Yasmina Reza

 3,5 Sterne bei 232 Bewertungen
Autorin von Glücklich die Glücklichen, Babylon und weiteren Büchern.
Autorenbild von Yasmina Reza (©Pascal Victor)

Lebenslauf von Yasmina Reza

Die französische Sprache ist ihre Heimat: Yasmina Reza wurde 1957 in Paris geboren. Ihre künstlerische Laufbahn begann sie als Schauspielerin, wurde aber vor allem als meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin, Regisseurin und Schriftstellerin bekannt. Ihr Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ wurde 2011 von Roman Polański mit Jodie Foster, Kate Winslet und Christoph Waltz fürs Kino verfilmt. Mit dem Roman "Eine Verzweiflung“ debütierte Yasmina Reza als Autorin. Inzwischen wurde eine ganze Reihe erfolgreicher Romane aus ihrer Feder veröffentlicht. Für ihren Roman "Babylon" wurde sie mit dem Prix Renaudot 2016 ausgezeichnet und ihre Theaterstücke wurden weltweit schon in über 30 Sprachen übersetzt.

Alle Bücher von Yasmina Reza

Cover des Buches Glücklich die Glücklichen (ISBN: 9783596521050)

Glücklich die Glücklichen

 (75)
Erschienen am 27.04.2016
Cover des Buches Babylon (ISBN: 9783446256514)

Babylon

 (35)
Erschienen am 24.07.2017
Cover des Buches Der Gott des Gemetzels (ISBN: 9783446258860)

Der Gott des Gemetzels

 (26)
Erschienen am 12.03.2018
Cover des Buches Serge (ISBN: 9783446272927)

Serge

 (19)
Erschienen am 24.01.2022
Cover des Buches Eine Verzweiflung (ISBN: 9783596703135)

Eine Verzweiflung

 (9)
Erschienen am 23.01.2019
Cover des Buches Drei Mal Leben (ISBN: 9783446261792)

Drei Mal Leben

 (6)
Erschienen am 28.01.2019
Cover des Buches Kunst (ISBN: 9783446258877)

Kunst

 (4)
Erschienen am 12.03.2018
Cover des Buches Adam Haberberg (ISBN: 9783596299744)

Adam Haberberg

 (5)
Erschienen am 21.09.2017

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Yasmina Reza

Cover des Buches Serge (ISBN: 9783957132703)E

Rezension zu "Serge" von Yasmina Reza

Yasmina Reza - Serge
esmerabellevor 2 Monaten

Die Geschwister Popper in der Gedenkstätte Auschwitz/Birkenau. Mit eher gemäßigtem Enthusiasmus. Serge, der Älteste, ist eigentlich nur da, weil er dazu verdonnert wurde, seine erwachsene Tochter Joséphine zu begleiten, die sich nach dem Tod ihrer Großmutter für ihre jüdischen Wurzeln und den Ort, an dem Vorfahren von ihr umgebracht wurden, interessiert – ein Thema, das die Popper-Geschwister nie weiter beschäftigt hat. Weswegen Nana, die jüngste, beschließt, dass sie auch mitfahren sollte, jetzt, wo es zu spät ist, die Mutter zu befragen. Und wo Serge und Nana zusammen sind, da ist es besser, wenn auch Jean, der Ich-Erzähler, dabei ist, ein ausgleichender Puffer zwischen den beiden. Aber die Reise entwickelt sich schnell zu einem Desaster. Vor der Kulisse Auschwitz’ wo eine der schlimmsten Tragödien der Menschheitsgeschichte stattgefunden hat, kollidieren die ungleichen Wesen der Drei derart, dass eine Kluft entsteht, die nur von einem Ereignis wieder überbrückt werden kann, das auf gewisse Weise den Kreis zu Auschwitz schließt.

Ich kannte Yasmina Reza bisher nur durch zwei oder drei ihrer Theaterstücke, allem voran „Kunst“ (unvergessen die großartige Inszenierung mit Ulrich Tukur, Christian Redl und Dominique Horwitz), in dem drei Freunde über den Kauf eines weißen Bildes existentiell aneinander geraten. „Serge“ ist in gewisser Weise eine Variation von „Kunst“ auf einer fortgeschritteneren Ebene. Denn es ist nun mal ein Unterschied, ob sich eine Krise an einem Bild oder an einem Vernichtungslager entzündet. Die Absurdität der Situation ist eine ganz andere, denn über ein Gemälde können wir lachen, über Gaskammern nicht. Und so sind wir als Leser/Zuhörer bei „Serge“ in der Klemme. Wo wir uns bei „Kunst“ über den Streit der Freunde und den Spiegel, den sie uns vorhalten, ungeniert amüsieren können, sind wir bei „Serge“ der Unangemessenheit der Situation ausgeliefert. Die ständige Ambivalenz des Menschen zwischen den eigenen Sorgen und Nöten in der Relation zu all dem, was viel schlimmer und grausamer ist, wird hier auf die Spitze getrieben. Und das ist genial.

 Genial ist auch Rezas Stil. Besonders die Dialoge sind einfach nur eine Freude, sie kann nicht verheimlichen, dass sie vom Schauspiel kommt. Was ich auch sehr an ihr schätze ist, dass sie nie vorhersehbar ist. Mann kann die Reaktion ihrer Figuren nicht vorhersagen, wird immer wieder von der Absurdität überrascht.

Gelesen wird die Hörbuchversion von „Serge“ von Peter Jordan. Er macht seine Sache sehr gut, gibt den Charakteren Form und Individualismus, jedem seine ganz klare, eigene Stimme, die viel vom Wesen offen legt. Aber er tut das - und deswegen kommt mein Lob ein wenig zögerlich - eben in seiner Auslegung. Und das liegt ja auch in der Natur der Sache, ein guter Vorleser bringt seine eigene Lesart immer mit ein. Nur war für mich seine Interpretation nicht immer stimmig. Besonders bei Nana, die Jordan sehr weinerlich anlegt, habe ich in meinem Kopf die Sätze öfter in einem anderen Tonfall wiederholt, weil es dann für mich passender wurde. Jordans Serge habe ich nicht richtig zu fassen bekommen, immer wieder hat sich mein Bild von ihm umgeformt. Doch trotz dieser Kritik ist Jordan ein Vorleser, zu dessen Einspielungen ich immer wieder greifen würde.

Die Bewertungen für „Serge“, die ich mir angesehen habe, waren nicht durchgehend positiv und ich kann einige der Kritiken durchaus nachvollziehen. Wer erwartet, dass der Roman tief in die Problematik des Jüdischseins eintaucht und sich ein ausgefeiltes Psychogramm der Protagonisten wünscht, wird nicht auf seine Kosten kommen. Für mich war das Buch weniger eine Geschichte über Nachfahren von Holocaustüberlebenden, als eine Reflexion des Lesers/Zuhörers in seiner ewigen Unfähigkeit zu kommunizieren, und nicht immer in erster Linie um sich selbst zu kreisen. Über den Menschen an sich in der Balance zwischen dem Recht, eigene Sorgen und Nöte auch als solche zu erleben, und der moralischen Forderung, die Relation zu den größeren Tragödien in Betracht zu ziehen. Und das finde ich großartig gelungen.

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Cover des Buches Serge (ISBN: 9783957132703)A

Rezension zu "Serge" von Yasmina Reza

Figuren und Geschichte nicht authentisch, nicht tiefgründig genug
Aus-Liebe-zum-Lesenvor 2 Monaten

Yasmina Reza möchte in ihrem Familienroman „Serge“ die Frage beantworten, was jüdisch sein bedeutet.

Die 3 Geschwister der Familie Popper begeben sich auf eine Reise nach Ausschwitz. Dabei wird in vielen Rückblenden und auf Nebenschauplätzen die Geschichte der gesamten Familie beleuchtet. Unterschiedlicher könnten die 3 Protagonisten kaum sein: Während der Ich-Erzähler Jean lethargisch daherkommt, ist Nana sehr emotional, teilweise gar pathetisch und Serge der platte Macho.

Überzeugen konnte mich aufgrund fehlender Authentizität allerdings keiner davon. Ebenso wie die Geschichte, die mir zu unausgegoren ist und an den wichtigen Stellen doch nicht tiefer gräbt. Die großen Fragen beantwortet sie jedenfalls nicht und ich weiß nicht recht, was die Autorin dem Leser mitzuteilen versucht.

Ich habe den Roman als Hörbuch gehört und auch die Interpretation von Peter Jordan hat mich eher irritiert. Gerade die Darstellung von Nana fand ich zu spöttisch, hat sie doch durchaus Grund, Kritik an Serges Verhalten zu üben.

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Cover des Buches Serge (ISBN: 9783446272927)L

Rezension zu "Serge" von Yasmina Reza

Jüdische (?) Familiengeschichte ohne eigentliche Handlung
liebesleservor 2 Monaten

Diesen Roman las ich über weite Strecken mit gemischten Gefühlen. Ich fragte mich, was diese „jüdische“ Familiengeschichte mir sagen wollte. Es schien mir eher eine französische Familie des gehobenen Mittelstandes zu sein, mit den üblichen Problemen: Trennung, Patchwork, Entfremdung. Jüdisch war der Vater, allerdings auch eher aus Schwärmerei denn aus gelebtem Glauben. Szenen aus dieser Familie, die sich um die oben genannten Themen drehen, reihen sich willkürlich aneinander, einen echten Plot gibt es nicht, er deutet sich erst mit der gemeinsamen Auschwitz-Reise an, die eine Zäsur in der Erzählung darstellt. 


Neben den geschwisterlichen Beziehungen, die beim Aufenthalt in Krakau, Auschwitz und Birkenau aufgrund der unausweichlichen räumlichen Nähe katalysiert werden, geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Erinnerungs-Tourismus. Viele Kritikpunkte, von der Autorin durch ihre Hauptpersonen, hier insbesondere die Titelfigur Serge und sein Ich-erzählender Bruder Jean, sind nachvollziehbar, allerdings ist die Kritik an die Auschwitz-Besucher oft unerbittlich und von Vorbehalten geprägt. Das Menschenbild der Autorin ist kein positives, sie mutmaßt hinter allem zunächst mal das Schlechte. Ich las in einem Interview mit ihr einmal, sie fände glückliche Menschen langweilig und könne sich nur mit Pessimisten geistreich unterhalten (sinngemäß). Von dieser Haltung ist auch dieser Roman geprägt, Reza bringt kaum Sympathien für ihre Figuren auf, angefangen bei den Hauptpersonen über die zahlreichen Nebenfiguren (zu viele für ein so kurzes Buch) bis eben hin zu den zahllosen Auschwitzbesuchern, denen sie mehr oder weniger pauschal Sensationsgier und / oder Empathielosigkeit unterstellt.
Erst in den Szenen nach der Rückkehr aus Auschwitz stellt Reza so etwas wie Nähe zwischen dem Leser/der Leserin und den Hauptfiguren her, werden menschliche Seiten gezeigt, kommen sich die Geschwister auf eigene, rührende Weise näher. Die Themen Verlust, Krankheit und Tod werden nun - auf den letzten dreißig, vierzig Seiten - mit einer Tiefe und mit einer Emotionalität geschildert, wie man sie im Rest des Buches vermisst hat. Natürlich lassen die letzten Seiten auch das zuvor Gelesene in einem anderen Licht erscheinen. Aber dann ist der Roman auch schon aus, und man bleibt etwas ratlos zurück.

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Zusätzliche Informationen

Yasmina Reza wurde am 01. Mai 1959 in Paris (Frankreich) geboren.

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