Miriam Toews

 3,7 Sterne bei 85 Bewertungen
Autorin von Ein komplizierter Akt der Liebe, Die fliegenden Trautmans und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Miriam Toews

Miriam Toews wurde 1964 in Steinbach, einer Mennonitengemeinde im Staat Manitoba in Kanada. Sie studierte Geisteswissenschaften und Journalismus an der University of Manitoba sowie an der University of King's College in Halifax. Nach ihrem Studium arbeitete sie als freiberufliche Journalistin für Presse und Rundfunk. Der internationalen Durchbruch geland ihr mit ihrem Roman »Ein komplizierter Akt der Liebe« welche sich ein Jahr lang auf den kanadischen Bestseller-Listen hielt und mit dem renommierten Governor General’s Literary Award ausgezeichnet wurde. Miriam Toews lebt und arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Winnipeg.

Alle Bücher von Miriam Toews

Cover des Buches Ein komplizierter Akt der Liebe (ISBN: 9783455006759)

Ein komplizierter Akt der Liebe

 (20)
Erschienen am 04.01.2020
Cover des Buches Die fliegenden Trautmans (ISBN: 9783833306402)

Die fliegenden Trautmans

 (17)
Erschienen am 27.02.2010
Cover des Buches Die Aussprache (ISBN: 9783455005097)

Die Aussprache

 (12)
Erschienen am 05.03.2019
Cover des Buches Das gläserne Klavier (ISBN: 9783827012494)

Das gläserne Klavier

 (8)
Erschienen am 02.05.2016
Cover des Buches Kleiner Vogel, klopfendes Herz (ISBN: 9783833308529)

Kleiner Vogel, klopfendes Herz

 (7)
Erschienen am 10.12.2012
Cover des Buches Die Aussprache (ISBN: 9783455005103)

Die Aussprache

 (6)
Erschienen am 05.03.2019
Cover des Buches Kleinstadtknatsch (ISBN: 9783833305818)

Kleinstadtknatsch

 (6)
Erschienen am 28.02.2009
Cover des Buches Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt (ISBN: 9783827011312)

Mr T., der Spatz und die Sorgen der Welt

 (2)
Erschienen am 16.04.2013

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Miriam Toews

Cover des Buches Die fliegenden Trautmans (ISBN: 9783827008077)
Herbstroses avatar

Rezension zu "Die fliegenden Trautmans" von Miriam Toews

Probleme einer Familie …
Herbstrosevor einem Jahr

Nach einem Anruf ihrer Nichte Thebes fliegt Hattie Hals über Kopf von Paris, wo sie als Künstlerin ein angenehmes Leben führte, zurück ins heimatliche Kanada. Sie muss sich um die Kinder ihrer Schwester Min kümmern, die wieder ihre manisch-depressiven Anfälle hat und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss. Das Haus und auch die Kinder sind in verwahrlostem Zustand, die 11jährige Thebes ist verdreckt und hat blau gefärbte Haare und der 15jährige Logan ist von der Schule geflogen. Die Situation wächst Hattie über den Kopf und so entschließt sie sich, die Kinder zu ihrem Vater zu bringen, der irgendwo in Kalifornien an der Grenze zu Mexiko leben soll. Sie packen das Nötigste in den alten Van der Familie und ab geht’s, immer der Nase nach Richtung Süden. Die Fahrt durch Amerika bringt die drei an ihre Grenzen, Schmerzen und Verletzungen an Körper und Seele sind ständige Begleiter. Doch nach und nach wachsen sie als Familie zusammen und Hattie, die die Kinder eigentlich loswerden wollte, stellt fest, dass sie diese liebt und dass ihre Schwester ihre Hilfe braucht. Die zuvor mit ihrer kranken Mutter überforderten Kinder können endlich wieder Kinder sein - einige skurrile Begegnungen und ein zugelaufener Pitbull helfen ihnen dabei … 


Die kanadische Schriftstellerin und freie Journalistin Miriam Toews wurde 1964 in Steinbach, einer Mennonitengemeinde im kanadischen Manitoba, geboren. Sie studierte Geisteswissenschaften und Journalismus. Für ihren Roman „Die fliegenden Trautmans“ wurde sie 2008 mit dem ‚Rogers Writers‘ Trust Fiction Prize‘ ausgezeichnet, den sie 2014 erneut für einen anderen Roman erhielt. Sie lebt und arbeitet heute in Winnipeg/Kanada. 


Was sich zunächst wie ein heiterer Familienroman liest, entpuppt sich bald als eine Geschichte mit durchaus ernsthaftem Hintergrund: Die Mutter, die an Depressionen, psychischen Störungen leidet und Suizidgedanken hat, zwei Kinder, die ohne Vater und ohne mütterliche Fürsorge aufwachsen und die Tante der Kinder, die diesem ganzen Chaos nach Paris entflohen ist. Durch die eher heitere Seite des Roadtrip und einiger teils skurriler Begegnungen gelingt es der Autorin, hier einen guten Ausgleich zwischen Tragödie und Komödie zu schaffen. Der Schreibstil ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und erfordert eine gewisse Aufmerksamkeit beim Lesen, da die wörtlichen Reden fließend ineinander übergehen und zudem keine Anführungszeichen verwendet werden. Das Geschehen ist logisch aufgebaut, unterhaltsam und ergreifend, mit vielen traurigen, aber auch vielen komischen Momenten. Die Charaktere sind sehr fein gezeichnet in ihrer Verletzlichkeit und auch das Zwischenmenschliche ist sehr gut heraus gearbeitet. Einige Passagen stimmen sehr nachdenklich und regen dazu an, das eigene Verhalten zu überdenken. 


Zu kritisieren ist, dass durch die häufigen inhaltsleeren und nichtssagenden Unterhaltungen der Protagonisten leider die charakteristische Schilderung der Weite und der verschiedenen Landschaften während der Reise durch die USA zu kurz kommen. Durch die bemühten Slapstick-Einlagen wird das Geschehen viel zu sehr von dem Grund der Reise (die Krankheit der Mutter und Schwester) abgelenkt, was für den Roman nicht unbedingt von Vorteil ist. Die immer wieder eingefügten Rückblenden und Erinnerungen zerstückeln die Geschichte und auch das überstürzte Ende kann nicht befriedigen, denn das Hauptproblem bleibt offen. 


 Fazit: Über den Zusammenhalt einer total schrägen Familie und über eine chaotische Reise – ein Buch, das aufgrund seiner Sprache wohl eher für die jüngere Generation gedacht ist.  

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Cover des Buches Ein komplizierter Akt der Liebe (ISBN: 9783455006759)
leseleas avatar

Rezension zu "Ein komplizierter Akt der Liebe" von Miriam Toews

"Ich träume davon, in die echte Welt zu flüchten." (S. 13)
leseleavor 3 Jahren

Die 16-jährige Nomi wächst als Mennonitin in einer kanadischen Kleinstadt auf. Der Alltag besteht aus Kirche und Arbeit, moderne Errungenschaften werden misstrauisch beäugt, wenn nicht gar ganz vermieden. Das Leben gilt der Gemeinschaft als etwas, was es durchzustehen gilt, bis der Tod die Erlösung in Form des paradiesischen Jenseits bringt. Nomis Schwester Tash hat diese eingeengte und einengende Welt nicht ertragen und schon vor Monaten die Stadt verlassen; Nomis Mutter Trudie verschwand kurz darauf. Nomi bleibt mit ihrem Vater Ray und einem Haufen Zweifel zurück: Sie sehnt sich nach Freiheit, Lebensfreude, einem aufregenden Leben in New York, gleichzeitig kann und will sie ihren Vater nicht allein lassen. Nomi beginnt, die Grenzen zu dehnen, nimmt Drogen, schwänzt die Schule, hat Sex, hinterfragt. Doch mit jedem Tag wird deutlicher, dass ein selbstbestimmtes Leben nur jenseits der Grenzen des East Village warten…

Ich will einfach sein, wie ich bin, ich will einfach was machen, ohne zu überlegen, ob das jetzt Sünde ist oder nicht. Ich will frei sein. Ich will wissen, wie es ist, wenn einem ein anderer Mensch verzeiht […], statt mein Leben lang ängstlich überlegen zu müssen, ob ich als Mensch okay bin oder nicht, es aber erst zu erfahren, wenn ich tot bin. Ich will Güte und Menschlichkeit außerhalb eines religiösen Kontextes erleben. (S. 64f.)

Auf die neue Taschenbuchausgabe von Miriam Toews Ein komplizierter Akt der Liebe bin ich Anfang des Jahres zufällig beim Stöbern in der Buchhandlung gestoßen. Der Roman hat mich aufgrund seiner thematischen Ausrichtung und seines humorvollen Erzähltons direkt angesprochen; zudem erinnerte er mich stark an Jeanette Wintersons Orangen sind nicht die einzige Frucht, das zu meinen Lesehighlights 2020 gehört. Und tatsächlich haben beide Bücher viele Gemeinsamkeiten, was sicherlich auch daran liegt, dass beide Autorinnen verstärkt autobiografische Elemente in ihre Geschichten einbinden.

Ein komplizierter Akt der Liebe erzählt vom Aufwachsen in einer strengreligiösen Gemeinde und dem Abnabelungsprozess der jungen Protagonistin, der mit dem Eintritt in die Pubertät beginnt und durch den Bruch ihrer Schwester und ihrer Mutter mit der Bewegung an Dynamik gewinnt. Die Erzählung, die kaum stringent ist und primär aus der Aneinanderreihung von Alltagsszenen in der Gegenwart und Erinnerungsschnipseln aus Nomis Kindheit besteht, pendelt zwischen Schilderungen des mennonitischen Lebensstils und Nomis Bemühungen, die Grenzen eben jenes Stück für Stück zu erweitern. Dabei bleibt die Geschichte jedoch immer „im Moment“ und damit sehr introspektiv: Die Strukturen, Glaubenssätze und Rituale der Mennoniten werden nur indirekt durch Nomis vereinzelte Erklärungen erfahrbar; gleichzeitig sind ihre Ausbruchsversuche spontane, gefühlsgeleitete Handlungen, denen kein konkretes Ereignis vorangehen muss. Ein komplizierter Akt der Liebe ist kein Buch, das über die Mennoniten aufklären oder gar mit ihnen abrechnen will, sondern sollte eher als literarische Auseinandersetzung mit dem eigenen religiösen Hintergrund verstanden werden.

Dazu passt auch der Erzählton, den Toews in ihrem Roman installiert. Nomi ist trotz allem eine typische Teenagerin, ihre Stimme strotzt somit vor Rotzigkeit und Ironie. Sie nimmt wenig ernst und gleichzeitig alles viel zu sehr und mit eben dieser Haltung führt sie den Leser durch ihr Leben – oder eben durch die Impressionen, die ihr Leben in ihrem Kopf ungeordnet hinterlässt. Zugleich wohnt der Geschichte ein unheimlich große Traurigkeit und Einsamkeit inne, die man als Leser jedoch erst mit der Zeit zwischen den Zeilen entdeckt. Nomi flüchtet sich ins Abstruse und Lächerliche, um den Schmerz, den sie durch den Verlust ihrer Mutter und Schwester erfahren hat, nicht zu spüren; auch die Zerrissenheit zwischen ihren eigenen Lebensvorstellung und der Treue und Liebe, die sie ihrem Vater gegenüber empfindet, gärt nur unterschwellig. Nomi stellt sich ihren Gefühlen nicht, bis es nicht mehr anders geht – und findet dann so etwas wie Hoffnung!

Dem Roman fehlt es ein wenig an einem roten Fanden bzw. an einem deutlich erkennbaren Entwicklungsstrang, was die Lust, zum Buch zu greifen, manchmal schmälert. Beginnt man dann jedoch wieder mit der Lektüre, zieht es einen schnell in diese merkwürdige Kleinstadt hinein. Die Sympathie für die Protagonistin ist über die knapp 300 Seiten ungebrochen und die bittersüße Atmosphäre weiß zu berühren – wenn auch eher unterschwellig. Für mich daher insgesamt ein gelungener Roman, dem ich 4 Sterne vergebe.

Kommentare: 3
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Cover des Buches Die Aussprache (ISBN: 9783455005103)
schokoloko29s avatar

Rezension zu "Die Aussprache" von Miriam Toews

Bleiben und kämpfen oder gehen
schokoloko29vor 3 Jahren

In einem mennotischen Dorf in Kanada wurden kleine Kinder und Frauen mit einem Belladonnaspray betäubt und vergewaltigt. Es kam zu Fehlgeburten und Frauen wachten beschmiert mit Kot, Sperma und Blut auf. Der oberste war der Meinung, dass es Satan war, der die Frauen für die "unzüchtigen" Gedanken bestraft. Bis Frauen einen Mann erwischt haben wie er bewaffnet mit einem Belladonnaspray in ein Haus eindrang. Sie stellten ihn zur Rede und er gab seine Taten zu und schuldigte sieben weitere Männer. Es kam zu Selbstjustiz ( Frauen bedrohten Männer und wollten sie mit einer Peitsche schlagen), so dass der Oberste der Gemeinschaft einschied diese Männer ins Gefängnis zu bringen, wo ihnen der Prozess gemacht wird. Die Frauen haben 48 Stunden Zeit sich zu entscheiden. Ihre Religion wünscht sich, dass sie die Männern vergibt. Doch die Frage steht im Raum, ob das mögliche ist. Aus diesem Grund beratschlagen die Frauen drei Optionen entweder Nichtstun, Bleiben und Kämpfen oder Gehen.

Meine Meinung:
Die Sprache des Buches ist sehr ruhig, sehr klar und einfach gehalten. Es wird aus der Perspektive von August Epp geschrieben, der die Dialoge der Frauen protokolliert. Aus diesem Grund ist der Leser nicht so stark emotional involviert, als wenn es aus der Sicht einer Frau geschrieben ist.
Ich benötigte einige Zeit, um mit dem Buch warm zu werden. Doch es ist sehr leise, aber wirklich sehr gut geschrieben.
Aus diesem Grund kann ich das Buch sehr empfehlen.

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Gespräche aus der Community

Elfrieda von Riesen ist eine umjubelte Konzertpianistin, reich, berühmt, verheiratet mit dem Mann, den sie liebt. Ihre Schwester Yoli ist pleite, geschieden und schläft unfehlbar mit den falschen Männern. Unterschiedlicher könnten zwei Schwestern nicht sein. Und doch gibt es niemanden, dem sie näher stünden als einander.

Aber Elfrieda will nicht mehr leben. Kurz vor ihrer neuen Welttournee bricht sie zusammen und bittet ihre Schwester um das Unmögliche, bittet sie um diesen letzten Dienst, der bei weitem das übersteigt, was einem Menschen zumutbar ist. Während ihr Agent sie verzweifelt zu erreichen versucht, setzt Yoli alles daran, Elfrieda Kraft und Zuversicht einzuflößen, sie nicht nur für die Tour wieder fit zu machen. Sie kämpft aus Leibeskräften. Denn wie sollte man einem solchen Wunsch entsprechen?

In ihrem neuen Roman erzählt Miriam Toews von der Liebe zweier Schwestern, von einer Familie, die zusammenrückt und mit Witz und Menschlichkeit den Zumutungen des Lebens trotzt. Und ihr gelingt das Unglaubliche: selbst angesichts des Schwersten bringt sie uns zum Lachen.

37 Beiträge
Bambisusuus avatar
Letzter Beitrag von  Bambisusuuvor 7 Jahren
Ich habe das Buch jetzt auch mal zu Ende lesen können und hier ist meine Rezension: http://www.lovelybooks.de/autor/Miriam-Toews/Das-gl%C3%A4serne-Klavier-1206849048-w/rezension/1247282803/1247283943/

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