William Melvin Kelley

 4,4 Sterne bei 95 Bewertungen
Autor*in von Ein anderer Takt, Ein Tropfen Geduld und weiteren Büchern.

Lebenslauf von William Melvin Kelley

William Melvin Kelley wurde 1937 in New York geboren. Mit vierundzwanzig Jahren veröffentlichte er seinen bis heute gefeierten Debütroman A Different Drummer. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Paris und auf Jamaika kehrte er mit seiner Familie 1977 nach New York zurück und unterrichtete am Sarah Lawrence College Kreatives Schreiben. Für seine Romane, Kurzgeschichten, Essays und Filme wurde Kelley vielfach ausgezeichnet. Er starb 2017 in Harlem.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von William Melvin Kelley

Cover des Buches Ein anderer Takt (ISBN: 9783455006261)

Ein anderer Takt

 (91)
Erschienen am 04.09.2019
Cover des Buches Ein Tropfen Geduld (ISBN: 9783455012262)

Ein Tropfen Geduld

 (3)
Erschienen am 01.11.2021
Cover des Buches Ein anderer Takt (ISBN: 9783455009811)

Ein anderer Takt

 (1)
Erschienen am 02.09.2020
Cover des Buches XXL-LESEPROBE: Kelley - Ein anderer Takt (ISBN: 9783455008913)

XXL-LESEPROBE: Kelley - Ein anderer Takt

 (0)
Erschienen am 30.08.2019
Cover des Buches A Different Drummer (ISBN: B07WDLTDKN)

A Different Drummer

 (0)
Erschienen am 27.08.2019

Neue Rezensionen zu William Melvin Kelley

Cover des Buches Ein anderer Takt (ISBN: 9783455006261)
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Rezension zu "Ein anderer Takt" von William Melvin Kelley

Was wäre, wenn alle einfach gegangen wären
Christian_Fisvor 5 Monaten

Der Roman spielt in Sutton, einer kleinen Stadt in einem imaginären Südstaat der USA. Im Juni 1957 versalzt Tucker Caliban, ein junger afroamerikanischer Farmer, sein Feld, schlachtet sein Pferd und seine Kuh, brennt sein Haus nieder und verlässt den Staat – woraufhin ihm dies die gesamte schwarze Bevölkerung gleichtut.


Obwohl die Handlung des Romans vom autonomen Handeln von Afroamerikanern abhängt, wird die Geschichte ausschliesslich aus der Sicht der weissen Stadtbewohner erzählt. Diese Erzählungen reichen dabei von offen bis wohlmeinend rassistisch, stets aus dem Gestus der moralischen Überlegenheit gegenüber den Schwarzen. Kelley verrät dabei seine Figuren nicht, sie werden mit viel Feingefühl gezeichnet.


Der Roman ist hervorragend komponiert. Ein aussergewöhnlicher Roman, der lange nachhallt.  

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Cover des Buches Ein Tropfen Geduld (ISBN: 9783455012262)
Lia48s avatar

Rezension zu "Ein Tropfen Geduld" von William Melvin Kelley

(Sexualisiertes) Frauenbild hat mich zu sehr gestört
Lia48vor einem Jahr

(TRIGGERWARNUNG: Rassismus, N-Wort, sexualisiertes Frauenbild, evtl. auch Prostitution & Pädophilie)

Ich muss zugeben, dieses Buch hat mich wirklich Nerven gekostet. Und ich tu mich schwer, Bücher schlecht zu bewerten, weil jeder Autor sicherlich viel Arbeit in sein Werk investiert hat. Aber manchmal will es zwischen Buch und Leser*in einfach nicht harmonieren. Und hier bin ich definitiv an meine Grenzen gestoßen…

Der erste Teil des Buches (22 Seiten), eine Art Prolog, hat mich umgehauen!
Da wird Ludlow Washington, ein 5-jähriger schwarzer, blinder Junge von seinen Eltern in ein Heim für schwarze, blinde Kinder gegeben. Dort soll er Musikspielen lernen – zunächst Klavier, dann Saxophon – um später damit sein Geld verdienen zu können.
Ein 6-Jähriger nimmt ihn direkt unter seine Fittiche, macht den Neuzugang zu seinem „Sklaven“ und lässt sich von ihm mit „mein Herr“ anreden.
Wie schrecklich ist das bitte? Aber das zeigt wieder, wie sehr Kinder das Verhalten von uns Erwachsenen nachahmen. Ich hatte so Mitleid mit Ludlow und dachte, falls das so bewegend und herzzerreißend weitergehen würde, müsste das ein absolutes Lese-Highlight werden!

Doch damit war bald Schluss. Es gibt große Zeitsprünge im Buch. Vom Cover und Klappentext her, hätte ich gedacht, dass die Kindheit von Ludlow und die Zeit im Heim viel länger thematisiert wird, was leider nicht der Fall war.

Ludlow, der mittlerweile außergewöhnlich gut Blasmusik spielen kann, wird mit 16 Jahren aus dem Heim „freigekauft“, um in einer Jazzband in New Marsails zu spielen. Er bekommt zwei Drittel weniger vom Lohn, als die anderen Spieler.
Später schafft er es als begabter Jazzbläser bis in die Clubs von New York und lernt Musikgrößen wie Inez Cunningham oder sein Vorbild Norman Spencer kennen.

Laut Klappentext sollen Jazzmusik und Rassismus eine große Rolle im Buch spielen. Ja, es kommt immer wieder zur Sprache. Aber ich muss gestehen, dass der Fokus für mich eher darauf lag, wie Ludlow von einer Frau bei der nächsten landet, bzw. es schafft, diese „gefügig“ zu machen. Und ja, er hat bisher wenig Erfahrungen mit Frauen gemacht und das Frauenbild war zum Erscheinen des Romans im Original (1965) auch noch ein anderes. Aber mir war es irgendwann too much, wie im Buch über Frauen gesprochen wurde, welches Bild von Frauen aufgezeigt wurde, wie sie sexualisiert wurden, wie sie zur eigenen Bedürfnisbefriedigung benutzt wurden, wie gegenständlich dargestellt wurden, mit der Pflicht, als Frau Kinder bekommen zu müssen, und wie oft F.-Wörter fielen.
Ludlow wurde mir dabei nicht nur unsympathisch, sondern widerte mich regelrecht an! Als er dann beim Brüste-Vergleich seiner letzten Frauenbekanntschaften gedanklich bei den heutigen Brüsten der eigenen, ca. 11-jährigen Tochter ankam (die er als Säugling verlassen hat), war bei mir definitiv Schluss mit lustig!
Am nächsten Tag habe ich mich dann überwunden und die wenigen verbleibenden Seiten noch überflogen, aber diese konnten für mich die vergangenen Szenen auch nicht mehr gut machen.

Was ich noch als positiv vermerken möchte, sind die Beschreibungen, wie Ludlow sich als blinder Mensch im Alltag zurechtfindet und welche Erfahrungen er diesbezüglich macht. Die fand ich zum Teil eindrücklich. Ich glaube, man vergisst als Sehende*r schnell, was blinde Menschen nicht erfassen können, aber man sollte ihre Fähigkeiten der anderen Sinnesorgane nicht unterschätzen.
Zusammen mit den ersten Seiten des Buches, sind das die Punkte, die mir gut gefallen haben.

FAZIT: Auch wenn z. B. „The New York Times“ oder diverse Rezensenten das Buch als lesenswert empfunden haben, kann ich hier leider keine Leseempfehlung aussprechen. Bei mir überwiegen noch immer nachwirkend Antipathie & Ekel bzgl. dem (sexualisierten) Frauenbild, bzw. Ludlows Gedanken, Absichten und Taten, v. a. Frauen und seiner Tochter gegenüber. Mit diesem Buch habe ich mich mehr gequält, als dass es mir irgendetwas gegeben hätte. Daher kann ich leider nur 1,5/5 Sterne vergeben.

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Cover des Buches Ein Tropfen Geduld (ISBN: 9783455012262)
GAIAs avatar

Rezension zu "Ein Tropfen Geduld" von William Melvin Kelley

In Form und Inhalt konsequent erzählte Lebensgeschichte
GAIAvor einem Jahr

Wir begleiten Ludlow Washington zu Beginn des 20. Jahrhunderts als fünfjährigen Jungen in ein Heim für blinde, schwarze Kinder; zu seinem ersten Engagement als Blasmusiker in eine Südstaaten-Bar; nach New York zum großen Erfolg und später mit zum Karrierefall. Ludlow ist ein Genie des Jazz, welchen er wie ein Handwerk betreibt, und er ist blind, und er ist schwarz.

All diese Faktoren verwebt William Melvin Kelley in seinem zweiten auf Deutsch - und viele Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung - erschienenem Roman "Ein Tropfen Geduld". Der Plot wird durchweg flott erzählt. Die Zeit- und Ortswechsel der sechs Romanteile werden durch den gekonnten Einsatz von fiktiven Interviewausschnitten mit dem scheinbar älteren und erfolgreichen Jazzmusiker Ludlow eingeleitet. So springt man viel schneller als erwartet weg vom Heim für Blinde, in welchem - nach nur wenigen Zeilen klar - scheußliche Dinge geschehen. Und landet elf Jahre später mit dem jugendlichen Ludlow bei seinem neuen "Besitzer" (aka Vormund, der ihn jedoch dem Heim aufgrund dessen Talent "abgekauft" wurde) und dessen Band. So zügig geht es durch das gesamte Buch. Was zunächst gewöhnungsbedürftig ist und das Gefühl hinterlässt, man hätte auch ein mindestens doppelt so dickes Buch lesen können und wollen, wirkt im Gesamtkonzept des Buches schlüssig. Ebenso schlüssig erklärt Gerald Early in seinem Nachwort aus dem Jahre 1996, dass Kelley in die Lebensgeschichte Ludlows nicht nur die Geschichte der Afroamerikaner*innen im frühen 20. Jahrhundert sondern auch die musikgeschichtlichen/-theoretischen Phasen des Jazz einwebt. Das ist im Rückblick ganz gekonnt gemacht und schafft somit ein großartiges Buch über ein Einzelschicksal, ein Massenschicksal und ein Musikphänomen.

Besondere Klasse macht für mich aber der konsequente Stil, in dem der Roman geschrieben ist, aus. So schildert Kelley von der ersten bis zur letzten Zeile mithilfe des personalen Erzählers Ludlows Leben allein durch akustische, olfaktorische, gustatorische und haptische Beschreibungen. Nicht ein einziges Mal tauchen visuelle Reize im Buch auf. So legt, laut Gerald Early, der Roman nahe, dass race eine Illusion ist, die jene blind macht, die eigentlich sehen können. Aber selbst ohne diese tiefere Deutung, ist es einfach ein ungewöhnliches und dadurch großartiges Leseerlebnis über 260 Seiten hinweg, Wahrnehmungen zu schärfen, die leider für Sehende häufig völlig außen vor bleiben. Diese Eindrücke, in ihrer Komplexität genauso wie in ihrer Einfachheit der Erkenntnis, hallen noch lang nach und lassen hoffen, dass sich der Verlag bald dazu entschließt, weitere Werke von Kelley auf Deutsch zu veröffentlichen.

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