Percival Everett

 4,2 Sterne bei 100 Bewertungen
Autor*in von Erschütterung, Erschütterung und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Percival Everett

Percival Everett, geboren 1956 in Fort Gordon/Georgia, ist Schriftsteller und Professor für Englisch an der University of Southern California. Er erhielt zahlreiche Preise, u.a. den PEN USA 2006 Literary Award und den Academy Award for Literature der American Academy of Arts and Letters.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Die Bäume (ISBN: 9783446276253)

Die Bäume

 (2)
Erscheint am 20.02.2023 als Gebundenes Buch bei Hanser, Carl.
Cover des Buches Die Bäume (ISBN: 9783867374125)

Die Bäume

Erscheint am 31.03.2023 als Hörbuch bei Audiolino.

Alle Bücher von Percival Everett

Cover des Buches Erschütterung (ISBN: 9783446272668)

Erschütterung

 (83)
Erschienen am 24.01.2022
Cover des Buches God’s Country (ISBN: 9783293207332)

God’s Country

 (3)
Erschienen am 15.04.2016
Cover des Buches Ausradiert (ISBN: 9783938973080)

Ausradiert

 (3)
Erschienen am 01.11.2008
Cover des Buches Die Bäume (ISBN: 9783446276253)

Die Bäume

 (2)
Erscheint am 20.02.2023
Cover des Buches Erschütterung (ISBN: 9783732471393)

Erschütterung

 (8)
Erschienen am 26.01.2022
Cover des Buches Die Bäume (ISBN: 9783867374125)

Die Bäume

 (0)
Erscheint am 31.03.2023
Cover des Buches Telephone. (ISBN: 9781644450222)

Telephone.

 (1)
Erschienen am 21.09.2021
Cover des Buches American Desert (ISBN: 9780571226610)

American Desert

 (0)
Erschienen am 21.04.2005

Neue Rezensionen zu Percival Everett

Cover des Buches Die Bäume (ISBN: 9783446276253)
B

Rezension zu "Die Bäume" von Percival Everett

Percival Everett - Die Bäume
birgitdvor einem Monat

Es ist eine spannende Lektüre über rätselhafte Todesfälle in der Stadt Money
Die mit rassistischen Morden früherer Generationen in Zusammenhang zu stehen scheinen.
Das weiße Sheriff Department bekommt es mit zwei schwarzen Agenten zu tun, die versuchen, herauszufinden, was passiert ist.
Das Buch behandelt ein schwieriges Thema auf humorvolle und unterhaltsame Weise
Ich wusste nichts über die Geschichte von Emmett Till, und so war es interessant, mehr über den schrecklichen Mord an dem jungen Schwarzen in den 1960er Jahren zu erfahren.
Dieses Buch behandelt das Thema der rassistischen Morde auf so einzigartige Weise, dass es leicht war, sich in die kurzen Kapitel zu vertiefen.
Dieses Buch will viel mehr vermitteln als eine einfache Kriminalgeschichte und hüllt seine Message sehr effektiv in eine höchst attraktive, rasante Komödie.

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Cover des Buches Erschütterung (ISBN: 9783446272668)
Arizonas avatar

Rezension zu "Erschütterung" von Percival Everett

Schwere Kost
Arizonavor 4 Monaten

Das Kind erkrankt an einer unheilbaren Krankheit, was natürlich eine große Belastung für die ganze Familie bedeutet. Für den Vater Zach Wells, Dozent an der Uni und gefangen in einer unglücklich wirkenden Ehe, dreht sich sein Leben größtenteils um seine Tochter. Dann treten bei ihr die ersten gesundheitlichen Probleme auf, erst Sehstörungen, dann auch Gedächtnislücken und Anfälle. Das Leben gerät aus den Fugen - daher der Titel.

Es gibt aber noch einige Nebenspielplätze, so z.B. die einsame Kollegin an der Uni, die keine Festanstellung bekommt, dann die Geschichte seines depressiven Vaters. Und noch der zweite Erzählstrang, wo Zach mit der Lieferung eines Pullis, den er online bestellt hat, einen Zettel mit einem Hilferuf einer mexikanischen Frau erhält. Das lässt ihm keine Ruhe und er fängt an Detektiv zu spielen. Dies macht er - denke ich - um sich von Schicksal seiner Tochter abzulenken, um irgendwo anders helfen zu können, wenn er es schon zuhause nicht kann. Ja, es ist quasi eine Flucht.

Für mich wirkt es aber sehr weltfremd, denn ist es wirklich zielführend seine Frau mit ihren Schmerz allein zu lassen, um in der Weltgesichte herumzureisen und zu versuchen dort etwas zu bewirken, was man zuhause nicht kann. Für mich gar nicht nachvollziehbar, und es hat mich wütend gemacht.

Für mich ist ein Buch schwer zu lesen mit diesem Thema, dass ein Kind schwer erkrankt. So habe ich das Buch auch einmal abgebrochen, mich aber dann für die letzten Kapitel noch einmal aufgerafft. Und wurde enttäuscht, denn das Ende war für mich wirklich zu abstrus. Alles in allem für mich keine gelungene Mischung, und deutlich zu viel Drama, auf allen Ebenen.

Kommentare: 1
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Cover des Buches Erschütterung (ISBN: 9783446272668)

Rezension zu "Erschütterung" von Percival Everett

»Ein zartes, gewaltiges Kunststück« (The New York Times)
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Monaten

»Ein zartes, gewaltiges Kunststück« (The New York Times)⁣

Ich beginne meine Rezension mit diesem kleinen, großen Kuriosum:⁣

Die englische Originalausgabe, »Telephone«, ist in drei verschiedenen Versionen erhältlich, deren Cover so minimal voneinander abweichen, dass sie auf den ersten Blick identisch erscheinen. So weit, so unspektakulär.⁣

Aber tatsächlich finden sich auch im Inhalt mehr oder weniger auffällige Abweichungen! Viele davon sind nahezu bedeutungslos: hier ein Semikolon statt einem Komma, da ein Satz in indirekter statt direkter Rede. In einer Version wurden alle Kapitelüberschriften durch Buchtitel von Thomas Hobbes ersetzt. Dazu kommen scheinbare Fehler, wie zum Beispiel ein Highway, der durch die in einer Version angegebene Nummer eigentlich in einem anderen Bundesstaat verlaufen müsste.⁣

All diese Unstimmigkeiten zusammengenommen erzeugen schon einen Grundton des Unwirklichen, des unbehaglichen Zweifels. Hier liegt die Erklärung für den Titel des Romans: »Telephone« ist der Name des Spiels, das im Deutschen »Stille Post« heißt. Bei jeder Station gehen Informationen verloren und werden verzerrt. Aber die drei Versionen des Buches haben durchaus auch gravierendere Unterschiede: Gedanken führen zu zu Handlungen oder auch nicht. Pläne werden durchgezogen oder auch nicht. Auch die jeweiligen Enden sind nicht zu hundert Prozent deckungsgleich.⁣

Welch passender Rahmen für die Geschichte eines Vaters, dessen Welt aus den Angeln gehoben wird! Meines Wissens gibt es aber nur eine deutsche Version.⁣

Jetzt aber zur eigentlichen Rezension:⁣

Paläontologe Zach Wells hat sich in einem Leben ohne Höhepunkte und Besonderheiten eingerichtet; er wird es nicht müde, die Leser:innen darauf hinzuweisen, dass er nichts Besonderes ist. In seinem Beruf ist er zwar durchaus erfolgreich, innerhalb seines Forschungsgebiets eine Koryphäe – jedoch, so betont er, sind andere Menschen in vielerlei Hinsicht doch deutlich intelligenter, aufregender, interessanter als er. So ganz kaufe ich ihm das ja nicht ab, dieses Gegenteil von Selbstbeweihräucherung, das sich dennoch anfühlt wie Prahlerei … Zack suhlt sich förmlich in seiner vermeintlichen Gewöhnlichkeit, aber da ist immer auch eine Spur staubtrockener Humor. Ein Augenzwinkern, das sagt, dass er sicher seiner eigenen Intelligenz dann doch bewusst ist. Ein kleiner Funke Licht, der die Melancholie durchbricht.⁣

Übrigens dauerte es eine Weile, bis ich begriff, dass Zach schwarz ist. Es wird weder ausdrücklich gesagt, noch angedeutet, bis es im Rahmen der Geschichte tatsächlich eine Rolle spielt. Percival Everett sagte einmal in einem Interview mit NBC News:⁣

»Unless there’s a reason to specify race in a scene, why should I feel compelled to do so? I don’t think I have to have my character cross 125th Street and Lenox Avenue and comb his afro in the first 10 pages.«⁣

(»Wenn es keinen Grund gibt, in einer Szene Rasse zu erwähnen, warum sollte ich mich gezwungen fühlen, dies zu tun? Ich glaube nicht, dass ich meine Figur auf den ersten zehn Seiten über die 125th Street und Lenox Avenue laufen lassen und ihren Afro kämmen lassen muss.«)⁣

In seiner Ehe zelebriert Zach ebenfalls die zufriedene Gewöhnlichkeit, das emotionale Understatement. Er mag seine Frau, aber er liebt sie nicht, und er glaubt, dass ihr das umgekehrt genauso geht. Warum sollte er etwas daran ändern? Es funktioniert doch, er vermisst da nichts; es gibt keine Höhen, aber auch keine sonderlichen Tiefen. Zugegeben, manchmal sitzt er in seinem Auto und erwägt, sich umzubringen. Aber das sind nur kurze Episoden, kein Grund zur Beunruhigung. In der Stasis fühlt sich Zach in seinem Element.⁣

Nur die Liebe zu seiner Tochter überwindet das Mittelmaß, durchbricht Zachs Lethargie. Er liebt sie ohne jede Zurückhaltung; die intelligente 12-Jährige ist sein Stern, sein Lebenssinn. Daher erschüttert es seine Welt in den Grundfesten, als sie zunehmend schlechter sieht, auf einmal böse Patzer beim Schach macht und letztendlich eine Diagnose erhält, die auf schrecklichste Art außergewöhnlich ist. Schon vor der unvermeidlichen Tragödie zerreißt Zach die Trauer, als habe er Sarah bereits verloren.⁣

Als er in einem gebraucht gekauften Hemd einen versteckten Hilferuf findet, stürzt er sich auf die neue Aufgabe wie auf einen Rettungsring. Er kann seine Tochter nicht retten, daher muss er stellvertretend irgendjemanden retten. Hier wird das Drama manchmal geradezu zum Krimi, was auch Leser:innen kleine Fluchten erlaubt.⁣

Geht es hier um Trauer?⁣

Ja und nein und indirekt dann doch. Das offensichtliche Grundthema des Romans ist die wortwörtlich zum frühen Tode verurteilte Vater-Tochter-Beziehung, aber dahinter stehen allgemeingültigere Leitmotive:⁣

Immer wieder geht es um die Dichotomie von Stillstand und Wandel – wobei anklingt, dass wir auch im Wandel nicht vollkommen frei sind. Herkunft, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Bildung und finanzielle Situation unserer Eltern, all das bestimmt die Möglichkeiten, die uns tatsächlich zur Verfügung stehen. Zach stünden alle Wegen offen, um sich neu zu erfinden, ein Leben des steten inneren Wachstums zu führen, aber er wählt immer und immer wieder die Stasis, mal bewusst, mal unbewusst.⁣

Seine gewählte Stasis spiegelt sicher nicht zufällig die ihm aufgezwungene Stasis: Sein Vater setzte seinem eigenen Leben ein Ende, seine Tochter verliert ihre Persönlichkeit schon vor ihrem drohenden Tod. Zwei Beziehungen, durch den Tod bis in alle Ewigkeit eingefroren.⁣

Es geht um Trauer, ja. Es geht um Schuld und Erlösung. Es geht darum, wie wir irgendwo zwischen Absicht und Aktion die Kontrolle über unsere Leben verlieren können. Es geht um emotionale Wahrheiten, die auch im Angesicht kalter Fakten nicht weniger wahr werden. Und immer wieder ist da so ein Gefühl, dass die Geschichten, die wir uns selber erzählen, nicht weniger wichtig sind als das tatsächliche Geschehen.⁣

Der Schreibstil lässt aufhorchen, überzeugt mit feiner Selbstironie und psychologischer Prägnanz. Das Ungesagte spricht klar und deutlich aus den Pausen, den Brüchen; es sind gerade die Leerstellen, in denen die Charaktere einen ungeahnten Tiefgang entwickeln. Trauer, Schmerz, Angst, Verzweiflung, das alles springt dich als Leser:in aus den Seiten geradezu an, ohne jegliches Pathos, ohne Betroffenheitskitsch. Der feine Humor ist Balsam für die geschundene Leser:innenseele.⁣

Everetts Prosa ist oft distanziert, manchmal schmerzlich roh, immer zum Niederknien schön.⁣

Fazit⁣

Der Paläontologe Zach Wells existiert in selbsterwähltem Stillstand. Er ist leidlich zufrieden mit seiner Arbeit, seiner Ehe, seinem Leben, warum also etwas ändern? Nur die Liebe zu seiner Tochter Sarah ist ein Lichtblick, ein strahlender Komet am Himmel seiner Mittelmäßigkeit. Als das kleine Mädchen jäh erkrankt – unheilbar, unerträglich – erschüttert das Zachs Existenz in den Grundfesten. Er kann nicht umgehen mit der eigenen Hilflosigkeit; die bislang so bequeme Stasis wird zur Zwangsjacke, die ihn sehenden Auges und klaren Verstands zur Untätigkeit verdammt.⁣

Als er in einem gebraucht gekauften Kleidungsstück einen Hilferuf findet, stürzt er sich in eine dramatische Übersprungshandlung – eine Rettungsaktion, die ihn in die Wüste New Mexicos und in Lebensgefahr bringen wird.⁣

Percival Everett erzählt eine Geschichte voller feiner Nuancen und tiefsinniger Bedeutungsebenen, und das in einer wunderbaren klaren Sprache, die ohne Pathos mitreißt und bewegt. Mir wird “Erschütterung” sicher lange im Gedächtnis bleiben, und ich habe vor, jetzt auch alle anderen Bücher des Autors zu lesen. (Noch sind nicht alle ins Deutsche übersetzt, aber das macht nichts, ich lese auch gerne auf Englisch.)⁣


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