)
    John Garth

    Tolkien und der Erste Weltkrieg

     (9)
    Aktuelle Rezension von: Arkron

    One key to understand The Lord of the Rings and all the other great works by Tolkien is his involvement in the First World War. Elements like a last minute rescue of the Rohirrim, or the role of Samwise Gamgee, or the mechanical beasts entering the battle of Gondolin clearly refer to his experience in the Battle of the Somme. 

    Tolkien was there in the horrors of the trenches, as a Second Lieutenant of the 11th Lancashire Fusiliers, from June to October 1916. He survived because he caught trench fever, returned to England reporting sick and never returned to action.

    Why doesn't the cover illustrate those trenches, then, why isn't there a tank, or soldiers in battle gear running through trenches? The photo is well-chosen, because it shows Tolkien as part of his beloved community at Exeter College. Consider, that Tolkien wasn't one of the first to be deployed as soldier, but decided to finish his degree in university first.  

    The core of this biography focuses on Tolkien's ways through the war. John Garth gives a fascinating portray, disentangles the complicated movements of WWI campaigns, and fleshes out how his schoolfriends of the T.C.B.S. club fared during the war. It is a highly involved and intense research into not easily accessible sources, and the author mastered them in a way which is accessible to a broader public. 

    One can literally watch the ideas leading to the Silmarillion coming to life. The author embeds and explains several poems from Tolkien and his friends through these early years. Tolkien started his mythology reluctantly before the Battle of the Somme. But only after he returned home, his ideas came to fruition in a kind of narrative explosion. His prose work started during his rehabilitation from trench fever back home in England, beginning with The Fall of Gondolin, continued with Beren and Luthien, and finished his Great Tales with The Children of Hurin. There was no idea of the Hobbit or the Lord of the Rings, and there was no Second or Third Age. 

    John Garth brings all this to life in a thorough amount of details. He contextualizes Tolkien as a war author. Where other authors of his generation like Graves, Sassoon, or Owen created a far more pessimistic, modern poetry, Tolkien reflected the fighting differently, staying with the naturalistic romances, taking a stance against the disenchantment of his time.

    The last part of the book concentrates on the effects on Tolkien's later Middle Earth writings, how formative they were, and how his experiences influenced the world he created. Although Tolkien himself hated such interpretation, Garth's analysis makes sense to me. 

    A huge mass of literary references and notes are given at the end of the book. Garth's choice to not add footnote numbers in the text was a good one. The book finishes with twelve pages of bibliography and a handy index. More interesting to the casual reader will be the middle part with several photos of Tolkien, and his Exeter friends of the T.C.B.S, and the maps illustrating the movements of the Battle of the Somme.

    You can see that this is not "yet another" Tolkien biography. It is a necessary one, adding much to the essential biography from Carpenter. The Mythopoeic Society honored the work with an Award for Inklings Study. 

    For further reading of the author, consider his Tolkien at Exeter College (review), and his newer Worlds of J.R.R. Tolkien: The Places that Inspired Middle-Earth (which I haven't read, yet).

  11. Cover des Buches Alchemie und Mystik. Das hermetische Museum (ISBN: 9783822888032)
  12. Cover des Buches Am Abgrund (ISBN: 9783492305938)
    Edward St Aubyn

    Am Abgrund

     (8)
    Aktuelle Rezension von: thursdaynext

    Am Abgrund widmet sich den „Sinnsuchern“. Wer bin ich?  Wohin werde ich gehen? Worin liegt mein privates Glück und besonders: Wie kann ich es erreichen? So unterschiedlich die Handlungsträger des Romans so verschiedenartig sind auch ihre Vorstellungen vom kleinen privaten Glück. Sei es den Sex zu verbessern, Geschäfte mit der Suche der nach der spirituellen Wahrheit zu machen, Impotenz zu heilen oder  die Traumfrau zu finden deren Erscheinen auf einen Schlag die persönlichen Befindlichkeiten ins unendlich positive drehen soll...

    Das liest sich witzig, wer Aubyns Der beste Roman des Jahres“  kennt findet hier wiederum die treffenden Menschenskizzen die in ihrer ihnen eigenen Bedürftigkeit so seltsam und komisch erscheinen. Es liest sich aber auch fürchterlich enervierend, denn diese private Nabelschau der Gedanken der Menschen im Selbstfindungsprozeß, die nur um sich selbst kreisen, während sie vorgeben nach Höherem zu streben und dieses auch glauben -  oder zumindest vortäuschen um ihre momentanen Bedürfnisse zu befriedigen - nervt ungemein.

    Sympathische Charaktere sind bei Aubyn eine Seltenheit. Dabei weckt er durchaus Mitleid im Leser für die Suchenden, auch für die unsympathischen. Den Roman trägt aber weder der Esprit mit welchem er die Protagonisten schildert während sie sich selbst entlarven noch Aubyns herrlicher Sprachwitz. Ein müdes Ennuie stellt sich bei fortschreitendem Lesen ein - immer wieder durchbrochen von Momenten inneren leisen Auflachens -  wie bei Stan und Karen, dem älteren Pärchen im Selbstfindungsworkshop Camp am Pazifik:

    "Karen lag in ihrem pinkfarbenemn Trainingsanzug auf dem Bett und lauschte ihrem Wellen bei Sonnenuntergang- Tape, das sie immer das sie immer mit einem einmaligen Gefühl friedvollen Staunens erfüllte. Stan, der in seiner prosaischen Art die Geduld seiner Frau manchmal auf eine harte Probe stellte, ging den Klippenrand entlang, betrachtete den Sonnenuntergang und lauschte den Wellen.“

     

    Die Fülle der Absurditäten und skurrilen Charaktere dominiert den Roman und pragmatischere Naturen denen zuvor schon klar war, dass Gurus und Heilsversprecher nichts taugen werden womöglich mühsam den Weg aus amüsanten Formulierungen bis zum verhauchenden Ende beschreiten.

     

    Fazit: Stellenweise prächtiges Kopfkino im Inneren der Köpfe anderer, deprimierend in der (gewollten?) Länge und Gleichförmigkeit, aber definitiv kein must read.

  13. Cover des Buches Okkultismus, Magie, Spiritismus (ISBN: 9783935189118)
    Gabriele Amorth

    Okkultismus, Magie, Spiritismus

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Waldviertler
    Der Autor dieses Buchs, Gabriele Amorth, ist ein römisch-katholischer Exorzist, der als Priester naturgemäß eine Aversion gegen den so genannten "Aberglauben" haben muss. Darum hat er ein sehr distanziertes Verhältnis, was das Kartenlegen, das Konsultieren von Wahrsagern und anderen Aspekten der Esoterik betrifft. Was ihn als Exorzisten von solchen christlichen Interpreten unterscheidet, die das alles für unwirksamen Blödsinn halten, ist die Tatsache, dass er es ernst nimmt, aber Gefahren darin sieht, dass man auf Abwege gelangen kann. Für den an Esoterik aller Schattierungen Interessierten ist das Buch eine gute Gelegenheit, einmal eine ganz andere Sichtweise kennenzulernen.
  14. Cover des Buches Gegen den Strich (ISBN: 9783849699178)
    Joris-Karl Huysmans

    Gegen den Strich

     (45)
    Aktuelle Rezension von: Aliknecht
    Inhalt: Der Held des Romans Jean Floressas des Esseintes ist der letzte Spross alten französischen Adels und ein exzentrischer vermögender Einzelgänger. Im Alter von 30 Jahren ist er des Lebens in Paris überdrüssig und richtet sich weit ausserhalb in Fontenay ein abgelegenes Haus nach seinen individuellen Vorstellungen ein. Für die erlesenste und geschmackvollste Austattung des Anwesens scheut er keinen Aufwand. Er bestimmt die Farben und Formen der Einrichtung in jedem Detail und lässt etwa durch einen Juwelier einer Schildkröte Edelsteine in den Panzer einarbeiten. 

    Des Esseintes vertieft sich in verschiedene Spezialgebiete. Ein Teil der an den Wänden seines orange-blauen Kabinetts angebrachten Bücherregale enthält ausschließlich lateinische Werke. Seine Bewunderung für Vergil ist mäßig, von Ovid fühlt er sich nur vage angezogen. Ebensowenig wie Cicero mit seinen "langatmigen Metaphern" und "verworrenen Abschweifungen" begeistert ihn der für seine lakonische Kürze berühmte Caesar. Erst ab Lukanus erscheint ihm die lateinische Sprache ausdrucksvoller und der Autor, den er wirklich liebt, heißt Petronius. Es folgen Schriftsteller des zweiten bis vierten Jahrhunderts, um dann zu Augustinus zu kommen. Gerne blättert er in den Werken des Apollinaris Sisonius und verfolgt die karolingischen Lateiner und die Chronisten bis ins Mittelalter. 

    Zur Ergötzung seines Geistes und zur Freude seiner Augen dienen Werke der Malerei. Ihn entzückt vor allem Gustave Moreau, von dem er ein Bild der Salome besitzt. Im roten Boudoir hängen Stiche mit Darstellungen aller Martern, die der Wahnwitz der Religionen erfinden konnte. Sie lösen bei Des Esseintes eine Gänsehaut aus. Während sich sein literarischer Geschmack und seine Beschäftigung mit der Kunst immer mehr verfeinert, entwickelt sich eine neue Liebe zu den Blumen. Er beschafft sich eine Sammlung von Kaladien und er läßt eine kolumbische Anthurie und indische Orchideen anliefern. Eine Alocasia Metallica - ein Meisterwerk des Künstlichen - erregt ihn ebenfalls. Vor allen andern betören ihn "die Vampire der Flora", die fleischfressenden Pflanzen, die Venusfliegenfalle von den Antillen und der Cephalotus. Aber die Freude an den Pflanzen versiegt allmählich und er wendet sich den Düften zu. Des Esseintes wird ein Künstler der Parfume-Herstellung. Er besitzt das gesamte Sortiment der von den Parfumeuren verwendeten Produkte und komponiert neuartige Duftbouquets. Er verarbeitet Ambra, Moschus und echtem Mekkabalsam. Aber irgendwann muss er das Fenster aufreissen,  um seine zerrütteten Nerven zu beruhigen und sinkt fast ohnmächtig nieder. 

    Nach kurzer Krankheit beschließt er, eine Reise nach England zu unternehmen. Er fährt nach Paris und will weiter nach Dieppe um ein Schiff nach Newhaven zu nehmen. Vor der Abfahrt sucht er in Paris eine Taverne im englischen Stil auf. Sie ist angefüllt mit Engländern. Er verzehrt einen Haddock, danach einen Stilton, trinkt zwei Pints of Ale und nimmt danach noch einen Brandy. Er müsste zum Bahnhof, aber die Beine versagten. So fährt er wieder zurück nach Fontenay und kommt dort mit dem Gefühl totaler körperlicher Erschöpfung und geistiger Ausgelaugtheit wie nach einer langen und gefährlichen Reise an. Es geht weiter bergab mit seiner Gesundheit und seinem seelischen Zustand bis ihn schliesslich sein Arzt in eine geschlossene Anstalt einweist. 

    Kommentar und Bewertung: Ich kam über Michel Houellebec, den vieldiskutierten französischen Gegenwartsautor, zu Huysmans. Houellebec lässt in seinem Roman "Unterwerfung" als Hauptfigur den Literaturwissenschaftler François auftreten. Dieser hat über den Autor Joris-Karl Huysmans promoviert und lehrt an der Pariser Universität III im fünften Arrondissement. Huysmans wurde 1884 mit seinem Roman "À rebours" (deutsch "Gegen den Strich") als Autor der Décadence berühmt. Die Décadence zielte auf eine verfeinerte, exklusive und möglichst künstliche Lebensform ab und bedeutet etwas anderes als der deutsche Begriff Dekadenz. Für Michel Houellebecq ist Huysmans ein wirklicher Ästhet, dem die Schönheit von Versen, Gemälden und Musik ein Beweis für die Existenz Gottes ist [1].

    Der handlungsarme Roman schildert den ästhetischen Genuss des Esseintes an den Objekten seiner Leidenschaft. Er trennt sich immer weiter ab von der realen Außenwelt und scheitert schließlich bei seinem letzten Versuch nach draußen zu gehen. Ihm genügt allein der Anschein englischen Lebens in der Pariser Taverne und er hat keinerlei Kraft mehr um wirklich aufzubrechen. Er zerbricht an der Ästhetik.  Der Roman ist wunderbar geschrieben, meisterhaft zum Beispiel der Abriss über die lateinischen Schriftsteller, die über mehr als ein Jahrtausend hinweg stets aufeinander aufbauend in einer großen Auf- und Abwärtsbewegung Kultur gesetzt haben. Es ist nur eine kleine Nische der Geschichte und einst weltberühmte Autoren sind heute nahezu unbekannt. Nur wohin führt die Betrachtung alldessen, wenn man den Kontakt zur Welt verliert? Ganz hervorragendes Buch!

    Ausgabe: Joris-Karl Huysmans, Gegen den Strich Aus dem Französischen von Brigitta Restorff Artemis & Winkler 2008 Düsseldor (gelesen im März 2017)

    Referenzen:
     [1]  Die Welt 03.01.2015 Interview Michel Houellebecq über sein
            neues Buch „Unterwerfung“ von Silvain Bourmeau
  15. Cover des Buches Die Wahrheit über "Das verlorene Symbol" (ISBN: 9783442154425)
  16. Cover des Buches Apocalypsis (ISBN: 9783404271498)
    Mario Giordano

    Apocalypsis

     (116)
    Aktuelle Rezension von: Yuria

    "Apocalypsis - Die Prophezeiung der Finsternis" ist der Auftakt einer dreiteiligen Vatikan-Thriller-Reihe von dem deutschen Autor Mario Giordano. Krimi und Thriller sind ja so gar nicht meins, dieses Buch wurde mir aber empfohlen, weil es "Illuminati"-mäßig sein soll und zwischendurch braucht man ja Abwechslung. Mir hat das Buch überraschenderweise gut gefallen, auch wenn mir manche Dinge zu abgedreht waren.

    Inhaltsangabe: Papst Johannes Paul III. ist zurückgetreten und spurlos verschwunden. Der Journalist Peter Adam stellt Nachforschungen an. Er stößt auf einen Orden, der seit Jahrhunderten gegen die Kirche arbeitet: Die Träger des Lichts. Die Verschwörer wollen den Weltuntergang herbeiführen. Sie stützen sich auf die Prophezeiung des Malachias: Der letzte Papst wird sich den Namen "Petrus II." geben. Mit ihm soll das Ende aller Tage kommen. Der vorletzte Name auf der Liste des Malachias ist der Name des verschwundenen Papstes - Johannes Paul III. Peter stößt auf ein weiteres Geheimnis: Seine leiblichen Eltern sollen bei einem Unfall ums Leben gekommen sein. Doch tatsächlich gehörten sie einst zu den Trägern des Lichts. Peters eigene Vergangenheit ist eng mit den dunklen Mächten verbunden: Für die Verschwörer ist offenbar er selbst der Schlüssel zur Apokalypse ...


    Meine Coverbewertung betrifft die E-Book-Ausgabe aus dem Jahr 2018: Ich finde das Cover sehr gelungen. Sofort kann man das Thema hinter dem Cover "Vatikan-Verschwörung" erkennen. Jedem, den dieses Thema interessiert, fällt sofort das Cover ins Auge.
    Die Inhaltsangabe gehört in meinen Augen unbedingt gekürzt, weil sie tatsächlich spoilert.

    Der Schreibstil des Autors hat mir extrem gut gefallen. Spannung wurde aufgebaut und es wurde nie langweilig. Wir wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit und auch zwischen unterschiedlichen Charakteren, um endlich zu erfahren, was da eigentlich passiert ist, und um was es überhaupt geht. Sehr lange bleibt der Leser im Unklaren, was überhaupt die Verschwörung ist. Grundsätzlich begleiten wir aber den Journalisten Peter Adam, der in den Vatikan reist, auf der Suche nach dem zurückgetretenen Papst. Dass auch mit Peter etwas nicht stimmt, wird dem Leser recht schnell klar. Was aber dahintersteckt, darüber rätselt man bis zum Schluss. Ist Peter nun ein Mörder oder ist er vollkommen unschuldig. Der Autor hat dieses Rätselraten wirklich sehr gut hinbekommen.

    Etliche Verschwörungstheorien finden in dieser Geschichte Einzug, nicht nur über den Vatikan sondern auch über den Finanzmarkt u.a. Einige sehr überzeugend, andere doch etwas lächerlich. Generell wurde in dem Buch etwas übertrieben, nicht nur bei den Verschwörungen sondern auch bei den brutalen Handlungen. Kurz dachte ich, man könnte das Buch auch in die Kategorie "Fantasy" einteilen, weil es zwischendurch echt abgedreht wurde.
    Auch die eingebaute Liebesgeschichte fand ich unnötig und auch unrealistisch. Vor allem bei unserem sehr draufgängerischen Protagonisten Peter, der ständig und immer auf Brüste starrt. Ein kleines Stelldichein mit einer Nonne, ja gut, der Fantasie sind ja keine Grenzen gesetzt, aber die große Liebe ... naja. Genauso überzogen, wie der restliche Inhalt des Buches.

    Trotzdem hat mich das Buch sehr gut unterhalten, es war durchgehend spannend und es gab etliche Wendungen, die ich überhaupt nicht kommen gesehen habe. Wenn man einmal mit dem Lesen beginnt, kann man so schnell nicht wieder aufhören.
    Das Ende hat mich absolut schockiert zurückgelassen - für mich völlig unerwartet. Ich saß völlig verdattert in meinem Lesesessel und dachte nur: WAAAAAAS?! :D
    Daher 4 Sterne von mir und ich werde die Reihe auch weiterverfolgen! Wer auf der Suche nach einem Thriller a la Dan Brown ist, ist hier goldrichtig. 


  17. Cover des Buches Ferne Verwandte (ISBN: 9783442743025)
    Gaetano Cappelli

    Ferne Verwandte

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Cappellis wunderbarer Roman über einen Schlawiner, der durchs Leben findet, Kiffer Säufer Frauenschwarm, und doch ist das einzige, was ihn wirklich umtreibt, die Sehnsucht nach den USA. Unter der tyrannischen Großmutter Nonnilde aufgewachsen, vom Tagedieb Pit in die Freuden des Müßiggangs und des Kiffens eingeweiht, sind ihm bald alle Frauen willig (eine Verfilmung bekäme nur eine "Ab 18"-Freigabe!), triebgesteurt taumelt er durchs leben und machte so alle Phasen neuerer italienischer Geschichte mit (als Beatnik, Hippie usw.). Herlich komisch, mir wie viel Selbstironie hier die Italiener durch das gelato gezogen werden, ein großartiges Buch!
  18. Cover des Buches Die analoge Revolution (ISBN: 9783570501375)
    Christian Schwägerl

    Die analoge Revolution

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Lesefreund6203
    Die Macht über die Daten

    Analoge und digitale Welt treffen in der Gegenwart intensiv aufeinander.

    Einerseits digitalisiert sich „die Welt“, Datenströme, Informationsflut, Selbstvermessung, ständige Kommunikationsmöglichkeiten, weitreichende Steuerprogramme für automatisierte Abläufe und vieles mehr kennzeichnet den Alltag bis hin dazu, dass „das Private öffentlich wird“ (und das nicht immer freiwillig).

    Andererseits wird das Digitale auch der „Analogisierung“ unterzogen. In den Bereichen der KI, der Robotik, der selbstlernenden Systeme liegen menschliche-analogen Denkweisen zugrunde, die erster Input zur Digitalisierung sind.

    So trifft der Untertitel des Buches den Status Quo des aktuellen Prozesses sehr genau:
    „Wenn Technik lebendig wird und die Natur mit dem Internet verschmilzt“.

    Eine Entwicklung, die Schwägerl zunächst sehr verständlich in ihrer Entwicklung im Buch auch fiktional nachzeichnet.

    Dieser Prozess ist aber nicht der eigentliche Schwerpunkt seiner Gedanken, sondern Schwägerl geht vor allem der Frage nach, wer denn „das Sagen“ in diesem Prozess faktisch besitzt und wer diese Macht eigentlich besitzen sollte, damit die von ihm benannten konkreten Gefahren (der Griff nach dem ganzen Leben, Endstation Singularität, „Hineinschritt“ statt „Fortschritt“) im Zaum gehalten werden können.

    Mit sehr lebendiger Erzählweise und sehr treffenden Projektionen für eine gar nicht ferne Zukunft führt Schwägerl dabei jeweils in seine einzelnen Themen ein.

    Der Verlust der Datenbrille („Er hatte diese Brille vom ersten Tag an gehasst. Jetzt, wo sie weg war, bekam er Angst. Er war nicht mit dem System verbunden, er hatte sein eigenes kleines Loch geschaffen, durch ein Versehen“) und der damit verbundene „Ausschluss“ aus der Welt ist eine der vielen Fiktionen, die Schwägerl dabei treffend nutzt.

    Einerseits liest sich das wie Science Fiction in Teilen, andererseits trifft Schwägerl den Nagel bereits für die Gegenwart auf den Kopf (und das war ja der Sinn dieser kleinen Fiction zu Beginn des Buches).
    Denn wie ist das jetzt schon, wenn das Internet mal ausfällt für einige Stunden? Das Smartphone sich verabschiedet und Ersatz einige Tage dauert? Interessante Emotionen sind dann zu beobachten, auch an sich selbst, so selbstverständlich ist die digitale Welt bereits in die analoge Kultur implementiert.

    Eine Verschmelzung, die weiter fortschreiten wird und für die Schwägerl in seiner besonderen Art und Weise der Annäherung an das Thema immer wieder Szenarien und Visionen vor Augen führt, die das technisch Mögliche weiterdenken.

    Das ist gewöhnungsbedürftig, dieses andere Form eines ja doch Sachbuches, funktioniert aber bei fortschreitender Lektüre durchaus, auch wenn manche Szenarien noch überaus abstrakt wirken.

    Immer klarer lesen sich die Grundgedanken Schwägerls heraus. Der „gesteuerte“ Weg des Menschen zum Egoismus, die „Vereinzelung“ auf Kosten des Blicks für die Bio-Unität, die Behauptung des „Ich“ als einer Illusion des Stoffwechsels statt einer fassbaren und eigenständigen Komponente des menschlichen Seins, all dies sind Fehlentwicklungen, die Schäwgerl benennt, welche die Gefahr einer digitalen Isolation befördern können.

    Ein Umdenken ist es, das Schwägerl als roten Faden des Buches anmahnt.
    „Panarchie statt Egoshooting“ und damit demokratische Kontrolle der „Systeme“ statt Nutzung der digitalen Möglichkeiten als Machtinstrumente.

    Das Verbindende zu stärken, auch im digitalen Prozess, das „Ego-Gen“ wieder zu schwächen, gemeinsam die Kontrolle auszuüben und damit eine echte „Fortentwicklung“ statt eine „passiven Hineingezogen-Werdens“ zu ermöglichen, dafür bietet Schwägerl Ideen und Alternativen, nachdem er den Status quo kreativ dem Leser auch emotional nahegebracht hat und die Gefahren ebenso kreativ vor Augen geführt hat.

    Eine empfehlenswerte Lektüre, die durchgehend den Blick auf die Menschen als grundlegend und von Natur aus „verbundene, soziale und vielschichtige Lebewesen“ schärft und zur Verantwortung für die weitere Entwicklung genau auf dieser Grundlage Impulse vermittelt, auch wenn nicht alle teils abstrakten „Visionen“ des Autors überzeugen und er zum Ende hin doch ein wenig in transzendente Gefilde abdriftet.
  19. Cover des Buches Clarice Lispector (ISBN: 9783442749041)
    Benjamin Moser

    Clarice Lispector

     (2)
    Aktuelle Rezension von: alasca
    Hommage an eine Literaturikone
    Clarice Lispector (sprich: Clarißi, mit langem i und scharfem s), in Deutschland weitgehend unbekannt und anlässlich der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, bei der Brasilien Gastland war, vom Schöffling Verlag neu aufgelegt, ist eine Ikone der brasilianischen Literatur, ja mehr als das: Sie ist eine Nationalheldin Brasiliens. Ihr Werk entzieht sich der Einordnung; es ist sprachlich eigentümlich, sehr persönlich, schwer zugänglich. Trotzdem übt es eine Faszination aus, der man sich kaum entziehen kann. Ihr Roman „Nahe dem wilden Herzen“ hat mich verwirrt, gefesselt, irritiert, fasziniert – und neugierig auf die Frau gemacht, die ein solches Werk geschrieben hat. So kam ich zu Benjamin Moser und seiner Biografie.

    Während seiner Lesung im Literaturhaus Bonn sagte Benjamin über seine Arbeit an der Biographie: „Ich habe mich in Clarice verliebt. Je mehr ich über sie erfahren habe, umso mehr habe ich mich in sie verliebt.“ Schaut man die Fotos an, auf Cover, Vorsatzblatt und auf den 16 Bildseiten in der Mitte des Buches, dann kann man das verstehen. Schon ihr Äußeres ist außergewöhnlich, ihre schrägen Augen, ihre Eleganz, die Anmut ihrer Figur.

    Um die komplexe Persönlichkeit seines Objektes zu erschließen, schlägt Moser einen weiten Bogen. Die Biographie setzt ein mit ihren Großeltern, lange vor Lispectors Geburt, vor der Wende des 20sten Jahrhunderts, in dem typischen osteuropäischen jüdischen Schtetl von Tschetschelnik und beschreibt die Umstände, die ihre Eltern zur Auswanderung nach Brasilien zwangen. Lispector wird in ein Höllenszenario aus Hunger und fortlaufenden Pogromen hineingeboren. Endlich gelingt die Ausreise, aber auch der Anfang in Brasilien ist für die Familie nicht leicht. Lispectors Vater, ein begabter Mathematiker, bleibt zeitlebens unter seinen Möglichkeiten. Ihre Mutter wurde während einem der Progrome in einer Gruppenvergewaltigung mit Syphilis angesteckt; als Kind muss Clarice hilflos mit ansehen, wie sie über Jahre hinweg daran zugrunde geht. Moser weist glaubhaft nach, dass dies ein Schlüssel zu ihrem Leben und Werk sein wird. Ebenso weiten Raum nimmt der geschichtliche und politische Kontext in Brasilien ein. Man erhält mit der Lektüre der Biographie ganz nebenbei einen Grundkurs in neuerer brasilianischer Geschichte und Literaturgeschichte, ohne die Lispectors Lebenslauf nicht verständlich würde. Ein Stammbaum der Familie Lispector verbildlicht die komplizierte Familienstruktur; Landkarten der Westukraine und Brasiliens helfen bei der geografischen Verortung. Ein etwa 80seitiger Anhang mit akribischen Quellennachweisen und Anmerkungen illustriert die Gründlichkeit, mit der der Autor zu Werke gegangen ist.

    Besonders gefielen mir die Passagen, in denen Moser Lispectors Werke interpretiert. Er beweist ein beeindruckend tiefes Verständnis für Lispectors Romanwelten, die ihrem inneren Kosmos entsprochen haben müssen und bei denen es schwerfällt, sie mit ihrem „äußeren“ Leben zusammen zu bringen. Ihre Themen sind Freiheit, Transzendenz, Tod, die Mystik im Geiste Spinozas. Mosers Zuneigung zu seinem Forschungsobjekt ist bei jedem Satz fühlbar. Manchmal geraten ihm seine Formulierungen fast schwärmerisch: „“Der Held des Widerstands gegen die deutsche Besatzung musste sich in der Konfrontation mit Clarice Lispector geschlagen geben.“ Dann wieder gelingen Moser knappe Formulierungen, die ähnlich überraschend anmuten wie die von Lispector, etwa wenn er anmerkt: „Die Schweiz war weniger, als sie ertragen konnte.“ Moser tastet sich an die Befindlichkeiten einer hochintelligenten, widersprüchlichen, hypersensiblen Frau heran, indem er ihr Leben in Bezug zu ihren Texten und ihre Texte in Bezug zum Ungelebten, Ersehnten, nie Erreichten setzt.

    Er greift dabei auf eine Vielzahl von Quellen zurück: Ihre Schwestern, Mitglieder des Diplomatencorps, Literaten und Journalisten Brasiliens, Freunde, Dienstboten, ihre eigenen Notizen und Briefe. Anhand dessen rekonstruiert er den Weg von der übermäßigen Angepasstheit einer Diplomatengattin („Ich versuche, zu tun, was man tun soll…, um den Preis meines inneren Gleichgewichts, das spüre ich…“) zur egozentrischen Einsiedlerin, die an sich und der Welt mehr und mehr leidet. „Sie spürte, was sie empfanden, bevor es ihnen selbst bewusst wurde“, sagt Lispectors Schwägerin Eliane über Clarice und ihr Verhältnis zu ihren Mitmenschen. „Alles trifft mich – ich sehe zu viel, ich höre zu viel, alles verlangt mir zu viel ab“, notierte sie selbst über sich. Ihre Landsleute, vielfach auch ihre Freunde empfanden sie als rätselhaft; Journalisten verzweifelten ob ihrer Reserviertheit.

    Bringt Moser es nun fertig, das brasilianische „Monstre sacré“ zu enträtseln? Er bewirkt gleichzeitig weniger und mehr, denn die immer noch unerklärte Faszination überträgt sich auf den Leser. Moser lässt die verletzliche, furchtlose, in ihrer Besonderheit einsame Frau ahnen, die sich hinter ihrer öffentlichen Fassade verbarg und bietet einen möglichen Schlüssel zu ihrem inneren Raum an. Gleichzeitig kann man die Verwirrung, aber auch Verehrung nachfühlen, die ihre Persönlichkeit bei ihren Zeitgenossen ausgelöst hat. Mosers Begeisterung und Zuneigung für sein Forschungsobjekt wirken ansteckend; das macht sein Buch zu einer inspirierenden Lektüre. Dazu beeindruckt sein Fachwissen und die Fülle des Materials, das er zusammengetragen hat.

    Mir hat die Lektüre große Lust gemacht, mich auf ein weiteres Abenteuer in Clarices Romankosmos einzulassen.
  20. Cover des Buches Die Cygnus - Delegation (ISBN: 9783453306462)
    Michael Bishop

    Die Cygnus - Delegation

     (1)
    Aktuelle Rezension von: rallus
    Auf der Erde herrschen in der Zukunft die Kirchen, Häretiker werden vergast; die Kämpfe zwischen den Religionen sind an der Tagesordnung, selbst die Regierung ist "durchleuchtet" Da treten Außerirdische auf den Plan die den Menschen die Offenbarung bringen. Bedrückende Utopie!
  21. Cover des Buches Das Foucaultsche Pendel (ISBN: 9783867177917)
    Umberto Eco

    Das Foucaultsche Pendel

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