Bücher mit dem Tag "konzentrationslager"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "konzentrationslager" gekennzeichnet haben.

370 Bücher

  1. Cover des Buches Die Bücherdiebin (ISBN: 9783570403235)
    Markus Zusak

    Die Bücherdiebin

     (4.585)
    Aktuelle Rezension von: Felis2305

                


    ** spoiler alert **
    Ein sehr gut erdachter Plot, im Grunde ein sehr einfacher sogar.
    Allerdings in seiner Einfachheit nicht einfach zu lesen weil er sehr starke Bilder hervorruft und man so die Geschichte nicht wirklich liest sondern erlebt.
    Die Geschichte der Lisel Memminger, der Bücherdiebin.
    Und am Ende habe ich geheult…

    Was ich aber auch sagen muss: Ich persönlich würde das Buch keine*n Jugendliche*n lesen lassen ohne selbigen die Einordnung in den historischen Kontext der Geschichte zu geben, und auch das nur wenn die*der Jugendliche psychisch stabil genug ist
  2. Cover des Buches Die Überlebenden (ISBN: 9783442479085)
    Alexandra Bracken

    Die Überlebenden

     (428)
    Aktuelle Rezension von: minzwolke

    MEINUNG?

    Alexandra Bracken kreiert in diesem Werke eine spannende, dystopische Welt, in der die letzten überlebenden Kinder nach einem die meisten Kinder auslöschenden Virus besondere Fähigkeiten aufweisen und aufgrund dieser in Lager eingesperrt und von der Außenwelt abgeschirmt werden.
    Mich hat die Idee dieses Konzeptes schnell gefesselt, weshalb ich das Buch innerhalb von vier Tagen gelesen habe. Es wird eine eher beklemmende Atmosphäre erzeugt, die das Genre der Dystopie gut trifft.

    Zum guten Lesefluss beigetragen hat nicht nur der schöne Schreibstil, sondern unter anderem auch die Protagonistin Ruby, aus deren Sicht die Handlung wiedergegeben wird.

    Die Protagonistin ist ein selbstbewusster, starker Charakter und trotz ihrer teilweise unrealistischen sehr stark ausgeprägten Empathie gefallen mir die Passagen der Geschichte, in denen ihr Charakter deutlich wird. An Cleverness und Geschicklichkeit mangelt es ihr nicht, wodurch ich mich angenehm in sie hineinversetzen konnte.
    Rubys Entwicklung wird das ganze Buch über sehr schön dargestellt; wir können sehen, wie sie sich sowohl in ihren magischen Fähigkeiten als auch ihre sozialen Kompetenzen betreffend positiv entwickelt. Anfangs noch gefürchtet, wurden Rubys besondere Fähigkeiten zum Ende des Buches hin immer ausgefeilter und auch detaillierter beschrieben, weshalb die Kontrolle über diese Kräfte für mich stets nachvollziehbarer wurde. Ich konnte somit mit Ruby parallel mitlernen, was den Lesefluss und die Authentizität gut beeinflusst hat.

    Ihre sozialen Kompetenzen erlernt Ruby langsam, nachdem sie auf die drei Überlebenden Liam (Lee), Suzume (Zu) und Charles (Chubs) stößt und eine Freundschaft zu ihnen aufbaut, wodurch sie Vertrauen und Verlässlichkeit neu erlernt. Hier spiegeln sich ebenfalls sehr gut die Traumata und prägenden Einflüsse der Lager wieder, in denen auch Ruby für eine Zeit lang lebte. Ihr Vermögen, auf Menschen zuzugehen, kann nur mit einem langwierigen Prozess hergestellt werden.
    Nichtsdestotrotz fehlt es mir dennoch hier etwas an den Überbleibseln der Lager. Solch eine langjährige Erfahrung kann nicht an einem Kind vorbeigehen, ohne wirklich tiefgehende Einkerbungen zu hinterlassen, so fehlten mir teilweise im Buch beispielsweise die Wiedergabe der Mentalitäten, die im Lager propagiert wurden.

    Neben der entstehenden Freundschaft entwickelt sich zwischen Ruby und Liam auch eine Liebesbeziehung, die stellenweise ganz süß ist, an der es mir im Gesamten aber an Gefühlen gefehlt hat. Das mag daran liegen, dass ich den Film „The Darkest Minds“ unwissend vor dem Lesen des Buches geschaut habe und mir hier die sehr gut dargestellte Chemie zwischen Ruby und Liam aufgefallen ist. Alle Gefühle wurden grandios rübergebracht, weshalb meine Erwartungen diesbezüglich an das Buch auch etwas höher waren und enttäuscht wurden.
    Zwar werden gelegentlich die Liebkosungen beschrieben, allerdings mangelt es an den tiefgründigeren Gedanken, die z.B. den Charakter des Partners betreffen und die Emotionen von Ruby authentisch rüberbringen. Das Potenzial wurde hier, meiner Meinung nach, nicht vollkommen ausgeschöpft.

    Die Handlung macht diese Makel jedoch wieder wett, denn als Leser wird man von einem Ereignis in das nächste gesogen und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Zwischendurch gibt es schön beschriebene ruhigere Momente, die einen sehr guten Ausgleich zu all der „Action“ bilden.

    Das Buch endet letztendlich mit einem sehr gemeinen Cliffhanger, der neugierig auf die zwei weiteren Bände macht. Ich persönlich bin sehr gespannt, was mich in der Trilogie noch alles erwarten wird, da ich das ganze Buch über etwas das Gefühl hatte, dass in der für Ruby verborgenen Außenwelt etwas Großes geplant wird/ wurde, das nur darauf wartet, von uns Lesenden entdeckt zu werden.


    FAZIT:

    Von mir gibt es vier ☄️☄️☄️☄️ von fünf, weil mich die Protagonistin, die Nebencharaktere und die Handlung im Ganzen doch überzeugt haben. Stellenweise fehlt es mir etwas an der Authentizität von Ruby und ihren Gefühlen, eine Empfehlung für das Buch kann ich dennoch nur geben (und die Verfilmung fand ich auch nicht schlecht ;))!

  3. Cover des Buches Winter der Welt (ISBN: 9783404169993)
    Ken Follett

    Winter der Welt

     (788)
    Aktuelle Rezension von: Lisi33

    Die Geschichte handelt von der Zeit vor und während dem 2. Weltkriegs. Sie wird anhand vieler Handlungsstränge erzählt, von denen viele die Fortsetzung des 1. Buchs der Trilogie sind. Das Buch ist sehr spannend zu lesen, auch und vor allem weil viele vertraute Bekannte aus dem 1. Teil  wieder vorkommen. Außerdem frischt man quasi im Vorübergehen sein geschichtliches Wissen auf  

    Teilweise ist die Handlung jedoch etwas zu blumig erzählt, und rein ‚zufällig‘ ist an jedem großen, geschichtlichen Ereignis einer der Hauptcharaktere hautnah vor Ort.

  4. Cover des Buches Stella (ISBN: 9783446259935)
    Takis Würger

    Stella

     (324)
    Aktuelle Rezension von: Marcsbuecherecke

    Was kann ich zu diesem Buch nur sagen? Ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich wirklich davon halten soll. Wie man durchaus bemerkt, wenn man sich auch übrige Rezensionen von mir anschaut, ist das Thema, welches dieses Buch anstimmt, mir immer sehr wichtig. Von Takis Würger hatte ich bisher auch nur Gutes gehört und so war ich mir sicher, das Stella mein erstes Buch dieses Autors sein sollte. 

    Gerade die Kombination mit einer wahren Begebenheit hat mich besonders angesprochen ... 

    Und genau diese Erwartungen haben sich leider als zu groß erwiesen. Die Geschichte ist in meinen Augen einfach nur flach dargstellt worden und wird der echten "Stella" nicht wirklich gerecht. Auch die Charaktere waren äußerst eindimensional und haben in mir keinerlei Bedürfnis nach Mitgefühl geweckt. 

    Dass ich das Buch nicht direkt abgebrochen habe, kann ich nur dem sehr guten Schreibstil zuschreiben. Dieser zeigt nämlich, dass Würger zu weitaus mehr fähig ist. 

    Lange Rede kurzer Sinn: 

     

    Fazit:

     

    Ich bereue es selten, dass ich ein Buch zu Ende gelesen habe. Allerdings ist es hier zumindest ein wenig der Fall. Von mir aus, dürfte das Buch auch wieder in der Versenkung verschwinden.  

  5. Cover des Buches Der Tätowierer von Auschwitz (ISBN: 9783492061377)
    Heather Morris

    Der Tätowierer von Auschwitz

     (190)
    Aktuelle Rezension von: Leseabenteuer

    Das ist ein Buch,welches mir lebenslang im Gedächtnis bleibt. Lale Sokolov ist slowischer Jude und wird 1942 nach Auschwitz deportiert. Die NS macht in zum Tätowierer, welches neben der Gräueltaten , aber auch sein Überleben bedeutet. Seine ganzen Gedanken und Gefühle kommen gut rüber und es ist erschreckend, was er mitmachen musste. Eines Tages muss er wieder neu angekommene Juden tätowieren und wird auf Gita aufmerksam. Es entsteht eine sanfte Liebe, die dem KZ stand hält. Bemerkenswert, wie Lale es schafft, immer wieder aus brenzligen Situationen, einen Ausweg findet. Sehr interessant fand ich auch den kurzen Überblick, wie sein Leben nach dem KZ weiter ging. Es wird kurz beschrieben, wie er mit dem Trauma lebt und sein Leben meistert. Eine sehr berührende, bewegende und intensive Geschichte.

  6. Cover des Buches Scherbenmond (ISBN: 9783839001516)
    Bettina Belitz

    Scherbenmond

     (810)
    Aktuelle Rezension von: Oktodoc

    Angefangen hat das Buch recht vielversprechend. Der Vater ist verschwunden und er hat Ellie eine Aufgabe hinterlassen. Sie soll ihren Bruder zurück holen und dabei auch einen Schlüssel in seiner Wohnung in Hamburg finden um einen Safe öffnen zu können.

    Dem Bruder geht's nicht so gut und Ellie möchte herausfinden was da nicht stimmt. Wie man sich denken kann: ein Mahr.

    Nachdem Ellie den Schlüssel gefunden hat, was schon recht schnell geschehen ist, endet die Story um den Vater auch schon bzw. wird komplett vergessen. Auch das Wiedersehen mit Colin läuft nach dem recht dramatischen Abschied vom Ende des 1. Bandes total unspektakulär ab. Kaum ist sie mal glücklich macht sie ihr Glück gleich darauf wieder kaputt. Ellies Gefühlsleben ist das totale Chaos, sehr negativ. Colin's Handlungen scheinen mir auch keinen rechten Sinn zu ergeben. Stellenweise kam es mir vor als hätte die Autorin die Handlungen einfach gewürfelt.

    Im Gegensatz zu Band 1 gab es hier mehr Abwechslung mit den Charakteren. Hauptsächlich hat sich immer noch alles um Ellie und ihr Innenleben und kaum um die Außenwelt gedreht aber durch die neuen Charaktere kam etwas Schwung in die Sache.

    Das Ende des Buches war ziemlich unkreativ.


    Nichtsdestotrotz habe ich das Buch recht interessiert und schnell fertig gelesen, habe mich immer mal aufgeregt und war gespannt was als nächstes passiert. Ich hoffe die Reihe bekommt ein gutes Ende, denn alles in allem fand ich die Story und die Idee bisher recht interessant.

  7. Cover des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama (ISBN: 9783596856916)
    John Boyne

    Der Junge im gestreiften Pyjama

     (2.286)
    Aktuelle Rezension von: Angelinaa07

    Ein kleiner Eindruck:

    Dieses Buch hat mich wirklich gefesselt. Ich habe es in knapp 2 Stunden an einem Stück gelesen und wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Alles um mich herum war wie ausgeblendet. Die Geschichte des Jungen im gestreiften Pyjamas und seinem Freund auf der anderen Zaunseite waren fesselnd und lassen mich auch jetzt nicht wirklich los. John Boyne hat für das Buch einen eher einfachen, leichten Schreibstil gewählt, aus einer kindlichen Sicht. Ich hatte den Verlauf der Geschichte so nicht erwartet, ich dachte, das Setting würde anders sein. Aber es war tatsächlich perfekt so, wie es war. Man kann gar nicht so viel zum Inhalt sagen, ohne zu viel zu verraten. Am besten lässt man sich ohne große Erwartungen oder Vermutung auf dieses Buch ein- und lässt sich von ihm verzaubern. 

    (Haupt-) Themen: Holocaust; Juden und ihr Schicksal; Kinder in einer Welt, die nicht für Kinder gemacht ist


    Positiv:

    • „Easy-Read“, gut für zwischendurch 
    • die kindliche Sicht verharmlost die tragische Geschichte nicht, jedoch ist sie nicht so brutal dargestellt, was mir besser gefallen hat 
    • Der eher „naive/kindliche“ Schreibstil gibt eine ganz neue Sicht auf das Geschehen 
    • wichtige Werte werden vermittelt


    Anders als erwartet/hat mir nicht so gut gefallen: 

    • das Leben des „nicht-jüdischen“ Kindes stand vor allem im Vordergrund, ich hätte mir eine größere Konzentration auf „den Jungen im gestreiften-Pyjama“ gewünscht 


    Fazit und Sternebewertung:

    Alles in allem ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. Abgesehen vom sehr wichtigen Thema, das darin behandelt wird, lernt man auch noch einmal, wie ein Kind zu denken und die Welt in ihren Augen zu sehen. Ein mancher wird hier bestimmt auch noch einmal seine Ansichten zu seinem Leben hinterfragen und sich für glücklich schätzen. 

    Ein nettes Buch, gut für zwischendurch, dass einem interessante und wichtige Denkanstöße gibt und einen nicht mehr so leicht los lässt.


    ⭐️⭐️⭐️⭐️1/2 (4,5 stars-read)

  8. Cover des Buches Der Vorleser (ISBN: 9783257261349)
    Bernhard Schlink

    Der Vorleser

     (5.721)
    Aktuelle Rezension von: Lovely_Lila

    * Spoilerfreie Rezension! *

     ~ „Der Vorleser“ ist ein unterhaltsamer, tiefgründiger, interessanter Literaturklassiker, der zum Nachdenken anregt und mir trotz seiner langatmigen Passagen insgesamt gut gefallen hat. Wird das Buch als Schullektüre verwendet, sollte darauf geachtet werden, die ernsten Themen (NS-Vergangenheit, Schuld) altersgerecht aufzubereiten und auch die problematischen Aspekte der Geschichte (Altersunterschied in der Beziehung) nicht unter den Teppich zu kehren, sondern klar anzusprechen. Von mir gibt es jedenfalls eine Leseempfehlung! ~

     

    Inhalt

    Als Michael sich krankheitsbedingt übergeben muss, kommt ihm eine fremde Frau zu Hilfe. Von der Familie wird er zu ihr geschickt, um sich mit Blumen zu bedanken. Er ist 15 Jahre alt, sie ist 36 und wird seine erste Liebe / Affäre. Da sie selbst nicht lesen kann, liest er ihr jeden Tag aus Klassikern vor. Doch eines Tages verschwindet sie plötzlich. Jahre später sieht sie Michael sie unter unerwarteten Umständen wieder und erfährt, dass sie die ganze Zeit ein schreckliches Geheimnis hatte…

     

    Übersicht

    Einzelband oder Reihe: Einzelband
    Erzählweise: Ich-Erzähler, Präteritum
    Perspektive: männliche Perspektive
    Kapitellänge: sehr kurz

    Tiere im Buch: + Im Buch werden keine Tiere verletzt, gequält oder getötet.
    Triggerwarnung: NS-Zeit, Holocaust, Tod von Menschen, Beziehung zwischen einem Minderjährigen und einer Erwachsenen, toxische Beziehung, Gewalt
    Bechdel-Test (zwei Frauen mit Namen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann): nicht bestanden!
     Frauenfeindliche / gegenderte Beleidigungen: ---

     

    Kurzrezension


    „Warum? Warum wird uns, was schön war, im Rückblick dadurch brüchig, dass es hässliche Wahrheiten verbarg?“ Seite 38

     

    „Der Vorleser“ gilt als literarischer Klassiker, den man gelesen haben muss, und als beliebte Schullektüre. Pflichtbewusst gekauft, verstaubte das Buch aber zuerst einmal 2 Jahre in meinem Regal, bis ich in den Sommerferien dieses Jahres endlich Lust darauf hatte. 

     

    Zuerst: Hat mir das Buch gefallen? Ja, durchaus! Aber ist es auch so großartig wie angepriesen? Da bin ich mir nicht so sicher. Auf meine hohen Erwartungen folgten zwar ein paar unterhaltsame, interessante und tiefgründige Lesestunden, aber leider auch Ernüchterung. Den ruhigen, unaufgeregten Schreibstil mochte ich, die philosophischen und moralischen Fragen, die immer wieder gestellt werden, haben mich zum Nachdenken angeregt, was mir ebenfalls gefallen hat. Aber Achtung: „Der Vorleser“ ist ein Literaturklassiker, der zwar viele (und vor allem: die richtigen) Fragen stellt, der aber keine klaren, einfachen Antworten liefert! 


    Die ernsten Themen (NS-Vergangenheit, Literatur, Schuld, Erwachsenwerden, erste Liebe, Analphabetismus) und ihre tiefgründige Ausarbeitung haben mich ebenso überzeugt wie die komplexen, glaubwürdigen Figuren (besonders Hanna ist sehr gut gelungen) und der sympathische, selbstkritische, nachdenkliche Protagonist. Teilweise ist diese Mischung aus Liebesgeschichte, Roman und Justizkrimi wirklich spannend geschrieben und es gibt einige unerwartete Wendungen. Aus feministischer Sicht fallen die starken, intelligenten, beruflich erfolgreichen Frauenfiguren positiv auf (besonders da der Roman 1995 erstmals erschienen ist), auch die Darstellung von Frauen als Täter·innen ist außergewöhnlich und bemerkenswert. Die Verfilmung, für die Kate Winslet sogar einen Oscar erhalten hat, werde ich mir auf jeden Fall noch anschauen! 


    Leider enthält das vielschichtige Buch aber auch sehr langatmige, zähe, handlungsarme Passagen, bei denen ich nur im Schneckentempo vorangekommen bin. Ich kann mir gut vorstellen, dass Schüler·innen hier die Geduld verlieren und das Buch abbrechen könnten. Außerdem könnten ihnen die teilweise recht expliziten sexuellen Beschreibungen unangenehm oder peinlich sein. 


    Doch wenn man sich die Frage stellt, ob dieses Buch als Schullektüre (für die Oberstufe, früher würde ich das Buch mit einer Klasse nicht lesen) geeignet ist, muss noch ein Punkt angesprochen werden: Hochproblematisch ist natürlich die toxische, teilweise sogar gewalttätige Beziehung / Affäre zwischen dem Minderjährigen Michael (15 Jahre alt) und der Erwachsenen Hanna (Mitte 30). Gesetzlich wäre so eine Beziehung zumindest in Österreich erlaubt, moralisch bleibt sie trotzdem mehr als fragwürdig, ist in meinen Augen sehr problematisch und grenzt für mich an sexuellen Missbrauch wegen der unterschiedlichen Lebenserfahrung und des Machtgefälles (das Hanna bewusst ausnutzt). Wenn das Buch in der Schule besprochen wird, sollte dieser Aspekt auf jeden Fall nicht ignoriert, sondern klar angesprochen und diskutiert werden. 

     

    Mein Fazit

    „Der Vorleser“ ist ein unterhaltsamer, tiefgründiger, interessanter Literaturklassiker, der zum Nachdenken anregt und mir trotz seiner langatmigen Passagen insgesamt gut gefallen hat. Wird das Buch als Schullektüre verwendet, sollte darauf geachtet werden, die ernsten Themen (NS-Vergangenheit, Schuld) altersgerecht aufzubereiten und auch die problematischen Aspekte der Geschichte (Altersunterschied in der Beziehung) nicht unter den Teppich zu kehren, sondern klar anzusprechen. Von mir gibt es jedenfalls eine Leseempfehlung!

     

    Bewertung

    Idee: 4 Sterne
    Inhalt, Themen, Botschaft: 4 Sterne
    Tiefe: 5 Sterne ♥
    Umsetzung: 3,5 Sterne
    Worldbuilding: 4 Sterne
    Einstieg: 4 Sterne
    Ende: 4 Sterne
    Schreibstil: 4 Sterne
    Protagonist: 4 Sterne
    Figuren: 5 Sterne ♥
    Spannung: 3 Sterne
    Tempo: 3 Sterne
    Wendungen: 4 Sterne
    Atmosphäre: 3 Sterne
    Emotionale Involviertheit: 4 Sterne
    Feministischer Blickwinkel: 4 Sterne
    Einzigartigkeit: 5 Sterne ♥


    Insgesamt:

    ❀❀❀,5 Sterne

    Dieses Buch bekommt von mir 3,5 Sterne! 

  9. Cover des Buches Abschied in Prag (ISBN: 9783453359598)
    Alyson Richman

    Abschied in Prag

     (80)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Prag in den 1930-er Jahren. Zwischen dem Medizinstudenten Josef und Lenka, einer Freundin seiner Schwester, bahnt sich eine zarte Liebesgeschichte an. Als die Zeiten für die jüdische Bevölkerung zunehmend unsicherer werden, heiratet das junge Paar, und bereitet mit den Eltern die Auswanderung nach Amerika vor.

    Durch unglückliche Umstände wird Josef von seiner Frau getrennt, und Lenka nach Theresienstadt deportiert. Ein ganzes Leben lang glaubt jeder der beiden Ehepartner, dass der andere den Krieg nicht überlebt hätte, bis sie sich 60 Jahre später in New York zufällig wiedersehen.


    Mit diesem Roman hat die Autorin ein wunderbares Buch über eine große Liebe in einer schrecklichen Zeit vorgelegt. Josef und Lenka sind von Anfang an die Sympathieträger, deren Schicksal sicher niemanden unberührt lässt, doch auch Eltern und Freunde werden sehr authentisch dargestellt. Als Leser nimmt man regen Anteil an den Repressalien, die das Leben der Juden in Prag immer unerträglicher macht. Berührend schreibt Alyson Richman von großen Zukunftsplänen, enttäuschten Hoffnungen, unfassbaren Grausamkeiten, aber auch von Hilfsbereitschaft, Loyalität, Durchhaltevermögen und der Macht der Liebe.

    Der Aufbau des Romans mit wechselnder Erzählperspektive hat mir sehr gut gefallen. Gefühlvoll, und doch in einer sehr eindringlichen Sprache lässt die Autorin ihre Leser am Unvorstellbaren teilhaben. Viele Details künden von intensiver Recherche, interessant auch die Rolle, die die Kunst in Theresienstadt als Zeichen des Widerstandes spielte.

    Die Handlung erschien mir von Anfang bis Ende sehr durchdacht und war logisch zu jedem Zeitpunkt gut nachvollziehbar. Packend erzählt, habe ich mich vom Strom der Ereignisse mitreißen lassen, und war vom Schicksal der hervorragend dargestellten Figuren sehr bewegt. Gerne gebe ich für diesen berührenden Roman die volle Punktezahl.

  10. Cover des Buches Bis ans Ende der Geschichte (ISBN: 9783328100515)
    Jodi Picoult

    Bis ans Ende der Geschichte

     (202)
    Aktuelle Rezension von: Kleinbrina

    Jodi Picoult gehört zu den Autorinnen, von denen ich nahezu alle Bücher besitze, aber bislang kaum etwas gelesen habe. Da mich ihr neuestes Werk „Bis ans Ende der Geschichte“ allerdings direkt angesprochen hat, wollte ich es sofort lesen und wurde nicht enttäuscht.

    Zwar muss ich zugeben, dass der Anfang sehr schleppend verlief, die Geschichte aber immer mehr in Schwung kam und mich danach in ein absolutes Gefühlschaos gestürzt hat, sodass ich das Buch nur selten aus den Händen gelegt habe. Die Geschichte wird dabei sehr flüssig und eindringlich erzählt, die Dialoge sind mal melancholisch, mal humorvoll und mal erschreckend, aber immer sehr passend und glaubwürdig. Dazu muss man sagen, dass die Autorin hier sehr gut recherchiert hat und über den zweiten Weltkrieg mit all seinen schrecklichen Seiten erzählt. Gleichzeitig sind die Figuren sehr gut ausgearbeitet, sodass man diese zwar nicht zwingend ins Herz schließt, dafür aber sehr gut kennen lernt.

    Sage fand ich von Anfang sehr sympathisch und habe oftmals mit ihr mitgefühlt. Sie arbeitet als Bäckerin und hat nur mit sehr wenigen Menschen zu tun, da sie sehr menschenscheu ist und gleichzeitig den Tod ihrer Mutter verarbeiten muss. Um den Tod zu verarbeiten, besucht sie seit einiger Zeit eine Trauergruppe und trifft dabei auf viele Gleichgesinnte, die ihr Mut machen. Besonders Josef, 93 Jahre alt, wächst ihr dabei ans Herz, allerdings lernt sie erst viel zu spät seine Vergangenheit kennen, denn diese ist sehr erschreckend und man kann zunächst gar nicht glauben, dass dieser gutmütige, alte Mann der Welt so viel Leid angetan hat.

    Josef war während des zweiten Weltkrieges in Auschwitz, hat eine Nazi-Vergangenheit und war an vielen Ermordungen an Juden beteiligt. Nun bittet er ausgerechnet bei Sage um Vergebung, was für sie nicht nur sehr schockierend ist, sondern auch einen persönlichen Bezug hat, denn Sage ist selbst Jüdin und ihre Großmutter musste selbst hautnah miterleben, wie sie und viele andere Menschen in Auschwitz behandelt wurden.

    Die Gespräche zwischen Sage und Josef waren hierbei sehr interessant, aber auch sehr erschreckend, sodass ich das ein oder andere Mal schlucken musste, denn die Autorin beschreibt die Geschichte sehr eindringlich und man fühlt sich, als sei man mittendrin. Auch die anderen Figuren, wie z.B. Sages Großmutter, aber auch Leo finden einen Platz in der Geschichte, auch wenn ich mir nicht so ganz sicher bin, ob die Geschichte Leo tatsächlich gebraucht hätte, da er für mich zu unnahbar wirkte.

    Das Cover ist sehr schön gestaltet, fast schon neutral, konnte mich aber dennoch direkt ansprechen. Auch die Kurzbeschreibung hat mir sehr gefallen, sodass ich das Buch unbedingt lesen wollte.

    Insgesamt hat Jodi Picoult mit „Bis ans Ende der Geschichte“ eine erschreckende Geschichte geschrieben, die in mir ein absolutes Gefühlschaos ausgelöst hat. Gleichzeitig hat die Autorin das Leben und das Leid in Auschwitz sehr gut recherchiert, sodass man hierbei eine sehr glaubwürdige und erschreckende Geschichte vorfindet. Ich kann es demnach nur empfehlen.





  11. Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783596512034)
    Herta Müller

    Atemschaukel

     (272)
    Aktuelle Rezension von: claida

    In dem Roman "Atemschaukel" von Herta Müller wird intensiv, mitreißend und zerstörend echt über die Deportation in ein russisches Arbeitslager berichtet.

    Die Person die man durch den Roman und die 5 Jahre im Lager begleitet ist der 17-Jährige Leopold Auberg. Man erfährt über sein Leben vorher, wie es sich im Lager langsam verändert und das Leben danach. Geprägt hat ihn der Satz der Großmutter "Ich weiß du kommst wieder", geglaubt hat es keiner bis er plötzlich wieder vor der Tür stand. Genau wie viele andere, aber nicht alle. Der Schrecken, die Arbeit, der Hunger alles wird aufgegriffen und detailliert erzählt. Vor allem alles was sich im und ums Lager abgespielt hat.

    Nachdem ich in den, zugegebener Weise sprachlich nicht ganz einfachen, Roman reingekommen bin, hat mich die Geschichte mitgerissen und nachhaltig beeindruckt. Man merkt in jedem Satz, dass der Roman auf Erzählungen des Oskar Pastior beruht. Er wurde damals deportiert und eigentlich wollte die Autorin mit ihm gemeinsam dieses Buch schreiben. Leider verstarb er vorher plötzlich, doch die Notizen der vielen Gespräche hat sie in diese Geschichte umgewandelt. 

    Die Emotionen die das Buch bei mir ausgelöst hat sind nicht in Worte zu fassen. Einfach erschreckend wie Menschen behandelt wurden und es auf dieser Welt immer noch werden. Ein paar Jahre zerstören ein ganzes Leben bzw. eine ganze Familie. Die Kapitel, welche alle Namen und bestimmte Themen haben, greifen ineinander und erzählen diese berührende Geschichte, die ich sicher nie ganz vergessen werde.

    Fazit: Das wichtige totgeschwiegene Thema, russisches Arbeitslager, wird durch die Erzählung sichtbar gemacht! So wichtig und doch so zerstörend!


  12. Cover des Buches Das Blut (ISBN: 9783453527324)
    Guillermo del Toro

    Das Blut

     (187)
    Aktuelle Rezension von: Seaice

    Vorneweg: Ich habe Teil 1 nicht gelesen, sondern nur "Das Blut" in die Hände bekommen - tatsächlich hatte ich aber nicht das Gefühl, dass mir vorneweg etwas fehlt. Nur endet das Buch natürlich offen, da es eine Trilogie ist.

    Die ich nicht weiter verfolgen werde.

    Ich fand das Buch sehr langatmig zu lesen und musste mich fast schon dazu zwingen, weiterzulesen. Die ganze Story zieht sich unfassbar in die Länge, was es ziemlich langweilig macht. Nach außen hin passiert sehr viel, aber wirklich vorwärts bewegt sich so gar nichts. Nur gegen Ende hin geht es ein bisschen voran.

    Man merkt auch, dass man es hier mit einem Filmemacher zu tun hat. Die Actionszenen und Kämpfe, die Darstellungen und Inszenierungen, wie die Figuren agieren, wann sie wo zu sein haben - als Film oder Serie kann ich mir die Geschichte sehr gut vorstellen.

    Als Romanleserin will ich jedoch mit den Charakteren mitfiebern, ihre Motive, Wünsche und Sorgen gänzlich nachfühlen und sehen, wie sie an ihren Aufgaben wachsen oder verzweifeln. Es werden hier allerdings unzählige Rollen eingeführt, die in der Regel nur einen ganz bestimmen Sinn und Zweck haben - mit Charakterbindung ist da gar nichts. Man betrachtet sie sehr von "außen" - also wie es vor dem Fernseher der Fall ist. Häufig wechselt die Perspektive auch zwischen den Sätzen, wodurch der Schreibstil plump wird.

    Keine Empfehlung meinerseits.

  13. Cover des Buches Der Klang der Hoffnung (ISBN: 9783570159903)
    Suzy Zail

    Der Klang der Hoffnung

     (69)
    Aktuelle Rezension von: MoWilliams
    „Der Klang der Hoffnung – Die Geschichte einer unmöglichen Liebe“ warf mich zuerst aus dem Konzept. Eine Liebesgeschichte in Auschwitz ist nichts, was ich mir als besonders romantisch oder liebevoll vorstelle, erst recht nicht, wenn es sich dabei um eine fünfzehnjährige Jüdin und den Sohn eines Kommandanten handelt. Doch es ist nicht nur eine Geschichte über eine junge Liebe, wie man anfänglich vielleicht glauben mag, sondern ein kleiner Ausschnitt über Menschlichkeit, dessen Verlust und der Frage, ob es eine Rechtfertigung dafür braucht, überleben zu wollen. 

    Der Roman von der australischen Autorin Suzy Zail, deren Vater selbst Auschwitz überlebte und nach Australien auswanderte, erzählt die Geschichte von Hanna Mendel. Bereit, um das ungarische Konservatorium zu besuchen, sobald der Krieg vorbei ist, lebt sie seit geraumer Zeit im Ghetto von Debrecen. Schließlich werden sie in die Serly-Ziegelei umgesiedelt, um wenige Tage später mit dem Zug nach Auschwitz-Birkenau transportiert zu werden. Hanna wird sehr schnell von ihrem Vater getrennt, sie bleibt mit einer verstörten Mutter und ihrer älteren Schwester Erika zurück. Als sie im Mädchenorchester Auschwitz ihre alte Klavierlehrerin Piri trifft, ergibt sich bald eine lebenswichtige Chance – der Kommandant sucht nach einer neuen Klavierspielerin und Hanna wird dazu ausgewählt, vorzuspielen.
    Zail bezieht gleich zu Anfang sehr viele historische Fakten mit ein – darunter das Ghetto, als auch die Serly-Ziegelei, deren Entstehung und Räumung historisch nahezu korrekt datiert ist. Auch das Mädchenorchester in Auschwitz, wie der gleich zu Beginn auftauchende Dr. Mengele hat es wirklich gegeben. Die meisten anderen Personen hat sie frei erfunden – zugleich in dem am Anfang auftauchenden Vorwort betont sie, dass es sich bei diesem Buch um einen fiktiven Roman handelt. Sie scheint sich auch ein wenig selbst aus der Situation „Auschwitz zu erleben“ zu „retten“. Denn ihr letzter Absatz beinhaltet, dass sie nicht so tun möchte, als wüsste sie über das Leben der Häftlinge in Birkenau Bescheid. „Ich denke nicht,“, schreibt sie, „dass jemand, der es nicht am eigenen Leib erfahren hat, das jemals verstehen kann. Aber es ist wichtig, es dennoch zu versuchen.“ 

    Und das tut sie. Suzy Zail überzeugt durch einen sehr bildlichen, eigensinnigen Schreibstil, der sehr viel Platz für Beschreibungen lässt und trotzdem nicht die Spannung aufgibt. Sie hat mit einer erstaunlichen subtilen, aber dennoch nicht zu sanften Art Auschwitz-Birkenau und deren Vorkommnisse beschrieben. Was mir allerdings gefehlt hat, waren die Gefühle zu den Beziehungen zu ihrer eigenen Familie und zu den restlichen weiblichen Häftlingen in ihrer Baracke. Da ihre Mutter von Anfang an die Situation in Auschwitz ignoriert und so tut, als wären sie auf Ferienurlaub, begibt sie sich durch ihr Verhalten nicht nur in Gefahr, sofort erschossen zu werden, sondern auch, sich nicht auf das Überleben zu konzentrieren. Hanna beweist hier nicht sonderlich viele Gefühle und klammert sich an ihre Schwester – auch die Trennung von ihrem Vater und das Auftauchen am Ende (ich werde hier ausnahmsweise nicht spoilern ;D) einer geliebten Person verblasste in wenigen Absätzen und war mir zu wenig. Entweder Hanna dreht ihre Gefühle selbst langsam ab, was allerdings der Begegnung am Ende widersprechen würde, oder Zail hat sich tatsächlich auf andere Faktoren konzentriert. Als Erstes wäre die Darstellung der SS, der vorkommenden Nazis und der Blockführerin zu nennen. Obwohl Hanna von Anfang an betont, wie sehr sie diese Leute dafür hasst, was sie tun, lässt Zail immer wieder Momente der Menschlichkeit einfließen. Der Kommandant ist gegenüber Juden eiskalt und brutal – er behandelt sie, als wären sie wertlos – umso stärker wirkt somit seine liebevolle Behandlung gegenüber seinem Schäferhund. Durch diesen Kontrast hat die Autorin in meinen Augen eine sehr realistische Darstellung von dem geschaffen, was es hieß, als Jude „nichts“ wert zu sein, sogar weniger als ein Tier. Die SS und die Blockführerinnen führen diese Gegensätze fort, untereinander sind die Lagerkommandanten sehr menschlich zueinander und auch die Blockführerinnen zeigen ein anderes Benehmen, sobald man ihnen „Wertschätzung“ entgegenbringt und ihnen Zigaretten, Essen oder Dinge zusteckt, die sie in „Kanada“ umtauschen können. 
    Zweitens, dass Zail Beziehungen durchaus mit sehr viel Feingefühl und vielen Emotionen beschreiben und erzählen kann, beweist die langsame Annäherung zwischen Hanna und Karl, dem Sohn des Kommandanten. Davor habe ich mich definitiv am meisten gefürchtet – was soll ich auch erwarten, wenn ich von „unmöglicher Liebe“ lese und ich automatisch an Twilight denken muss? An Twilight in Auschwitz? Dementsprechend ist diese Vorstellung nach wie vor wahnsinnig grotesk für mich – jedoch hat Zail sich sehr, sehr viel Zeit mit der Beziehung gelassen, die für mich persönlich nicht im Vordergrund der Geschichte stand, da sie im Vergleich viel zu wenig Seiten füllt. Karl rettet ihr vermutlich einmal das Leben und schließlich bemerkt sie, dass er in den Wäschekorb, den sie täglich in die Wäscherei von Auschwitz schicken lassen, Essen schmuggelt. Karl hasst, was sein Vater den Häftlingen antut und verschanzt sich daher im Haus und die meiste Zeit hinter einem Buch, doch er lässt Hanna und die anderen Häftlinge, die bei ihnen im Haus arbeiten, nicht im Stich. So gut er kann, rettet er sie vor seinem Vater und sagt nichts – wenn er außer Haus ist – wenn sie sich an den Essensresten bedienen.

    Je länger ich über diesen Roman nachdenke, umso mehr frage ich mich, ob für Zail selbst die Liebe tatsächlich im Mittelpunkt stand. Denn für mich ist die Freundschaft – die viel länger im Fokus steht und die sich zwischen Hanna und Karl entwickelt – viel wichtiger. Sie allein hätte schon gereicht, um zu zeigen, dass es egal ist, welche Religion Menschen haben oder welcher Minderheit sie angehören. Die Liebe entsteht wahnsinnig zart und lässt Hanna so oft hinterfragen, da Karl immerhin der „anderen“ Seite angehört, dass ich ihr sie glaube. Aber sie hätte diesen Faktor nicht benötigt – Zail hat auch so eine sehr subtile, gefühlsbetonte Geschichte von Auschwitz erzählt. 

    Trotzdem komme ich nicht darüber hinweg, dass diese „unmögliche Liebe“ so stark aufgezogen werden muss. (Ich bin hier sehr genau, weil ich dieses Buch vermutlich noch für eine Uniarbeit benötige) Auf S.90 begegnen sich die beiden das erste Mal, auf S.130 richtet Karl das erste Mal (gezwungenermaßen) das Wort an sie und auf S.160 sprechen sie das erste Mal wirklich miteinander, weil Karls Vater nicht zuhause ist. Auf S.230 müssen sie sich trennen, da die Russen immer näher kommen (das Buch umfasst 280 Seiten). Die „Liebesgeschichte“ spielt für mich keine sonderlich große Rolle. Und wie sollte sie auch? Hanna geht nicht Klavier spielen, hätte es nie getan, wenn es nicht darum gegangen wäre, extra Essensrationen für sie, ihre Schwester und ihre Mutter zu bekommen. Meine persönliche Vermutung ist, mit der ich hoffentlich falsch liege, weil sie mich rasend macht – dass mit dieser verbotenen Jugendliebe (natürlich) die Verkaufszahlen angekurbelt werden sollten. Was auch sonst? Verbotene Liebe zieht doch immer. Aber es geht hier nicht um Twilight, sondern um das Überleben in Auschwitz. Ich hoffe, dass hier ein Marketingteam sich dessen bewusst war.

    Andererseits, falls Suzy Zail ihren Roman tatsächlich als Liebesgeschichte bezeichnet, es sich so gewünscht und dies beabsichtigt hat, möchte ich natürlich fest an ihre vermutliche Intention glauben, dass auch Liebe keine Grenzen kennt, dass auch an einem so grauenvollen Ort wie Auschwitz Liebe entstehen kann. Denn wie hat mein Professor gesagt? Warum muss Auschwitz immer für den Tod stehen, warum kann es nicht auch ein Hoffnungszeichen dafür sein, dass es Menschen gab, die tatsächlich überlebt haben?
  14. Cover des Buches Das Tagebuch der Anne Frank (ISBN: 9783103972535)
    Anne Frank

    Das Tagebuch der Anne Frank

     (87)
    Aktuelle Rezension von: marilovesbooks2020

    ... ich habe die GN im Anschluss an die neue Jubiläumsausgabe gelesen. 

    Toll umgesetzt, schön gezeichnet, mit Gefühl und Empathie. Und man bekommt von einigen Dingen, die im Buch beschrieben werden, ein besseres Bild!

    Leseempfehlung!

  15. Cover des Buches PHOENIX - Unsere Rache wird euch treffen (ISBN: 9783955206789)
    Matthias Jösch

    PHOENIX - Unsere Rache wird euch treffen

     (46)
    Aktuelle Rezension von: Uwes-Leselounge

    Die Geschichte wird einmal aus der Sicht von einem jungen Mann names S. erzählt. Hier erleben wir die Gräueltaten der SS im 2. Weltkrieg hautnah mit, die sehr brutal, ausführlich und schonungslos erzählt werden. Dies war und ist starker Tobak! Parallel zu dieser Geschichte befinden wir uns in der Gegenwart und lernen Adrian von Zollern kennen. Er besitzt eine Dozentenstelle an der Humboldt-Universität in Berlin, die er aber gekündigt hat, um seine neue Stelle beim BND anzufangen. 

    Durch den Erwerb einer Holzkiste bekommen es Adrian, sein bester Freund Sebastian und dessen Schwester Violetta mit einer Organisation zu tun, die es sich zur Aufgabe gemacht hat das 3. Reich wie ein Phoenix aus der Asche auferstehen zu lassen, um eine neue Weltordnung zu schaffen. Aber was hat dies alles mit der Holzkiste und den Schallplatten zu tun? Währenddessen geht die junge und schöne Israelin Shari verschiedenen Hinweisen bezüglich einer Verschwörung nach und dabei stößt sie auf Adrian und seine Freunde. Es beginnt eine gnadenlose Jagd quer durch Deutschland, Österreich, England, Argentinien, Israel und Syrien nach Hinweisen aus der Vergangenheit. Wird es unseren Protagonisten gelingen, den Plan der Organisation zu vereiteln oder fällt Deutschland und Europa in die Zeit des 2. Weltkrieges zurück?

    Mit dieser Geschichte arbeitet der Autor Matthias Jösch unsere Vergangenheit rund um den 2. Weltkrieg und der Herrschaft von Hitler auf. Dies tut er in einer schonungslosen und mitunter sehr brutalen Weise. Eigentlich bin ich schon recht hart im Nehmen, was so etwas angeht, aber gerade das Thema Judenverfolgung und hier speziell Ausschwitz, haben mir teilweise den Atem geraubt bzw. mehrmals schlucken lassen. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie ein so großer Hass auf andere Menschen, Religionen oder Ansichten entstehen und man einem einzelnen Mann folgen kann...

    Hier wird dem Leser nochmals ein Spiegel vor das Gesicht gehalten. Und ich möchte hoffen, dass ein solches Szenario wie im Buch beschrieben, niemals eintrifft. Die Protagonisten wurden allesamt gut ausgearbeitet, ohne jedoch einen besonders hervorheben zu wollen. Die Geschichte an sich, ist von Anfang bis Ende gut durchdacht und weißt eine sehr hohe Spannung auf, die sich zum Ende hin nochmals stark erhöht. So sollte ein Thriller sein. Gerade auf Grund der schweren Thematik des Buches, aber auch der noch relativ jungen Vergangenheit von Eurokrise und ähnlichem, ist das Buch nicht mal eben so weg zu lesen. Ich werde jetzt erst mal ein, zwei Tage Pause einlegen, da mich dieses Buch gedanklich doch noch recht beschäftigt.

    Ich kann das Buch nur empfehlen!

  16. Cover des Buches Maus (ISBN: 9783596180943)
    Art Spiegelman

    Maus

     (214)
    Aktuelle Rezension von: Chris666

    Definitiv Hochkultur!!! Dieses Buch braucht sich hinter keinem Klassiker zu verstecken. Wer "Comics" für kinderkram hält, wird hier eines besseren belehrt. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass mir die Schicksale der Juden im zweiten Weltkrieg und ihre Nachwirkungen bis ins Jetzt, besser und eindringlicher vor Augen geführt hat.

  17. Cover des Buches Vaterland (ISBN: 9783453421714)
    Robert Harris

    Vaterland

     (355)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Robert Harris` erster, meiner Meinung nach sein bisher bester (auf youtube kann man die Verfilmung mit Rutger Hauer in schlechterer Qualität sehen): Die Zeit nach 1945 konsequent weitergedacht, v.a. die Architektur Berlins nach Kriegsende erscheint zutreffend und morbide. Am Erschreckendsten von allem war natürlich die Einstellung von dem Sohn des Polizisten, der den ganzen Propagandamüll verinnerlicht hat und denkt, für seinen Vater nur das Beste zu tun. Insofern war das Dritte Reich zu der Zeit kein "Vaterland" (keine Ahnung, ob eine solche Sichtweise durch den Autor beabsichtigt war). Hallt alles in allem noch lange  Zeit nach, auch wenn man wie ich den Film schon vor Jahren auf Kabel1 gesehen hat. 

  18. Cover des Buches Deutsches Haus (ISBN: 9783548061177)
    Annette Hess

    Deutsches Haus

     (212)
    Aktuelle Rezension von: Marcsbuecherecke

    Als ich dieses Buch vor einiger Zeit in die Hand genommen habe, hätte ich nicht gedacht, dass es diese Wirkung auf mich haben würde. Ich gestehe: Ich habe mich noch nicht erkundigt, welche Teile dieses Buches auf wahren Gegebenheiten beruhen und welche Teile reine Fiktion sind, aber realistisch und authentisch ist die Geschichte auf jeden Fall! 

    Gerade die Protagonistin, Eva, ist mir so realistisch vorgekommen - ich bin der Meinung sie persönlich zu kennen  Ihre Gedanken und gerade ab dem Beginn der Prozesse das Durcheinandergeraten der Emotionen sind beim Lesen vollends auf mich übergesprungen.

    Was sage ich? Dieses Buch ist eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle: Da ist zum Einen die emotionale Ebene - die mich mit den Geschädigten und Nachkommen der Auschwitz mitleiden hat lassen und dann noch die Ebene, auf der meine eigenen Emotionen, meine Wut die Überhand gewonnen hat, wegen der Tatsache wie schnell man doch versucht hat, Fakten zu ignorieren und so zu tun, als ob die ganze Geschichte zwischen 1933 und 1945 niemals stattgefunden hätte. 

    Einen Handlungsbogen sehe ich in der Geschichte allerdings keinen, was in diesem Fall aber daran liegt, dass die Handlung sehr schnell an Fahrt aufnimmt und dann auch nicht mehr langsamer wird. 

     

    Fazit:

     

    Ich habe es bereits oben geschrieben und ich kann mich nur wiederholen: Dieses Buch ist eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe! 

     

  19. Cover des Buches Reality-Show (ISBN: 9783257239430)
    Amélie Nothomb

    Reality-Show

     (147)
    Aktuelle Rezension von: daydreamin

    In dieser kurzen Erzählung steht eine Reality-TV-Show im Fokus, in der Gefangene in einem Konzentrationslager gehalten und von ausgewählten Kapos erniedrigt werden. Jeder ihrer Schritte wird von Kameras überwacht, die das Geschehen in die Welt übertragen. Im Laufe des Buches wird zu immer krasseren Methoden gegriffen, um die Quoten noch weiter zu steigern.

    Näher beleuchtet werden die Bewohnerin Pannonica und Kapo Zdena. Pannonica steht für Unschuld, Reinheit, Schönheit, Gerechtigkeit, fast schon Heiligkeit, aber auch Selbstbestimmung und Bewahrung ihrer Würde, so gut es unter den beschriebenen Umständen eben geht. Im Gegensatz dazu ist Zdena stolz auf ihre Ernennung und lebt die ihr gegebene Macht auch aus. Auf den ersten Blick scheint die Einteilung in Gut und Böse einfach, doch Amélie Nothomb versäumt es nicht, auch die riesige Zuschaueranzahl in die Verantwortung zu ziehen, die im Schutze der Anonymität nicht nur zum Erfolg der Sendung beiträgt, sondern auch aktiv wird. 

    Obwohl mir der Schreibstil und der Kern des Buches gut gefielen, hatte ich so meine Probleme mit den Figuren. Sie wirkten alle leider etwas platt und konnten mich nicht überzeugen, sodass ich leider auch glaube, dass mir das Buch insgesamt nicht sehr lange in guter Erinnerung bleiben wird. Mein letzter Roman der Autorin soll "Reality-Show" aber keineswegs bleiben.

  20. Cover des Buches Noah – Von einem, der überlebte (ISBN: 9783328601678)
    Takis Würger

    Noah – Von einem, der überlebte

     (49)
    Aktuelle Rezension von: Primrose

    Noah Klieger war 16 Jahre alt, als er in einer Bar in eine Passkontrolle der SS geriet. Zunächst glaubten die SS-Männer ihm seine falsche Identität, besannen sich jedoch dann doch anders und überprüften ihn genauer. Er wurde nicht als Jude enttarnt, sondern stellte sich selbst mutig den Nationalsozialisten entgegen und wurde nach Auschwitz deportiert. Während seiner Zeit in Auschwitz erlebte Noah Schrecken, die sich kaum in Worte beschreiben lassen. Durch viel Glück und Willensstärke überlebt er die grausamen Jahre. Damit diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät, ist dieses Buch entstanden.

    „Noah – Von einem, der überlebte“ handelt vom Leben des Noah Kliegers. Aufgewachsen in Belgien, schloss sich Noah in jungen Jahren einer jüdischen Untergrundorganisation an und half dabei, jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln. Als die Lage in Belgien für Juden immer prekärer wurde, beschloss Noah, ebenfalls in die Schweiz zu fliehen. Kurz bevor er sein Vorhaben umsetzen konnte, wurde er jedoch gefasst und nach Ausschwitz deportiert.

    Die Geschichte von Noah ist erschütternd und unfassbar. Dass der Autor und Journalist Takis Würger es dennoch geschafft hat, gemeinsam mit Noah das Unfassbare in Worte zu fassen und in Form dieser Biografie zu verschriftlichen, verdient allergrößte Hochachtung. Ich habe Noahs Geschichte an einem Tag durchgelesen, dabei viel geweint, vor Schauer innegehalten und nach dem Zuklappen des Buches gedacht, wow. Was für ein Leben. Würger schreibt klar und authentisch und schafft es tatsächlich, ein vollgepacktes Leben auf ca. 150 Seiten so zu skizzieren, dass man nach dem Lesen das Gefühl hat, Noah gekannt zu haben. Natürlich darf man nicht erwarten, dass auf so wenigen Seiten das ganze Leben Noahs erzählt wird. In der Biografie sind vielmehr einzelne, sorgsam ausgewählte Fragmente von Noah Kliegers Leben zu finden, an die er sich erinnert, die ihm von Bedeutung sind und die er mit der Leserschaft teilen möchte.

    Den Anhang nach der eigentlichen Biografie, in der das Erzählte aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und eingeordnet wird, finde ich ebenfalls sehr gelungen. Hier wird deutlich, wie viel Zeit Noah Klieger und sein Biograf Takis Würger zusammen verbracht haben und wie schwierig es eigentlich ist, aus unendlichen Stunden Gesprächsmaterial diejenigen Szenen und Geschichten herauszusuchen, die es letztlich in die Biografie schaffen.

    „Noah – Von einem, der überlebte“ sollte Pflichtlektüre in allen Schulen sein. Es ist ein wichtiges Zeugnis unserer Vergangenheit, authentisch geschrieben und absolut lesenswert.

  21. Cover des Buches Deine Juliet (ISBN: 9783442717750)
    Mary Ann Shaffer

    Deine Juliet

     (309)
    Aktuelle Rezension von: Emili

                                                                                                                                      

    Was für eine schöne, sprachlich feine Lebensgeschichte über Freundschaft, 2. Weltkrieg und Liebe zu Literatur

    Da ich vor dem Lesen, nur auf den Titel und Bewertungen geachtet habe, war ich sehr überrascht beim Lesen, als es nach der Einführung sich in eine Richtung entwickelte, die ich unter so einem Cover und dem Titel nicht erwartet habe.

    Es geht um die Zeit der Besatzung Englands, und zwar Kanalinsel Guernsey, von deutschen Soldaten während des 2. Weltkrieges. Eine Schriftstellerin kommt durch einen Zufall, der mit einem Buch verbunden ist, in Kontakt zu den Bewohnern der Insel, und entwickelt ein großes Interesse an deren Erfahrungen während der Besatzung.

    So lieb, detailliert und lebendig gezeichnete Charaktere trifft man nur selten.  Außerdem ist die Sprache, in der der Brief-Roman verfasst worden ist, sehr angenehm, anspruchsvoll und doch von Leichtigkeit erfüllt. Gefällt mir sehr gut. Durch die unterschiedlichen Sichtweisen liest sich das Buch fesselnd und spannend, man erwartet mit Ungeduld, was als nächstes passiert. Der amüsanter, leicht ironischer, aber sehr leichtfüßiger Erzählstil, der auch imstande ist solche schwierige Themen, wie Krieg, Konzentrationslager, und die Folgen zu behandeln, hat mir sehr zugesagt.

    Menschlich, warmherzig, klug und sehr wohltuend.
    Ein Buch, das man liebhaben kann. Hervorragend gelungen. 

    Man darf den Titel und das Cover ruhig ignorieren. Das Buch ist alles andere als seicht oder oberflächlich. 

                                                                                                                                  

  22. Cover des Buches Schindlers Liste (ISBN: 9783570300046)
    Thomas Keneally

    Schindlers Liste

     (279)
    Aktuelle Rezension von: CarinaElena

    Es gibt schon so viele Rezensionen, da weiß ich gar nicht was ich noch neues schreiben soll was man noch nicht gelesen hat. Habe zuerst das Buch gelesen und dann den Film geschaut und beides hat mich so erschüttert. Finde es auch sehr schwer ein solches Werk zu kritisieren (egal ob positiv oder negativ), daher werde ich mich da kurz halten. Für mich sollte dieses Buch auch als Schullektüre eingeführt werden, sodass die Geschichte niemals in Vergessenheit gerät.

    Der Autor führte viele Gespräche mit Weggefährten und Fachleuten und vermeidet es, Lücken mit erfundenen Informationen zu füllen. Man lernt Oskar Schindler kennen, einen Mann den man so schnell nicht vergessen wird.

    Ich kann jedem, der sich für das Thema Holocaust interessiert, nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Auch der Film ist ein Meisterwerk für sich, aber das Buch sollte man dadurch nicht unbeachtet lassen. Wunderbar, ergreifend und  erschreckend mit jedem Wort, das auf den Seiten steht. Alleine dieses Buch sollte uns zeigen, dass so etwas nie wieder passieren darf! Und gleichzeitig zeigt es auch, wie wahr der hebräische Spruch ist, welcher einige Male im Buch Erwähnung findet:

    "Wer auch nur ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt."

  23. Cover des Buches Die Zeit der Töchter (ISBN: 9783426523650)
    Katja Maybach

    Die Zeit der Töchter

     (35)
    Aktuelle Rezension von: anne_fox

    Der Roman ist die Fortsetzung von Die Stunde der Mütter. Es ist die Nachkriegzeit und alle haben noch mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Es herrscht noch immer Rassenhass, an dem Thema hat sich ja bis heute nicht geändert. Doch alle versuchen sich ein neues Leben auszubauen. Die Geschicht schwenkt laufend zwischen Vievien, Maria, Veronka, Anna, Antonia, Veronika und Marie-Luise hin und her.Dadurch wird die Geschichte sehr verzerrt und man muss immer überlegen wo man gerade ist. Da ich alle Romane der Autorin kenne und bis jetzt begeistert war, bin sich sehr enttäuscht von ihrem für mich schlechtesten Roman.

  24. Cover des Buches Überleben (ISBN: 9783218011297)
    Gerhard Zeillinger

    Überleben

     (22)
    Aktuelle Rezension von: monerl

    Meine Meinung
    Dies wird keine Rezension im üblichen Sinne! Dies sind emotionale Zeilen zu einem Buch, einem Zeitzeugenbericht, der mich in vielerlei Hinsicht schmerzt!

    Nachdem ich nun gestern (27. Oktober 2019) das Buch beendet habe und auf der Suche nach weiteren Informationen zum Autor und dem Zeitzeugen Walter Fantl war, stolperte ich über das Todesdatum von Walter Fantl. Gestorben ist er am 24. Oktober 2019. Das war letzten Donnerstag und das war während ich noch das Buch gelesen habe. Es überkommt mich Gänsehaut! Während ich über die Kindheit und den familiären Verlust von Walter Fantl und all den anderen Juden lese, während ich froh bin, dass er und einige andere den Holocaust in den Konzentrationslagern, wie z. B. Auschwitz, überlebt haben, stirbt Herr Walter Fantl im Alter von 95 Jahren. Und genau gestern in der Früh, das wusste ich gestern noch nicht, wurde er in Wien beerdigt.  

    Beide Gefühle, Freude und Trauer, werden überlagert. Und dennoch bin ich von Herzen froh, dass Herrn Fantl noch so viele Jahre Frieden geschenkt wurden.

    Und während ich gestern Abend die Buchdeckel zuklappte und so durchs Internet surfte, sah ich die Hochrechnungen der Thüringer Landtagswalen 2019! Ich sah, wie die AfD in Thüringen mit einem Plus von 12,8% auf ein Ergebnis von 23,4% gekommen war!

    Ein EKEL stieg in mir hoch, ich kann es kaum besser in Worte fassen. Ich fühlte mich benebelt, traurig und furchtbar wütend! Ja, ich bin immer noch richtiggehend wütend, weil ich nicht glauben kann, dass so viele Menschen, jeglichen wahlberechtigten Alters, einen Faschisten und sein rechtes Gedankengut gutheißen!

    Ich kann nicht fassen, dass das Leid Walter Fantls und das von millionen anderer Juden, Sinti und Roma, behinderter und kranker Menschen und anderer Minderheiten vergessen und weggewischt werden konnte! Wer solche Bücher liest, wie ich sie lese, Videos, Filme und Berichte von Zeitzeugen gesehen hat, kann nicht die AfD wählen und kann nicht wollen, dass wir erneut ein NAZI-Deutschland bekommen! Jedem Menschen, mit einem Minimum an Empathie und Menschlichkeit, weden solche Berichte, Fotos und Filme das Herz zusammendrücken und sie werden wissen, dass so eine Partei unter KEINEN UMSTÄNDEN gewählt werden darf, auch nicht aus Protest!

    Gerhard Zeillinger schreibt über Walter Fantl und berichtet über andere Wiener Juden, wie sie nach und nach entrechtet wurden und wie ihr Weg langsam aber sicher ins Konzentrationslager geführt hat.

    Dass Theresienstadt, wo Walter Fantl lange Zeit gelebt hat, ein Juden Ghetto, ein Durchgangslager war, war mir bis zu diesem Buch nicht so richtig klar. Viele prominente Juden aus dem Theater- und Künstler-Milieu waren in Theresienstadt. Daher gab es dort ein ungewöhnliches “kulturelles Leben”, wie in keinem anderen KZ, Lager oder Ghetto. Die Texte, die zu dieser Zeit dort entstanden, berichten über das damalige Leben, über das “Als-ob”-Leben.

    “Vieles im Ghetto wird nun anders, zumindest nach außen hin, seit der Besuch der “Kommission” angesagt ist. Schon im Jahr davor haben deutsche Pressevertreter und eine Delegation des Deutschen Roten Kreuzes Theresienstadt besucht und es war icht schwer, ihnen für wenige Stunden eine heile Welt vorzuspielen. Diesesmal sind es Vertreter des Internationalen Komitees und dänische Delegierte, die sich ein Bild vom Leben im Ghetto machen wollten.” (S. 139f)

    “Die SS lässt kurz darauf Filmoperateure aus Prag kommen, um das schöne Leben in Theresienstadt zu dokumentieren. Ein “Kulturfilm” wird gedreht, von der Prager Wochenschau-Gesellschaft. Sie filmen einen Alltag, den es nicht gibt, mit Hunterten Häftlingen als Statisten.” (S. 142)

                                

    Und immer wieder schwanken meine Gedanken zu der Frage, wie es sein kann, dass all das Grauen heute scheinbar vergessen wurde. Und dann erinnere ich mich, wie Gerhard Zeillinger in der Nachlese des Buches schreibt:

    “Im Gegensatz zu den anderen europäischen Regierungen, die sich bemühten, ihre Überlebenden so schnell wie möglich nach Hause zu holen, hatte die österreichische Bundesregierung keinerlei Anstalten zur Repatriierung der österreichischen Juden unternommen.” (S. 227)

    “Der österreichische Bundespräsident Karl Renner bekundete im Jahr 1946, dass er einer Wiederansiedlung von Juden in Wien mit allen Mitteln entgegentreten werde.” (S. 230)

    “Zwei Jahre später [1963] begannen in Deutschland die Auschwitzprozesse. Aber nur wenige wurden zur Rechenschaft gezogen. Von den SS-Männern der Wachmannschaft in Gleiwitz und den berüchtigten Kapos im Lager wurde kein einziger angeklagt.” (S. 230)

     

    Aus heutiger Sicht kommt deshalb das Gefühl in mir auf, dass damals nicht genug getan wurde. Viel zu viele Nazi-Verbrecher hatten überlebt und durften nach dem Krieg ein neues Leben anfangen, ganz unbescholten und frei. Und wer weiß, wie viele der Nachkommen mit der NS-Ideologie aufgewachsen sind und sie weiter verbreiten konnten. Eventuelle ernten wir gerade, was damals gesät wurde…  

                        

    Fazit                            

    Dieses und viele andere solcher Bücher sollten m.M.n. als Pflichtlektüre im Unterricht gelesen werden! Bildung bildet und öffnet Augen und auch Herz. Das Wissen über den Holocaust muss weiter verbreitet werden, da die letzten Zeitzeugen demnächst aussterben werden. Viele von ihnen, wie auch Walter Fantl, haben in der Öffentlichkeit und auch in Schulen darüber gesprochen. Wenn sie es nicht mehr können, müssen wir da weitermachen, wo sie aufgehört haben.


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