Mikita Franko

 4,5 Sterne bei 54 Bewertungen
Autor*in von Die Lüge und Die Lüge.

Lebenslauf von Mikita Franko

Mikita Franko wurde 1997 in Kasachstan, in eine Familie geboren, die seit Generationen Ärzte hervorbringt. Im Alter von drei Jahren hat er lesen gelernt, mit vier schreiben. Seither liest und schreibt er. Franko versteht sich als Akyn, als ein kasachischer Volksdichter, der politische Themen verhandelt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Mikita Franko

Cover des Buches Die Lüge (ISBN: 9783455015416)

Die Lüge

 (47)
Erscheint am 04.05.2023
Cover des Buches Die Lüge (ISBN: 9783869749402)

Die Lüge

 (7)
Erschienen am 03.05.2022

Neue Rezensionen zu Mikita Franko

Cover des Buches Die Lüge (ISBN: 9783455015416)
Maselis avatar

Rezension zu "Die Lüge" von Mikita Franko

Wie viel kann man einem Kind zumuten
Maselivor einem Monat

Als Miki mit 5 Jahren seine Mutter verliert, kommt er zu seinem Onkel Slawa, der das Sorgerecht für ihn erhält. Zusammen mit seinem Lebenspartner Lew wird Miki mit viel Liebe großgezogen. 

Dann tauchte der Freund auf: groß, ordentlich, sogar gekämmt, völlig ungeeignet für einen Freundschaft mit meinem Onkel, der nur eine Art von Hosen akzeptierte: die mit den Löchern an den Knien.

Obwohl es ihm an nichts fehlt, muss Miki früh lernen, dass seine Familie außerhalb der eigenen vier Wände nicht sein darf. 

Hier, zu Hause, sind wir in Sicherheit. Hier ist alles gut, hier haben wir nichts zu befürchten. Aber vor anderen Menschen können wir uns nicht so verhalten, wie hier zu Hause. Du darfst niemandem erzählen, wie wir leben.

Mit dieser Lüge kommt er nur schwer zurecht. Das Zusammenleben wird ein Problem und das Einhalten der Regeln wird immer schwieriger. Miki fällt in Depression, Wutanfälle und Schuldgefühle lösen sich ab, bis er sich schlussendlich in die Isolation zurückzieht. Es zeichnet sich ein schwerer Weg zurück ins Leben ab. 

Meine persönlichen Leseeindrücke

Mikita Franko erzählt den Roman aus der Sicht des Kindes Miki. Diese Perspektive gelingt ihm gut, er fängt den kindlichen Witz, die Neugier und das Unverständnis für die Erwachsenenwelt ein, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Vielmehr zieht sich eine angenehme Leichtigkeit durch den Text, die dann aber mit dem Älterwerden von Miki verschwindet und einer Schwermut platzt macht, die mich doch sehr mitnimmt. Denn die beiden Welten prallen aufeinander und der Junge kapituliert; er kann nicht mehr.

Ich habe zwei Väter. Sie sagen, andere Leute denken, das wäre schlecht, aber das glaube ich nicht.

Die Pubertät ist gezeichnet von dem schweren Weg sich in seiner Gesellschaft zurechtzufinden und die Wut und Aggression zu überwinden, die ihn isoliert. Beide Väter stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber, sie können nicht helfen, sind dennoch für Miki immer da. 

Meine ganze Kindheit hindurch hatte ich einen furchtbaren Widerspruch zwischen meiner Familie und der Außenwelt empfunden.

Wenngleich sich das Buch nicht immer als Roman, sondern vielmehr als Tagebuch in Romanform liest, hat es mich dennoch positiv überrascht und meinen Blick auf queere Partnerschaften verändert. Ich habe die Romanfiguren gemocht, mit ihrer Vielseitigkeit, ihrem Charme und ihrer Strenge und besonders am Anfang die Leichtigkeit der Sprache geliebt. Dafür gebührt auch der Übersetzerin Maria Rajer mein Respekt.

Fazit

„Die Lüge“ ist ein autobiografischer Coming-of-Age-Roman eines Jungen, der im homophoben Russland mit zwei Vätern aufwächst. Sein verschlossener Charakter und die Pubertät verändern ihn sehr und er muss lange kämpfen, bis er wieder Frieden findet. 

Als ich älter wurde, stieß ich in den Medien immer wieder auf Thesen, gleichgeschlechtliche Paare könnten keine guten Eltern sein, aber all diese Behauptungen zerschellten an meinen Erinnerungen – daran, wie geborgen, geliebt und wie wichtig ich mich in meiner Familie fühlte.

Ein glückliches Kinderleben liest sich anders.

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Cover des Buches Die Lüge (ISBN: 9783455015416)
buchstaeblichverliebts avatar

Rezension zu "Die Lüge" von Mikita Franko

Queeres Familienleben.
buchstaeblichverliebtvor 2 Monaten

Der Lesende begleitet Miki, während seines heranwachsens und immer im Zwiespalt mit sich und der Außenwelt.

Was ist richtig, was ist falsch?

Auch wenn Miki selbst zwar schon früh erkennt, dass die Beziehung seiner beiden Väter grundsätzlich nichts falsches sein kann, wächst er doch stets behütet auf und bekommt wichtige Werte vermittelt, belastet ihn die Situation des geheimhaltens und versteckens sehr. 

Das, in dieser Form - quasi realitätsnah - zu lesen, hat mir wirklich gut gefallen. Die Sprache ist einfach und durch den kindlichen bzw. jugendlichen Wortlaut sehr einprägsam und berührend. 

Miki kämpft mit Vorurteilen, bedingt durch seine Mitschüler/Mitmenschen und mit der Realität.

Er versucht aus der Situation auszubrechen und schlägt über die Strenge. Er verteidigt sich und seine Familie, gegen die Intoleranz der anderen.

Traurig, so leben und aufwachsen zu müssen, ohne jemals unbeschwert sein zu können, weil das queere Leben gesellschaftlich so wenig anerkannt wird.

Lesenswert. 


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Cover des Buches Die Lüge (ISBN: 9783455015416)
-Leselust-s avatar

Rezension zu "Die Lüge" von Mikita Franko

Ein Roman über das Aufwachsen in einer queeren Familie in Russland
-Leselust-vor 2 Monaten

Es hat mich teilweise sehr mitgenommen und bewegt, die Geschichte dieses Jungen zu verfolgen. Mikita verliert zuerst seine Mutter und wächst dann bei seinem Onkel in Russland in einer queeren Familie auf. Das birgt natürlich Schwierigkeiten und Miki muss von Kindheit an lernen, vieles von seinem Alltag zu verstecken und verheimlichen.
Gerade die erste Hälfte des Romanes habe ich als intensiv und berührend wahrgenommen. In der zweiten Hälfte driftete es für mich etwas ins Egozentrische ab, was aber ja durchaus gut zu der Teenagezeit passt und der Ton daher gut getroffen war. Zum Lesen fand ich es dann aber trotzdem eher anstregend und teilweise redundant. Insgesamt aber ist das Buch sehr gelungen und ich würde es weiterempfehlen.

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