Bücher mit dem Tag "christa wolf"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "christa wolf" gekennzeichnet haben.

23 Bücher

  1. Cover des Buches Medea (ISBN: 9783518189108)
    Christa Wolf

    Medea

     (137)
    Aktuelle Rezension von: Avalee

    "Die Medea der griechischen Tragödie, die Barbarin, Giftmischerin, die rachsüchtige Mörderin." Das bescheibt den eigentlichen Mythos der "Medea". Man könnte noch "Kindsmörderin" und "Verräterin" hinzufügen, die aus überschwänglicher und plötzlicher Liebe zu Jason handelt und dann bitter enttäuscht wird, ohne sich dabei das "Wilde" nehmen zu lassen. Eben eine dominante Frau, die es nicht unbedingt einfach hat. Aber, wie schon erwähnt, ist das der eigentliche Mythos.

     

    "Medea. Stimmen" erzählt die Geschichte etwas anders. Denn Christa Wolf schreibt nicht direkt den Mythos, sondern versucht darzustellen, wie sich der Mythos entwickelt haben könnte.

    Zum Titel selbst lässt sich sagen, dass "Medea." wohl der Teil ist, dem jedem zeigt, dass es um den Mythos geht. "Stimmen" wurde hinzugefügt, weil die Geschichte von 6 Stimmen erzählt wird. Nämlich aus den Sichten von

    • Medea: Kolcherin. Tochter des Königs Aietes und der Idya. Schwester der Chalkiope und des Absyrtos
    • Jason: Argonaut, Schiffsführer der "Argo"
    • Agameda: Kolcherin. Vormals Medeas Schülerin
    • Akamas: Korinther. Erster Astronom des Königs Kreon
    • Leukon: Korinther. Zweiter Astronom des Königs Kreon
    • Glauke: Korintherin. Tochter des Königs Kreon und der Merope

    Zum Inhalt: Auch in dieser Fassung von "Medea" ist Medea mit Jason verheiratet und hat zwei Kinder. Mit ihrer Entdeckung der Knöchelchen der Tochter (Iphinoe) des Königs (Kreon) von Korinth in einem geheimen Raum des Schlosses und die damit zusammenhängende Geschichte, beginnen diejenigen, die davon wissen, sich gegen sie zu stellen. Denn der schon Jahre zurückliegende Mord der Königstocher wird in Korinth vertuscht. Hier heißt es, sie wäre über Nacht mit einem ansehnlichen Mann durchgebrannt und würde nun andernorts ein glückliches Leben führen. In Wirklichkeit wurde das Mädchen aber geopfert, um die Machtstellung des Königs zu sichern. Dabei war Medea doch extra mit Jason aus ihrer Heimat Kolchis geflohen, weil dort ihr jüngerer Bruder geopfert worden war, um die Stellung ihres Vaters zu sichern und sie mit diesem Umstand und ihren Schuldgefühlen nicht mehr dort leben konnte. Nun, da sie hier in Korinth eine ganz ähnliche (wenn auch geheime) Story in Erfahrung bringt, beginnt ihr Unglück. Dass sie eine sehr selbstbewusste Frau ist, kann ihr dabei auch nicht helfen - außer es besser zu ertragen. Sie wird dem Schloss verwiesen, Gerüchte um den Mord an ihrem eigenen Bruder machen die Runde und sie wird zum Sündenbock für alle schlimmen Ereignisse. Nur ein Gutes findet sich kurzfristig: Sie verliebt sich in einen Künstler.

    Meiner Meinung nach ist dieser Roman eine gelungene Vorgeschichte des Mythos "Medea". Da ich auch die Fassungen des Mythos von Euripides und Grillparzer gelesen habe, ebenso wie eine etwas eigenwilligere Variante von Dea Loher, hatte ich bereits den Grundmythos im Kopf und wusste, was geschehen müsste. Mir hat sehr gefallen, dass diese Version ganz anders erzählt wird und doch in gewisser Weise am Mythos festhält. Hier wird deutlich, wie sehr die Historie durch Hörensagen und Weiterreichen verfälscht werden kann. Beispielsweise ist Medea in "Medea. Stimmen" einfach bewandert, was Heilmittel betrifft und schafft es, viele Leute erfolgreich zu behandeln. Da Medea aber der Sündenbock für alles wird, wird diese eigentlich gute Tatsache für die Korinther natürlich schlecht gemacht und sie wird (auch wegen eines weiteren gerüchtegeschwängerten Vorfalls gegen Ende) zur "Giftmischerin".
    Mir persönlich gefällt zudem die Form eines Romans auch besser als die eines Dramas. Natürlich hat das nichts mit der Geschichte an sich zu tun, denn Dramen können schließlich auch sehr gut sein - aber dennoch ist das ebenfalls ein Pluspunkt für mich.

    Von den mir bekannten für mich persönlich die beste "Medea"-Fassung.

  2. Cover des Buches Abgehauen (ISBN: 9783548365930)
    Manfred Krug

    Abgehauen

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Jens65
    Zwanzig Jahre nach seiner eigenen Ausreise aus der DDR (1978) schildert Manfred Krug eindrucksvoll, welches Repressionen er sich als kritischer Künstler in der DDR ausgesetzt sah, obwohl er ein großer Star dort war. Repressionen, die an ein Berufsverbot für den gefeierten Sänger und Schauspieler grenzten und die ihm keine Wahl ließen - außer einem Ausreiseantrag. Manfred Krug, dem Unterhalter, ist ein Stück Zeitgeschichte und DDR-Vergangenheitsbewältigung gelungen, welches unbedingt lesenswert ist !
  3. Cover des Buches Literatur Kompakt: Christa Wolf (ISBN: 9783828837584)
    Georg-Michael Schulz

    Literatur Kompakt: Christa Wolf

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Postbote
    Christa Wolf war für mich eine unbekannte Schriftstellerin, sie lebte und wirkte in der DDR. Vom Tectum Verlag gibt es eine Reihe: Literatur Kompakt, zu verschiedenen Autoren. Ich wurde Neugierig auf diese Autorin, die trotz DDR, auf Leserreisen gehen konnte. Gelesen habe ich von der Autorin bisher noch nichts. Das werde ich in geraumer Zeit nachholen.

    Christa Wolf, eine Autorin aus der DDR, die viele ihrer Lebensstationen zu Romanen verarbeitet hat. Sie lebte sehr Charakterstark zu dem Regime, der DDR. Erst später, als sie ein Ende des Systems sah wurde ihre Meinung kritischer. Das Widerum zu absoluter Zensur führte.
    Trotz der Kontrolle, verlor sie nicht ihre Schreibkraft. Sie selbst sagte einmal, in ihrem tiefsten Tief hat ihr die Schreiberei aus der Misere geholfen.
    Ihre Erfolge im Schriftstellerleben konnte sie auf Leserreisen präsentieren, selbst im Ausland.
    Eine besondere Station in ihrem Leben, gab es, als sie einige Zeit gar in der USA lebte und dort schriftstellerisch tätig war. Aus dieser Zeit stammt der Roman "Stadt der Engel", der mich persöhnlich interessiert. Zu der Zeit, zwei Grundverschiedene Mentalitäten, die da auf einander prallten.
    Der Literaturführer informiert in kleinen übersichtlichen Kapiteln über den Schriftstellerischen Werdegang der Autorin. Eine Zeittafel von Geburt bis Tot, gibt am Anfang Auskunft, die Neugierig auf mehr machen.
    Beschrieben sind ihre Buchtitel und warum sie entstanden sind. Oft sind es selbst erlebte Ereignisse oder von engen Freunden, dessen Leben sie auch zu Romanen verarbeitete.
    In ihrer politische Einstellung war sie immer wieder zerissen.Faschismuss, Neonazismus und DDR prägten sie. In der Frauenbewegeung spielte sie gerne eine Rolle mit. Ihr Mann hat sie in viellerlei Dingen stark unterstützt.
    Vom Regime wurde ein Projekt ins Leben gerufen, das sich der Bitterfelder Weg, bezeichnet. Auch hier hat Wolf mitgestaltet.
    Trotz des Erziehenden Schreibstils, waren ihre Bücher in der BRD genauso beliebt wie in der DDR.
    Zudem hatte Christa eine Selbsterforschende Ader an sich, das mir symphatisch war. Daraus entstanden auch die "Kindheitsmuster".

    Das war nur ein kleiner Ausschnitt zum Inhalt des Buches. Viel mehr kann man hier erfahren. Das einen bestimmt animiert, Bücher von C.Wolf zu lesen. Während des Lesens, sind sehr großzügig, in Klammern, Quellenangaben dabei. Sicher für Studierende und Schüler sehr hilfreich.
    Die Literaturangaben sind sehr umfangreich angegeben. Mir persöhnlich hätte mehr Autobiographie gefallen. Die Klammern mit den Quellenangaben, haben etwas meinen Lesefluss beinträchtigt, allerdings ist das widerum Geschmackssache.
    Ein Literatur Kompakt gelungener Band zu der Autorin Christa Wolf, die mein Interesse an ihr geweckt haben.
    Ein kleines Geheimnis zu Christa Wolf kann man 2021 dazu erfahren.
    4 Punkte   



  4. Cover des Buches Kein Ort. Nirgends (ISBN: 9783518224793)
    Christa Wolf

    Kein Ort. Nirgends

     (63)
    Aktuelle Rezension von: FriediM
    Wenn ich an die DDR-Schriftstellerin Christa Wolf denke, fallen mir als erstes Werke ein wie “Kassandra” oder etwa “Medea”. Die im Dezember 2011 verstorbene Autorin hat prägende Literatur verfasst, die vielleicht nicht jedem geläufig ist, die aber stets situationskritisch ist. Die Erzählung “Kein Ort. Nirgends” aus dem Jahr 1979 ist ein fiktionales Gespräch zwischen den empirischen Charakteren Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode[1] im Jahr 1804, beide haben kurze Zeit später, unabhängig voneinander, Selbstmord begangen. Die Szenerie ist eine typische Teegesellschaft der Epoche der (antirevolutionären) Romantik, in denen nicht nur die beiden bereits genannten Persönlichkeiten anwesend sind, sondern auch Schriftsteller wie etwa Clemens Brentano (“Des Knaben Wunderhorn”), seine Schwestern Bettina und Gunda, sowie Friedrich Carl von Savigny, welcher die anwesenden Frauen förmlich anzieht. Die Zeit – zwischen der Französischen Revolution und der Märzrevolution 1848 – ist eine Zeit in der es gilt einen Neuanfang zu gestalten. Die Gespräche in dieser Teegesellschaft sind meist trivial, und Kleist und Günterrode sind ganz klare Außenseiter in diesen Gesprächen. Abwechselnd wird aus den Perspektiven der beiden Charaktere erzählt. Nach und nach beginnen die beiden ungleichen Protagonisten zu begreifen, dass sie sich gar nicht so unähnlich sind und kommen ins Gespräch über ihre hoffnungslose Situation in dieser Gesellschaft. Was außerdem auffällt, sind die beinahe schon böswillig wirkenden Bemerkungen aller anwesenden Personen, welche ihnen jedoch scheinbar nicht übel genommen werden. Die Erzählung ist komplex erzählt mit vielen Rückblenden vor allem über Kleists Depressivität und Günderrodes Gedichten, auch Savigny’s Anziehungskraft auf Frauen wird mehrmals betont. Doch was ist diese Erzählung im Hinblick auf die DDR? Genauso wie die Romantiker um 1800 standen die Bürger der sowietischen Besatzungszone bzw. der DDR zwischen zwei Umbrüchen, zum einen der Teilung Deutschlands, zum anderen der späteren “Wende”. Die Frage wie man sich in einer solchen Phase verhalten soll, was richtig und was falsch ist, das Gewisswerden der Hoffnungslosigkeit zwischen solch revolutionären Schritten stehen im Fokus der Erzählung, verschleiernd hindeutend auf die Situation der DDR. Dieses teils sehr kompliziert gestaltete Gesellschaftsgespräch kann als gesellschaftskritisch, wenn nicht sogar als systemkritisch bezeichnet werden, interessant gestaltet mit teilweise sehr rabiatem Humor. Hier trifft man auf das genaue erzählerische Gegenteil von Erzählungen wie es zum Beispiel in “Die neuen Leiden des jungen W.” der Fall ist, in welchem die Handlung eher “locker” gehandhabt wird.
  5. Cover des Buches Medea (ISBN: 9783110188233)
    Euripides

    Medea

     (64)
    Aktuelle Rezension von: Chiaramaus
    Kaum eine Frauengestalt des antiken Mythos ist bis heute so lebendig wie die der Medea. Der Stoff von der Frau, die in ihrem Rachebedürfnis zum Äußersten geht, ist seit der Antike zahllose Male aufgegriffen und bearbeitet worden. Am Anfang dieser unvergleichlichen Rezeptionskette steht Euripides Drama, das im Jahre 431 v. Chr. erstmals aufgeführt wurde und für uns die älteste erhaltene Fassung der Geschichte darstellt - ein unausweichliches Stück Literatur für alle, die sich mit der Medea-Gestalt auseinandersetzen.
    Ich finde ja generell, dass viel zu viel über Schullektüren gejammert wird - dort sind echt grandiose Sachen dabei. So zum Beispiel dieses Drama des Euripides. Es ist sowohl sprachlich brillant ausgeführt als auch inhaltlich logisch dargelegt. Euripides greift den alten Mythos wieder auf, ändert zwar einiges, aber dies tut er auf eine Art und Weise, die dem Leser sehr zuvorkommend wirkt.  Von der ersten bis zur letzten Seite kann man die Schritte sehr gut nachvollziehen, in denen aus Medea aus der depressiven Mutter eine rachsüchtige Mörderin wurde.  Wahrscheinlich bin ich Medea-mäßig gesehen sehr von Euripides beeinflusst, weil dies die erste Verarbeitung des Mythos ist, die ich gelesen habe - aber ich muss zugeben, ich habe gar nichts dagegen einzuwenden.  Ich habe es sehr genossen, dieses Drama zu lesen, und kann es jedem Liebhaber griechischer Tragödien nur empfehlen!
  6. Cover des Buches Was bleibt (ISBN: 9783518733158)
    Christa Wolf

    Was bleibt

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Magicsunset

    „Woran mochte es liegen, daß seit einiger Zeit eine jede Wahl, vor die ich mich gestellt sah, nur eine Wahl zwischen schlimm und schlimmer war? Lernte man einfach schärfer sehen mit den jungen Herren vor der Tür?“ (Zitat Seite 57)

     

    Inhalt

    Auch an diesem Morgen im März schaut die Ich-Erzählerin, eine Schriftstellerin, hinter den Gardinen verborgen, aus dem Fenster ihrer Wohnung in Berlin, Friedrichstraße. Sie rechnet damit, ein Auto zu sehen, doch es ist nicht da. Um Mitternacht war es doch noch da, sie denkt nach, frühstückt und einige Minuten nach neun Uhr, sie spürt es förmlich, sind sie wieder da. Wie würde sie in zehn, zwanzig Jahren an diesen Tag zurückdenken?

     

    Thema

    Geschrieben 1979, überarbeitet 1989, erschienen erst 1990, führte diese Erzählung zu einem heftigen Literaturstreit.

    Die Autorin beschreibt an einem Beispiel den Alltag jener Menschen in der DDR, die jahrelang rund um die Uhr von der Stasi überwacht wurden, da sie zu den verdächtigen Personen zählten. Wie geht man mit diesem permanenten Druck um, dessen Kernfrage lautet: „Was wollt ihr eigentlich?“ Wie lebt man damit, Freunde auf der Straße nicht mehr anzusprechen, um sie nicht ebenfalls in Gefahr zu bringen, oder aber von alten Bekannten ohnedies geschnitten zu werden.

     

    Handlung

    Die Ich-Erzählerin ist Schriftstellerin, sie beobachtet, wird beobachtet und führt in dieser Situation intensive Zwiegespräche mit ihrer inneren Stimme, ihrem inneren Begleiter, das Jetzt füllt sich mit kontroversen Gedankendiskussionen. Die Erzählung schildert einen Tag in ihrem Leben, der mit dem Aufstehen beginnt und mit einer Lesung am Abend und zwei Telefonaten nach Mitternacht endet. Ergänzt wird der Ablauf durch Rückblenden in Form von Erinnerungen und Bemerkungen über die sich abwechselnden, nur in der Farbe unterschiedlichen, Bewacherfahrzeuge.

     

    Fazit

    Christa Wolf zeigt in dieser intensiven Erzählung die physischen und psychischen Auswirkungen einer permanenten Überwachung auf, die einem Verlust jeglicher Privatsphäre gleichkommt. Ihre gedanklichen Diskussionen mit den Facetten ihres Ich zeigen eindrücklich ihre Zerrissenheit, sowohl dem, was aus der sozialistischen Grundidee in dieser DDR geworden ist, als auch ihrer persönlichen Situation und dem eigenen Verhalten gegenüber. Kernstück ist eine Lesung am Abend des geschilderten Tages und ein Blick auf junge Menschen, die Fragen stellen und Hoffnung für die Zukunft geben. Eine verhältnismäßig kurze Erzählung, die in ihrer vielfältigen Eindrücklichkeit ein zeitlos lebendiges, klares Bild dieser Zeit zeigt.  

  7. Cover des Buches Kassandra (ISBN: 9783518189214)
    Christa Wolf

    Kassandra

     (265)
    Aktuelle Rezension von: diepersephone

    Mein absolutes Lieblingsbuch! Noch immer ziehe ich es ab und zu aus dem Regal und lese die ersten Seiten! Es ist sooo lyrisch geschrieben seine sprachgewalt zieht mich sofort hinein. Als ich an schauspielschulen vorgesprochen habe habe ich mir hieraus einen Monolog rausgesucht da ich es so ergreifend fand und mir die Sprache sofort Bilder lieferten. Es ist eines von zwei Büchern das ich zweimal gelesen habe.

  8. Cover des Buches Frauenliteratur (ISBN: 9783423103916)
    Manfred Jurgensen

    Frauenliteratur

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  9. Cover des Buches Medea (ISBN: 9783150088821)
    Seneca

    Medea

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Mira123

    Heute bekommt ihr von mir wieder eine Kurzrezension zu einem Buch, mit dem ich mich im Moment im Studium beschäftige. Und zwar echt intensiv. Ich muss nämlich zu Medea eine Proseminararbeit schreiben. Juhu!

    Aber zuerst mal kurz eine Erklärung: Wer ist Medea überhaupt? Nun, Medea ist eine Kindsmörderin aus dem alten Griechenland. Zuerst schrieb Euripides über sie, dann Seneca und dann immer und immer mehr Autorinnen und Autoren, bis heute.
    Medea half Jason und den Argonauten dabei, das goldene Vließ (Widderfell) ihres Vaters zu stehlen. Ziemlich fies, ich weiß. Warum? Nun, ganz einfach: Medea hat sich in Jason verliebt und sieht darin ihre Chance, ihn auf sich aufmerksam zu machen. Und es funktioniert: Medea flieht gemeinsam mit Jason aus ihrer Heimat, Kolchis. Auf der Fahrt nach Jolkos, wo Jason herkommt, ermorden sie gemeinsam ihren Bruder und später in Jolkos den König Pelias, der sich weigert, Jason den Thron zu überlassen. Die Geschichte ist besonders grausam, da sie nämlich seine Töchter vorgaukelt, ihn wieder jung machen zu können und sie dazu bringt, ihn auseinanderzusägen und in einen Topf mit kochenden Wasser zu werfen. Und, surprise, surprise: Natürlich überlebt der Kerl das nicht! Natürlich sind die Einwohner nicht besonders glücklich darüber und die zwei werden wieder vertrieben. Sie landen in Korinth. Und hier setzt die Geschichte bei Seneca ein. Die Liebe zwischen den beiden ist in der Zwischenzeit...nennen wir es mal abgekühlt. Sie haben zwei Kinder miteinander, die aber das ganze Stück lang namenlos bleiben. Jason hat überhaupt keine Lust mehr, mit Medea zusammenzusein und verlobt sich deswegen mit Kreusa, einer Königstochter. Tja, Medea nimmt ihm das sehr übel. Sie sendet Kreusa deswegen ein verfluchtes Kleid, das dafür sorgt, dass sie in Flammen aufgeht und stirbt. Doch damit ist ihr Rachedurst noch nicht gestillt: Sie ersticht ihr erstes Kind und dann, als Jason zusieht, auch noch das zweite. Und damit endet dieses Drama dann auch schon wieder. Und da sag noch mal einer, die Griechen seien langweilig!

    Ganz ehrlich: Als ich dieses Drama zum ersten Mal gelesen habe, habe ich kein Wort verstanden. Hätte ich nicht gewusst, worum es geht, hätte ich wohl sofort aufgegeben. Aber in der Zwischenzeit habe ich den Text noch ein paar mal gelesen und mit jedem Mal gefällt mir die Geschichte besser. Medea ist einfach eine unglaublich spannende Figur, gerade fürs alte Griechenland! Leider wurde dieser Text damals nie aufgeführt, aber heute macht man das regelmäßig. Allerdings immer nur Neubearbeitungen und leider so gut wie nie das Original. Verstehe ich auch, der Text ist nicht gerade das, was man abendfüllend nennt (also er ist sehr kurz) und eher kompliziert geschrieben. Das wäre also für jeden Zuschauer eine Challenge und für die Schauspieler sowieso. Trotzdem würde ich das Original echt gerne mal auf der Bühne sehen. Das fände ich spannend.

    Medea ist hier in dieser Version noch eine der besten Varianten ihrer selbst. Hier kommt ihr Schmerz noch um einiges besser zum Ausdruck als in vielen anderen, neueren Versionen. Trotzdem ist einfach....nun ja, Medea. Aus unserer heutigen Sicht sind ihre Taten nicht mehr wirklich nachvollziehbar, aber naja, im alten Griechenland war das noch etwas anders. Die Morde, gerade an den Kindern, wirken aus unserer heutigen Zeit wirklich sehr übertrieben. Damals war das auch nicht gerade eine Selbstverständlichkeit, aber doch schon eher verständlich. Hier noch ein kleiner Disclaimer: Ich bin keine Expertin für die alten Griechen, kann also auch sein, dass alles ganz anders ist. Ich möchte trotzdem versuchen zu erklären, wie ich die Morde interpretiere und verstehe. Auf jeden Fall ist Jason hier schon nicht mehr der Jüngste und er ist ein Herrscher. Er braucht also einen Erben, an den er den Thron weitergeben kann, wenn er mal zu alt dafür ist. Am besten einen Erben, der aus der Ehe mit Kreusa hervorgeht, denn sie ist eine Königstochter und damit könnte er sein eigenes Reich vergrößern. Wenn das nicht funktioniert, hätte er immer noch die zwei Kinder mit Medea. Deswegen möchte er, dass die Kinder bei ihm bleiben. Und indem Medea nicht nur seine neue Frau umbringt, sondern auch ihre Kinder, zerstört sie seine Zukunft. Und das nachhaltig. Oder würdet ihr gerne einen Mann heiraten, dessen Exfrau seine neue Verlobte und seine Kinder ermordet hat? Dessen Ex den Ruf hat, eine Hexe zu sein? Also ich weiß ja nicht, aber ich wäre da dann doch eher vorsichtig, gerade im alten Griechenland.

    Auf jeden Fall solltet ihr euch auf jeden Fall mal Zeit nehmen und euch "Medea" durchlesen. Die Lektüre ist nicht besonders leicht, aber es lohnt sich, wenn man den Text erstmal verstanden hat. "Medea" prägt die Kunst noch bis heute, auch wenn das vielleicht auf den ersten Blick nicht so scheint. Versucht es also auf jeden Fall einfach mal!

  10. Cover des Buches Jahrhundertfrauen (ISBN: 9783406421013)
    Cathrin Kahlweit

    Jahrhundertfrauen

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  11. Cover des Buches Kassandra (ISBN: 9783862312078)
    Christa Wolf

    Kassandra

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Freaky_Tattoo
    Ich habe selten etwas vernommen, dass mich so sehr berüht hat wie die Geschichte der Kassandra von Troja. Sie ghet zu Herzen und triffen Leser und Zuhörer auf ganz hohem Niveau...
  12. Cover des Buches Störfall (ISBN: 9783518797105)
    Christa Wolf

    Störfall

     (46)
    Aktuelle Rezension von: Avalee

    Christa Wolfs Störfall stellt dar, wie eine Frau vom Reaktorunfall in Tschernobyl erfährt und gleichzeitig um das Leben ihres Bruders bangt, der sich an diesem Tag einer Gehirnoperation unterziehen muss.

    Innerhalb dieses einen beschriebenen Tages lauscht die Ich-Erählerin den Radionachrichten und unterhält sich darüber mit Nachbarn und Familie. Sie versucht die grauenvolle Nachricht des Reaktorunfalls zu fassen, scheint es aber kaum zu können, denn schließlich ist die radioaktive „Wolke“ unsichtbar. Sie flüchtet sich in ihre Gartenarbeit und den Gedanken an ihren Bruder, der an diesem Tag am Gehirn operiert wird.

    Dieser Roman ist unheimlich beschrieben: Sowohl der atomare Unfall, der über der gesamten Erzählung schwebt als auch die Operation haben etwas verstörendes an sich. Trotzdem konnte ich beide Handlungsstränge und die dabei verdeutlichte Hilflosigkeit der Personen interessiert verfolgen. Leider haben mir dann doch zum Teil die Spannung und ein paar direktere Aussagen zum Unfall in Tschernobyl gefehlt.

    Dennoch finde ich diesen Roman durchaus Lesenswert.
  13. Cover des Buches Alchemie der Nähe (ISBN: 9783772510625)
    Dorothea Rapp

    Alchemie der Nähe

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  14. Cover des Buches Ein Tag im Jahr (ISBN: 9783518733073)
    Christa Wolf

    Ein Tag im Jahr

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Federfee
    1960 rief die 'Iswestija' die Schriftsteller der Welt dazu auf, einen Tag ihres Jahres (hier der 27. September) so genau wie möglich zu beschreiben. Christa Wolf, eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der DDR, macht mit - und blieb dabei, von 1960 bis 2000.

    Auch ich finde es eine sehr gute Idee, einen Tag im Leben genauer zu beleuchten und alles festzuhalten, was man "... erlebt, gedacht, gefühlt hatte, Erinnerungen, Assoziationen - aber auch die Zeitereignisse, die mich in Bann hielten, politische Vorgänge, die mich betrafen, den Zustand des Landes, ..." (11). Das hebt ein solches Buch wie auch Tagebücher überhaupt, vom Privaten ins allgemein Gültige, ist ein - wenn auch persönlich gefärbtes - Zeitzeugnis.

    Das gilt in diesem Fall ganz besonders, weil Christa Wolf anscheinend überzeugte Marxistin war, sich aber dennoch in 'ihrem' sozialistischen Staat nicht ganz frei fühlte und sich mit ihrem Schreiben ziemlich quälte - so mein Eindruck.

    Sie berichtet viel über Gespräche mit anderen, über die Bücher, die sie gelesen hat und die Gedanken dazu, über die Nachrichten aus aller Welt, die sie gehört hat, aber auch Persönliches, über ihre Familie, die ihr das Wichtigste war, was sie gekocht hat. Ja, sie und ihre Mann Gerd scheinen gutes Essen sehr gemocht zu haben.

    Trotz dieser interessanten persönlichen Einsprengsel machen den Großteil des Buches oben genannte Themen aus. Mir waren es ab ungefähr der zweiten Hälfte zu viele Einzelheiten zu Gesprächen mit Personen, zu Gelesenem. Wer sich aber für Christa Wolf und die damalige Atmosphäre in der DDR interessiert, für den könnte es ein lesenswertes Buch sein.
  15. Cover des Buches Der geteilte Himmel (ISBN: 9783804418127)
    Christa Wolf

    Der geteilte Himmel

     (101)
    Aktuelle Rezension von: HomersEvil

    Der geteilte Himmel – eine literarische Auseinandersetzung zweier Systeme, zweier Ideologien, zweier Länder, die doch mal eines waren, die immer noch zueinander gehören, eine Liebesgeschichte zweier Menschen in den Anfängen der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Soweit die Kurzzusammenfassung.


    Um Christa Wolfs Erzählung „Der geteilte Himmel“ hatte ich bis jetzt einen großen Bogen gemacht. Warum weiß ich gar nicht. Wahrscheinlich war es dieses voreingenommene Gefühl die Handlung sowieso schon zu kennen. Eine Erzählung die sich um die Teilung Deutschlands dreht, höchst wahrscheinlich hauptsächlich aus der Perspektive der DDR, mit der nötigen Portion Überlegenheit des Sozialismus. 

    Und ja, ich hatte damit vollkommen recht. Naja nicht vollkommen. Zu meiner Überraschung war der Teil mit der Überlegenheit des Sozialismus doch recht gering. Im Gegenteil, eigentlich wurden durch Wolf schon damals sehr präzise nahezu sämtliche Missstände des sozialdemokratischen Deutschlands aufgezeigt. Offene Schwachstellen des vermeintlichen überlegenen Systems. Eigentlich ein offener Affront. Ich fragte mich tatsächlich, wie es dieses Buch durch die Zensur des Staates geschafft hat. Vielleicht war es ja auch nur Zufall, bzw. der Gunst der Stunde geschuldet. Das Buch erschien 1963, handelt von der Zeit kurz vor, und während des Mauerbaus im Sommer 1961. Wobei der Begriff „Mauer“ oder „Mauerbau“ zu keiner Zeit in der Erzählung vorkommt oder thematisiert wird, bestenfalls „angedeutet“. Wahrscheinlich ist das auch die Erklärung für die Zensurfreigabe.


    Christa Wolf erlaubt mit ihrer Erzählung neben politischen Auseinandersetzungen auch einen Einblick in des alltägliche Leben „jenseits“ der neu gezogenen Mauer, einen Einblick in die sozialistische Gesellschaft, mit all ihren Stärken und Schwächen. Einblick in ein Leben, wie es wohl heutzutage kaum noch verständlich ist. Gerade das macht diese Erzählung auch heute noch so wertvoll und wichtig! Ja, eine Liebesgeschichte, eine wirkliche, wahre und schöne Liebesgeschichte, eine von existentiellen Problemen mit echten Menschen gibt es auch noch. 


    Wer schon immer mal wissen wollte wie es sich in dieser Zeit zugetragen hat, in der DDR, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt.


    „Sie kamen in den dicksten Abendverkehr. Sie wurden gestoßen, gedrängt, auseinandergetrieben. Er mußte sie festhalten, um sie nicht jetzt schon zu verlieren. Er umspannte mit der Hand leicht ihren Oberarm und schob sie vor sich her. Keiner sah das Gesicht des anderen, bis sie in der Bahnhofshalle stehenblieben.

    Was jetzt nicht beschlossen war, konnten sie nicht mehr beschließen. Was jetzt nicht gesagt war, konnten sie nicht mehr sagen. Was sie jetzt nicht voneinander wußten, würden sie nicht mehr erfahren.

    Ihnen blieb nur dieser schwerelose, blasse, nicht mehr von Hoffnung und noch nicht von Verzweiflung gefärbte Augenblick.“

  16. Cover des Buches Unter den Linden (ISBN: 9783458193555)
    Christa Wolf

    Unter den Linden

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Orisha

    Unter den Linden, eine der Prachtalleen Berlins und jene Straße, die aus der Geschichte Berlins nicht wegzudenken ist. Ort der Neuen Wache, des ehemaligen Berliner Schlosses, der Staatsoper und -bibliothek, der Universität, dem Brandenburger Tor. Touristenspot, Allee, Verkehrsknotenpunkt. Ein machtvoller, politischer Ort.

    Eine junge Frau besucht die Straße "Am liebsten, du weißt es, allein." (Wolf, S. 7). Sie hängt ihren Gedanken nach: einer verflossenen Liebe, ihren Studienjahren, ihrer Jugend. Sie entsinnt sich der Kriegstrümmer, der Universität, die von den Humboldt-Denkmälern eingerahmt ist. Sie denkt an alte Freunde, alte Liebschaften und an ihn.

    Christa Wolfs Hommage an den Ort Berlins, der symbolisch für so vieles steht: das alte Kaiserreich, die Trennung zwischen Ost und West, die Verbindung Berlins zur Welt. Diese Symbolik paart sie mit einer Protagonistin, die sich selbst finden will, die ihre Vergangenheit Revue passieren lässt, um gestärkter in die Zukunft zu gehen. Die Gedanken verschwimmen ineinander - so wie man es selten liest und so gekonnt, dass ich vor Wolf meinen imaginären Hut ziehe, denn das gelingt nur wenigen. Eine dritte Ebene ist das Leben in der DDR, das immer wieder durchschimmert. 

    Kurzum: Ein Klein-Od der großen DDR-Autorin. Mit ihrer feinsinnigen Sprache setzt sie mit "Unter den Linden" Berlin ein sprachliches Denkmal und das ist wirklich lesenswert.


  17. Cover des Buches Sei gegrüßt und lebe (ISBN: 9783351036362)
    Angela Drescher

    Sei gegrüßt und lebe

     (9)
    Aktuelle Rezension von: Salutcori
    Man fühlt sich am Anfang wie ein Spion, der dieser sich entwickelnden Beziehung und später tiefen Freundschaft zusieht. Bald aber wechselt man die Perspektive und wird mit hineingerissen in die Gespräche, die leider viel zu früh ein Ende finden. Als besonders beeindruckend empfand ich wie auch große Dichterinnen um Worte ringen - vielmehr um die richtigen Worte, die es für viele Situationen nicht gibt. Der unaufhaltsame Kampf, dem sich sowohl Brigitte Reimann als auch Christa Wolf stellen müssen wird wunderbar einfühlsam dargelegt. Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der einer Freundschaft zwischen zwei starken Frauen beim Entstehen zusehen möchte und der sich nicht scheut auch die tiefe Depression zu erfahren, die am Ende droht. Man braucht einige Tage um darüber hinweg zu kommen, denn diese Zusammenstellung von Briefen und Tagebucheinträgen vermag es, dass man sich als Teil dieses Duos empfindet. Am Ende bleiben nur die wunderbaren Texte, die über die Trauer hinweghelfen.
  18. Cover des Buches Kindheitsmuster (ISBN: 9783518741405)
    Christa Wolf

    Kindheitsmuster

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Sandra1975

    Anhand der fiktiven Protagonistin Nelly rekapituliert "Kindheitsmuster" die Nazi-Vergangenheit und reflektiert das Aufwachsen in einer von Heldenfiguren, Indoktrinierung und Feindbildern geprägten Zeit. 

    Geschildert wird eine Reise der erwachsenen Erzählstimme zu den Orten ihrer Kindheit. Dennoch handelt es sich in diesem über 600 Seiten langen Buch weder um einen blossen Tatsachenbericht noch um ein Wiederaufleben-Lassen von Kindheitserinnerungen. Vielmehr geht es um eine Reflexion über die Voraussetzungen des Erinnerns selbst sowie darüber, nach welchen Kriterien nun die eigene Geschichte erzählt werden kann und erzählt werden soll. 

    Mich hat diese Metaebene sehr beeindruckt, etwa wenn die Erzählerin den Unterschied zwischen Erinnern und Erzählen erläutert: Erinnerungen mögen in den komplexen Windungen unseres Gehirns gespeichert sein und darin willkürlich freigesetzt werden. Dieses Erinnern, so die Erzählerin, erfordere keinen Erzähler; Erinnerungen kommen und gehen. Das Erzählen hingegen ist vielmehr die Gestaltung des im Titel erwähnten "Musters", auf dessen Suche sich Nelly in diesem Buch begibt. Der Plot der Geschichte ist letztlich zweitrangig; welche Gestalt man der Geschichte verleihen soll - das ist die entscheidende Frage, die die Erzählerin umtreibt und der dieses vielschichtige Werk gewidmet ist. "Kindheitsmuster" ist insofern ein Buch über das Erzählen; ein metafiktionales bzw. metasprachliches Werk. 

    Ich habe dieses Buch mit grossem Interesse gelesen und möchte es wärmstens weiterempfehlen.

  19. Cover des Buches Nachdenken über Christa T. (ISBN: 9783518741504)
    Christa Wolf

    Nachdenken über Christa T.

     (40)
    Aktuelle Rezension von: RosaCuisine
    In "Nachedenken über Christa T." reflektiert die Ich-Erzählerin über ihre verstorbene Schulfreundin und Kommilitonin Christa T. Im Mittelpunkt steht ihre Schwierigkeit zu sich selbst zu finden und sich in die Gesellschaft einzufügen, während sie sich selbst und ihre Umgebung stets kritisch in Frage stellt und skeptisch gegenüber Allem bleibt, was vermeintlich absolut und abgeschlossen ist. Als sie mit Mitte dreißig langsam 'anzukommen' scheint und wenigstens in Teilen einen Weg findet, sich ihr Umfeld nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten, stirbt sie jedoch an Leukämie. Sehr einfühlsam und reflektiert schildert Wolf nicht nur die Schwierigkeit der Protagonistin ihren Lebensweg zu finden, sondern ebenso die Problematik des Erinnerns, das immer auch Vergessen und neu Erfinden mit einschließt. Besonders im Vergleich zu seinem Vorgänger 'Der geteilte Himmel' von 1963 wird in diesem Buch Christa Wolfs deutlich veränderte Einstellung zur Kulturpolitik der DDR der 60er Jahre deutlich. Der stark subjektive Stil, der mangelnde Optimismus, kein Aufzeigen von Lösungen und die Frage, wie sehr der Tod Christa T.s in den gesellschaftliche Verhältnissen begründet ist, stellt einen starken Bruch dar, hin zur literarischen Moderne und weg von einer expliziten Bestätigung der politischen Verhältnisse.
  20. Cover des Buches Ich war das Kind, dem alle Wolken sangen (ISBN: 9783547715668)
  21. Cover des Buches Zeichen setzen! 12 Porträts berühmter Frauen (ISBN: 9783401601199)
    Andreas Venzke

    Zeichen setzen! 12 Porträts berühmter Frauen

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Pepamo
    Interessante Biografien über 12 Frauen, welche sich in den letzten vier Jahrhunderten als Politikerinnen, Künstlerinnen, Pionierinnen, Forscherinnen und Unternehmerinnen einen Namen gemacht haben. Dabei handelt es sich um Frauen, welche neue Wege eingeschlagen, um ihre Freiheit gekämpft und ihr Leben in die eigene Hand genommen haben. Dem Autor ist es gelungen, die Geschichte der jeweiligen Persönlichkeiten kurzweilig und lebendig zu erzählen. Die Porträts sind in fünf Kapitel unterteilt welche jeweils zu beginn eine kurze Einführung in die jeweilige Zeit und die gesellschaftlichen Gegebenheiten enthält. Insgesamt ein spannendes Geschichtsbuch, welches das Leben und Wirken der Frauen zusammenfasst und es ermöglicht, sich in die jeweilige Erzählung hineinzuversetzen. 
  22. Cover des Buches Blickfeld Deutsch Oberstufe - Ausgabe 2003 / Blickfeld Deutsch Oberstufe (ISBN: 9783140282277)
  23. Cover des Buches Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud (ISBN: 9783518467183)
    Christa Wolf

    Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Heike110566
    "Vielleicht, sagte Peter Gutman, wird man sagen, sie haben zuletzt ohne Illusionen, aber nicht ohne Erinnerung an ihre Träume gelebt. An den Wind Utopias in den Segeln ihrer Jugend. Dein Wort in Gottes Gehörgang, sagte ich." (Seite 317) Auch zwanzig Jahre nach dem Beitritt der DDR zur BRD ist noch nicht wieder zusammengewachsen, was zusammen gehört. Eine kulturelle Differenz lässt sich nicht per Erklärung aufheben. Zu unterschiedlich waren die Einflüsse auf die Menschen im geteilten Deutschland, die sie entscheidend prägten. Das gegenseitige Verständnis für Lebensläufe fällt immer wieder schwer. Selbst das Geben von Erklärungen hilft da oft nicht weiter, denn es sind nur immer Bruchstücke, die man da erklärt, die aber nicht das Ganze auch nur annähernd beschreiben, was welchen Einfluss auf einem hatte. Christa Wolf (geb. 1929), eine der bedeutendsten Intellektuellen der DDR und für mich die herausragendste Schriftstellerin im untergegangenen Staat, versucht daher auch gar nicht erst zu erklären, sondern reflektiert einfach nur. Reflektiert auf verschiedenen Ebenen das eigene Leben, eingebettet in einer fiktionalen Geschichte, sodass sich nach und nach auch bei einem Nicht-Dabeigewesenen ein Bild davon bilden kann, wie komplex die Gesellschaft und das Dasein war und wie scheinbare Widersprüchlichkeiten, wie zB die, dass man über vierzig dicke Akten als Beobachtungsgegenstand des Ministeriums für Staatssicherheit besitzt, aber eben auch eine ganz dünne Täterakte, wenn auch nicht herkömmlich logisch, aber dennoch konsistent nachvollziehbar werden. Und eben auch was es für einem bedeutet, dass in der heutigen Gesellschaft nur anhand eines Mosaiksteinchens, wie die letztere Akte als das Letztgültige, was es zu der Person zu sagen gibt, stigmatisiert und schubladisiert wird. Der Roman ist etwas besonderes. Die Erzählperspektiven wechseln, genauso wie die Erzählebenen, ständig, verwirren aber dennoch nicht. Selbst innerhalb eines Satzes kann es zu derartigen Wechseln kommen. Die Ebenen, auf denen die Ich-Erzählerin zuhause ist, sind die Erlebnisse in Los Angeles und den USA 1992/93 und die jüngste Vergangenheit, also das Jahr 2010, wo sie diese Erinnerungen zu einem Roman verarbeitet. Die dritte Ebene wird von der Ich-Erzählerin aus der Distanz heraus in der 2. Person Singular, also mit Du, erzählt, wobei dieses Du das Ich in der Vergangenheit ist. Die Erzählerin erklärt diese Erzählweise auch im Roman: Sie resultiert aus der Tatsache, dass sie das Gefühl hat, dass es im Laufe der Entwicklung mehrere Ichs gegeben hat. Es entstand in der Erzählerin eine distanzierte Haltung zu dem Ich von damals (egal welcher Zeit der DDR) und diese Differenz wird auf diese Weise auch sichtbar gemacht. Was hier ein methodisches Mittel ist, ist aber im Grunde auch wichtig für die Beurteilung von eigenen Handlungen. Man muss das Handeln unter den jeweiligen Kontexten betrachten. Man hatte noch nicht gewusst, was man später wusste. Interessant auch, wie es Christa Wolf gelingt, scheinbar völlig verschiedene Welten so miteinander in einem Zusammenhang zu bringen, dass man Vergangenes aus dem Reich des einst real-existierenden Sozialismus in ähnlicher Form auch anderswo findet. Die Analogieform als Mittel zum Verstehen. In Los Angeles ist die Erzählerin auf einer Suche nach einer gewissen L., deren Briefe sie aus dem Nachlass einer Freundin, die verstorben ist, kennt. Die Spurensuche geht dabei in die Zeit, als L. A. Exilort für vele deutsche und jüdische Autoren wurde. Aber auch die Nachwirkungen dieser Zeit, zB in Form der Begegnung mit den Nachkommen dieser Menschen. Gleichzeitig ist sie aber auch auf Spurensuche nach sich selbst, nach den Wurzeln ihres Dasein und nach ihrem Handeln in bestimmten Situationen. Immer wieder wird sie mit der Frage konfrontiert, warum sie in diesem Staat DDR geblieben ist. besonders akut wird diese Fragestellung als ihre Täterakte durch die bundesdeutschen Medien veröffentlicht wird und diese "Enthüllungen" bis nach Amerika hinüberschwappen. Interessant ist, wie die Erzählerin mit dieser Belastungsprobe umgeht und letztlich stark aus dieser Konfliktsituation hervorgeht. Sie lüftet das Geheimnis um L. - Bevor sie aber in die Bundesrepublik zurückkehrt, macht sie noch einen Abstecher in den Südwesten der USA und erlebt wie fremd man als Mensch im eigenen Land sein kann. Ich bin Frau Wolf sehr dankbar, dass sie dieses Buch geschrieben hat. Es ist meiner Auffassung nach ein wichtiger Beitrag zum Verständnis von durch das Dasein in der DDR geprägten Biographien und somit auch dafür, dass zusammenwächst, was zusammengehört. Es ist ein Stück kulturelles Gedächtnis. Durch das Erscheinen dieses Buches, das eine riesige Anzahl von Verweisen auf Exil- und DDR-Kultur enthält, und die damit verbundene Aufnahme in die Deutsche Nationalbibliothek ist dieser Roman und das in ihm stehende ein Teil unseres nationalen Gedächtnisses geworden. Ein für mich unschätzbar wertvoller Beitrag. Dieser Roman gehört für mich zu einem der wichtigsten, die seit der sogenannten Wiedervereinigung veröffentlicht wurden. Ich bin froh, dass ich ihn lesen durfte.
  24. Zeige:
    • 8
    • 12
    • 24

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks