Shida Bazyar

 4,1 Sterne bei 250 Bewertungen
Autor*in von Drei Kameradinnen, Nachts ist es leise in Teheran und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Shida Bazyar

Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und war, neben dem Schreiben, viele Jahre in der Jugendbildungsarbeit tätig. Ihr Debütroman »Nachts ist es leise in Teheran« erschien 2016 und wurde u.a. mit dem Bloggerpreis für Literatur, dem Ulla-Hahn-Autorenpreis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. »Drei Kameradinnen« folgte 2021 und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Shida Bazyar

Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783462003543)

Drei Kameradinnen

 (155)
Erschienen am 08.09.2022
Cover des Buches Nachts ist es leise in Teheran (ISBN: 9783462050578)

Nachts ist es leise in Teheran

 (83)
Erschienen am 07.09.2017
Cover des Buches Neue Schule (ISBN: 9783546100076)

Neue Schule

 (0)
Erschienen am 29.11.2021
Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783864847790)

Drei Kameradinnen

 (12)
Erschienen am 31.08.2022

Neue Rezensionen zu Shida Bazyar

Cover des Buches Nachts ist es leise in Teheran (ISBN: 9783462050578)
Catastrophias avatar

Rezension zu "Nachts ist es leise in Teheran" von Shida Bazyar

Eine poetische Kampfschrift, die leider viel zu aktuell ist
Catastrophiavor 11 Tagen


"Das Evin-Gefängnis, ein Ort, der Menschen frisst, fast ein Ort, zu oft besprochen, um wahr zu sein."
In Iran gehen die Proteste noch immer weiter, werden Demonstrierende weiterhin verletzt, eingesperrt, droht das Regime mit Hinrichtungen.
Das Regime, das 1979 eigentlich die Monarchie beenden, den Shah absetzen und für Freiheit und Gerechtigkeit sorgen sollte.
Ziele, für die viele Menschen bereit waren, religiösen (An-)Führern zu vertrauen. Doch schon während des Umsturzes wurde vielen Iraner*innen die Gefährlichkeit (und Macht) dieses neuen Regimes bewusst.

Shida Bazyar erzählt in "Nachts ist es leise in Teheran" die Geschichte einer Familie, die Geschichte von Behsad, der 1979 nach der Vertreibung des Shahs für den Kommunismus kämpft, und der lebenslustigen, bücherliebenden Nahid, die sich verlieben. Die Geschichte eines Paars, das aufgrund seiner politischen Orientierung in ständiger Angst vor dem Regime lebt, schließlich mit den Kindern nach Deutschland zieht.

Die Geschichte eines Paars, dessen politische Ideale und Lebensbejahung von Jahr zu Jahr schwinden, während es darauf wartet, zurückkehren zu können, in Deutschland entweder auf Ablehnung oder klischeebehaftete Exotisierung stößt, während die Kinder immer älter werden in dem Land, das eigentlich nur kurze Zuflucht sein sollte. Und als die Kinder Jahre später das Land ihrer Geburt besuchen, als die Aufstände im Jahr 2009 Hoffnung auf einen Sturz des Regimes machen, erkennen sie das Land aus den Erzählungen kaum wieder.

Bazyars Debüt ist so anders als "Drei Kameradinnen", viel subtiler, aber deshalb nicht weniger eindrücklich. Ich hatte nicht nur beim Lesen selbst Gänsehaut, ich hab' sie auch beim Schreiben dieser Rezension. Der Roman ist aktuell, viel zu aktuell, und er macht über die unterschiedlichen Generationen die zeitliche Dauer der Mullah-Herrschaft wahnsinnig deutlich. Er macht wütend, mich zumindest, und er vermeidet es, bloßes Mitleid zu wecken.

"Nachts ist es leise in Teheran" ist eine poetische, leise Kampfschrift, die ich im Dezember gelesen habe, die mich immer noch beschäftigt und die unbedingt lesenswert ist.

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Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783462003543)
Elenchen_hs avatar

Rezension zu "Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar

Drei Kameradinnen
Elenchen_hvor 14 Tagen

Zur Hochzeit einer ehemaligen Freundin aus der Siedlung, in der sie aufgewachsen sind, finden sich die drei besten Freundinnen Hani, Kasih und Saya wieder zusammen. Während Hani und Kasih in der Großstadt nur ein paar Ecken entfernt voneinander entfernt wohnen, reist Saya extra aus der fernen Metropole an. Die gemeinsamen Tage beginnen vermeintlich harmlos, mit Bier und guten Gesprächen über den Dächern der Stadt - doch in den drei jungen Frauen brodelt es. Sie können nicht abschütteln, was zu ihrem Alltag gehört: Die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihr Zusammenhalt untereinander scheint für sie wie ein Schutzschild - bis am dramatischen Abend der Hochzeit alles auseinanderbricht.


Shida Bazyar erzählt in ihrem 2021 für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman "Drei Kameradinnen" in außergewöhnlicher Form von bedingungsloser Freundschaft, von Rassismus und rechtem Terror in Deutschland, von Resignation und Aufbegehren. Kasih, ihre Erzählerin, allein kennt dabei alle Fakten und Details, sie spricht die Lesenden direkt an, geht mit ihnen ins Gericht und bringt sie in Berührung mit ihren eigenen Vorurteilen und Ressentiments. Im Laufe der Geschichte wird klar, dass Kasih dabei eine höchst unzuverlässige Narratorin ist. Sie schreibt die Geschehnisse, die zu einem Hochhausbrand geführt haben, innerhalb einer Nacht auf und wartet dabei auf ihre Freundin Saya. Die Autorin lässt das Buch so mit einem Knall beginnen, sie wirft die Lesenden durch einen voranstehenden Boulevard-Artikel direkt ins Geschehen, bevor alles Stück für Stück durch vor Kurzem Geschehens und weit in der Vergangenheit Liegendes aufgedröselt wird.


Mich konnte Shida Bazyar mit ihrem harten, aufwühlenden und brandaktuellen Roman sehr begeistern. Sie wirft im Buch die Spotlights an, richtet sie auf alles, was in Deutschland enorm schief läuft, so schief, dass es Menschenleben kostet: Das immerwährende Misstrauen gegen alles vermeintlich Fremde, das so schnell in Hass umschlägt, rechten Terror und wie wir damit gesamtgesellschaftlich umgehen, Täter-Opfer-Umkehr, unmenschliche Debatten um Geflüchtete - ich kann gar nicht alles nennen, was die Autorin so furios und gekonnt anspricht. "Drei Kameradinnen" ist gegenwartsnah, bewegend und hochspannend zugleich - unbedingt lesen!

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Cover des Buches Drei Kameradinnen (ISBN: 9783462003543)
schnaeppchenjaegerins avatar

Rezension zu "Drei Kameradinnen" von Shida Bazyar

Eine Geschichte über Rassismus aus Sicht der Opfer - anklagend und provozierend einseitig, kein Vergnügen für den "weißen" Leser.
schnaeppchenjaegerinvor einem Monat

Ein Zeitungsartikel über einen Brandanschlag mit mehreren Toten. Beschuldigt wird Saya M., die mutmaßlich ein islamistisches Motiv für ihre Tat hatte.

Saya ist anlässlich der Einladung zu einer Hochzeit in ihrer Heimatstadt zu Besuch. Dort trifft sie sich mit ihren beiden Freundinnen Hani und Kasih, mit denen sie aufgewachsen ist. Alle drei haben Migrationshintergrund und seit ihrer Kindheit mit Vorurteilen, Ausgrenzung und ihrer Andersartigkeit zu kämpfen.

Kasih ist die Ich-Erzählerin, die eine Woche zusammen mit ihren Freundinnen schildert, die offenbar mit einem von Saya gelegten Brand endet. Saya ist eine wütende junge Frau, die impulsiv auftritt und aggressiv Streit sucht. Ihre Feindbilder sind die Nazis und eigentlich alle "Weißen". Sie hat eine aufgestaute Wut in sich, die Kasih Sorgen macht. Auch die obsessive Beschäftigung mit einem Prozess gegen Nazis, die wegen Mordes angeklagt sind, empfindet Kasih als bedenklich. Hani hingegen ist zurückhaltend und ruhig. Sie führt ein angepasstes Leben, ist pflichtbewusst und möchte nicht auffallen. Kasih steht in ihrer Persönlichkeit zwischen ihren beiden Freundinnen.


Kasih ist eine unzuverlässige Erzählerin. Sie gibt unumwunden zu, die/ den Leser*in zu "verarschen". Sie beschreibt ihre eigene Realität, nicht alle geschilderten Episoden sind wahr. Sie beschreibt zudem nur das, was sie möchte, spart beispielsweise ihre Herkunft sowie die ihrer Freundinnen aus, um die/ den Leser*in im Ungewissen zu lassen.

Ihre Gedanken schweifen oft ab, wenn sie rückblickend aus der Vergangenheit berichtet. Die Sprünge zwischen den Zeiten machen es gerade zu Beginn schwer, ihr zu folgen und einen Zusammenhang zu erkennen, was noch dadurch unterstützt wird, dass der Roman in keine Kapitel unterteilt ist.

Roter Faden ihrer Schilderungen ist der Alltagsrassismus, mit dem sich die drei Freundinnen konfrontiert sehen. Besonders unbequem ist, dass Kasih die/ den Leser*in direkt anspricht, vielmehr direkt angreift. In ihren Augen scheint jeder weiße Deutsche Rassist oder Nazi zu sein, Polizei und Verfassungsschutz wird misstraut. In dem Buch wird bewusst provoziert, denn die Kameradinnen präsentieren ein Schubladendenken und Vorurteile, die sie umgekehrt den Weißen zum Vorwurf machen.

Es ist erschreckend zu lesen, wie wenig die Frauen sich in Deutschland beheimatet fühlen, auch wenn sie in hier aufgewachsen sind und sehr gute Schul- und Studienabschlüsse haben. Es stimmt nachdenklich, ob die Erzählung, die auch ausgedachte Episoden von Kalih enthält, übertrieben ist, oder ob sie in Konfliktsituationen auch fälschlicherweise Rassismus unterstellt.

Die Erzählung ist extrem einseitig. Das Buch fordert heraus und lässt durch die Anschuldigungen und wenn "deutsch" als Schimpfwort benutzt wird, nicht kalt. Die Erzählweise und bewusste Provokation machen den Roman besonders. Zudem wird durch die Aussparungen Spannung aufgebaut, denn bis zum Schluss bleibt offen, was es mit dem Brandanschlag auf sich hat, wie es dazu kommen konnte und wie viel Schuld Saya trifft. Der Roman schürt Erwartungen, die nicht erfüllt werden und lässt die/ den (weißen) Leser*in mit ihren/ seinen Vorurteilen irritiert zurück.

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