Bücher mit dem Tag "äthiopien"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "äthiopien" gekennzeichnet haben.

73 Bücher

  1. Cover des Buches Alle, außer mir (ISBN: 9783803132963)
    Francesca Melandri

    Alle, außer mir

     (55)
    Aktuelle Rezension von: Roxy_00013

    Kurzmeinung: Vielschichtiger Roman, bei dem Geduld und Ausdauer gefragt sind. Eine Familiengeschichten die zum Nachdenken anregt und viele Fragen aufwirft. In verschiedenen Perspektivwechseln zeigt und Francesca Melandri die Gegenwart, aber auch die Zeit der 30er und 40er Jahre sowie späterer Jahrzehnte in Italien, Äthiopien und Lybien. Eine Geschichte über eine verdrängte Vergangenheit in dem Themen wie dem Kolonialismus und Faschismus angesprochen werden.
    Eine Lektüre die mich sehr mitgenommen hat, und immer noch in mir nachhallt.

  2. Cover des Buches DER ZEHNTE HEILIGE (ISBN: 9783958350656)
    Daphne Niko

    DER ZEHNTE HEILIGE

     (54)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Grasl

    Der zehnte Heilige bildet den Auftakt zu einer Buchreihe rund um die Protagonistin Sarah Weston. Als Tochter eines angesehenen Londoner Adeligen stemmt sich die Archäologin Sarah in der Manier eines Indianer Jones gegen einige Wiedrigkeiten.

    Da wäre zum einen der Umstand, dass ihre Arbeit in Äthiopien, bei der Ausgrabung einer Grabkammer bereits von anfang an unter keinem guten Stern steht. Immerhin erwarten sich die Geldgeber schnelle Fortschritte, welche Sarah jedoch nicht liefern kann. Stattdessen beginnt sie eine eigene Ausgrabung, abseits ihrer Arbeit, und wird hier schnell fündig. Die Entdeckung, welche Sarah dabei macht ist jedoch derart umfassend, dass sie einflussreiche Leute aus den verschiedensten Kreisen auf den Plan ruft.

    Die nächste Schwierigkeit steht mit Daniel Madigan ins Haus, der ihre gescheiterte Ausgrabung unterstützen soll. Dass die beiden zu Anfang nicht großartig miteinander auskommen ist ein Umstand, der durchaus vorhersebar ist. Allerdings entpuppt sich Daniel im weiteren Verlauf der Story als äußerst hilfreich. Und auch Sarah legt recht bald ihre Befangenheit ab und wird zudem was die Autorin beabsichtigt: Eine Frau, welche sich mit mächtigen Leuten anlegt und denen gehörig die Meinung geigt.


    Während dieser eigentlichen Handlung bekommt man als Leser noch einen zweiten Blickwinkel offenbart. Einen, rund um den Mann namens Gabriel. Zunächst ist nicht ganz schlüssig in welcher Verbindung die beiden Handlungsstränge zueinander stehen. Sie wirken voneinander losgelöst. Doch nach einiger Zeit wird klar, worauf der Fokus der Story liegt. Und so entwickelt sich ein gekonnter Abenteuerroman, welcher in der unmittelbaren Gegenwart spielt und mit einigen technischen Raffinessen aufwartet. 


    Fazit: Eine moderne Version von einem Indianer Jones, der hier mit einer weiblichen Hauptfigur aufwartet, welche zuweilen wenig zum Lachen hat, aber dafür mit ihrem Verstand die Handlung immer wieder in neue Bahnen lenkt.

  3. Cover des Buches Die Insel der Zitronenblüten (ISBN: 9783734104336)
    Cristina Campos

    Die Insel der Zitronenblüten

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Lesefieber22

    Marina arbeitet zuammen mit ihrem Partner Mathias als Entwicklungshelfer in Äthiopien, als sie wegen einer unerklärlichen Erbschaft zurück in ihre Heimat nach Mallorca muss. Seit 14 Jahren hat Marina ihre Schwester Anna nicht mehr gesehen. Alte Wunden werden aufgerissen, gepflegt und geheilt. Jedoch birgt die geerbte Bäckerei ein unglaubliches Geheimnis, welches Marinas Leben für immer verändern wird.

    Der Klappentext klingt nach locker-leichtem Sommerroman, doch das Buch kann mit viel Tiefe überraschen. Für mich wurde versucht, etwas zu viele verschiedene Themen in einem Roman unterzubringen, wodurch einige Aspekte etwas zu kurz kamen. Gerne hätte ich mehr über Marinas Arbeit bei Ärzte ohne Grenzen erfahren, welche grossen Einfluss auf ihre Entscheidungen hat. Die Charaktere wirken lebendig und konnten mich abholen. Rasch habe ich in die Geschichte gefunden und das Buch konnte mich mitreissen. Die Geschichte fesselte mich und regte mich in den Lesepausen immer wieder zum Nachdenken an. 

    Der Roman ist perfekt für einen gemütlichen Abend auf dem Sofa mit einem Glas Wein geeignet. Dabei liess er mich in die Geschichte von Marina und Anna eintauchen und mit den beiden starken Frauen mitfühlen.

  4. Cover des Buches Das große Los (ISBN: 9783328102687)
    Meike Winnemuth

    Das große Los

     (241)
    Aktuelle Rezension von: juliexbooks

    Meike Winnemuth gewinnt bei Günther Jauch 500.000 Euro. Was sie mit dem Geld machen möchte? Ganz klar, eine Weltreise. Für die Journalistin sieht das so aus: Zwölf Monate in zwölf verschiedenen Städten der Erde verbringen. Pro Monat eine Stadt. Dabei sucht Meike Winnemuth sich bewusst Orte aus, die sie noch nicht gut kennt. Mit dabei sind unter anderem San Francisco in den USA, an dem sie auf einer West Coast Reise in ihrer Jugend mal vorbei gefahren ist oder Addis Abeba in Äthopien, das sie zunächst so gar nicht und dann doch so richtig in seinen Bann zieht. In Form von zwölf Briefen beschreibt die Autorin das neu gewonnene Lebensgefühl des Dauerreisens, das mit Freiheit aber zugleich auch mit einem "Verlust von Zugehörigkeit und Nähe und Kontinuität" verbunden ist. Schon früh stellt sie sich die Frage, ob sie die Weltreise auch irgendwann leid sein wird. Sie wird es nicht. Ganz im Gegenteil, Meike Winnemuth traut sich gemachte Pläne über Board zu werfen und ihrem Weg somit immer wieder eine neue Dynamik zu geben. An jedem Ort entdeckt sie neue Seiten an sich, weshalb sich auch jeder der zwölf Briefe anders liest. Berauschende Lebensfreude, Genuss und Tango in Buenos Aires wechseln sich ab mit Nichtstun und dem "Glück des Zweckfreien" in Honolulu. Egal, wohin es Meike Winnemuth verschlägt, ihre geschilderten Eindrücke sind immer echt, nah am Leben und geben einem das Gefühl irgendwie dabei gewesen zu sein, bei diesem unglaublich bereichernden Trip. Ausklingen lässt die Autorin diesen auf einem Schiff, das sie über den Atlantik zurück nach Hamburg bringt. An dieser Stelle dachte ich, wie so oft, als ich dieses Buch gelesen habe: Ich würde es ganz genauso machen. Auch dieses Flexibel-Bleiben, das Brechen der eigenen Regeln, wie Meike Winnemuth es in Äthiopien gemacht hat, um das Land noch einmal neu und anders zu entdecken, hat mir beim Lesen ein vollkommen zwangloses Gefühl gegeben. Es ging der Autorin nicht darum, einen perfekten Trip hinzulegen und diesen in seinen Highlight Reels festzuhalten, wie wir es so oft aus den sozialen Medien kennen. Meike Winnemuth hat einfach gemacht und gelebt und das dann zu Papier gebracht. Und das liest sich ganz fantastisch und man möchte es am liebsten genauso machen. Einfach leben, genießen, Menschen treffen, schreiben, neu orientieren, weiter leben und das Leben er-leben. 

    Von mir eine ganz klare Empfehlung für dieses Buch - es war dieses Jahr eines meiner klaren Favoriten. Das Buch ist etwas für alle, die das Reisen lieben, die selbst schon einmal länger im Ausland waren und wissen, wie sich das anfühlt und es ist etwas für alle, die so eine Reise mal vorhaben und schon einmal wissen möchten, wie toll das werden kann. 

    Zum Schluss noch dieses Zitat aus dem Buch: "Man darf sein Leben nicht damit verschwenden, Erwartungen zu erfüllen. Nicht mal die eigenen."

  5. Cover des Buches Der Schattenkönig (ISBN: 9783423282925)
    Maaza Mengiste

    Der Schattenkönig

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Havers

    Was wissen wir über Äthiopien? Nicht viel. Binnenstaat am Horn von Afrika, gebeutelt von Bürgerkriegen, Vielvölkerstaat, dessen Geschicke über viele Jahrzehnte von dem im westlichen Ausland hochangesehenen absolutistischen Herrscher Haile Selassie (1892 -1975), dem Negus Negest, gelenkt wurden. Unterbrochen wurde seine Regierungszeit lediglich während des Abessinienkriegs, in dem er 1936 das Land verließ und ins Exil nach England floh und erst 1941 mit Hilfe der Briten zurückkehrte.

    Und über den von 1935 bis 1941 dauernden Abessinienkrieg wissen wahrscheinlich die meisten von uns noch weniger. Im Oktober 1935 marschierten Mussolinis Truppen zur „Gewinnung neuen Lebensraums“ in Äthiopien ein und nahmen das Land völkerrechtswidrig in die Zange. Trotz des Einsatzes von chemischen Massenvernichtungswaffen gelang es ihnen jedoch nicht, weite Teile im Norden, die von abessinischen Patrioten gehalten wurden, unter ihre Kontrolle zu bringen.

    Was noch weniger bekannt ist, in den Reihen der Widerständler kämpften auch Frauen an vorderster Front. Und davon erzählt die in Äthiopien geborene amerikanische Autorin Maaza Mengiste in ihrem Roman „Der Schattenkönig“ (2020 auf der Shortlist des Booker Prize) und möchte damit diesen Frauen ein Denkmal setzen.

    Hundertprozentig gelungen ist dies allerdings nicht, auch wenn sie Hirut, eine junge Frau in Diensten eines kaiserlichen Offiziers, ins Zentrum rückt. Vielmehr macht es den Eindruck, dass Mengiste den historischen Gegebenheiten nicht die Aufmerksamkeit schenkt, die sie verdient hätten. Der Roman ist eher ein Heldengesang, in dem der abwesende Kaiser glorifiziert wird, obwohl er sein Volk in dieser schwierigen Zeit im Stich im gelassen hat. Denn es ist ein Doppelgänger Selassies, der dessen Rolle übernimmt, hoch zu Ross auf den Schlachtfeldern erscheint, als „Schattenkönig“ den Kämpfenden Mut macht und sie antreibt.

    Etwas weniger Heldenverehrung, dafür konzentrierteres Schauen auf die Rolle der Frauen in diesem Krieg, hätte dem Roman sicher nicht geschadet.

  6. Cover des Buches Am ersten Tag (ISBN: 9783442376582)
    Marc Levy

    Am ersten Tag

     (101)
    Aktuelle Rezension von: SonnenBlume

    Die Archäologin Keira und den Astrophysiker Adrian verbindet ein gemeinsamer Sommer, an dessen Ende sie ihn wieder verlässt. Beide haben lange keinen Kontakt und gehen ihren Berufen leidenschaftlich nach, bis sie ein hochdotierter Wissenschaftspreis wieder zusammenbringt. Doch auch dieses Mal ist Adrian nicht mehr als eine Nach vergönnt, nach der Keira einen geheimnisvollen Anhänger bei ihm lässt.
    Sie will wieder zu ihrer Ausgarbungsstätte nach Äthiopien zurückkehren, während Adrian versucht herauszufinden, was Keira ihm mit diesem geheimnisvollen Anhänger mitteilen wollte. Als er sich auch nach einiger Zeit keinen Reim auf das alles machen kann reist er zu Keira und versucht gemeinsam mit ihr das Geheimnis um den mysteriösen Anhänger zu lüften. Die beiden reisen um die Welt und ihre Fragen beantwortet zu bekommen und sind sich lange nicht bewusst, dass all die Unfälle um sie herum keine Zufälle sind, sondern sie mit ihrer Suche eine mächtige Organisation gegen sich aufbringen, die vor wenig zurückschreckt.

    Ich habe mich gefreut auf einen Liebesroman, der mir mein Herz erwärmt. Bekommen habe ich ein Buch, dessen Gerne ich nicht so recht einordnen kann mit Dialogen, die wahrscheinlich kein Mensch so verkrampft führen würde. Lange wusste ich nicht, wohin mich die Geschichte führt (außer einmal fast um die ganze Welt), am Ende angelangt war ich von Marc Levy als Reiseführer leider aber nicht sonderlich überzeugt.
    Abgesehen von den völlig krampfhaft konstruierten Dialogen war ich spätestens ab Hälfte des Buches sehr genervt von der geheimnisvollen Gruppierung, die Adrian und Keira um jeden Preis stoppen will. Man bekommt als Leser immer nur kleine Stückchen zugeworfen, die nicht mal den hohlen Zahn füllen und nicht wirklich Informationen bringen, die mich gerne zum Weiterlesen bewegt haben.

    Alles in allem mache ich keine Freudensprünge bei der Aussicht auf Teil zwei, auf der anderen Seite möchte ich aber natürlich wissen, was es mit dem Anhänger jetzt wirklich auf sich hat und vor allem, wie es Adrian geht. Hoffnung auf große Verbesserungen mache ich mir aber leider nicht.

  7. Cover des Buches Feuerherz (ISBN: 9783426273418)
    Senait G. Mehari

    Feuerherz

     (112)
    Aktuelle Rezension von: FranziDieBuechertante

    Senait wird oft entwurzelt und wächst ohne Beständigkeit auf. Ihre Mutter versteckt sie als Neugeborenes in einen Koffer, danach landet sie im Heim, dann kommt zu ihren Großeltern und dann zu ihrem Vater, und dieser gibt sie zur Rebellenarmee, wo sie Kindersoldantin sein muss. Aber sie findet irgendwann ihren Weg und gestaltet ihr eigenes Leben. 


    Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass dieser Roman auf jeden Fall keine leichte Kost ist. Sie erfährt viel Gewalt und viel Gleichgültigkeit. Ich musste oft echt schlucken. Auch ihre Umgebung wechselt sich oft, sie ist jedes Mal nur wenige Jahre in einer Umgebung. 

    Senait erzählt sehr ausführlich von ihrer Zeit als Kindersoldatin. Da muss ich zugeben, dass es manchmal etwas langatmig wurde. Auch die vielen Unterbrechungen im Text im Form von Unterüberschriften stört etwas den Lesefluss. Gewöhnungsbedürftig waren die Zeitsprünge, die manchmal im Text stattfanden. 

    Aber, sie ist sehr ehrlich und reflektiert, wir folgen ihr quasi auch bei der Verarbeitung der Dinge, die sie erlebt hat, denn vor allem der Krieg verfolgt sie noch viele Jahre danach. 



    Fazit:

    Dieser Roman vereint verschiedene "Genre" in sich.  Ab ihrer Jugend erzählt sie auch von ihrem Musikerfolg. Nachdem sie in Deutschland ist, bekommt das Buch den Charakter eines Jugendbuches, was mir sehr gefällt.

  8. Cover des Buches Die erste Nacht (ISBN: 9783442376599)
    Marc Levy

    Die erste Nacht

     (72)
    Aktuelle Rezension von: Amray

    Was war der Anfang, wo begann unsere Welt? Und wieviel ist die Veröffentlichung dieses Geheimnisses wert? Marc Levy ist auch in dem zweiten Buch an diese Fragen herangetreten. Der Astrophysiker Adrian und die Archäologin Keira begeben sich auf der Suche nach dem Beginn der Menschheit in lebensbedrohliche Situationen. Denn ihnen ist eine mysteriöse Organisation auf den Fersen, der das Hüten der Information zur Aufdeckung des größten Geheimnisses der Menschheit jeden Preis wert ist. Dabei sind sie auch keinesfalls zimperlich.

    Keira bekommt in Afrika einen seltsamen Stein, ein aus einem merkwürdigen Material bestehendes Gebilde, geschenkt. Bei näherer Betrachtung entdeckte Adrian zufällig, die einzigartigen Eigenschaften dieses Objektes. Um Informationen darüber zu erhalten, wendet sie sich an den sympathischen älteren Professor Ivory, dessen Rolle auch in diesem Roman ein Rätsel bleibt. Auf der Suche um den Globus entdecken Keira und Adrian, daß es wie ein Puzzle ursprünglich aus mehreren Teilen bestand. Die Jagt nach der Steinen und deren Bedeutung bringt ihr Leben in Gefahr.

    Nach einem Anschlag erwacht der gerettete Adrian in einem Krankenhaus und erfährt, daß seine Freundin Keira es leider nicht geschafft hat. Völlig teilnahmslos begibt er sich langsam auf den Weg des Heilung. Bis eines Tages ein Paket aus China, der Gegend des Unfalls seine Aufmerksamkeit auf sich zieht und seine Lebensgeister erweckt. Zusammen mit seinem Freund Walter versucht er herauszufinden, ob Keira doch noch leben könnte, wenn ja, wo sie ist und wie er sie retten könnte, was es mit den Steinen und der Organisation auf sich hat und wie man dieser entkommen kann. Er sieht sich einer Entscheidung gegenüber, ob er der Menschheit das Wissen um dieses Geheimnis anvertrauen kann und sollte, denn damit würde er nicht nur sein Totesurteil und das seiner Liebsten unterschreiben, sondern die Welt in seinen Grundfesten erschüttern.

    Mit viel gut recherchierten Informationen, teilweise rasanter Handlung, unvorhersehbaren Wendungen, gelungener Situationskomik, wunderbaren Landschaftsbeschreibungen und auch Romantik wird der Leser in seinen Bann gezogen. Er sieht sich nicht nur einem guten Thriller gegenüber, vergleichbar mit Dan Brown, sondern wird mit interessanten Thesen über die Entstehung der Welt, dem Ausgangspunktes unseres Glaubens konfrontiert. Man könnte dieses Buch einzelnen lesen. Ich empfehle aber den ersten Teil vorher zu konsumieren. Denn erst so ergibt die Handlung einen kompletten Einblick in die Anfänge der Menschheit, wie Marc Levi sie uns präsentiert.

  9. Cover des Buches Journeyman (ISBN: 9783548375663)
    Fabian Sixtus Körner

    Journeyman

     (121)
    Aktuelle Rezension von: LBKaefer

     Journeyman - 1 Mann, 5 Kontinente und jede Menge Jobs von Fabian Sixtus Körner


    Fabian Sixtus Körner erzählt in diesem Buch von seiner Idee und der Ausführung, die Welt zu bereisen und dabei die mittelalterliche Tradition der Walz weiterzuführen. Er arbeitet nur für Kost und Logis. 


    Ich finde es wirklich erstaunlich, wie er alles in den zwei Jahren gemeistert hat. Dieses Buch ist eine kleine Weltreise. Ich habe richtig Fernweh bekommen! 

    Auch die Bilder, die eingefügt wurden, haben mir die Orte noch einmal anschaulicher präsentiert. Es war auch neu für mich in einem Buch in so gut wie jedem Kapitel einen QR-Code zu finden. Der führt zu einem YouTube Video, das auch sehr spannend ist. 


    Das Cover ist meiner Meinung nach sehr passend gestaltet und spiegelt das Erscheinungsbild von Fabian Sixtus Körner, das in dem Buch vermittelt wird wieder. 


    Ein tolles Buch für Reiseliebhaber!

            

  10. Cover des Buches Robin – High in the Sky (ISBN: 9783961116072)
    Charlotte Taylor

    Robin – High in the Sky

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Geschichtenliebhaberin

    Inhalt:

    Nach einem katastrophalen privaten Desaster bekommt die Anwältin Robin Stewart von ihrem Großvater und Kanzleichef eine Zwangspause verordnet. Auch im Leben des Entwicklungshelfers Sky Forrester liegt nach einer riesigen Katastrophe kein Stein mehr auf dem anderen. Beide flüchten nach San Francisco und wie es das Schicksal so will, kreuzen sich ihrer beider Wege dort auf sehr schräge Art und Weise.

    Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Dennoch verbindet sie die Tatsache, dass ihre jüngste Vergangenheit kein Zuckerschlecken war, ganz im Gegenteil. Gemeinsam jedoch packen sie ihre Probleme an und kommen sich dabei näher. Doch können zwei, die so grundlegend verschieden sind, wirklich zusammenpassen? Und können sie Wege finden, die Scherben ihrer Vergangenheit neu ordnen?

     

    Meine Gedanken zum Buch:

    Ich kenne schon einige Bücher der Autorin und war von allen ihren Geschichten begeistert. Auch diese hier konnte mich wieder vollständig abholen, mitreißen und brachte mich zum lachen! Das Buch war von Anfang an spannend, unterhaltsam, voll liebevollem Humor und ernsten Themen. Eine wundervolle Mischung, die es mich am liebsten nicht mehr aus der Hand legen wollte.

    Die Geschichte wurde abwechselnd aus Robins und aus Skys Sicht erzählt. Das gefiel mir wahnsinnig gut, denn dadurch erfuhr man viel zu den Hintergründen des jeweiligen Charakters und konnte in der Geschichte viel besser deren Beweggründe und Handlungen verstehen und mit ihnen mitfühlen. Insbesondere Sky mochte ich mit seiner liebevollen, manchmal verletzlichen Art sehr. Aber auch Robin und ihr starker Wille sowie ihr Durchhaltevermögen bewunderte ich! Besonders erwähnenswert waren aber auch die tollen Nebencharaktere, insbesondere Skys schrullige aber liebenswerte Großmutter Rosalynd.

    Alles in allem habe ich dieses Buch unglaublich genossen. Die Autorin hat es geschafft, wundervolle Charaktere, tolle Charakterentwicklungen, schwierige Themen aber auch gut platzierten Humor und eine schöne Portion Romantik in einer Geschichte zu verpacken. Die expliziten Szenen hätten nach meinem Geschmack etwas weniger ausführlich sein dürfen, das tat meiner Begeisterung aber dennoch keinen Abbruch.

    Was mir weiters sehr gut gefiel, war, dass Robin Teil einer Familie ist, die in einer Romanreihe der Autorin, die ich sehr liebe, eine wichtige Rolle spielt. Es war wirklich toll, mit diesem Buch ein weiteres Familienmitglied auch außerhalb der Reihe kennenzulernen. So muss man einer abgeschlossenen Geschichte und deren liebgewonnenen Charakteren nie wirklich ganz Adieu sagen! 

     

    Fazit:

    Robin - High in the Sky – ein tolles Buch über Neuanfänge und Lebenswandel. Eine kurzweilige, unterhaltsame und romantische Geschichte voll wunderbarer Charaktere! Von mir eine ganz klare Leseempfehlung für alle, die gerne abwechslungsreiche Liebesromane mit Tiefe, einer wichtigen Message und einer perfekten Prise Humor lesen.

  11. Cover des Buches Zum Wiedersehen der Sterne (ISBN: 9783548609836)
    Dinaw Mengestu

    Zum Wiedersehen der Sterne

     (19)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76
    'Einen Vogel, der zwischen zwei Zweigen festsitzt, erwischt es an beide Flügeln.' Inhalt: Sepha Stephanos ist vor 17 Jahren aus seiner Heimat Äthiopien geflohen, doch wirklich angekommen ist er in seiner Wahlheimat Washington nie. Mit seinen Freunden Joseph (aus dem ehemaligen Zaire) und Kenneth (aus Kenia) schwelgt er in Erinnerungen an Afrika und pflegt ein sehr spezielles Afrika-Quiz, in dem historische Ereignisse im Zusammenhang mit Diktatoren und Putschisten abgefragt werden. Sephas Leben bietet ansonsten wenig besonderes - tagtäglich öffnet er seinen Laden, der jedoch eher suboptimal läuft und für dessen Aufbau und Funktionieren er nur wenig Energie aufbringt. Doch dann treten Judith und ihre Tochter Naomi in Sephas Leben und lassen ihn auf eine positivere Zukunft hoffen. Mein Eindruck: Dinaw Mengestu - selbst Äthiopier und in den USA aufgewachsen - erzählt die Geschichte Sephas in einfühlsamer und berührender Weise. Dabei ist der Roman trotz des bewegenden Themas einfach lesbar, oft humorvoll und sarkastisch, doch nie verzweifelt. Die Protagonisten wirken lebensnah und sind glaubwürdig, die Beziehungen zwischen ihnen sind komplex und realistisch geschildert. Dadurch gelingt Mengestu ein Roman emotionaler Tiefe, der zwischen den Zeilen von der Leere, von den verlorenen Wurzeln und von der Sehnsucht der Immigranten erzählt. Mein Resümee: Ein leichtes und poetisches Buch zum schwierigen Thema Immigration. Sehr zu empfehlen.
  12. Cover des Buches Weit weg zu mir zurück (ISBN: 9783775160483)
    Sarah Keshtkaran

    Weit weg zu mir zurück

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Traeumerin109

    …die uns weit weg führen kann und doch auch zu uns selbst zurück. Genau das hat Sarah Keshtkaran erlebt, als sie mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern ins kalte Wasser sprang und nach Äthiopien zog, um dort Gemeindearbeit zu leisten. Dabei erlebt sie sehr intensiv alle Phasen, die eine solche Entscheidung mit sich bringt: Von der Aufregung und dem Gefühl des großen Abenteuers, über Angst, Zweifel, Fremdfühlen hin zum Loslassen und Heimatgefühlen. Von der großen Unsicherheit hin zur größeren Stabilität und Sicherheit in uns selbst.

    Ich war mal wieder sehr positiv überrascht von einem Buch. Nachdem ich tatsächlich schon einmal angefangen hatte zu lesen, aber das Buch aus irgendeinem Grund wieder zur Seite gelegt hatte, weil es mir in dem Moment nichts zu geben schien, war ich jetzt völlig gefesselt und habe mich auf jedes weitere Kapitel sehr gefreut. Die Autorin schreibt wunderbar erfrischend offen und selbstkritisch und lässt uns an ihrer ganz persönlichen inneren Reise teilhaben. Dabei ist es erstmal genau das: IHRE Reise, aber es kann auch ein Teil unserer Reise werden, vielleicht ein Anstoß loszugehen, diesen oder jenen Schritt zu wagen. Viele der Gedanken und Probleme kamen mir bekannt vor: Die Angst, ich selbst zu sein, das Gefühl, mich fremd zu fühlen, aus welchen Gründen und in welchem Umfeld auch immer. Und was macht man, wenn man vertrauensvoll Gottes Plan gefolgt ist, zwischendurch auch Vertrauen verloren und sich zurückerobert hat, und dann auf einmal der ganze Plan wieder über den Haufen geschmissen wird? Wie geht man um mit dieser großen Unsicherheit, wie kann man daraus Sicherheit machen?

    Allein schon die Aufmachung des Buches ist sehr schön, immer mal wieder mit farblichen, dezenten Unterlegungen des Textes, die das Lesen noch abwechslungsreicher machen. Und auch die Kapitelüberschriften fand ich teilweise wunderschön und unglaublich reichhaltig, etwa: Wieviel Angst darf Mut machen? Oder: Die Normalität des Andersseins. Denn wer kennt es nicht: Etwas, das als großes Abenteuer begann, also fast alles in unserem Leben, wird schneller als gedacht zum Alltag mit allem, was das eben so mit sich bringt. So ist es, wenn wir beispielsweise in eine andere Stadt umziehen, uns für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden, heiraten, Kinder kriegen oder uns erneut beruflich verändern wollen. Der Zauber verfliegt und nun muss man schauen, was man daraus und damit macht. Oft rückt dann auch die Beziehung zu Gott in den Hintergrund, werden andere Dinge wichtiger oder einfacher als ihm zu vertrauen.

    Fazit: Ein Buch, das ich nur absolut weiterempfehlen kann. Nicht nur spannende und abwechslungsreiche Themen, die uns im Grunde alle betreffen, sondern das Ganze ist auch noch so geschrieben, dass das Lesen stets kurzweilig ist und Freude macht. Ich bin mir sicher, wer sich darauf einlässt, wird überrascht werden und vieles mitnehmen. Ich jedenfalls habe die Autorin staunend, mitfühlend, dankbar und nachdenklich begleitet und werde das Buch auf jeden Fall wieder zur Hand nehmen. Ich würde auch sehr gerne noch mehr von ihr lesen, denn sie schreibt so absolut authentisch und mitreißend, dass auch weitere Bücher nur ein Gewinn sein können.

  13. Cover des Buches Alle außer mir (ISBN: 9783442716869)
    Francesca Melandri

    Alle außer mir

     (8)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Ich fand den Anfang interessant. Da taucht ein Schwarzer in einer richtig weißen Familie auf und behauptet, der Sohn zu sein und beweist das mit einem Ausweis. Ich würde da auch zögern, ihn für einen Betrüger brandmarken und alles, was er sagt, in Zweifel setzen. Was ja die Familie auch macht, aber dann fällt ihnen ein, dass der Vater in Äthiopien war und plötzlich sind sie sich alle nicht so sicher.

    Das baut wirklich Spannung auf, aber dann driftet das Buch in die Vergangenheit, zerhackt den roten Hacken, ein Flashback folgt auf das andere und jede davon mit der schrecklichen Absicht, den Spannungsbogen aufzulösen. Es wird schnell wirr, gerät durcheinander und es sind so viele Figuren drinnen, dass es mir schwerfiel, sie voneinander zu trennen.

    Dann begann die Autorin über die Politik zu schwafeln und mit einem Mal fühlte sich das Buch so an, als wollte die Autorin irgendwie die Seiten auffüllen, irgendeine Wortanzahl erreichen und das Buch so schwer wie nur möglich machen. Die Sprache wird vernachlässig, die Gefühle werden ignoriert, keine Atmosphäre, kein Feuer, keine Seele. Das Buch hat mich anzuöden begonnen und ich konnte nicht anders, als es abzubrechen.

  14. Cover des Buches Der Koch (ISBN: 9783257292282)
    Martin Suter

    Der Koch

     (485)
    Aktuelle Rezension von: RianMcMillan

    Maravan ist ein 33-jähriger Tamile, der als Asylbewerber von Sri Lanka in die Schweiz geflohen ist und dort im Zürcher Sternelokal Huwyler niedere Küchendienste verrichtet. Dabei ist er ein begnadeter und sehr leidenschaftlicher Koch, der die traditionellen Rezepte seiner geliebten Großtante mit den modernen Verfahren der Molekularküche verbindet und so außergewöhnliche Gerichte schafft.

    Doch sein Fachwissen ist im Huwyler nicht gefragt, er darf nur abspülen und Pfannen schrubben, nur die hübsche Andrea, die im Service arbeitet, nimmt Maravan in Schutz und will sich von ihm bekochen lassen. Da Maravan in Andrea verliebt ist, freut er sich sehr darüber und legt sich besonders ins Zeug. Er verwendet sein Wissen über traditionelle ayurvedische Aphrodisiaka, die in Kombination mit der molekularen Küche ihre Wirkung noch verstärkt zu zeigen scheinen.

    Andrea ist danach verwirrt und geht ihm aus dem Weg – denn eigentlich liebt sie nur Frauen. Doch nach einiger Zeit erkennt Sie das Potential von Maravans Gerichten. Nachdem beide gekündigt wurden machen sie sich mit Love Food selbständig, einem Catering für Liebende.

    Da die Gerichte nie die Wirkung verfehlen sind sie bald voll ausgebucht. Doch weil Maravan nur ein Asylbewerber ist, kann kein Gewerbe angemeldet werden und die ganze Sache läuft schwarz. Schnell haben sie die gehobenen und einflussreichen Kreise als Kunden: Politiker und Industrielle, die nicht immer eine vollkommen weiße Weste haben.

    Für den gläubigen Hindu Maravan kostet es einige innere Überwindung, seine Gerichte auch für Nicht-Ehepaare anzubieten. Doch er benötigt Geld. Geld, das er zu seiner Familie nach Sri Lanka schicken kann. Geld für seine geliebte, aber schwerkranke Großtante, die dringend Medikamente braucht. Geld für seine Erpresser, die den schrecklichen Bürgerkrieg in der Heimat finanzieren wollen, und ihm drohen, seine unangemeldete Gewerbetätigkeit zu melden.

    Ja, der Bürgerkrieg in Maravans Heimat belastet ihn schwer und die Sorgen um seine Familie dort. Es ist ein schlimmer Bürgerkrieg aus der Dritten Welt, der in den Medien unserer "Ersten Welt" keinerlei Beachtung findet, und der letztendlich auch das Leben von Familienangehörigen kostet.

    Zur Kundschaft von Love Food gehört auch ein Waffenhändler, und somit bekocht Maravan den Waffenlieferanten derer, die den Krieg in seiner Heimat am Laufen halten. Da schmiedet Maravan einen diabolischen Plan für das nächste Catering ...

    Der Koch ist das erste Buch von Martin Suter, das ich gelesen habe, aber ich habe es förmlich verschlungen. Sehr detailreich wird beschrieben, wie Maravan mit viel Leidenschaft kocht, und auch alles andere ist sehr detailreich, aber sehr kurzweilig und interessant beschrieben. Das Buch hat keine langweiligen Passagen, und man möchte es am liebsten gar nicht mehr weglegen. Man lernt die zwei Hauptpersonen Andrea und Maravan sowie ihre Partner gut kennen, und meint, sie schon eine ganze Ewigkeit gekannt zu haben. Gleichzeitig geht die Handlung auch immer wieder auf reale Begebenheiten ein, wie z.B. die Bankenkrise, die Wahl Obamas oder auch den Amoklauf in Winnenden.

    Auch sehr viel Hintergrundwissen über die Situation in Sri Lanka ist in das Buch eingeflossen und zeigt, dass hier sehr viel seriöse Recherchearbeit getätigt wurde, ohne jedoch belehrend den Zeigefinger zu heben.

    Es ist interessant, wie sich verschiedene (zuerst relativ unabhängige) Handlungsfäden immer weiter ineinander verweben und am Ende in einem Faden aufgehen.

    Und als Bonus sind alle Rezepte für die verführerischen Mahlzeiten im Anhang angeführt. Das macht Lust aufs Nachkochen.

    Ein tolles Buch in einer schönen und klaren Sprache, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Daher gibt es auch alle 5 Sterne.

  15. Cover des Buches Munzinger Pascha (ISBN: 9783423411608)
    Alex Capus

    Munzinger Pascha

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose
    Lustlos und ziemlich halbherzig arbeitet Max Mohn, Reporter aus Olten in der Schweiz, an einem Bericht über einen Kunstmaler, als er zufällig in einem Lexikon folgenden Eintrag entdeckt: „WERNER MUNZINGER PASCHA (1832-1875), Generalgouverneur der ägyptischen Provinzen am Roten Meer und des östl. Sudans, Afrikareisender und Sprachforscher“. Das interessiert Mohn doch viel mehr, als die Reportage über den Maler. Kurzentschlossen fliegt er nach Kairo und fotokopiert im dortigen Ägyptischen Staatsarchiv Munzingers noch erhaltene Korrespondenz. Doch zurück in Olten ist sein Interesse auch schon wieder verflogen. Es soll noch einige Zeit dauern, bis er sich ans Schreiben macht …

    Der Autor Alex Capus wurde 1961 in Frankreich geboren und lebt heute mit seiner Familie in Olten im Schweizer Kanton Solothurn. Er studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie und arbeitete während und nach seinem Studium als Journalist und Redakteur bei verschiedenen Schweizer Zeitungen. 1994 veröffentlichte er seinen ersten Erzählband. Sein Debütroman ist „Munzinger Pascha“, der 1997 erschien. Mehrere Kurzgeschichten, historische Reportagen und Romane folgten, für die er zahlreiche Preise erhielt. Sorgfältig recherchierte und geschichtlich überlieferte Tatsachen verknüpft Capus gerne mit fiktiven Geschichten, die überwiegend in der Schweiz spielen.

    Zwei Männer – zwei Geschichten: Werner Munzinger hat wirklich gelebt, was durch Aufzeichnungen und Briefe belegt ist. Als Forschungsreisender kam er 1852 über Kairo und dem Roten Meer nach Abessinien (heute Eritrea und Äthiopien), gelangte zu Reichtum durch Handel mit Europa, wurde von Ägypten zum Gouverneur oder Pascha ihrer eroberten Provinzen eingesetzt und ungewollt in Kriege und Intrigen verwickelt. Der fiktive Teil der Geschichte berichtet von dem jungen Lokalreporter Max Mohn, der mehr oder weniger gescheitert und unzufrieden mit seinem Dasein ist. Geplagt von Schreibblockaden und gelangweilt vom Provinzleben begibt er sich 150 Jahre später nach Kairo und hofft, mehr über den Munzinger Pascha herauszufinden und neue Anregungen zu bekommen.

    Der Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und gelegentlich leicht ironisch. Die beiden Haupt-Charaktere sind sehr differenziert und gut heraus gearbeitet, keiner ist eigentlich Sympathieträger, aber jeder hat seine besonderen Eigenarten. Dem Autor gelingt es, sowohl Werner Munzinger als auch Max Mohn lebendig werden zu lassen. Als Leser ist man mittendrin in der Vergangenheit und erlebt die strapaziösen Expeditionen bei glühender Hitze in unwegsame Gegenden hautnah mit. Erschüttert stellt man fest, dass sich Munzinger nach und nach abhängig macht und zum Vasall der ägyptischen Regierung wird. Man leidet und fühlt aber auch mit Max Mohn, wie er linkisch versucht, eine Frau zu beeindrucken und wie Polja dann mit ihm auf der Harley-Davidson durch die Nacht fährt, immer Richtung Süden …

    Fazit: Lesenswerte Roman-Biografie über einen außergewöhnlichen Mann und gleichzeitig eine interessante Studie über Afrika zur Kolonialzeit.
  16. Cover des Buches Abyssinia (ISBN: 9783442379682)
    Carola Frentzen

    Abyssinia

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Carola Frentzen, Auslandskorrespondetin in Rom, gibt ihr Leben in Europa auf, um für ein Jahr mit ihrem Lebensgefährten Alessio nach Äthiopien zu ziehen. Dort betreut sie eine Hilfsorganisation, macht viele neue Erfahrungen und lernt nebenbei Land und Leute kennen.
    Ich bewundere den Mut und Idealismus der Autorin. Für ein Jahr nach Äthiopien zu gehen, um dort (hoffentlich) etwas zu bewegen und das ohne recht zu wissen, was auf einen zukommen wird – das wäre nichts für mich
    Doch genau das ist es, was Carola Frentzen und ihr damaliger Lebensgefährte Alessio tun. Die beiden gründen eine Hilfsorganisation (auch NGO), die jungen äthiopischen Männern und Frauen die nötigen Kenntnisse vermitteln soll, um ein eigenes Unternehmen zu gründen und erfolgreich zu führen. Ein Jahr bleiben die beiden vor Ort, um ihr Projekt zu betreuen und lernen Äthiopien auf einen ganz neue, manchmal wunderschöne, manchmal sehr frustrierende und herzzerreißende Art und Weise kennen, die gewöhnlichen Reisenden verschlossen bleibt. 
    Carola Frentzen berichtet eingängig von ihrem Fernweh und davon, wie der Gedanke in ihr reifte sich von ihrem langjährigen Zuhause der ewigen Stadt loszusagen und sich Hals über Kopf in das Abenteuer Afrika zu stürzen. Sie erzählt mir von dem täglichen Chaos in Äthiopiens Hauptstadt Adis Abeba und davon wie die Afrikaner ihre Glückseligkeit in der Muße finden, während Europäer nur für die Zukunft leben und dabei die Schönheit des einzelnen Tages nicht sehen. 
    Sie schreibt von der Zärtlichkeit der Äthiopier, ihrer Freundlichkeit und der Kraft, welche sie aus ihren Traditionen ziehen – besonders die Beschreibung der, im Land weit verbreiteten, Kaffeezeremonie hat mich beeindruckt, so dass ich mir für die Zukunft vornehme, dieses heiße Getränk nicht mehr herunter zu stürzen, sondern gebührend zu zelebrieren.
    Carola Frentzen spricht aber auch die unbequemen Themen an, denn diese gehören genauso wie das Gute und Schöne zu ihrem äthiopischen Alltag. Sie erzählt von der Bürokratie, die es scheinbar darauf abgesehen hat den NGOs die Hilfsarbeit zu erschweren, von den grausamen Initiationsriten der Afrikaner, wie zum Beispiel die weibliche Beschneidung(FGM) oder das Einritzen der Augenlider bei kleinen Kindern, was dazu führen kann, dass diese Erblinden. 
    Sie schreibt davon, wie ihr Lebensgefährte Opfer der äthiopischen Willkürjustiz wird und nur mit Mühe seine Unschuld beweisen kann und aus dem Gefängnis entlassen wird. 
    Sie zeichnet ein glaubhaftes Bild von Armut und dem Teufelskreis, in den sie oft ganze Dörfer reißt - die ihre Kinder nicht in Lumpen zur Schule schicken wollen, welche dann aber ohne Ausbildung da stehen und kein Geld verdienen können, was wiederum dem Dorf zu Gute gekommen wäre. 
    Geschichten wie diese, von hungernden Afrikanern, die sich nicht einmal ärztliche Hilfe leisten können, von Frauen, die ihre Babys im Bauch sterben lassen müssen, da das Narbengewebe ihrer FGM sich nicht dehnen kann um das Kind frei zugeben, von perspektivlosen Khat kauenden Männern und hart arbeitenden Frauen, machen mir das Herz schwer und der Drang zu helfen wird unleugbar groß. 
    Was mich freut ist, dass die Autorin in ihrem Buch nicht nur von diesen Missständen erzählt sondern auch von den Menschen, die im Land sind um zu helfen. Zum Beispiel von einer amerikanischen Kosmetikvertreterin, die jedes Jahr 6 Monate nach Äthiopien reist und sich um Frauen mit Blasen-Scheiden-Fisteln kümmert, von einer Engländerin, die Familienpatenschaften an Europäer vermittelt, bei denen wirklich jeder letzte Cent an die afrikanischen Patenkinder geht und nicht für Verwaltungskosten verbraucht wird, und natürlich von ihren eigenen Mühen und Erfolgen äthiopischen jungen Menschen das Rüstzeug zu geben, mit dem sie sich aus einem Leben in Armut befreien können.
    Neben den vielen Informationen zu Land und Leuten, schreibt die Autorin auch von ihren privaten Gedanken, Gefühlen und der Trennung von ihrem Lebensgefährten Alessio, welche ihre Zeit in Äthiopien deutlich beeinflusst hat. So komplettiert sie ihre Erzählung und ich habe das Gefühl sie nach Afrika begleitet zu haben. Wie einem guten Freund vertraut sie dem Leser selbst ihre geheimsten Sehnsüchte und Befürchtungen an und schafft so, dass man sie nicht nur als die mutige NGO-Leiterin in Äthiopien, sondern auch als facettenreiche Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen in sein Herz schließt.
    Carola Frentzen geht nach einem Jahr Äthiopien zurück zu ihrer Korrespondentenstelle in der EU, im Land bleiben ihre Schüler, die sich erfolgreiche, selbstständige Existenzen aufgebaut haben. 
    Und ich, die ich diese Frau bewundere, wie ich selten einen anderen Menschen bewundert habe, sitze sprachlos in meinem Lesesessel, gerührt und beeindruckt zugleich.

    Es handelt sich hier um ein sehr lesenswertes Buch, welches ich jedem unbedingt ans Herz lege. Es ist ein besonderer Leckerbissen, für Afrika-Begeisterte.
    Also lies dieses Buch, wenn Du eine beeindruckende Frau kennen lernen willst. Lies dieses Buch, wenn Du das wahre Äthiopien sehen willst. Lies dieses Buch, selbst wenn Du keinen Grund dafür hast. Lies es einfach.
  17. Cover des Buches Unsere Namen (ISBN: 9783036959412)
    Dinaw Mengestu

    Unsere Namen

     (18)
    Aktuelle Rezension von: savanna
    "Identitäten" lautet das Schlüsselwort dieser Neuerscheinung des äthiopisch-amerikanischen Autors Dinaw Mengestu. Welche Identität haben wir, können wir ausleben oder auch annehmen?

    Tiefgreifende Fragen, die in einem Roman zum Vorschein kommen, der etwa zur Hälfte in einem namenlosen afrikanischen Land und zur Hälfte im Mittleren Westen der USA spielt. Hinweise deuten klar auf Uganda in der unruhigen Zeit vor der Diktatur Idi Amins, auch wenn der Autor vieles in seinen Beschreibungen so vage gehalten hat, um stellvertretend auch für andere afrikanische Konfliktherde der Vergangenheit und Gegenwart zu sprechen.

    Im Fokus steht ein junger Äthiopier, der als Student nach Kampala kommt und dort in die Anfänge der Revolution verstrickt wird. Mit einem zeitlichen und örtlichen Sprung kann der Leser diesem jungen Mann bis in die USA folgen, wo er als Immigrant der Sozialarbeiterin Helen zugeteilt wird. Aus Helen und Isaac wird ein Paar, das sich in der amerikanischen Gesellschaft der 70er Jahre jedoch keinesfalls frei bewegen kann. 'Schwarz-weiß' ist hier bei Weitem keine beliebte Farbkombination.

    "Unsere Namen" ist ein Roman vieler Ebenen. Ich bin mir sicher, dass der Leser beim mehrmaligen Lesen noch weitere Ebenen entdecken wird. Es passt nicht in die Sparte eines 'Afrika-Romans', auch nicht zum Genre 'Liebesroman'. "Unsere Namen" ist schwer einzuordnen, in jedem Fall jedoch anspruchsvolle Literatur.
  18. Cover des Buches Endland (ISBN: 9783423626989)
    Martin Schäuble

    Endland

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Readingfreak_05

    Deutschland ist eingeschlossenn von einer Mauer. Die Schulpflicht und gesetzliche Arbeitslosenhilfe sind abgeschafft und konservative Rollenbilder werden gefördert. Flüchtlinge heißen nicht mehr Flüchtlinge sonder Invasoren. Der Euro wurde gegen die Mark eingetauscht und zu Europa gehört Deutschland auch nicht mehr. 

    Obwohl viele Punkte in Martin Schäubles Dystopie "Endland" an die NS-Zeit erinnern, befinden wir uns in der Zukunft. Die Regierung wird von der rechtsextremen Partei NA (Nationale Alternative) dominiert. 

    Die Protagonisten sind der junge Soldat Anton aus Deutschland, der überzeugt von den Ideen der NA sein Land verteidigt, sein Freund Noah, der die Ideale der NA sehr viel kritischer sieht und immer wieder versucht Antons Augen zu öffnen. Die dritte Protagonistin ist Fana. Wegen der vom Klimawandel ausgelösten Hungersnot flüchtet sie aus Äthiopien nach Deutschland, um sich dort eine Zukunft auzubauen und Medizien zu studieren.

    Als Anton in einem Geheimauftraug als Flüchtling nach Deutschland einreisen soll, trifft er Fana und nach und nach beginnt er zu sehen, was sie ganze zeit direkt vor seiner nase war. Er und Fana werden Freunde und bald steht Anton vor der größten Entscheidung seines Lebens: für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde und ein freies Leben.

    Während Anton und Fana im letzten Flüchtlingslager deutschlands festsitzen, muss Noah untertauchen, nachdem er geheime Informationen der NA an die Öffentlichkeit weitergegeben hatte. 

    Werden es die drei, die unterschiedlicher nicht sein könnten schaffen die rechtspopulistische deutsche gesellschaft zu "besiegen"?

    Martin Schäuble greift aktuelle Themen sehr gut auf und führt einem immer wieder die Realität vor die Augen. Er schreibt in einem unkomplizierten und gradlinigen Schreibstil und verzichtet auf lange Schachtelsätze. Er schreibt abwechselnd aus der Perspektive von Anton, Fana und Noah, wodurch man sich gut in die drei hineinversetzen kann.

    Der Roman ist außerdem sehr gut recherchiert und man hat beim lesen immer ein sehr klares Bild davon wie es am Handlungsort gerade aussieht.

    Ein sehr fesselnder Roman, den man gar nicht mehr weglegen kann, wenn man einmal angefangen hat. Sehr geeignet für Jugendliche ab ca.12 jahren aber auch für Erwachsene ein toller Roman. 

    Eine klare Leseempfehlung von mir!

  19. Cover des Buches Maps (ISBN: 9783866155169)
    Nuruddin Farah

    Maps

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Nele
    "Maps" von Nuruddin Farah empfinde ich als ein Buch, welches ich einfach nicht verstanden habe. Der Zutritt wurde mir durch Sprache und Schrift einfach verweigert. Kurz gesagt geht es in dem Buch um die Beziehung Askars zu seiner Ziehmutter Misra. Die Äthiopierin Misra findet den Somali Askar kurz nach seiner Geburt neben seiner toten Mutter. Misra nimmt ihn auf und wird nun seine "Mutter". Es entsteht eine wechselseitige zwanghafte Beziehung in der keiner von beiden ohne den anderen kann. Mit 9 Jahren wird Askar zu seinem Onkel Hilaal nach Mogadischu geschickt, denn in Kalaffo wo er vorher lebte herrscht Bürgerkrieg. Nun muss er erfahren, was es heißt von seiner "besseren Hälfte" getrennt zu leben. ... Das Buch ist beherrscht von den Wörtern Tod und Blut. Die wirre Beziehung zwischen Askar und Misra (in dem einen Moment liebt er sie - im anderen möchte er sie töten) erschloss sich mir überhaupt gar nicht. Des weiteren war es von Kapitel zu Kapitel ein anderer Erzählstil (Ich-Form, Du-Form, Er-Form), welches das Buch aber doch irgendwie spannend gemacht hat. Gerade in den Du-Kapiteln wollte man doch immer wissen: wer redet da? Doch so richtig wusste ich das am Ende auch nicht ... 2 Sterne vergebe ich dennoch, denn die Auseinandersetzung mit dem Flüchtlingsdasein und dem Zwiespalt zwischen den Somali und dem Land Äthiopien kam doch ganz gut heraus. Da es ein Thema ist, mit dem ich mich persönlich noch nie befasst habe unterlasse ich aber jegliches weiterführendes Kommentar. Zugutehalten muss ich dem Buch auch, dass ich die 360 ziemlich klein bedruckten Seiten doch sehr schnell durchhatte. Zwischendurch wollte ich es allerdings immer wieder aus der Hand legen. Bereuen tue ich nicht, dass ich doch weitergelesen habe. Dennoch bin ich der Meinung, dass dies einfach kein Buch für mich war.
  20. Cover des Buches Streng vertraulich (ISBN: 9783312010035)
    Andrea Camilleri

    Streng vertraulich

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Ein äthiopischer Prinz soll für drei Jahre an der Bergakademie von Vigata studieren. Angesichts der explosiven gemeinsamen Geschichte Äthiopiens und des faschistischen Italiens ein Politikum: Der Prinz muss unter allen Umständen eine gute Zeit haben, um dem Duce wiederum die eine oder andere diplomatische Gefälligkeit zu erweisen. Camilleri erzählt das Geschehen in zahlreichen Briefen und ab gelauschten Dialogszenen, in den wie üblich ein fast unüberschaubar zahlreiches Personal auftritt und sich die groteskesten Missverständnisse an den Kopf wirft. Den Faschisten eignet eine sagenhafte Dummheit, die Camilleri genüsslich vorführt. Dass die Faschisten in Wahrheit leider auch vor allem sagenhaft gefährlich waren, soll nicht Teil der satirischen Erzählung sein.

    Was aber problematisch ist, sind die Ansammlung altbackener Klischees über die notorische Geilheit der „Neger“, ihre gigantischen Fortpflanzungsorgane, die notorische Geilheit alter Jungfern und die Unfähigkeit des gemeinen Afrikaners mit Geld umzugehen (wobei der Prinz womöglich hervorragend mit Geld umgeht – nämlich mit dem Geld andere Leute). Die Zahl der Pointen, die auf das Konto dieser Klischees gehen, ist zu groß, um den Roman in Gänze genießen zu können. Diese Burleske hätte ich mir sparen können.

  21. Cover des Buches Die Somalia-Doktrin (ISBN: B00A7R8XL4)
    James Grenton

    Die Somalia-Doktrin

     (2)
    Aktuelle Rezension von: ArnieQ
    Gutes Thema, aber für meinen Geschmack zu viele Leichen.
  22. Cover des Buches Rückkehr nach Missing (ISBN: 9783458357001)
    Abraham Verghese

    Rückkehr nach Missing

     (35)
    Aktuelle Rezension von: schokoloko29
    Shiva und Marion werden in Äthopien geboren. Ihre Mutter ist Nonne und stirbt während der Geburt; während ihr Vater (ein Chirurg) Hals über Kopf verschwindet.
    Shiva und Marion werden sehr liebevoll von Gosh und Hema aufgezogen. Beide sind Ärzte und arbeiten im athiopischen Hospital Missing.

    Mir hat das Buch gut gefallen. Es ist spannend und dicht erzählt. Obwohl das Buch mehr als 800 Seiten aufweist war es nie langweilig oder langatmig für mich.
    Es wird gut die Stimmung im Hospital beschrieben und wie die Zwillinge aufwachsen und ihren eigenen Weg gehen.

    Fazit:
    Dieses Buch war eine wunderschöne Reise nach Äthiopien. Es werden einige medizinische Begriffe erläutert, was ich als Horizont Erweiterung empfand.

    Eine sehr interessante und lesenswerte Lektüre!
  23. Cover des Buches Weit Gegangen (ISBN: 9783462306682)
    Dave Eggers

    Weit Gegangen

     (42)
    Aktuelle Rezension von: Igno

    Mit sieben Jahren wird das Dorf Valentino Achak Dengs im sudanesischen Bürgerkrieg vernichtet und eine lange Fluchtgeschichte beginnt. Vom Sudan gelangt er über Äthiopien und Kenia schließlich in die USA. Auf dem Weg dorthin erlebt er schon als Kind mehr Grauen und Tod, als ein Mensch in seinem ganzen Leben erleben sollte. Dies ist seine Geschichte.

    Weit gegangen wird als Roman, der allerdings auf dem Tatsachenbericht Achaks aufgebaut wurde, angekündigt. Eggers erzählt die Fluchtgeschichte Achaks aus dessen Perspektive und spart dabei nicht mit Details. So wird das Buch ziemlich dick – und das machte mir den Einstieg auch nicht gerade leicht. Ich habe etwa 100 Seiten gebraucht, bis ich endlich angekommen war. Bis man sich auf das Buch eingelassen hat, kann es recht langatmig wirken. Wenn es dann aber soweit ist, fesselt es umso mehr.

    Achaks Geschichte ist in großen Teilen die zahlreicher sudanesischer Kinder. Sie beginnt im damals noch nicht unabhängigen Südsudan der 90er Jahre. Der Bürgerkrieg spitzt sich zu, sowohl die Regierungstruppen als auch die konkurrierenden Rebellengruppen der SPLA terrorisieren systematisch Dörfer. Als es Marial Bai, das Heimatdorf Achaks trifft, flieht er und schließt sich einer Gruppe anderer Jungen an, die den langen Weg nach Äthiopien aufgenommen haben. Immer getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben müssen die Jungen jedoch bald feststellen, dass niemand mit diesem besseren Leben auf sie wartet. Nicht in den Geflüchtetenlagern Äthiopiens und nicht in denen Kenias.

    Die Rahmenhandlung für Weit gegangen liefert die Gegenwart der frühen 2000er in den USA, wo Achak in seiner Wohnung überfallen wird. Diese spielt eine untergeordnete Rolle, die überwiegende Handlung findet in der Vergangenheit statt. Eggers nutzt Personen in der Rahmenhandlung als imaginäre Gesprächspartner für Achak, denen er seine Geschichte in seiner Vorstellung erzählt. Sie wechseln mit der Rahmenhandlung. Zunächst richtet er sich an die Einbrecher, dann an einen Pfleger im Krankenhaus. später an Fitnessstudiobesucher. Die Gespräche sind immer imaginär, Achak erzählt den Personen nur in seinem Kopf seine Geschichte.

    Weit gegangen reiht sich ein in die Bücher Eggers’, mit denen er den Umgang insbesondere des Westens mit Krisenregionen kritisiert. Seine Kritik ist dabei umfassend, sie richtet sich an Staaten wie an NGOs. Und leider ist sie heute so aktuell wie 2008, als das Buch hierzulande erschien. Achak schildert eindrucksvoll ein Leben als Geflüchtete:r, die ständige Gefahr, die Entbehrungen, Hunger, Krankheit und was all das mit den Menschen macht. Gerade mit Blick auf die Grenz- und Asylpolitik der EU ist das Buch wieder hochpolitisch. Es gibt Gründe für das, was in Lagern wie Moria passiert – und die liegen nicht bei den Geflüchteten. Weit gegangen kann dort einen Einblick geben, der vielen Menschen im Westen in seiner Totalität wohl nicht klar ist. Wie tiefgreifend anders das Leben auf der Flucht ist, welche Selbstverständlichkeiten des Lebens dabei wegfallen, wie elementar die Verzweiflung auch in den Lagern ist. Und schließlich auch wie schwer das Ankommen in einem neuen Leben sein kann.

    Im Zuge der Veröffentlichung von Weit gegangen wurde 2006 die Valentino Achak Deng Foundation gegründet, der von Beginn an sämtliche Erlöse aus dem Buch zukommen. Die Stiftung setzt sich insbesondere für den Zugang zu Bildung für Kinder im Südsudan ein, aber auch für wirtschaftliche Unabhängigkeit in verarmten Communities.

    Ins Deutsche übersetzt wurde Weit gegangen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, zu meckern hatte ich da nichts. Eine Contentwarnung darf wieder nicht fehlen: Das Buch ist in vielerlei Hinsicht explizit. Seien es Folterungen, Bürgerkriegshandlungen, Gewalt im Allgemeinen oder aber auch Rassismuserfahrungen und extreme Armut. Es kann belasten und das sollte es wohl auch.

    Trotzdem bleibt für Weit gegangen am Ende nur eine Empfehlung. Das Buch ist heute so wichtig wie zu seinem Erscheinen. Es bietet einen tiefen Einblick in das Leben Geflüchteter und in die damit verbundenen Geschehnisse im Süd-/Sudan, in Äthiopien und Kenia – eine Thematik, deren Hintergründe hier gerne ausgeblendet werden, um Geflüchtete nur unter wirtschaftlichen Aspekten betrachten zu können.

  24. Cover des Buches Ein Märchenschatz aus Afrika (ISBN: 9783869740911)
    Michael Kraus

    Ein Märchenschatz aus Afrika

     (2)
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