Raif Badawi

 4,7 Sterne bei 13 Bewertungen

Lebenslauf von Raif Badawi

Raif Muhammad Badawi (*1984) ist ein saudischer Intellektueller und Internet-Aktivist. Er gründete 2008 das Online-Forum „Die Saudischen Liberalen“, eine Website über Politik und Religion in Saudi-Arabien, die vom Staat abgeschaltet wurde. Seit 2012 in Haft, wurde er am 9. Januar 2015 auf dem Vorplatz der Al-Dschafali-Moschee in Dschidda öffentlich ausgepeitscht.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Raif Badawi

Cover des Buches 1000 Peitschenhiebe (ISBN: 9783550081200)

1000 Peitschenhiebe

 (13)
Erschienen am 01.04.2015

Neue Rezensionen zu Raif Badawi

Cover des Buches 1000 Peitschenhiebe (ISBN: 9783550081200)
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Rezension zu "1000 Peitschenhiebe" von Raif Badawi

1000 Peitschenhiebe, weil ich sage, was ich denke | Rezension
vivreavecdeslivresvor 6 Jahren

Das wird keine gewöhnliche Buchbesprechung, denn '1000 Peitschenhiebe' ist auch kein gewöhnliches Buch. Denn in diesem Buch sind die Worte, die Raif Badawi so gekonnt aneinandergereiht hat und damit sein Land sorgfältig seziert hat und auf den Grund gekommen ist, um dafür 1000 Peitschenhiebe zu bekommen. Und 10 Jahre Haftstrafe. Und eine Geldbusse. Noch dazu wurde er von seiner Familie getrennt, seine Frau Enrah und ihre beiden drei Kinder unterstützen Raid Badawi so gut es geht von Kanada aus. 
Ihr habt bestimmt alle schon von ihm gehört, und sogar in unserer vergleichsweise kleinen Stadt Zürich gab es eine ziemlich beindruckend lange Zeit über alle drei Wochen eine Mahnwache an zentraler Lage, um auf das Leiden Badawis aufmerksam zu machen, um den Passanten zu zeigen, welches Schrecken abseits unserer so sicheren europäischen Grenzen liegt. Das ist den meisten natürlich bewusst, genauso wie die Brutalität, mit dem Saudi-Arabien regiert wird. Und doch lernte ich in diesem Buch viel Neues, viel Atemberaubendes über dieses Land. Tatsächlich hat mir einiges den Atem verschlagen - beispielsweise schildert er die erste Buchmesse, an welche Frauen sowie Männer, sogar gleichzeitig, zugelassen wurden. In der Gegenwart. Das ist einfach unglaublich.
Ebenso unglaublich ist, dass Raif Badawi eingesperrt wird. Was er tut ist mutig und für das Land bestimmt linksextrem, nehmen wir seine Texte hier eher für gewöhnlich auf, wenn man sie mit provokanten Texten hierzulande vergleicht. Aber für sein Land ist er eine Ausnahme, sprengt er Grenzen und hat deswegen auch eine Bestrafung 'verdient', wie Saudi-Arabien anordnete. Mich schockierte wirklich, dass seine Stellungsnahmen in den Texten gar nicht so radikal waren, wie ich sie mir vorgestellt habe. Und das relativierte nochmals ganz stark meine Vorstellung von Saudi-Arabien, neben allem, was ich nun über das Land weiss.
"Diese Streitschrift versammelt die zentralen, verbotenen Texte Badawis. Sie zeigen die Spannungen zwischen einer traditionellen Auslegung des Islam und dem Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben in der Gegenwart. Badawi fordert Liberalismus, Toleranz, Pluralität, Meinungsfreiheit und Menschenrechte - weil sonst die arabisch-islamische Welt verloren ist." steht hinten auf dem Buch geschrieben. Das beschreibt zwar Badawis Texte und Meinungen ganz gut, dennoch fühlte sich nicht alles beim Lesen gut an - immer wieder war ich verwirrt oder stimmte ganz einfach nicht zu, was zum Beispiel schon im Vorwort von Constatin Schreiber für Aussagen getätigt wurden. Denn wenn Raif Badawi gelobt wird, werden im gleichen Atemzug andere Denker wie ihn kritisiert, weil sie sich 'auf und davon' gemacht haben, weil sie nicht vor Ort für ihre Freiheit gekämpft haben, sondern das Land verlassen haben. Und ja, damit vielleicht egoistisch sind. Aber kann man es ihnen wirklich vorwerfen, wenn man selbst noch nie in einem Land wie Saudi-Arabien, oder nein, einfach in Saudi-Arabien selbst gelebt hat? Natürlich zeugt das von Badawis Mut und Andersartigkeit, allerdings habe ich eben auch Mühe mit solchen Äusserungen. 

Das Buch oder die Texte darin sind in vier Kapitel eingeteilt, I: Terror, Krieg und Frieden - Islam, Scharia und PolitikII: Leben und leben lassen - Liberalismus und GesellschaftIII: 1001 Rotlichnacht - Zum Verhältnis von Männern und FrauenVI: Kultur des Todes - Nahost-Politik und Arabischer Frühling
Im ersten Kapitel bekommen wir so bisschen mit, wie das Leben dort funktioniert, wie eng Politik und Religion miteinander verwoben, verworren sind und wie besonders die einfachen Menschen so mir nichts, dir nichts täglich von den Medien in ein völlig verschobenes Weltbild gesetzt werden und stark beeinflusst werden von all den Lügen, die sie wissentlich von sich geben. Er begegnet dem mal mit Sarkasmus, mal mit offener Schockiertheit - aber schockiert sind wir Unwissenden allemal mehr.
Das zweite Kapitel, welche sich vor allem mit Liberalismus beschäftigt, muss man wieder distanzierter betrachten. Es geht einerseits gar nicht um den hier oft wirtschaftlich konotierten Liberalismus, sondern wirklich um die politische Haltung - beides kann ich so nicht immer unterschreiben und sehe sie hier auch als 'mittiges Ding' an, für Saudi-Arabien wäre aber etwas nahe dem Liberalismus unglaublich fortschrittlich, und das begründet er auch gut. 
Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern, welches hier angespochen wird, ist immer sehr spezifisch. Er erklärt uns gut einige unglaublich patriarchalische Grundzüge Saudi-Arabiens und zum Beispiel unvorstellbare Eheschliessungen, die so aber sogar gesetzlich verankert sind. Es ist wirklich unglaublich, wie rückschrittlich dieser Staat ist, so oft dürfen Frauen dort nicht arbeiten.
Kapitel Vier und Abschluss des Buches plädiert eigentlich gegen seinen Titel für eine Kultur des Lebens und wünscht sich eine schönere, buntere, frühlingshaftere Zukunft für Saudi-Arabien.
Ich möchte euch das Buch wirklich ans Herzen legen - bei den Ullstein Streitschriften erschienen, ist das Buch allerdings ein Non-Profit Projekt, was bedeutet, das der Erlös oder Umsatz komplett dem Autor zugute kommt, was ich sehr unterstützenswert finde. Denn was hier geschieht, ist etwas ganz anderes, was dort geschieht. Wir können, teilweise leider, teilweise zum Glück, unsere Aufklärung nicht auf das Land dort übertragen, wir müssen sogar einem so schrecklich rückschrittlichen Land wie Saudi-Arabien die Zeit geben, um sich umzustrukturieren, sich umzuwandeln und Intellektuelle wie Raid Badawi zu gebären. Andererseits wäre die Aufklärung nämlich nicht echt und könnte in Sekundeschnelle wie ein Luftschloss zerplatzen. Das Einizige, was wir tatsächlich tun können und tun müssen, so überzeugt hinterlässt mich dieses Buch, ist, die Tatsache zu akzeptieren und Rebellen vor Ort zu unterstützen, indem wir sie lesen, indem wir sie zu verstehen versuchen, in dem wir den Kampf dort verfolgen und sein Bestes wünschen. 
http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/03/1000-peitschenhiebe-weil-ich-sage-was.html

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Cover des Buches 1000 Peitschenhiebe (ISBN: 9783550081200)
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Rezension zu "1000 Peitschenhiebe" von Raif Badawi

1000 Peitschenhiebe
Tigerbaervor 6 Jahren

Eine Rezension hat mich auf „1000 Peitschenhiebe“ aufmerksam werden lassen.

Die Streitschrift versammelt auf etwas über 60 Seiten vierzehn Texte von Raif Badawi. Der saudi-arabische Blogger hat seine Gedanken über Politik, Religion und Freiheit geäußert und wurde dafür 2012 in Saudi-Arabien zu 1000 Peitschenhieben, einer hohen Geldstrafe und zehn Jahren Haft verurteilt. Seine Frau musste mit den drei Kindern nach Kanada fliehen.

Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, eine Lesart des Liberalismus in Saudi-Arabien zu finden und meinen Teil zur Aufklärung meiner Gesellschaft beizutragen. Ich habe versucht, die Mauern der Unwissenheit niederzureißen, die Heiligkeit des Klerus zu brechen, ein wenig Pluralismus zu verbreiten und Respekt vor Werten wie Ausdrucksfreiheit, Frauenrechten und den Rechten von Minderheiten und Mittellosen in Saudi-Arabien.“ (Vorwort – Brief aus dem Gefängnis)

Mit Hilfe von Raif Badawis Frau hat Constantin Schreiber als Herausgeber die Texte rekonstruiert, da diese leider nicht vollständig erhalten sind und behutsam übersetzt.

Das Büchlein erscheint als Non-Profit-Projekt zugunsten des Autors.

Zu sagen, was man denkt ist Ausdruck der persönlichen Meinungsfreiheit und für uns, die wir in einem demokratischen Staat leben eine Selbstverständlichkeit. Wenn man ganz natürlich mit diesem Privileg aufgewachsen ist, erscheint es einem als etwas Alltägliches und gar nicht so besonders.

Das Schicksal von Raif Badawi macht mir deutlich, dass ich meine Freiheit im Denken und Handeln gar nicht hoch genug wertschätzen kann, diese nicht selbstverständlich ist und auch ich in einer Demokratie Tag für Tag für diese Werte einstehen muss.

Kommentare: 3
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Cover des Buches 1000 Peitschenhiebe (ISBN: 9783550081200)
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Rezension zu "1000 Peitschenhiebe" von Raif Badawi

Nichts totschweigen!
Milagrovor 6 Jahren

Raif Badawi ist politischer Häftling. Er ist 2012 in seiner Heimat Saudi-Arabien zu 10 Jahren Haft, einer hohen Geldstrafe sowie zu 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. 
Anklagepunkt war seine Vorstellung, dass alle Menschen gleichwertig seien. Richtig gelesen. Für das Gericht allerdings eine terroristische Handlung und damit strafbar. Auch sein Verteidiger ist übrigens nach dem Prozess verurteilt worden.
Haft und Gewalt, weil er für einen westlichen Betrachter völlig selbstverständliche Dinge ausspricht: Das Recht auf Selbstbestimmung, auf freie Meinungsäußerung, und das Recht, als Frau ohne einen männlichen Begleiter unterwegs sein zu können. Das kleine Heftchen enthält eine Sammlung einiger Texte, die in Zeitungen erschienen sind und einer größeren Anzahl von Blogeinträgen. Die Sammlung erschien mir zunächst gar nicht so brisant, Raif schreibt nur die Umstände auf, in denen wir selbst leben. Das war - jedenfalls teilweise -  auch noch vor einer gar nicht so langen Zeit in Saudi-Arabien möglich. So beschreibt er zB, dass seine Großmutter noch gemeinsam mit Männern feiern konnte, was heute unmöglich ist.  Dann merkte ich, dass das, was er schrieb, tatsächlich sehr brisant war. 

Dass das , was wir als selbstverständlich erachten, heute in Saudi-Arabien nicht möglich ist, ist einerseits erschütternd, andererseits bei Studium der leider oftmals nicht sehr ausführlichen Informationen zur politischen Situation in arabischen Ländern vorhersehbar. Die Textsammlung ist ein wirklich sehr wichtiger Beitrag zur Aufklärung. Ich habe das Buch bereits mehrfach verschenkt, die Erlöse aus dem Verkauf gehen an die Familie des Bloggers, die zwischenzeitlich in Kanada lebt.  
Hoffentlich findet diese Sammlung mutiger Texte viele Leser. 

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