Paul Beatty

 4 Sterne bei 32 Bewertungen

Lebenslauf von Paul Beatty

Paul Beatty wurde 1962 in Los Angeles geboren, absolvierte dort die High School und zog anschließend an die Ostküste der USA, um dort kreatives Schreiben am Brooklyn College zu studieren. Außerdem erlangte an der Boston University einen Master in Psychologie. Bevor er sich als Schriftsteller selbstständig machte, trat er als Poetry-Slammer auf. Sein zweiter Roman "Slumberland" spielt in Berlin und handelt von einem amerikanischen DJ. Sein neuester Roman "The Sellout" ist ein satirisches Werk über die Beziehungen von Schwarzen und Weißen in den USA, für das Beatty 2015 den National Book Critics Circle Award sowie 2016 den Man Booker Prize erhielt. Er ist somit auch der erste US-amerikanische Autor, der den britischen Literaturpreis gewonnen hat. Paul Beatty lebt zur Zeit in New York City.

Alle Bücher von Paul Beatty

Cover des Buches Der Verräter (ISBN: 9783442719549)

Der Verräter

 (17)
Erschienen am 13.04.2021
Cover des Buches Slumberland (ISBN: 9783596186136)

Slumberland

 (4)
Erschienen am 05.12.2011
Cover des Buches Tuff (ISBN: 9783442716661)

Tuff

 (2)
Erschienen am 10.01.2022
Cover des Buches Schlechter tanzen (ISBN: 9783442716654)

Schlechter tanzen

 (2)
Erschienen am 12.11.2018
Cover des Buches Der Sklavenmessias (ISBN: 9783871343032)

Der Sklavenmessias

 (1)
Erschienen am 01.01.1999
Cover des Buches Slumberland (ISBN: 9783442716678)

Slumberland

 (1)
Erschienen am 10.06.2019
Cover des Buches The White Boy Shuffle (ISBN: 031228019X)

The White Boy Shuffle

 (1)
Erschienen am 01.05.2001

Neue Rezensionen zu Paul Beatty

Cover des Buches Tuff (ISBN: 9783442716661)
BettinaR87s avatar

Rezension zu "Tuff" von Paul Beatty

Vom Dealer zum Lokalpolitiker
BettinaR87vor 9 Monaten

Winston Forshay, genannt Tuff oder Tuffy, lebt mit Frau, Kind und Freunden in Harlem. Als er sehr knapp dem klischeevollen Tod eines Schwarzen Dealers – der Kugel eines Konkurrenten – entgeht, sortiert er sein Leben neu. Der groß gebaute, waffenscheue Tuff sucht nach Orientierung und findet sie nicht nur in seinem Umfeld, sondern auch in sich selbst. Inez, eine ehemalige Mitarbeiterin von Malcom X, finanziert ihm den Wahlkampf für dem Stadtrat. Seine Freunde sind seine Bindung zu seiner Herkunft und der Schwarze Rabbi Spencer begleitet ihn als Journalist. Dass man als Politiker in etwa so viel verdient wie als Drogenhändler rundet das Paket in Tuffs Augen nur noch besser ab …

Der Leseindruck

Der Ton ist das erste, was den meisten Leser:innen auffallen dürfte. Einige haben ihn beispielsweise auf Instagram direkt abgelehnt: rassistisch, sehr umgangssprachlich. Lasst uns hier kurz reflektieren: Warum fällt es negativ auf? Weil die jungen, Schwarzen Protagonist:innen sich nicht wie die gehobene Mittelschicht Deutschlands ausdrücken? Wäre das denn überhaupt akkurat? Nein. Den Ton eines Buchs über Minderheiten dafür zu kritisieren, dass er nicht dem der Mehrheit entspricht, ist tiefgreifend falsch. Wer als Mehrheits-Angehörige:r divers lesen möchte, muss dafür offen sein, dass Bücher nicht auf deinen persönlichen Geschmack zugeschnitten sind, sondern etwas reflektieren, das einfach mal gar nichts mit dir zu tun hat. Und wer als nicht-Minderheit dieses Buch liest, taucht in diesem Fall ein in Harlem, in dem eben ganz absichtlich nicht-weiße Protagonist:innen sprechen. Das ist eine neue Darstellung für dich? Dann lehn sie nicht wegen ihren ureigenen Eigenarten ab, sondern setz dich hin und hör‘ erst mal zu. Es ist alles wirklich völlig neu für dich, eine ganz neue Welt, wie du sie noch nie gesehen hast? Dann solltest du in Betracht ziehen, dass du extrem wenig divers liest. Das Buch ist final nicht dazu da, dir ein gutes Gefühl über dich selbst zu geben.

Tauchen in dem Buch unter anderem auch Rassismen gegenüber anderen Minderheiten auf? Ja, in der Tat. Das ist mit Sicherheit so gewollt, denn es geht nicht darum, eine Gruppe Schwarzer Jugendlicher in einem gesellschaftlich gestriegelten Roman zu präsentieren. Es geht hier durchaus um Authentizität und genau diesen Rassismus, aber im Speziellen eben diese Gruppe in den Straßen von Harlem.

Nicht zuletzt ist das Buch als Satire gekennzeichnet und soll damit überzogen kritisieren, verspotten und anprangern. Dazu braucht es Ecken und Kanten bei den Personen und den Handlungen. Hineininterpretieren kann man damit vieles. Das Buch ist im Original übrigens schon im Jahr 2000 erschienen, damit stehen unsere Wahrnehmungen heutzutage mit Sicherheit anders, als sie es vor 22 Jahren gewesen wären.

Doch am Ende steht trotz aller Satire die Hoffnung. Am Anfang ist Tuffy jemand, der sich selbst nicht als Politiker sieht – weil die vorwiegend weiße Gesellschaft ihm diesen Eindruck verschafft hat. Er denkt das von sich, was ihm über sich vermittelt wurde und dass es klare Grenzen gibt, die er nicht übertreten kann, ohne das soziale Gefüge ins Wanken zu bringen. Und am Ende ist er Stadtrat und damit immer noch er selbst, aber eben noch mehr er selbst, als er es jemals war. Das heißt nicht, dass jede:r den Weg des Lokalpolitikers gehen muss! Dies ist nach wie vor Satire und Fiktion. Aber so man möchte, nimmt man die Hoffnung und Motivation mit in das eigene Leben, vermeintliche Grenzen zu überschreiten.

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Cover des Buches Tuff (ISBN: 9783442716661)
Filip2806s avatar

Rezension zu "Tuff" von Paul Beatty

Tuffy und seine Kandidatur
Filip2806vor einem Jahr

In letzter Zeit greife ich sehr gerne auf gesellschaftskritische Romane zurück, wenn ich merke, dass ich mal eine kleine Pause von Thrillern sowie Krimis brauche. Diesmal habe ich mich für den neu erschienenen Roman „Tuff“ von Paul Beatty entschieden.

In Beattys neuen Roman geht es nach New York, East Harlem. Mitten in der Großstadt treffen wir auf den neunzehn Jahre alten, afroamerikanischen und 150kg schweren Winston, der unter seinen Freunden auch unter dem Spitznamen „Tuffy“ bekannt ist. Sein Leben war bisher nicht sehr einfach, sodass er sich zurzeit auch nur knapp über Wasser halten kann. Dann wird ihm 20.000€ angeboten, falls Tuffy für den Stadtrat kandidieren wird. Er akzeptiert das Angebot und so startet der Protagonist eine der ausgefallensten Wahlkampagnen der Geschichte. Eine Wahlkampagne, an die sich viele erinnern werden.

Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, da es nach New York geht, wo ich vor zwei Jahren einen richtig tollen Urlaub hatte. Ich finde, dass es dem Autor sehr gelungen ist, das New York zu der Handlungszeit darzustellen. Sehr detaillierte Beschreibungen und eine tolle Atmosphäre. Man merkt die gesellschaftlichen Unterschiede vor Ort sowie die damit verbundene Gesellschaftskritik.

Als Leser begibt man sich anhand kleinen Alltagsmomenten auf eine kleine Reise durch New York an der Seite von Tuffy und seinen Freunden. So lernt man Spencer, einen Rabbiner; Fariq, einen gehandicapten Muslim mit einem Faible für Bankraub; Inez, eine ehemalige Mitarbeiterin von Malcolm X und zuletzt Tuffys Frau Yolanda. Die Figuren sind mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichnet und man hat im Buch viel Zeit sich mit den Figuren auseinanderzusetzen. Auch wenn die Figurengestaltung nicht unterschiedlicher sein könnte, haben die Figuren eins gemeinsam: Sie träumen von einem Leben jenseits der bestehenden Verhältnisse. Die Gespräche unter den Figuren sind mit viel Humor gehalten, können aber auch darüber hinaus eine tiefgründige Seite offenbaren.

Die Sprache ist in dem Buch sehr locker gehalten, sodass es auch des Öfteren zu einer vulgären sowie einfachen Sprache kommt. Zudem benutzen einzelne Figuren Wörter, die heute in unserer Gesellschaft als rassistisch angesehen werden, jedoch zur damaligen Zeit gang und gäbe waren. Da selbst Tuffy und die anderen Figuren auf eine derartige Sprache untereinander zurückgreifen, wirkt das Buch noch viel authentischer.

Fazit: „Tuff“ war meiner Meinung nach, ein interessanter, humorvoller sowie gesellschaftskritischer Roman, der besonders durch eine tolle Figurenausarbeitung sowie –Darstellung mich gut unterhalten hat. Folglich bewerte ich das Buch mit starken vier Sternen.

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Cover des Buches Der Verräter (ISBN: 9783630875750)
renees avatar

Rezension zu "Der Verräter" von Paul Beatty

Eine Rückkehr zum Rassismus, von Afroamerikanern gewollt?!?!
reneevor 3 Jahren

Ein eigenwilliges Buch! Absolut interessant und vollkommen außergewöhnlich! Wahrscheinlich ist dieses Buch, nachdem ich kurz vorher "Oreo" von Fran Ross gelesen hatte, genau zur richtigen Zeit gekommen. Denn die beiden Bücher sind sich ähnlich. Nicht umsonst werden im Verräter Bezüge zu Fran Ross hergestellt. Denn in ihrem verqueren Denken, in ihrem unbequem und sperrig sein, in ihrem unangenehme Gedanken äußern haben beide Bücher deutliche Berührungspunkte. Auch der Humor ist ähnlich gelagert. Und ebenso sind beide Bücher unterhaltend, wie auch nachdenklich machend, bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus. Ich hatte den Verräter schon einmal begonnen und wieder weggelegt, aber jetzt, nach "Oreo", war seine Zeit. Ich empfand es als ein interessantes und unangenehmes Buch, aber jemand, der unsere Moral hinterfragt, sollte meiner Meinung nach durchaus gehört werden. Denn über solche Fragen nachzudenken kann nicht schaden. Ein wirklich lesenswertes Buch!


Paul Beatty blickt in diesem Buch über/mit seinem afroamerikanischen Ich-Erzähler auf die USA, auf die Vergangenheit und auf das Jetzt, auf die Stellung der Afroamerikaner in diesem Land und ist dabei richtig bissig. Dabei unterlegt er seinen bissigen/boshaften/satirischen Blick mit vielen Fakten zum Thema Rassismus und der Stellung der Afroamerikaner in den USA. Der Autor betätigt sich auch als Poetry-Slammer, dies merkt man dem Text durchaus an und deshalb gebührt dem Übersetzer Henning Ahrens wirklich ein tosender Beifall, denn dieses Buch so zu übersetzen war mit Sicherheit nicht einfach. Der Autor blickt auf die Afroamerikaner und ihr Leben in den USA, blickt auf den weiter bestehenden Rassismus und lässt seinen afroamerikanischen Ich-Erzähler zu dem fulminanten und provokativen Schluss kommen, ein Zusammenleben der Rassen funktioniert nur mit dem Rassismus und Rassentrennung und führt diese kurzerhand in seiner fiktiven Heimatstadt Dickens, in SZ-Los Angeles, wieder ein. Hominy Jenkins, ein etwas verrückter ehemaliger Kinderstar der Kleinen Strolche bittet den Ich-Erzähler sogar, ihn wieder als Sklaven zu halten, damit er wieder weiß, wohin er gehört. Dem Wunsch kommt der Ich-Erzähler nach und landet dafür und für die Einführung der Rassentrennung vor einem marihuanageschwängerten Gerichtsverfahren. Und in dieser denkwürdigen Gerichtsverhandlung offenbaren sich die verschiedenen Geisteshaltungen in den USA, denn eigentlich sitzt auch die "political correctness" vor Gericht. 


Außergewöhnlich, bissig, böse, sperrig, unbequem = Lesen!!!

Kommentare: 3
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Zusätzliche Informationen

Paul Beatty wurde am 01. Januar 1962 in Los Angeles (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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