Sorj Chalandon

 4 Sterne bei 140 Bewertungen
Autor von Wilde Freude, Am Tag davor und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Sorj Chalandon

Journalist und Schriftsteller: Sorj Chalandon, ein französischer Journalist und Schriftsteller, wurde am 16. Mai 1952 in Tunis geboren. 

Er arbeitete als Journalist bei der Zeitung "Libération". Seine Reportagen über Nordirland und den Barbie-Prozeß wurden mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Nebenbei veröffentlichte er zahlreiche Romane, die auch ins Deutsche übersetzt wurden. 

Für seine Werke erhielt er den Prix Médicis und den Grand Prix du roman de l´Académie francaise. Außerdem wurde er schon zweimal für den Prix Goncourt nominiert. Des Weiteren schrieb er schon für einige Fernsehserien. So war er Co-Autor einiger Episoden der TV-Serie Reporter.

Neue Bücher

Cover des Buches Verräterkind (ISBN: 9783423290333)

Verräterkind

 (13)
Neu erschienen am 16.11.2022 als Gebundenes Buch bei dtv Verlagsgesellschaft.

Alle Bücher von Sorj Chalandon

Cover des Buches Wilde Freude (ISBN: 9783423282376)

Wilde Freude

 (64)
Erschienen am 21.08.2020
Cover des Buches Am Tag davor (ISBN: 9783423147811)

Am Tag davor

 (47)
Erschienen am 23.10.2020
Cover des Buches Verräterkind (ISBN: 9783423290333)

Verräterkind

 (13)
Erschienen am 16.11.2022
Cover des Buches Rückkehr nach Killybegs (ISBN: 9783423148283)

Rückkehr nach Killybegs

 (4)
Erschienen am 16.03.2022
Cover des Buches Die Legende unserer Väter (ISBN: 9783423248990)

Die Legende unserer Väter

 (3)
Erschienen am 01.01.2012
Cover des Buches Mein fremder Vater (ISBN: 9783423281140)

Mein fremder Vater

 (3)
Erschienen am 04.08.2017
Cover des Buches Die vierte Wand (ISBN: 9783423260664)

Die vierte Wand

 (2)
Erschienen am 24.07.2015
Cover des Buches Am Tag davor: Roman (ISBN: B07KMBZ7R5)

Am Tag davor: Roman

 (1)
Erschienen am 18.04.2019

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Sorj Chalandon

Cover des Buches Verräterkind (ISBN: 9783423290333)
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Rezension zu "Verräterkind" von Sorj Chalandon

Die Suche nach der Wahrheit
Luisabellavor 8 Tagen

»»Was denn, mein Gott, er ist doch noch ein Kind!« [Tante] 

- »Genau! Ein Verräterkind, das sollte er wissen.« [Großvater] 


1962 war das, da war ich zehn.« 

(S.29) 


Der französische Schriftsteller und Journalist Sorj Chalandon (*1952) hat für sein Schaffen zahlreichen Preisen erhalten und u. a. für seine Reportagen über den Prozess gegen den Klaus Barbie mit dem Albert-Londres-Preis (dem renommierteste Journalistenpreis Frankreichs) ausgezeichnet. 

In seinem autobiografischen Buch »Verräterkind« (»Enfant de salaud«, aus dem Französischen von Brigitte Große) schreibt der Autor in zwei Handlungssträngen über seine Erlebnisse als Journalist bei genau diesem Prozess gegen K. Barbie, und parallel über die Anwesenheit seines Vaters bei dem Prozess in Lyon, über toxische Familienverhältnisse und die Lügen und Wahrheiten seines Vaters, der im 2. Weltkrieg mehr als einmal desertiert ist. … 

Es ist viel Zeit vergangen seit er als kleiner Junge von seinem Großvater als »Verräterkind« bezeichnet  und von seinem Vater manipuliert worden ist. 1987 während des Prozess gegen den Nazi-Verbrecher K.Barbie erhält Sorj Chalandon die Akten über seinen Vater und sucht in diesen Protokollen, Dokumenten und Beweisen nach der Wahrheit über diesen ihm so nahen und doch so fremden Vater. 


Warum sucht der Autor so vergeblich nach der Wahrheit seines Vaters? 

»Du warst im Knast, du Idiot! […] Das hättest du mir erzählen sollen. Ich muss wissen, wer du bist, um zu verstehen, woher ich komme. Ich will, dass du mit mir redest, dass du mir zuhörst, verstehst du, das verlange ich von dir! Ich bin nicht mehr in dem Alter, in dem man alles glaubt, sondern in dem, wo man versteht und akzeptiert. Diese Wahrheit bist du mir schuldig.« (S.63) 


Es ist ein aufwühlendes, emotionales Buch bei dem ich mehr als einmal schwer aufgeatmet habe. Der Prozess gegen einen Nazi-Verbrecher und die erschütternden Zeugenaussagen werden sehr gut in die autobiografische Erzählung gebettet. Ich habe sehr mit dem Autor mitgefühlt, der sich mit dem Lügenkonstrukt seines Vaters fast (?) schmerzhaft auseinandersetzt. Eine beeindruckende schriftstellerische Leistung, mit großartigen Formulierungen dank der großen Übersetzungsleistung! 


» »Warum haben Sie gelogen?«, fragt er. »Weil ich dachte, dass ich mir so besser Geltung verschaffen kann.«

»Geltung verschaffen« habe ich mit einem fetten Rotstift un-terstrichen. Als du diese Worte zum ersten Mal in den Mund nahmst, warst du zweiundzwanzig, und heute, dreiundvierzig Jahre später, ist dieser Wunsch noch immer dein Elend und unser Schrecken.«

(S. 126)


Kein einfaches Buch, aber ein sehr wichtiges, das viele verschiedene Themen beleuchtet und vor allem eines zeigt: Das Wahrheit schwer greifbar ist. 

Große Leseempfehlung!

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Cover des Buches Verräterkind (ISBN: 9783423290333)
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Rezension zu "Verräterkind" von Sorj Chalandon

Kampfzone der Schuld
Constanze_Pachnervor 18 Tagen

"Lange Zeit lullt der Vater den Erzähler mit seinen Heldentaten in der Résistance ein. Der Großvater dagegen erzählt ihm, dass der Vater eine deutsche Uniform trug, dass er ein Verräterkind sei. Im Mai 1987, als in Lyon der Prozess gegen den NS-Verbrecher Klaus Barbie eröffnet wird, berichtet der Sohn als Journalist einer großen französischen Tageszeitung. Und er erfährt am selben Tag, dass die Gerichtsakte seines Vaters im Archiv schlummert. Sorj Chalandon erzählt in seinem für den Prix Concourt nominierten Roman von der Suche nach der Wahrheit über seinen Vater." (Klappentext)

Taschenspielertricks - in einer Thematik, für den Leser kaum auszuhalten, in ihrer schieren Unvorstellbarkeit fassungslos machend - sind das Werkzeug dieses Vaters, mit dessen er sich immer wieder aufs Neue einen zu interpretierenden Schauplatz bastelt.
'Mit hypnotisierendem Blick und anästhesierenden Worten' (59) täuschte er trimmend - zeitlebens und darüber hinaus - das Gemüt, das Gehirn, das Gleichgewicht seines Sohnes, der am Ende keine Wahrheit finden wird - ein Chapon an die dramaturgische Täuschung der Historie!

Der Autor verlässt meiner Meinung nach in seinem autofiktionalen Roman 'Verräterkind' als Betroffener teilweise mit einem sachlich nüchtern gehaltenen Erzählton seine persönliche Komfortzone nicht, er versteckt sich hinter einer historischen Absperrung des Geschehens, die ihn schamlos versucht vor seinen Wunden zu schützen.
Zweifelsohne ist dieses Werk ein beeindruckendes Stück Literatur, welches - ohne Fakten und Schmerzen zu verschleiern - die Kampfzone der Schuld der Väter meisterhaft aus der rein journalistischen Hülle löst, dennoch hätte ich mir introspektiv im Sprachvolumen des Erzählens über das Verräterkind, den verzweifelten Sohn mehr entblößende Nacktheit gewünscht, damit dem narrativ roten Faden des liebesuchenden Schmerzes mehr Gefühlssubstrat hätte verliehen werden können.

Lieben Dank an @dtv_verlag für das #rezensionsexemplar

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Cover des Buches Verräterkind (ISBN: 9783423290333)
lesehorizonts avatar

Rezension zu "Verräterkind" von Sorj Chalandon

Verrat hier, Verrat da- welche Geschichte ist nun wahr?
lesehorizontvor 19 Tagen

"Verräterkind" ist der erste Roman aus der Feder von Sorj Chalandon, den ich las. Der französische Schriftsteller und Journalist verarbeitet in seinen Geschichten wohl sein eigenes Verhältnis zum Vater. Dies ist spätestens seit seinem zehnten Lebensjahr belastet, erfuhr er doch zu diesem Zeitpunkt bei einem seiner Besuche der Großeltern, dass sein Vater im Krieg "auf der falschen Seite gestanden habe", er also ein Verräterkind sei. Dies bedeutete zum einen das Ende der idyllischen Besuche im Hause der Großeltern, zudem den Beginn einer quälenden Ungewissheit um die Wahrheit seines Vaters. 

Chalandon wird als 30 jähriger Journalist beauftragt, den 1987 startenden Prozess in Lyon gegen den NS-Verbrecher Klaus Barbie zu verfolgen und für die Heimatzeitung darüber zu berichten. Barbie wird für seine Taten während des zweiten Weltkrieges zur Verantwortung gezogen, wo er etwa 800 Erwachsene in seiner Funktion als Chef der Gestapo in Lyon deportieren ließ. Als Leser erfahren wir viel über die Greuel dieser Zeit, insbesondere auch der Rolle Frankreichs in diesem düsteren Kapitel europäischer Geschichte. Chalandon beobachtet den Prozess minutiös. Intention ist die Konzentration auf diesen Prozess mitsamt all der schockierenden Zeugenaussagen jüdischer Überlebender. Das geht unter die Haut. Chalandon, dem autofiktionalen Erzähler, dem Leser- nicht aber Barbie selbst. Verstörend sind für Chalandon auch die gleichgültigen Reaktionen seines Vaters, den er während des Prozesses beobachtet. So wird der Prozess über Barbie zunehmend auch zum Prozess gegen den Vater und dessen Verrat: Akten belegen, dass sein Vater ein Lügengebäude aufgebaut hat, vieles nicht stimmen kann. Doch was ist die Wahrheit? Worin besteht das Vergehen seines Vaters? Fragen über Fragen, die dem Sohn durch den Kopf schwirren. Kaum öffnet sich ihm der Vater partiell, folgt kurz darauf die Widerlegung der entsprechenden Ausagen. Mehr sei hier nicht verraten.

"Verräterkind" ist ein Roman, der mich zum einen zutiefst erschüttert hat, denn er behandelt harten Tobak, der einen erschaudern lässt. Gleichzeitig hat mich die Geschichte aber auch begeistert. Die Paralellität der beiden Gerichtsprozesse, dess offiziellen Prozesses gegen Barbie, aber auch der schwelende Prozess des Sohnes gegen den eigenen Vater ist brilliant konstruiert. Jeder ist in seiner Identität durch seine eigene Herkunft auf die Eltern zurückgeworfen. Ungereimtheit und Vergehen der Eltern, belasten und irritieren zwangsläufig die eigene Identität. Mit Blick auf Kinder von Opfern ist dies bekannt, doch hier erfahren wir eindrucksvoll, dass Kinder von Tätern gleichermaßen betroffen sind. Die Vergangenheit von Chalandons Vater trübt und belastet dessen Gegenwart - so sehr, dass er sein literarisches Schaffen dieser Thematik widmet und mithilfe der Kraft der Literatur versucht, ins Reine zu kommen. 

Entstanden ist auf diese Weise ein sehr lesenswerter Roman über ein düsteres Kapitel in der europäischen Geschichte, der einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur leistet. Unbedingt lesen! 

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Gespräche aus der Community

Am 21. August erscheint bei dtv der Roman "Wilde Freude" vom großartigen, französischen Schriftsteller Sorj Chalandon. Er erzählt darin die Geschichte vierer Frauen, denen allen das Schicksal nicht wohlgesinnt ist. Wir suchen 50 Leser*innen, die das Buch schon vor dem offiziellen Erscheinungstermin lesen möchten und es anschließend auf LovelyBooks sowie 3 weiteren Seiten rezensieren.

Herzlich Willkommen zu unserer LovelyBooks Premiere zu "Wilde Freude"

Ich bin sehr gespannt, wie euch dieser packende Roman des französischen Autors Sorj Chalandon gefallen wird.

Die Geschichte der an Brustkrebs erkrankten Pariser Buchhändlerin Jeanne, die mit der Unterstützung von 3 anderen Frauen den Kampf gegen den Krebs aufnimmt, nimmt im weiteren Verlauf eine ganz besondere Wendung.

Bitte beachtet, dass wir im Rahmen dieser Premiere 50 Leseexemplare des Buches mit anderem Cover verlosen. Ihr könnt es auf dem angehängten Foto sehen.

Wir möchten alle Gewinner*innen bitten, ihre Rezension ab dem Erscheinungstermin am 21.8. und  spätestens bis zum 27.8.2020 nicht nur hier auf LovelyBooks zu teilen, sondern auch auf drei anderen Plattformen (Buchshops, Blogs und Co.).

Hier können die Rezensionen geteilt werden:

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- Pustet

- buecher.de

Wir freuen uns auf eure Rezensionen!

354 BeiträgeVerlosung beendet

Zusätzliche Informationen

Sorj Chalandon wurde am 16. Juni 1952 in Tunis geboren.

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