Bücher mit dem Tag "kalter krieg"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "kalter krieg" gekennzeichnet haben.

447 Bücher

  1. Cover des Buches Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (ISBN: 9783596510979)
    Milan Kundera

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

     (1.151)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Zeitlos, mitreißend und mit manchmal fast schmerzvollem Tiefgang hat mich dieses Werk schon beim ersten Mal lesen absolut in seinen Bann gezogen. Es ist eines dieser Bücher, die am besten nie enden sollten, und deren Charaktere sich für immer in dein Herz schleichen.

  2. Cover des Buches Verdammnis (ISBN: 9783453438217)
    Stieg Larsson

    Verdammnis

     (2.559)
    Aktuelle Rezension von: supersusi

    Die Zeitschrift "Millennium" arbeitet mit einem jungen Journalisten und seiner Freundin zusammen. Sie schreibt eine Doktorarbeit über die Hintermänner von Mädchenhandel und er will ein Buch darüber veröffentlichen, in dem auch einige hochstehende Männer entblöst und an den Pranger gestellt werden. Aber wie weit die Kreise wirklich gehen, ahnt keiner. Und dann gibt es Verwicklungen, in denen Mikael Blomkvists frühere Freundin Lisbeth Salander eine Rolle zu spielen scheint. Und obwohl alles dagegen spricht, glaubt Mikael an ihre Unschuld. Aber kann er ihr helfen, wenn die ganze Polizei auf der Jagd nach ihr ist? Sie spricht nicht mit ihm und als sie endlich Kontakt aufnimmt, schreibt sie nur ein einziges Wort : Zala.

    Nachdem ich bei Band eins anfangs etwas Schwierigkeiten hatte, reinzukommen, war ich jetzt mit der Ausführlichkeit des Autors und den Figuren vertraut und war sofort mittendrin. Ich habe auch dieses Buch regelrecht verschlungen und konnte es nicht weglegen. Die Story ist so spannend und geheimnisvoll und man fiebert sehr mit Lisbeth mit. Auch ihr schrecklicher Betreuer, der sie vergewaltigt hatte, taucht wieder auf. Ich kann diese Reihe nur empfehlen. Was für spannende Thriller ! Schade, dass der Autor gestorben ist, bevor er die restlichen 7 Bände fertig hatte, die er geplant hat. Die Buch endet auch hochspannend. Ich bin froh, dass ich Band 3 hier habe, denn ich will unbedingt wissen, wie es mit den Charakteren weitergeht, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Darum schreibe ich auch jetzt nicht weiter, sondern lese gleich weiter. 

  3. Cover des Buches EVIL (ISBN: 9783453677005)
    Jack Ketchum

    EVIL

     (889)
    Aktuelle Rezension von: Emi_readsbooks

    Ich habe mir das Buch gekauft weil sehr viele davon begeistert waren und meine Erwartungen waren sehr hoch.

    Anfangs dachte ich, dass ich nicht in die Geschichte reinkomme und es zog sich meiner Meinung nach anfangs ziemlich. 

    Irgendwann nahm die Geschichte allerdings eine starke Wendung und die Ereignisse überschlugen sich förmlich.

    Es entwickelt sich in eine grausame „Geschichte“ die nichts für schwache Nerven ist, vor allem wenn man bedenkt dass sie auf wahren Begebenheiten beruht. 


    ❗️Das Vorwort von Stephen King solltet ihr erst lesen wenn ihr das Buch beendet habt, da es viele Inhalte des Buches aufgreift ❗️

  4. Cover des Buches Zeiten des Aufbruchs (ISBN: 9783499272141)
    Carmen Korn

    Zeiten des Aufbruchs

     (119)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Ein Roman über die Nachkriegsjahre bis zur Wirtschaftswunderzeit in Hamburg. Unsere Eltern oder Großeltern wurden von dieser Zeit geprägt

  5. Cover des Buches Vergebung (ISBN: 9783453438224)
    Stieg Larsson

    Vergebung

     (2.320)
    Aktuelle Rezension von: supersusi

    Teil 2 endet ja ein wenig mit einem Cliffhanger und Teil 3 ist wirklich eine Fortsetzung, die eher wie ein Nachwort von Teil 2 ist. (Teil 1 kann man unabhängig lesen, aber Teil 3 macht ohne den zweiten Teil keinen Sinn). Es ist auch spannend, aber die ersten beiden Bücher sind besser. Hier geht es - von der Gerichtsverhandlung auf den letzten 150 Seiten (von 850 Seiten) abgesehen - hauptsächlich um die Hintergründe und den schwedischen Staatsschutz. Daher ist es meiner Meinung nach nicht ganz so gut wie die beiden Vorgänger, sondern teilweise etwas trocken. Dennoch fiebert man wieder mit Lisbeth, Mickael und Erika mit und kann das Buch kaum weglegen. Schade, dass es die geplanten anderen Teile nicht mehr geben wird, aber so ist es auch eine runde Sache. Ich werde Lisbeth vermissen.

  6. Cover des Buches The Shape of Water (ISBN: 9783426523070)
    Guillermo del Toro

    The Shape of Water

     (93)
    Aktuelle Rezension von: Read-and-Create

    Den Film habe ich schon oft gesehen und mag ihn sehr gerne. Daher habe ich mich lange nicht getraut den Roman zu lesen … was für ein Fehler!!

    Es werden klassische Mystery-Elemente mit echtem menschlichen Drama vereint und ergeben so eine Geschichte de mich überzeugt hat. Sie ist spannend und steckt voller Emotionen. 

    Im Verglich zum Film ist das Buch (natürlich) ausführlicher, einige Dinge habe ich im Film falsch interpretiert und weiß ich nun besser. Zudem offenbart sogar was und wie das Wesen denkt.

  7. Cover des Buches American Spy (ISBN: 9783608504644)
    Lauren Wilkinson

    American Spy

     (113)
    Aktuelle Rezension von: Die_Wortsammlerin

    Klappentext Ein Geräusch. Der Schatten eines Mannes. Ein Schuss. Als Marie Mitchell eines Nachts in ihrem Haus von einem bewaffneten Mann angegriffen wird und ihm nur knapp entkommt, weiß sie, dass ihre Vergangenheit als amerikanische Spionin sie eingeholt hat. Und dass sie in den USA nicht länger sicher ist.

    1986: Der Kalte Krieg ist noch nicht vorbei. Marie Mitchell arbeitet als Geheimagentin beim FBI. Sie ist außerordentlich gut in ihrem Job, und sie ist die einzige schwarze Frau in einem Club weißer Männer. Statt endlich ins Feld geschickt zu werden, muss sie sich Tag für Tag mit Papierkram herumschlagen. Dann wird ihr plötzlich doch die Teilnahme an einer Geheimoperation angeboten. Sie soll Thomas Sankara ausspionieren, den charismatischen sozialistischen Präsidenten von Burkina Faso.

    Was Marie nicht ahnt: Dieser Einsatz wird nicht nur alles ändern, was sie über Spione, die Liebe und ihr Land zu wissen glaubte, er wird sie auch direkt ins Fadenkreuz des Geheimdienstes führen. Lauren Wilkinson erzählt den Spionageroman neu: mutig, zeitgemäß und hochspannend. Dieses Gesicht des Kalten Krieges kennen Sie noch nicht.

    Ich muss leider sagen das ich das Buch nicht zu Ende gelesen habe
    Die Thematik fand ich toll auch das im ersten Kapitel direkt der Mord war und quasi das von da an erzählte wie es dazu kam das der Mord geschah. Eigentlich total spannend aber ich muss ehrlich sagen ich kam an einen Punkt wo ich nicht mehr weiterlesen mochte.

  8. Cover des Buches Seitenwechsel (ISBN: 9783649615170)
    Michael Römling

    Seitenwechsel

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Schneewehe

    Berlin 1961. Jahr des Mauerbaus. Vier Freunde mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.
    Jack kommt aus den USA und arbeitet in Berlin für einen amerikanischen Diplomaten. Georg wohnt ebenfalls in Westberlin und ist Steinmetz. Die beiden Brüder Julius und Bernhard leben im Osten der Stadt. Und obwohl zwei der vier Freunde aus der DDR kommen und die anderen aus dem Westen, haben sie doch ähnliche Interessen und Vorstellungen vom Leben, treffen sich mal am Wannsee und an anderen Tagen in Ostberlin.
    Ihr friedliches Leben gerät mit einem Mal durcheinander, als sie das Verladen merkwürdiger Kisten in einem Wald in Brandenburg beobachten und Bernhards und Julius Vater tot aufgefunden wird. Von der Stasi beobachtet, fällt es schwer, ganz normal weiter zu leben. Und dann passiert plötzlich, was keiner für möglich gehalten hätte: innerhalb einer Nacht wird eine Mauer quer durch Berlin gezogen. Eine Mauer, die ganz plötzlich allen Auswanderplänen ein jähes Ende zu machen scheint.
    Das Buch versetzt den Leser direkt in diese spannungsgeladene Zeit der 60er Jahre, wo ein Funken ausgereicht hätte, einen Krieg zu entfachen. Als wäre man hautnah dabei, erlebt man nicht nur den Bau der Mauer mit, sondern auch die unterschiedlichen Reaktionen und Gefühle auf beiden Seiten dieser Grenze mitten durch die Stadt Berlin.
    Durch die ganze Geschichte zieht sich die Musik dieser Zeit, spielen Saxophone in verrauchten Bars, wird über Musik philosophiert, werden Jazzplatten gehandelt und aufgelegt. Der Titel zeigt hier und dort im Verlauf des Buches immer wieder ganz neue Seiten, so wie auch die Geschichte selbst, die den Leser in ihren Bann zieht.
    Seitenwechsel ist ein wunderbar geschriebenes Jugendbuch, das man nicht mehr gern aus der Hand legt, wenn man erst einmal mit Lesen begonnen hat. Es kann gerade denen, die die DDR und den Mauerbau nicht miterlebt haben, diese Zeit gekonnt näherbringen, auf dass sie nicht vergessen wird.

  9. Cover des Buches EAST. Welt ohne Seele (ISBN: 9783423220248)
    Jens Henrik Jensen

    EAST. Welt ohne Seele

     (160)
    Aktuelle Rezension von: schmabbi54

    Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, ohne einen bestimmten Grund zu haben. Schon die Seiten im Prolog gefielen mir nicht, weil der Protagonist einen Hund getötet hat. Da war ich schon mal bedient. Dann kam ich mit der Schreibweise nicht klar und mit dem Inhalt. Ich bin nicht besonders an Politik interessiert, obwohl ich vieles in den Zeiten damals las. Dem Roman konnte ich dann schon bald nicht mehr folgen: zu verwirrend, zu langatmig, zu langweilig, zu viel undurchsichtige Politik.
    Ich habe mich regelrecht durchgequält, ohne ein bisschen Freude daran gehabt zu haben.
    Vielleicht lese ich ihn nochmal im Sommer in der Hoffnung, dass ich besser mit dem Inhalt umgehen kann. Vielleicht ist es die düstere Stimmung der letzten Wochen, dass ich mich nicht auf den Roman einlassen kann.
    Zurzeit kann ich leider nicht mehr als 3 Sterne vergeben. Es war halt nichts für mich.

  10. Cover des Buches Honig (ISBN: 9783257243048)
    Ian McEwan

    Honig

     (130)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    In den 1970er Jahre geht die junge Serena Frome zum britischen Geheimdienst, weil ihr Liebhaber diese Arbeit ihr schmackhaft machen kann und sie selbst nicht so richtig weiß, was sie nach ihrem Studium, eigentlich machen soll. Weil sie gerne liest wird Serena auf eine literarische Mission geschickt. Sie soll ein Projekt betreuen, das Autoren unterstützt, die dann unbewusst positiv über die Demokratie und den Kapitalismus schreiben und den Kommunismus ablehnen. Sie verliebt sich dabei in den Autor, den sie betreut und findet heraus, dass ihr ehemaliger Liebhaber offenbar ein Verräter war. Immer tiefer in der verbotenen Liebe zum Autor gefangen wird das Erstlingswerk des Autors ein Erfolg, gleichzeitig kommt die Unterstützung durch den Geheimdienst ans Licht. Serena will alles gestehen und liest das neue Manuskript und muss dabei feststellen, dass nicht sie den Autor beobachtete, sondern dieser sie und letztlich alle Informationen sich bereits zusammengetragen hat.

    McEwan kann mit seiner Sprache und seinem Schreibstil wieder einmal überzeugen und widmet sich einer Geschichte aus Liebe, Spionage und Spannung. Die Geschichte ist zwar gut erzählt, konnte mich dieses Mal aber nicht überzeugen. Das Thema franst aus und es werden zu viele Nebenpersonen installiert. Das Ende ist überraschend, aber gut passend. Eine Auflösung ist das Ende aber nicht. Ein gutes Buch mit einigen Schwächen. Nicht das beste Buch von McEwan.

  11. Cover des Buches Klara vergessen (ISBN: 9783866486270)
    Isabelle Autissier

    Klara vergessen

     (49)
    Aktuelle Rezension von: Ana80

    In diesem Roman dreht sich irgendwie alles um Klara, ohne dass sie wirklich viel im Vordergrund ist. Ihre Geschichte allerdings hat Auswirkungen auf die zentralen Figuren des Romans... Juri kehrt nach vielen Jahren in Amerika zum ersten Mal wieder nach Murmansk zurück. Sein im Sterben liegender Vater Rubin hat ihn gebeten nach Russland zurückzukehren und Nachforschungen über seine in den 50er Jahren verhaftete Mutter Klara anzustellen. Er möchte vor seinem Tod Gewissheit über ihr Schicksal haben. So begibt Juri sich auf Spurensuche und beginnt immer tiefer in seine und die Geschichte seiner Familie einzutauchen.

    Isabelle Autissier hat hier ein unglaublich klug geschriebenes Buch verfasst. Im Wechsel wird die Geschichte in der Gegenwart und, in der Vergangenheit und aus den Erinnerungen der drei Hauptpersonen erzählt. Es wird deutlich welche unvorstellbaren Auswirkungen die Stalin-Diktatur auf die Menschen hatte und hat, denn nicht nur Klara, die zu Zeiten Stalins verhaftet wurde, sondern auch ihr Sohn Rubin und sogar noch ihr Enkel Juri haben auf die ein- oder andere Weise die Auswirkungen dieser Verhaftung zu spüren bekommen.
    Dieses Buch ist flüssig geschrieben und konnte mich sehr schnell fesseln. Für mich war es spannend bis zum Schluss und ein Highlight meines Lesejahres. Ich kann es wirklich jedem empfehlen, vor allem weil das Thema der politischen Verhaftungen auch im jetzigen Russland gerade wieder brandaktuell ist.

  12. Cover des Buches Agent 6 (ISBN: 9783442475032)
    Tom Rob Smith

    Agent 6

     (158)
    Aktuelle Rezension von: Sassl

    In diesem Abschluss der Trilogie um Leo Demidow begleiten wir ihn in 30 Jahren russischer, amerikanischer und afghanischer Geschichte der Geheimdienste und des Kommunismus. 

    Nach den ersten beiden Teilen Kind 44 und Kolyma hat mich Agent 6 leider enttäuscht. Der Politthriller hat wahnsinnig viele Längen, die sich um zu viel Politik der Geheimdienste drehen. 

    Der eigentliche Plot ist sehr interessant. Der schwarze amerikanische Sänger Jesse Austin ist großer Anhänger des Kommunismus. Doch nach vielen Jahren des Erfolgs wird er wird er von den Sowjets fallengelassen und von seinen eigenen Landsleuten verachtet. Nach einem Mordanschlag auf Jesse versucht Leo alles, um den wahren Täter zu finden.

    Die Geschichte beginnt jedoch bereits 15 Jahre vor dem Mord und erzählt wie Leo seine Frau Raisa kennengelernt hat. Anschließend vergehen 15 weitere Jahre, in denen wir Leo nach Afghanistan begleiten. Diese Ausflüge waren mir viel zu langatmig und lange Zeit wusste ich gar nicht, wo alles hinführen soll. Um den tatsächlichen Agenten 6 geht es schließlich auch nur auf den letzten 100 Seiten.

    Alles in allem kein schlechter Politthriller, aus dem Tom Rob Smith jedoch viel mehr hätte machen können nach den fabelhaften ersten beiden Teilen der Trilogie.

  13. Cover des Buches Sand (ISBN: 9783499258640)
    Wolfgang Herrndorf

    Sand

     (158)
    Aktuelle Rezension von: AlexanderPreusse

    Buchvorstellung von meinem Blog www.schreibgewitter.de

    Alle Menschen müssen sterben. In der Regel liegt der Zeitpunkt des Todes in einer unbestimmten Zukunft. Es gibt Ausnahmen: Freitod; Hinrichtung; Strafbataillon der Roten Armee oder Wehrmacht; Vernichtungslager; eine tödliche, nicht therapierbare Krankheit, wie ein Glioblastom, an dem der Autor Wolfgang Herrndorf litt; Folter. In diesen Fällen nimmt der gewöhnlich nebulöse Tod eine sehr konkrete Gestalt an.

    Es handelt sich um unerbittliche, erbarmungslose Situationen. Sie verheeren denjenigen, der ihnen ausgesetzt ist. Es gibt Literatur, verfasst von jenen, die eine Ausnahme dieser Ausnahmen waren und überlebten, was niemand überleben kann; und es gibt „Arbeit und Struktur„, einen Blog, der als Buch herausgegeben wurde, in dem Herrndorf die Zeit von der Diagnose bis kurz vor seinem Freitod niederlegt.

    Ein Roman wie ein Speerstoß

    Der Roman „Sand“, den der Schriftsteller seinen „Wüstenroman“ nennt, ist zumindest in Teilen während dieser Phase verwirklicht worden. Er stellt in gewisser Hinsicht ein Echo dessen dar, was in „Arbeit und Struktur“ dem Leser entgegentritt. Herrndorf ist sprachmächtig gewesen und hat dort die richtigen Worte und Sätze gefunden, um dem, was ihn bewegte, auf eine Weise Ausdruck zu verleihen, die oft genug wie ein durchdringender Speerstoß wirkt. Und genau so ist auch „Sand“.

    Von jeder Romantik, was „die Wüste“ anbelangt, allem Märchenhaften ist das Werk weit entfernt. Diestelig wäre ein schönes Attribut, denn es geht zur Sache, bisweilen blutig und brutal, vor allem aber fern aller Heimeligkeit. Dabei hat Herrndorf wunderbar originelle Einfälle und auf eine messerscharfe Weise offen. Der Mensch und das angeblich unteilbare Menschenrecht werden zu einer Zahl degradiert.

    Wichtiger als ein Menschenleben? […] Nichts ist wichtiger als ein Menschenleben. […] Auch wenn es das Leben eines Lügners ist, das Leben eines Schmugglers, eines Idioten und Berufsverbrechers. Jedes Leben ist unbezahlbar, einzigartig und schützenswert – sagt der Jurist. Das Problem ist, wir sind keine Juristen. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, dass man das Leben nicht gegen andere Güter oder andere Leben abwägen kann. Wir sind eher so die Statistikabteilung und Statistikabteilung bedeutet, es besteht eine einprozentige Wahrscheinlichkeit, dass es so ist, wie du sagst. […] Es besteht aber auch eine neunundneunzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass das nicht der Fall ist. […] Neunundneunzig Prozent, dass wir hier den Weltfrieden sichern. […] Und nur ein Prozent, dass unser peinliches Verhör einen Rückfall ins Mittelalter darstellt.

    Wolfgang Herrndorf: Sand

    Nur ein Zitat in der Buchvorstellung diesmal, dafür eines mit Wucht. Ein anachronistisches Echo auf 9/11 und was sich die USA herausgenommen haben, als sich die Menschenrechte doch als teilbar erwiesen. Willkommen in der Wirklichkeit. Denn die wiedergegebenen Worte stammen aus der Romanzeit im Jahr 1972 und könnten eben auch begründen, warum die USA den Weg in die Dunkelheit eingeschlagen haben. 

    Ein Alptraum, dem der Leser nicht entkommt. Wann immer es scheint, als würde sich endlich etwas zum Guten wenden, dreht und wendet und windet sich alles wieder und die wilde, nicht enden wollende Jagd geht weiter. Erschöpft wie die Hauptfigur, die übrigens keineswegs am Anfang eingeführt wird – ätsch, ihr Schreibratgeber! – taumelt man Seite für Seite voran, die Glieder schwer, der Kopf erschöpft und das Gemüt von schwindender Hoffnung auf ein Happy-End getrübt.

    Schon der Weg ins Buch ist verworren. Wer gewöhnlich durch sauber geflieste, geputzte und barrierefreie literarische Flure schreitet, behütet von Triggerwarnungen und austarierter Diversität, und alles darüber hinaus als unerträgliche Zumutung betrachtet, sollte diesen Roman besser meiden. „Sand“ schmerzt. Wer einmal einen Sandsturm erlebt hat, weiß, wie schräg ins Gesicht gefegter Sand sticht. Man muss dazu keine Wüste aufsuchen, ein stürmischer Nachmittag an der dänischen Nordsee reicht. Und so ist dieser Roman.

    Verschlugener Erzählweg, groteske Situationen

    Langsam und auf verschlungenen Wegen entblättern sich die Hinter- und Abgründe der Figuren in diesem Drama. Herrndorf inszeniert das als wildes, brutales Puzzle scheinbar sinnloser Schnipsel, Fetzen einer gemarterten Erinnerung. Dabei kommt es zu grotesken Begegnungen, etwa mit potenziellen Informanten, mehr oder weniger organisierten Verbrechern, der Staatsmacht und Geheimdiensten.

    Wer schon eine Weile lebt und seine Zeit mit Büchern und Filmen gefüllt hat, wird unweigerlich einmal, wahrscheinlich recht oft mit der Situation konfrontiert worden sein, die für die meisten Menschen großen Horror beinhaltet. Jemand will etwas von einer anderen Person und setzt diese unter Druck indem er die Angehörigen bedroht, sei es direkt oder indirekt, durch das Ankündigen von Gewalttaten.

    Eine brillante Idee findet sich im fortgeschrittenen Teil des Buches, wenn Herrndorf diese geradezu klassische Szenerie durch die Beigabe einer Zutat namens Amnesie zu etwas Neuem, beunruhigend Spannendem und Verstörendem aufwertet. Was, wenn derjenige, der durch Drohungen gegenüber seinen Verwandten gebeugt werden soll, sich nicht mehr an sie erinnert? Was, wenn die Befrager das nicht wissen können und das Verhalten falsch einschätzen?

    Herrndorf hat in seinem „Wüstenroman“ das Szenario integriert und gekonnt bis zum Äußersten exekutiert. Es verbietet sich, es hier aufzulösen, ja wie an meinen windigen Formulierungen zu sehen, auch jede Kleinigkeit, die darauf hindeutet, wem es widerfahren wird und was sich daraus entwickelt. Und doch zeigt diese Neuerung, was der leider früh verstorbene Autor für ein literarisches Potenzial mitgebracht hat.

    „Sand“ ist ein spektakuläres Buch, voller Verwicklungen, Knoten, die sich nicht lösen lassen, Fäden, die im Nichts zu beginnen scheinen und sich mit anderen verschlingen und wieder in der Luft flattern. Und im Hintergrund schimmert die Zeitgeschichte, wenn etwa abends die Nachrichten im TV gesehen werden und man hört: Olympia. München. Jüdische Sportler. Palästinensisches Volk. 50 Jahre sind vergangen und was hat sich eigentlich geändert?

  14. Cover des Buches Codename Eisvogel – »The Kingfisher Secret« (ISBN: 9783453272170)
    Anonymous

    Codename Eisvogel – »The Kingfisher Secret«

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Radermacher

    "Der Autor bleibt anonym, um die Quelle zu schützen, die den Roman motiviert hat."  Dieses Buch könnte folglich jeder geschrieben haben, auch ein Praktikant bei Heyne.

    Auf jeden Fall erzeugte es bei mir eine gewisse Spannung, wollte ich wissen, wie es weitergeht. Der Schreibstil war flüssig und gut zu lesen, die Story interessant. Einige Formulierungen haben mir sehr gut gefallen, nur ab und zu gab es Kleinigkeiten, die mich störten. Aber weil mich auch das Ende nicht ganz zufriedenstellte, gibt es summa summarum doch nur vier Punkte.

  15. Cover des Buches Vaterland (ISBN: 9783453421714)
    Robert Harris

    Vaterland

     (356)
    Aktuelle Rezension von: Walther

    Ich habe diesen Roman geschenkt bekommen und seitdem mehrfach gelesen. Die Mischung aus historischer Dystopie und Thriller zieht mich jedes Mal wieder in ihren Bann. 

    So hätte es vielleicht ausgesehen, wenn Herr H. seinen Krieg gewonnen hätte. Harris schreibt ja nicht viel über die Situation im eroberten Osten, aber das reicht auch schon, um das Gruseln zu bekommen.

    Was ich mich immer wieder frage: Wäre die Judenvernichtung tatsächlich vergessen worden? Das ist ein erschreckender Gedanke. Aber gut: Der Sieger schreibt die Geschichte.

    Wirklich toll ist die Verflechtung mit einem sehr spannenden Thriller.  

  16. Cover des Buches Kinder der Freiheit (ISBN: 9783404173204)
    Ken Follett

    Kinder der Freiheit

     (461)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Dieses Buch bildet den Abschluss der Jahrhundert-Trilogie, beginnt kurz vor dem Mauerbau und endet mit dem Fall der Berliner Mauer. In den Jahren dazwischen begleiten wir wieder die bekannten Familien aus den ersten zwei Bänden bzw. deren Nachfahren aus Deutschland, England, Wales, Russland und Amerika. Die ersten beiden Bände hatten mir sehr gut gefallen. Es war eine gute Mischung aus recherchiertem, geschichtlichen Hintergrund und Fantasie des Autors mit den verschiedenen Protagonisten.  Ich habe - wie bei den beiden Vorgängern - viele Dinge gelernt oder aber einen Aha-Effekt gehabt. LESENSWERT                          

  17. Cover des Buches Kriegslicht (ISBN: 9783446259997)
    Michael Ondaatje

    Kriegslicht

     (41)
    Aktuelle Rezension von: mabo63

    Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren"


    Nachkriegszeit in London. Die von der Mutter verlassenen Kinder Nathdaniel und Rachel bleiben im Haus zurück und kommen unter den Schutz zwielichtiger Gestalten namens Boxer oder Falter.. "Das Haus wirkte eher wie ein nächtlicher Zoo, mit Maulwürfen und Dohlen und allen möglichen herumtapsenden Tieren, die zufällig Schachspieler waren.“ Der Boxer wird zu einer Art Vaterfigur für den Jungen. Er zieht ihn in die aufregende nächtliche Abenteuerwelt seiner lichtscheuen Geschäfte hinein, darunter Sprengstoff-Transport und Schmuggel von Windhunden für illegale Hunderennen. 

    Der erste Teil des Buches in dem noch alles unklar erscheint fand ich sehr aufregend und spannend.

    Das neblige London, keiner traut dem andern, die nächtlichen gefährlichen Fahrten mit dem Boot auf der Themse, beschrieben aus der Sicht des Jungen, das hat mich richtig reingezogen.


    Nicht so gelungen fand ich den letzten Drittel des Buches, zuviele Personen werden in den Plot geführt und schaden eher dem Roman.

  18. Cover des Buches Das Lied der Stare nach dem Frost (ISBN: 9783492304764)
    Gisa Klönne

    Das Lied der Stare nach dem Frost

     (90)
    Aktuelle Rezension von: dorisdavid

    "Jedes Buch ist ein Zwiegespräch zwischen Autor und Leser" (Ludwig Reiners). 

    Ein passendes Zitat zu dem Erlebnis, das ich beim Lesen von "Das Lied der Stare nach dem Frost" hatte: Denn ich habe Rixa, Elise und Theodor gehört.
    Ich konnte so gut mit den Dreien mitgehen, mitfühlen und konnte zudem auch die feine leise Stimme der vierten Protagonistin Dorothea hören, die sich von Anfang an sehr zurück nimmt und es schien mir sogar, als ob sie gar nicht in Erscheinung treten möchte.
    Und doch hat mich diese Zurückhaltung ganz besonders und am allermeisten berührt. Meine Familiengeschichte ist sehr anders und dennoch habe ich meine Familie in jeder Zeile gespürt, vor allem meine Mutter.
    Vieles hat mich traurig gemacht, vieles hat mich aber auch ruhig und friedlich gemacht. Befriedend.
    Wie behutsam Gisa Klönne die vorangegangene Geschichte der Familie erzählt, hat mich unglaublich begeistert. Kein Schwarz/Weiß, sondern ganz viel dazwischen. Alle Farben. So wie die Autorin deren Leben erzählt, ist so schön, denn es hatte für mich etwas Fürsorgliches, das mich sehr bewegte und durch das ich vieles verstand.

    Das alles in poetisch-schöner Sprache
          

  19. Cover des Buches Stieg Larssons Erbe (ISBN: 9783958902251)
    Jan Stocklassa

    Stieg Larssons Erbe

     (67)
    Aktuelle Rezension von: Buecherspiegel

    Jan Stocklassa, Autor und Journalist aus Schweden, hat sich die Rechercheunterlagen von Stieg Larsson zum Thema Olaf Palme genauestens angesehen und selbst zum Thema recherchiert. Daraus entstand das Buch "Stieg Larssons Erbe", eine sogenannte True Crime Geschichte. 

    Das unfassbar umfangreiche Material von Larsson durchzuarbeiten erscheint einem als Herkulesaufgabe, so, wie es Autor Stocklassa beschreibt. Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern beginnt mit dem Tag, an dem er endlich Zugang zu dem Archiv bekommt. Eine Vielzahl von Spuren geht der Autor selbst nach, manches verwirft er, um es dann doch, nachdem er erfährt das Larsson von etwas überzeugt war, weiter nachzuspüren.
    Viele Spuren zeigen nach Südafrika, manche nach Osteuropa. Zweifelhaften Zeugen gehen Stocklassa und seine Helfer mit zum Teil diskussionswürdigen Praktiken auf den Pelz. Akribisch wird den letzten Minuten im Leben von Olaf Palme nachgegangen wie auch den letzten Tagen und Monaten. 

    Was könnte die Täter dazu bewogen haben, ein Staatsoberhaupt zu überfallen und zu töten? Kann es eine zufällige Tat gewesen sein oder doch beabsichtigt? Handelte der Täter alleine oder hatte er eine Vielzahl von Helfern? War die Tat politisch motiviert oder eher ein Rachefeldzug wegen persönlicher Differenzen? Hatte sein politisches Handeln damit zu tun? Wem kam er so in die Quere, dass sein Tod unumgänglich wurde? Wer kommt überhaupt für die Tat infrage und was sind das für Persönlichkeiten? Warum handelt die Polizei und der Geheimdienst so und nicht anders? Allen Spuren, die der Autor erneut nachgeht, mehrfach überprüft sind trotz seiner Gewissenhaftigkeit nicht stichhaltig genug, um den oder die Täter zu überführen. Weil ihm entweder Zeugen nicht alles sagen oder die Polizei nicht alle Informationen, trotz deren Zusage, übergeben. Stocklassa hat all seine Erkenntnisse den Ermittlungsbehörden übergeben und hofft, dass trotz der langen Zeit seit dem Mord das Rätsel letztendlich gelöst werden kann. 

    Das Ganze ist so spannend zusammengetragen, dass es einem Spionagethriller alle Ehre macht. Sicher, es sind unzählige Veröffentlichungen über diese Tat erschienen, die Ermittlungen immer wieder auch neuen Teams übertragen worden, doch eines vermisse ich hier: die Rolle der Ehefrau wird mir eindeutig zu knapp nachgegangen. Die einzige Zeugin, aufgrund deren Aussage es zu einer Verhaftung und Verurteilung kam, die letztendlich zweifelhaft ist. Zumindest in den Augen Stocklassas. 

    Vielleicht war oder ist es vielen unbekannt, dass sich Stieg Larsson eigentlich mit der Aufklärung des Mordes an Olaf Palme beschäftigt hatte, um dann nach Erfolgloser Arbeit einen der bekanntesten Trilogien zu schreiben, die je aus Schweden kam. Deshalb ist es Stocklassa hoch anzurechnen, dass er das "Erbe" von Larsson nicht hat stillschweigend in einem Archiv schlummern lassen. Sonst wäre vielleicht nicht einem so großen Publikum bekannt geworden, dass sich Stieg Larsson Zeit seines Lebens dem Kampf gegen den Rechtsextremismus gewidmet hat. Schließlich führen auch seine Spuren im Mordfall Olaf Palmes genau dorthin. Zumindest Teilweise.
    Weiteres über den Autor und Journalisten sowie zu Stieg Larsson und rund um den Olaf Palme Mord findet sich im Netz unendlich viel.

  20. Cover des Buches Maragossa (ISBN: 9783934432062)
    Harry Theodor Master

    Maragossa

     (54)
    Aktuelle Rezension von: Neerod_Rebew

    Eine Fortsetzung des Kleinen Prinzen? Na ja, inspiriert davon vielleicht. Hat mich nicht überzeugt, verworene Fantasiejugendgeschichte. Sollte man fairerweise allerdings in den Kontext der zeitlichen Entstehung setzen. Ich habe das Buch einem Teenager geschenkt. 

  21. Cover des Buches Ruhelos (ISBN: 9783833305368)
    William Boyd

    Ruhelos

     (123)
    Aktuelle Rezension von: Speechless

    Die 27jährige Ruth Gilmartin ist alleinerziehende Mutter und promoviert an der Universität von Oxford. Ihr Vater ist bereits vor Jahren verstorben und zu ihrer Mutter Sally hat sie ein spezielles Verhältnis. Bei einem ihrer wöchentlichen Besuche im Cottage der Mutter im Sommer 1976, bemerkt Ruth, dass sich Sally sehr seltsam benimmt, sich verfolgt und beobachtet fühlt. Beim Abschied überreicht Sally Ruth eine Akte und eröffnet ihr quasi zwischen Tür und Angel, dass sie in Wirklichkeit Eva Delektorskaja heißt und eine ehemalige Spionin des britischen Geheimdienstes ist.

    Ab diesem Moment tun sich im Buch zwei Handlungsstränge auf. Während der eine weiterhin aus der Ich-Perspektive von Ruth erzählt wird und in der Gegenwart verläuft, führt der andere nach Paris zurück in das Jahr 1939. Dort wird die junge russische Emigrantin Eva Delektorskaja auf der Trauerfeier ihres Bruders von dem mysteriösen Lucas Romer angesprochen. Dieser erzählt ihr zunächst, dass ihr Bruder keinesfalls durch einen tragischen Unfall starb, sondern gezielt ermordet wurde und wirbt sie in der Folge für den britischen Geheimdienst an. Nach einer intensiven Ausbildung in Schottland, absolviert Eva einige hochgefährliche Einsätze In Belgien, England und den USA. Das Ziel ihrer Spezialeinheit besteht darin in den Medien gezielt Falschmeldungen zu verbreiten, die die zögernde USA zum Eintritt in das Kriegsgeschehen gegen die Nazis bewegen sollen. Dabei lautet die oberste Regel: Vertraue niemandem.

    Die Sprache des Autors ist geradlinig, nüchtern und klar, was meiner Meinung nach besonders zu dem Inhalt des Buches passt. Ein perfektes Beispiel ist dafür schon der pointierte Titel des Buches. Ohne Umschweife auf den Punkt kommend gelingt es Boyd trotzdem eine plastische Welt entstehen zu lassen, in die man wunderbar leicht hineinfindet und ungerne wieder auftauchen möchte.

    Besonders spannend fand ich es die Ereignisse während des zweiten Weltkriegs mal aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben. Aber selbst für Leser, die sich nicht sonderlich für die Zeit des zweiten Weltkriegs interessieren, ist es eine spannende Geschichte, die mit jedem Kapitel eine intensivere Sogwirkung entfaltet. Ständig fragt man sich, wem Eva trauen kann, ist erleichtert, wenn sie einer gefährlichen Situation entkommen ist und völlig fasziniert von ihrem alltäglichen Leben als Spionin, in dem kaum ein Platz für wirklichen Alltag bleibt. Enttäuscht war ich gleichzeitig von dem zweiten Handlungsstrang um Ruth. Zwar war mir Ruth grundsätzlich sehr sympathisch, ich konnte ihr Verhalten und ihre Gedanken gut nachvollziehen. Gleichzeitig bleibt sie aber sehr blass und auch die Bezüge zum Baader-Meinhof-Komplex verliefen irgendwie im Sande und waren dann für die Geschichte doch eher unnötig.

    Trotzdem ist dies ein kitschfreier Spionage-Thriller, der mit viel Spannung und Gänsehaut daherkommt. Am Ende bleibt auch die Aufforderung an den heutigen Leser nicht jede Nachricht, die keine eindeutige, seriöse Hintergrundquelle vorweisen kann, bedingungslos zu glauben.

  22. Cover des Buches Duell (ISBN: 9783404172207)
    Arnaldur Indriðason

    Duell

     (52)
    Aktuelle Rezension von: Simone_081

    Ab und zu passiert es, dass man ein Buch in die Hände bekommt, dessen Klappentext sich sehr viel versprechend anhört und zu Beginn auch interessant zu lesen ist, sich dann aber in eine Richtung entwickelt, die einen leider gar nicht anspricht. So ist es mir mit "Duell" ergangen. Den Anfang des Krimis habe ich sehr gerne und gespannt gelesen, als dann aber nach einiger Zeit klar wurde, dass sich der Krimi eigentlich um das Thema Spionage/Geheimdienst dreht, war bei mir Schluss, da mich dieser Themenbereich leider gar nicht interessiert.
    Manchmal würde ich gerne schon im Voraus wissen, mit welchen Themen sich ein Roman tatsächlich beschäftigt, denn dann würde ich u.U. gar nicht anfangen zu lesen.
    Ich habe dann in der Hälfte abgebrochen.

    Leider muss ich auch sagen, dass ich den Schreib- bzw. Übersetzungsstil gewöhnungsbedürftig fand. Die Sprache ist sehr einfach und teilweise auch ein wenig seltsam. Mitunter finden sich in Dialogen extreme Gedankensprünge, die mich als Leserin sehr verwirrt haben.

    Für mich war dieser Krimi leider nichts, aber für Freunde des Themas sicher einen Versuch wert.

  23. Cover des Buches Guter Mann im Mittelfeld (ISBN: 9783312006694)
    Andrei Mihailescu

    Guter Mann im Mittelfeld

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Angelsammy

    Ich hatte vor circa drei Monaten dieses Buch schon einmal rezensiert, es nun aber noch einmal gelesen. Deswegen habe ich die alte Rezension gelöscht und veröffentliche nun eine revidierte. 

    Es ist äußerst spannend sowie fesselnd, über Rumänien und die unheimliche Securitate zu schreiben. Deswegen ist dieser Komplex auch einer meiner bevorzugten Themen meines eigenen schriftstellerischen Schaffens. Andrei Mihailescu weiss, einen zu inspirieren, auf eine faszinierende und düstere Weise. 

    Der DSS (Departament Securitatii Statului). Es heißt, dass auf fünfzig Rumänen ein Securist (Secu) kam. Wenn man die Einwohnerzahl Rumäniens von 1980 zugrunde legt, ist die Zahl leicht auszurechnen. Geschweige die endlose Schar an informellen Mitarbeitern, von denen allerdings viele zur Mitarbeit gezwungen worden sind 

    Bukarest 1980: Journalist Ștefan Irimescu ist in seinen Dreißigern, Single und lebt bei seiner Mutter. Das goldene Jahrzehnt Rumäniens ist vorbei und Land wie Leuten geht es immer schlechter, nur nicht der kommunistischen Nomenklatur, natürlich unter seiner Hoheit Fürst Nicolae Ceaușescu und Fürstin Elena.

    Ștefan arbeitet für eine renommierte Zeitung und sein Chefredakteur steht hinter ihm – zunächst. Aber die Dinge wenden sich zu seinen Ungunsten..

    Verstrickt in einem immer erstickenderen Netz der berechtigten Paranoia, kann man sich wohl zurecht immer und überall beobachtet und verfolgt wähnen. Augen all überall. 

    Natürlich ist bei dieser Zeitung auch ein Secu nebst eigenen Büro vertreten, der ein scharfes Auge auf alles Unbotmäßige hat. Of! 

    Ștefan, der in sich einen Rebell verborgen hat, wagt es, kritische Leserbriefe nicht an jenen Offizier weiterzugeben, wie es eigentlich vorgesehen ist. Das ist seine Art des Widerstands, um zumindest etwas Widerstand gegen das System zu leisten. 

    Allerdings zeitigt das äußerst bittere Folgen für ihn, denn er wird für eine Woche verschleppt, festgesetzt im Gefängnis und von dem DSS gefoltert. 

    Als er freikommt, lernt er durch Zufall lernt er die Architektin Raluca kennen. Sie bringt den Verletzten ins Hospital. 


    Sie lernen sich näher kennen und beginnen eine Affäre. Ilie Stancu ist Ralucas Ehemann, aus der Provinz und ein aufstrebender Parteisekretär.

    Dieser hat ohnehin Minderwertigkeitskomplexe seiner gebildeten und urbanen Frau gegenüber und kaschiert das dadurch, daß er sie verspottet und fordert, dass sie nach der Geburt des Sohnes zu Hause zu sein hätte. Sie verhielte sich im Namen des Sozialismus für eine Frau unangemessen. Sie habe gefälligst noch die Quote zu erfüllen und vier weitere Kinder zu bekommen.

    Er erfährt jedoch und dennoch von jener Affäre seiner Frau mit Ștefan. Er zieht die Scheidung durch. Ein Freund von dem DSS  macht ihm ein verführerisches Angebot, wie er an Ștefan Vergeltung üben kann. Der tiefe Fall Ștefans und Ralucas hat damit gerade erst begonnen ...

    2015 wurde dieses Debüt von Andrei Mihailescu veröffentlicht. Er ist 1965 in Bukarest geboren und floh 1981, mit seiner Familie, in die Schweiz. 

    Er hat Informatik, Politikwissenschaften und Ethnologie studiert. 

    Er schafft es hier, die Beklemmung und Bedrückende jener Epoche exzellent und sehr authentisch wiederzugeben. Es passt, gerade jetzt in diesen Tagen dieses Buch gelesen zu haben, weil sich nun die ( unvollendete ), verratene Revolution von Spätdezember 1989 zum 32. Mal gejährt hatte, was Ceaușescus Sturz und Exekution nach sich zog. 

    Anfang der 80er Jahre erkannte der im Größenwahn gefangene "Vater" des Landes offenbar nicht, wie er das Volk ausblutete. Kaum noch Lebensmittel, die für alle ausreichten, stundenlanges Anstehen, Schwierigkeiten mit Wärme und Strom. 

    Und dann überall die unerbittlichen Machtstrukturen, auf die der Diktator noch zählen konnte. Der offizielle DSS ( Securitate ) mit seinen nicht wenigen Mitarbeitern und den bereits zahllosen Spitzeln im ganzen Land. Kein Wunder, dass das dazu führte, dass alles in Auflösung begriffen war, eine auszehrende Krankheit namens Regime. 

    Und dann das Eingesperrtwerden wegen kleinster Kleinigkeiten, Denunziation, Folter der psychischen und körperlichen Art. Quälende Verhöre, bei denen die betreffende Person nur verlieren konnte. Grausam und inhuman. Nach wie vor steht eine Aufarbeitung dieser Jahrzehnte aus. Lieber wird verdrängt und vergessen, inklusive der verratenen Revolution, über die man ebensowenig sprechen will. Sogar Schreibmaschinen mussten registriert werden, sonst galten sie als illegal und waren mit Gefängnisstrafe zu ahnden.

    Dieses Überwachungsapparat und der staatliche Terror hat für immer kollektiv etwas zerstört, das nie mehr heilen kann. Es ist in die Seelen der Menschen damals gedrungen und hat sie im Grunde zerschmettert. Kein Wunder, wenn man dann sogar Angst vor dem eigenen Schatten bekam und absolut niemandem traute. Absolut nachvollziehbar. 

    Das Buch ist packend und wühlt auf, ist emotional und weist ein unerwartetes Ende auf. Ich mag Ștefan und Raluca sehr. Secus wurden auch das blaue Auge genannt – wegen der blauen Aufnäher auf dem Kragenspiegel und der blauen Umrandung der cascheta (Offiziersmütze).

    Andrei Mihailescu schreibt in einem fließenden und becircenden Schreibstil, der durchaus sehr einnimmt. Ein äußerst wichtiges Buch, weil viele über diese Zeit kaum etwas wissen oder über Rumänien wissen. Was schade ist, denn das Land hat viele faszinierende Facetten. Aber leider ist ein Teil des Westens noch zu sehr von sich selbst eingenommen, arrogant und paternalistisch. Zu sehr kreist der westliche Blick um den eigenen, egozentrischen Bauchnabel. Dafür ist aber ein anderer Teil des Westens umso engagierter, wissbegieriger und schaut weit über den eigenen ach so harmonischen Tellerrand hinaus. Wird endlich Zeit, dass ärgerliche Vorurteile, die nicht nur über Rumänien kursieren, sondern insgesamt über Südosteuropa passé sein werden. 

    Mulțumesc! An Andrei Mihailescu, daß er dieses Buch geschrieben hat. Wäre das schön, das Buch in Rumänisch lesen zu können.

  24. Cover des Buches Der Feind im Schatten (ISBN: 9783423213349)
    Henning Mankell

    Der Feind im Schatten

     (260)
    Aktuelle Rezension von: Schattenfrau
    Als Teenager habe ich die Wallanderbücher von der Mama meines damaligen Freundes gelesen. Und dieses Buch hat mir zusammen mit Mord im Herbst ( lese ich aktuell) noch gefehlt. 16 Jahre sind seit dem letzten Fall von Wallander vergangen. Nun habe ich in meinem Urlaub endlich diesen Fall lesen können. Ich konnte mich wieder reinversetzen. Auch bei Wallander war einige Zeit ins Land gegangen hatte ich das Gefühl. Ich fand die generelle Auseinandersetzung mit dem Alter gut und die Sorgen und Ängste die es mit sich trägt. Der Abschluss war kurz und knackig aber lieber so als es unnötig in die Länge ziehen. Und ein bisschen konnte die Fantasie auch noch mitspielen. Ein realistischer Abschluss der sich erahnen ließ. Ein bisschen traurig war ich allerdings schon. Aber schön wars! Wer skandinavische und norddeutsche Krimis liebt dem kann ich die Wallanderreihe nur ans Herz legen!

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