Theodor Fontane

 3,5 Sterne bei 3.253 Bewertungen
Autor von Theodor Fontane: Effi Briest, Irrungen, Wirrungen und weiteren Büchern.
Autorenbild von Theodor Fontane (© http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft)

Lebenslauf von Theodor Fontane

Die Ikone des Realismus: Heinrich Theodor Fontane, geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, war ein deutscher Schriftsteller. Er gilt als literarischer Spiegel Preußens und als bedeutendster Vertreter des Realismus. Er lebte bis zum siebten Lebensjahr in Neurippen. Von 1832 bis 1833 besuchte Fontane des Friedrich-Wilhelms-Gymnasium in Neuruppin, anschließend trat er in die Gewerbeschule von Karl Friedrich Klöden in Berlin ein. 1934 zog er zum Halbbruder seines Vaters und hatte dort seine erste Begegnung mit eine zukünftigen Frau Emilie Rouanet-Kummer. 1836 brach er dann seine Ausbildung ab und begann eine Ausbildung zum Apotheker. Drei Jahre später veröffentlichte er seine erste Novelle Geschwisterliebe. Zu dieser Zeit entstanden auch seine ersten Gedichte. 1844 leistete ein Jahr lang seinen Militärdienst ab. Im Anschluss ging er auf eine Militärreise. Nach 1847 kämpfte Fontane als Revolutionär in den sogenannten Barrikadenkämpfen. 1849 entscheid er sich dann den Apothekerberuf aufzugeben und als freier Schriftsteller zu leben. Es entstanden zunächst politisch gesellschatliche Texte. Er erkrankte an einer schweren Gehirnschämie und schrieb seine zwei letzten Werke Effi Briest und Der Stechlin. Fontante starb am 20. September 1898 in Berlin.

Neue Bücher

Cover des Buches Theodor Fontane, Wo sich Herz zum Herzen findt - Das Fontane-Brevier (ISBN: 9783641299811)

Theodor Fontane, Wo sich Herz zum Herzen findt - Das Fontane-Brevier

Neu erschienen am 21.06.2022 als E-Book bei Anaconda Verlag.
Cover des Buches Quitt (ISBN: 9783754971413)

Quitt

Neu erschienen am 23.04.2022 als Hardcover bei epubli.
Cover des Buches Der Stechlin (ISBN: 9783754971406)

Der Stechlin

Neu erschienen am 23.04.2022 als Hardcover bei epubli.
Cover des Buches Unwiederbringlich (ISBN: 9783754971437)

Unwiederbringlich

Neu erschienen am 23.04.2022 als Hardcover bei epubli.

Alle Bücher von Theodor Fontane

Cover des Buches Theodor Fontane: Effi Briest (ISBN: 9783938484180)

Theodor Fontane: Effi Briest

 (1.747)
Erschienen am 31.03.2005
Cover des Buches Irrungen, Wirrungen (ISBN: 9783746636436)

Irrungen, Wirrungen

 (379)
Erschienen am 15.03.2019
Cover des Buches Unterm Birnbaum (ISBN: 9783150196038)

Unterm Birnbaum

 (127)
Erschienen am 25.04.2019
Cover des Buches Der Stechlin (ISBN: 9783730607886)

Der Stechlin

 (91)
Erschienen am 07.08.2019
Cover des Buches Mathilde Möhring (ISBN: 9783746634883)

Mathilde Möhring

 (41)
Erschienen am 09.11.2018
Cover des Buches Schach von Wuthenow (ISBN: 9783257610215)

Schach von Wuthenow

 (39)
Erschienen am 18.12.2019
Cover des Buches Grete Minde (ISBN: 9783423140874)

Grete Minde

 (30)
Erschienen am 01.03.2012

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Theodor Fontane

Cover des Buches Unwiederbringlich (ISBN: 9783746636450)S

Rezension zu "Unwiederbringlich" von Theodor Fontane

Unwiederbringlich
sKnaerzlevor 9 Tagen


Holk von Holkenäs lebt ein Leben, das allen seinen Grundsätzen widersprechen müsste, wenn er denn etwas auf Grundsätze gäbe. Er ist Schleswiger zu einer Zeit als er und die dortige Bevölkerung wünschen, sich von Dänemark zu trennen und sich Preußen anzuschließen und er ist im Grunde seines Herzens ein treuer Ehemann. Trotzdem hat er eine Stellung als Hofmann bei einer alten dänischen Prinzessin, und ist dazu da, die Prinzessin zu unterhalten. Im Grunde ist es bezahlte Faulenzerei an einem ziemlich sittenlosen Hof, wo er weder als Deutscher noch als Ehemann eigentlich etwas zu suchen hätte.

Was mir am meisten Spaß gemacht hat, ist, nach den Stellen zu suchen, wo Holk sich ganz entsetzlich dumm benimmt. Außerdem kann man lange darüber nachdenken, ob seine Gegenspielern, die Hofdame Ebba von Rosenberg, eine Intrigantin ist, die Holk vernichten will oder ob sie ihm eine Lektion erteilt, die er dringend nötig hat. (Ich glaube, Holk beleidigt Ebba bei ihrer ersten Begegnung und merkt es nicht einmal)

Das alles ist typisch Fontane und könnte Spaß machen, aber mir hat diesmal die Sprache nicht gefallen. Oft nimmt Fontane Aussagen zurück oder betont sofort die Bedeutung des Alltags, wenn etwas Außergewöhnliches behauptet wird. Mit anderen Worten, alle Personen redeten, als befänden sie sich in einem Roman von Fontane, und das war mir zuviel

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Cover des Buches Theodor Fontane: Effi Briest (ISBN: 9783938484180)B

Rezension zu "Theodor Fontane: Effi Briest" von Theodor Fontane

Trauriger Roman über eine junge Frau, der das Schicksal (und die Gesellschaft) übel mitspielt
bingereadingvor 2 Monaten

Nachdem ich schon ein paar englische Kassiker von Jane Austen, den Brontes und Charles Dickens gelesen habe, dachte ich mir, dass ich es auch mal mit einem deutschen Klassiker versuchen könnte und habe mir "Effi Briest" ausgesucht. Ich dachte, dass es hier um eine interessante junge und starke Frau geht, die versucht, aus ihrem fremdbestimmtem Leben auszubrechen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Doch da habe ich mich wohl geirrt. Die Protagonistin Effi ist keine starke Persönlichkeit, vielmehr ist sie schwach, wankelmütig und schafft es nicht, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Diese Unfähigkeit hat mich im Lauf der Geschichte immer mehr frustriert: Hätte Effi mal selber etwas unternommen, anstatt ihre Eltern und ihren Ehemann alles bestimmen zu lassen, wäre die Geschichte bestimmt besser ausgegangen. Doch man muss auch verstehen, dass Effi mit der Situation in gewisser Weise überfordert war: Wenn man mit siebzehn den Ex seiner Mutter heiraten muss und mit ihm in ein kleines Kaff zieht, wo einem nur Feindseligkeit entgegenschlägt, ist es bestimmt nicht immer leicht. Schnell verkriecht sie sich in ihrer Frustration und hat auch keine Hobbies, mit denen sie sich von ihrer unglücklichen Ehe und dem Mangel an Gesellschaft ablenken könnte. Eigentlich kann sie einem wirklich leid tun, weil ihr Leben so leer ist.

Auch die anderen Figuren sind keine wirklichen Sympathieträger. Ihr Mann wirkt häufig verkrampft und hat ständig so einen Lehrer-Tonfall drauf. Ihre Eltern, vor allem die Mutter, scheinen nicht wirklich auf ihre Tochter einzugehen und nachdem Effi gesellschaftlich ruiniert ist, verstoßen sie sie zumindest zuerst) herzlos. Major von Crampas, mit dem sie eine Affäre hat, fand ich ziemlich aufdringlich und geschmacklos, aber er hat sich wenigstens richtig mit Effi beschäftigt und sie nicht, so wie ihr Mann, wie ein kleines Kind behandelt. Am meisten mochte ich noch den Apotheker Alonzo Gieshübler, einen der wenigen Freunde, die Effi hat, und der ihr langweiliges Leben zumindest zwischenzeitlich interessanter macht, indem er Veranstaltungen organisiert und ihr Lesestoff besorgt.

Das Setting in dem kleinen Küstenort Kessin war wirklich bedrückend, man hat gut gemerkt, warum Effi sich dort unwohl fühlt. Alles wirkt düster und freudlos, mit Ausnahme der kurzen Badesaison im Sommer, wo ein paar Kurgäste zu Besuch kommen. Als Effi und Instetten endlich nach Berlin umgezogen sind, war ich wohl genauso erleichert wie die Protagonistin, der Einöde dieses Kaffs an der Ostsee zu entfliehen. 

Die Handlung selbst hat sich teilweise etwas gezogen, vor allem der Teil in Kessin war unnötig lang, aber vielleicht wollte Fontane damit auch einfach zeigen, wie langweilig und eintönig Effis Leben in dem kleinen Ort ist. Am Ende des Buches kommt es dann aber zu einer unerwarteten Wendung, mit der ich echt nicht gerechnet hätte. 

Ich war etwas enttäuscht, dass man nicht mehr über Effis Affäre erfährt. Zwar war mir schnell klar, dass zwischen den beiden irgendwas ist, aber bis auf Handküsse und Flirten passiert nichts, oder zumindest wird es nicht erzählt. Irgendwie ist Effi Briest deshalb für mich gar kein richtiger Liebesroman, sondern eher eine Art Gesellschaftskritik. Das wird noch deutlicher, als ihr Mann sich einer moralischen Zwickmühle gefangen sieht, in der er sich, ohne die komische preußische Gesellschaft und ihr albernes Getue um Ehre, nie befinden würde. 

Ich bin keine Historikerin, aber ich denke, dass das Buch die Zeit ziemlich gut abbildet und wie die Menschen in Preußen damals gedacht haben. Schockierend fand ich, dass es vollkommen normal war, siebzehnjährige Mädchen mit fast 40 Jahre alten Männern zu verheiraten, die beinah so alt wie ihre Väter waren. Auch sieht man an diesem Buch gut, wie eingeschränkt bürgerliche und adelige Frauen damals waren: Sie durften nicht arbeiten, ihr einziger Job war es, Kinder zu kriegen, hübsch auszusehen und hin und wieder eine nette Party für die Freunde ihres Mannes und deren Frauen zu organisieren. Was war das bitte für ein Leben? Ich bin froh, dass diese Zeiten lange vorbei sind.

Der Schreibstil  des Buches ist mit modernen Romanen nicht vergleichbar, aber ich habe mich doch schnell eingelesen. Fontane streut großzügig französische Fremdwörter in die Geschichte ein und der Satzbau ist aus heutiger Sicht manchmal etwas abenteuerlich. Die Worterklärungen, die bei meiner Ausgabe im Anhang sind, waren auf jeden Fall sehr hilfreich, ich glaube, dass ich Teile der Geschichte sonst einfach nicht verstanden hätte.

Der Roman hat mich ehrlichgesagt ziemlich frustriert zurückgelassen und ich weiß nicht, ob ich für dieses Buch jedem empfehlen kann. Wer kleine Ostseekäffer, in denen der Hund begraben liegt, nicht ausstehen kann und bei weinerlichen Protagonist*innen die Krise kriegt, sollte es eher nicht lesen. Aber wenn ihr euch für die Gesellschaft im 19. Jahrhundert interessiert und nach dem Lesen aus tiefstem Herzen dankbar sein wollt, heute und nicht in den 1890ern zu leben, dann lest es.


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Cover des Buches Irrungen, Wirrungen (ISBN: 9783754326497)V

Rezension zu "Irrungen, Wirrungen" von Theodor Fontane

"Gideon ist besser als Botho"
Vera-Seidlvor 3 Monaten

"An dem Schnittpunkte von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, schräg gegenüber dem 'Zoologischen', befand sich in der Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwärts sich erstreckende Gärtnerei", so der Einstieg in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen".

 

Ich habe mein Abitur nicht in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts nachgeholt, sondern in den achtzigern des 20. Jahrhunderts und zwar am Kolleg Schöneberg in der Nürnberger Straße 63 in Berlin. Das Schulgebäude wurde 1901/02 nach den Plänen des Architekten Walter Spickendorff auf dem Gelände der Gärtnerei errichtet.

Wenn frau auf einem so bedeutungsvollem Land und noch dazu in Zeiten des Mauerfalls sein Abitur absolviert, kann das nur ein voller Erfolg werden. Noch heute bin ich stolz auf mein Abschlusszeugnis mit der Durchschnittsnote 1,7.

 

Eine Taubenschar, Hühner, Kuh und Ziege oder einen Hund, namens Sultan, kann man sich in der Gegenwart nicht mehr auf dem Gelände vorstellen und noch viel weniger Felder in seiner Umgebung. "Bloß ins Feld, ins Grüne, wo du nichts haben wirst als Gänseblümchen und mich", sagt Lene zu Botho.

 

Lene wohnt mit ihrer Pflegemutter, der alten Frau Nimbtsch, in einem kleinen, bescheidenen  Häuschen auf dem Hof der Gärtnerei. Die Assoziationen zu ihrem Vornamen sind nicht zufällig. Die schöne Helena ist in diesem Zusammenhang zu nennen, mehr noch Maria Magdalena. Der Nachname Nimptsch spielt auf Nikolaus Franz Niembsch, einem österreichischen Dichter, an, der unter dem Künstlernamen Nikolaus Lenau bekannt wurde. Nimbtsch ist außerdem der Name eines schlesischen Uradelsgeschlechts, womit dann Lene Nimbtsch ebenso adlig wäre wie ihr Geliebter Baron Botho von Rienäcker.

 

Aus dem Rückblick erzählt Fontane, dass sich das ungleiche Paar bei einer Bootsfahrt in Stralau am zweiten Ostertag kennengelernt hatte und im Verlauf des Sommers trotz des Standesunterschieds näher gekommen war. Lene ist realistisch genug, ihrer Liebe auf die Dauer keine Zukunft zu geben. "Man muß allem ehrlich ins Gesicht sehn und sich nichts weismachen lassen und vor allem sich selber nichts weismachen." 

 

Botho und seine Kameraden geben sich ausländische Necknamen und die Freunde haben ihre Mätressen nach Frauengestalten aus Schillers "Jungfrau von Orleans" benannt. Lene erhält den Spitznamen "Mademoiselle Agnès Sorel". Sorel war die erste offizielle Mätresse des französischen Königs Karls VII.

 

"Aber ist es denn wahr, Lene, daß er Botho heißt?" fragt die Nachbarin Frau Dörr. "So kann doch einer eigentlich nicht heißen; das ist ja gar kein christlicher Name."

Ich nehme an, dass Fontane hier nicht auf die Übersetzung aus dem Tsawana anspielte, wonach der Name Botho Menschlichkeit bedeuten würde, sondern auf den althochdeutschen Ursprung, womit der Name mit Gebieter übersetzt werden kann.

 

Von Rienäcker ist sein Nachname. Das bezieht sich nicht nur auf das, von mir viel bewanderte Rhinluch. Rien ist auch dem Französischen entnommen und heißt nichts. Baron von Nichtsäcker passt hervorragend. "Meine Wiesen zu Hause, die vier Jahre von fünf immer unter Wasser stehen und nichts bringen als Ranunkeln" heißt es im vierten Kapitel und an anderer Stelle, "er hat 9000 jährlich und gibt 12000 aus." Wenn er weniger im Klub ausgeben, auf seine Kunstsammlung verzichten, weniger ausschweifend leben würde, könnte er mit Lene durchaus eine Zukunft planen.

 

Aber daran hat Botho gar kein Interesse. Er fühlt sich zwar zu Lene hingezogen, weil sie zu echten Gefühlen fähig ist, er selbst aber spielt lediglich ein Theater der Gefühle.

Nachdem sein Onkel und seine Mutter ihn aus finanziellen Gründen zur Heirat von Käthe von Sellenthin drängen, denkt Botho sofort, "arme Lene." Er kündigt sich brieflich bei Lene an, um sich von ihr zu verabschieden, versäumt auch nicht die persönliche Vorsprache bei ihrer Mutter. "Und nun geben Sie mir die Hand. So. Und nun gute Nacht."

 

Den Wegzug Lenes nach einer Begegnung mit dem frisch vermählten Ehepaar bemerkt Botho nicht. Vom Tod der alten Frau Nimbtsch erfährt er durch Gideon Franke, der Rienäcker aufsucht, weil er Lene ehelichen und sich selbst ein Bild ihrer Vorgeschichte machen möchte.

Theatralisch ist seine Niederlegung der Kränze auf dem Grab von Frau Nimbtsch und theatralisch auch das Verbrennen der Liebesbriefe sowie der Blumen Lenes. "Und siehe da, langsam als ob er sich das Gefühl eines süßen Schmerzes verlängern wolle, ließ er jetzt Blatt auf Blatt auf die Herdstelle fallen und in Feuer aufgehen."

 

Geheiratet hat er seine Cousine, Käthe von Sellenthin, die ihrem Vetter schon versprochen wurde, als beide noch Kinder waren. Der Vorname spielt auf die Heilige Katharina an, im Nachnamen verstecken sich die englischen Wörter sell und thin, was deutlich auf einen Handel verweist.

Sie ist reich, hübsch, eine "Flachsblondine zum Küssen", die "mit vierzehn schon umkurt und umworben" wurde. Von der Tiefe Lenes keine Spur, sondern Oberflächlichkeit und Schwatzhaftigkeit sind ihre Charaktereigenschaften, derer sich Botho schämt. Nach weniger als drei Ehejahren gesteht er sich ein, Käthe ist ihm ein "Bonbon, nicht viel mehr. Und wer kann von Süßigkeiten leben!"

 

Der neue Nachbar, der um Lene wirbt, heißt Gideon Franke. Der Name Gideon, hebräisch גִּדְעוֹן, ist von der Verbwurzel, (etwas) abhauen, abgeleitet. "Von dem Tag an nannte man Gideon Jerubbaal, das heißt 'Baal streite mit ihm', weil er seinen Altar niedergerissen hat", heißt es im sechsten Kapitel im Vers 32 im Buch Richter. Franke bedeutet frei.

Er ist so frei, den Altar des Baal (Bothos) niederzureißen, um Lene ein neues Leben zu ermöglichen. Der Mann um die 50 ist als Laienprediger und Fabrikmeister, der einige Jahre in Amerika gelebt hat, so frei, die Irrungen und Wirrungen aufzulösen.

"Gideon ist besser als Botho", ist der letzte Satz des Romans, eine finale Einsicht Bothos.

 

Theodor Fontane ist dafür bekannt, dass er seine Figuren in seinen Romanen charakterisiert, indem er ihre Erscheinung, ihre Umgebung und vor allem ihre Redeweise aus einer kritisch-liebevollen Distanz genau beschreibt.

Toletzt bün ik ja ok en Brannenbörger Planten. Trotzdem bereitete es mir große Schwierigkeiten, dass märkische Plattdeutsch in seiner Kriminalnovelle "Unterm Birnbaum" zu verstehen. Beim Berliner Dialekt in "Irrungen, Wirrungen" hatte ich keine Verständnisprobleme, sondern war erfreut, darin das Wort "Hutsche" zu finden, von dem ich bisher immer geglaubt hatte, dass der Begriff eine Erfindung meiner Familie gewesen ist.

 

1887 war der Roman zuerst in der Vossischen Zeitung erschienen, ein Jahr später in Buchform. Die Empörungen, die das Werk wegen seiner Freizügigkeit bei der Darstellung von außerehelichen Liebesbeziehungen auslöste, sind in der Gegenwart kaum noch nachzuvollziehen und auch die Unterwerfung der beiden Hauptfiguren unter das gesellschaftliche Diktat sind zunächst nicht einfach zu verstehen.

 

Wenn ich aber bedenke, dass in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts einer ordinierten Theologin von der Evangelischen Kirche ein Berufsverbot erteilt wurde, weil sie einen moslimischen Somali geheiratet hatte, rückt Fontanes Gesellschaftskritik wieder mehr in die Jetztzeit.

 

Ich danke der Seele Theodor Fontanes für seinen einzigartigen poetischen Realismus und seiner Liebe zu seinen Romanfiguren mit so bedeutungsvollen Namen. "Gideon ist besser als Botho."

 

Diese Rezension soll der Seele meines Deutschlehrers Richard Tag gewidmet sein.

 

Vera Seidl

 

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Gespräche aus der Community

Klassiker-Leserunde

Beginn: 01.01.2022

Im Januar wollen wir zusammen Effi Briest lesen.

Beginn: 01.01.2022

Jeder ist herzlich willkommen!

1371 Beiträge
C
Letzter Beitrag von  Chelseavor 5 Monaten

Ah super, danke für die Empfehlungen! :) habe ich mir alle mal notiert :)

Dezember-Leserunde der Klassikergruppe

Herzlich willkommen zu einer weiteren Leserunde der Gruppe „Wir lesen Klassiker der Weltliteratur“!

Passend zu Fontanes 200. Geburtstag am 30.12. haben wir uns für den Dezember „Der Stechlin“ ausgesucht.


Die Leserunde beginnt am 1.12. und wir freuen uns über jeden, der mit uns lesen möchte!

Da das Buch recht umfangreich ist, haben wir uns entschieden, die nächste Leserunde im Januar erst am 10.1. zu beginnen, so dass mehr Zeit für dieses Buch bleibt.


404 Beiträge
F
Letzter Beitrag von  FrancieNolanvor 2 Jahren

Na, ich finde es toll, dass Du Dich noch durchwuselt hast, obwohl so viele schon fertig waren. Leider finde ich nicht immer alle Antworten hier, vlt habe ich auch eine von Dir übersehen bzw. nicht aufklappen können. Aber ich habe die Beiträge von Dir, die mir zugänglich waren, gern gelesen.

Liebe Hörbuch-Freunde,

wir möchten euch zu einer Hörrunde mit Fontanes Klassiker „Effi Briest“ einladen. Dafür stellen wir euch 15 Hörbücher (2 MP3-CDs) zur Verfügung. Um euch für diese Hörrunde zu bewerben, beantwortet uns doch bitte folgende Fragen:

Was gefällt euch besonders an Theodor Fontane? Wo teilt ihr eure Rezensionen?

Wir freuen uns auf diese Hörrunde mit euch und sind schon gespannt auf eure Rezensionen.

*Im Falle eines Gewinnes seid ihr dazu verpflichtet, an allen Abschnitten der Hörrunde aktiv teilzunehmen und am Ende eine Rezension zu verfassen.

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Fontanes „Effi Briest“ als Hörbuch

Rohrbecks Meisterstück

Die 17-jährige Effi Briest heiratet auf Wunsch ihrer Eltern den lebenserfahrenen Baron von Instetten. Ihrem tristen Ehealltag und einer Welt voller Zwänge entkommt sie durch eine Affäre mit dem weltmännisch auftretenden Major Crampas. Viele Jahre später erfährt Instetten durch Zufall vom Treuebruch seiner Gattin. Um sein gesellschaftliches Ansehen zu wahren, fordert er den Liebhaber seiner Frau zum Duell heraus …

Fontane entwirft mit »Effi Briest« ein großes Gesellschaftspanorama seiner Zeit und zeigt deren Enge in sozialen Normen und Konventionen auf. Oliver Rohrbeck liest die Geschichte Effis berührend und einfühlsam. So erschließt er sie der Generation der »Drei ???« ganz neu.

Autor:
Theodor Fontane (1819-1898) war einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.

Sprecher:
Oliver Rohrbeck gehört zu den beliebtesten Sprechern Deutschlands. Durch seine Rolle in der Hörspiel-Reihe "Die drei ???" (als Justus Jonas) wurde er schon von Kindesbeinen an bekannt.
273 BeiträgeVerlosung beendet
N
Letzter Beitrag von  Nymphevor 3 Jahren

Und hier nun endlich auch meine Rezension:

https://www.lovelybooks.de/autor/Theodor-Fontane/Effi-Briest-1865373512-w/rezension/2225504128/

Ich bedanke mich nochmal sehr herzlich, dass ich mithören durfte und bitte um Entschuldigung für die Verzögerung.

Zusätzliche Informationen

Theodor Fontane wurde am 29. Dezember 1819 in Neuruppin (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 4.084 Bibliotheken

von 408 Lesern aktuell gelesen

von 38 Lesern gefolgt

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