Mary Higgins Clark

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Autorenbild von Mary Higgins Clark (©  Hans  Starck)

Lebenslauf von Mary Higgins Clark

Die ungekrönte Krimi-Queen: Wer Krimis und Thriller liebt, kommt an Mary Higgins Clark nicht vorbei. Sie zählt zu den weltweit erfolgreichen Thriller-Autorinnen und führt regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an. Heute lebt und arbeitet die im Jahr 1927 in New York geborene Schriftstellerin in Saddle River in New Jersey. Mit ihrem Erstlingsroman „Where Are The Children?“ (deutsch „Wintersturm“) legte sie 1975 den Grundstein für ihre beispiellose Karriere. Die Rechte verkaufte sie für 3.000 Dollar an Simon & Schuster. Für den Nachfolger „A Stranger Is Watching“ (deutsch „Gnadenfrist“, 1977) verdiente sie 1,5 Millionen Dollar. Im Alter von zehn Jahren verlor Mary Higgins Clark ihren Vater. 1964 starb ihr Ehemann und ließ sie mit fünf Kindern zurück. Trotz dieser Schicksalsschläge gab sie nicht auf. Seit ihrem Durchbruch schrieb sie unzählige Kriminalromane, von denen viele für das Fernsehen verfilmt wurden. Alleine in den USA verkaufte sie bisher mehr als 100 Millionen Bücher. In Zusammenarbeit mit ihrer Tochter Carol Higgins Clark entstanden weitere Spannungsromane. Die Autorin irischer Abstammung erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den begehrten „Edgar Award“. Zu ihren Markenzeichen gehören raffinierte Plots und atemberaubende Spannungsbögen. Bei ihren Protagonistinnen handelt es sich überwiegend um starke, unabhängige Frauen, die in gefährliche Situationen geraten oder die mit Traumata aus ihrer Vergangenheit konfrontiert werden. Die Ideen für ihre Geschichten entstammen Zeitungsartikeln, Gerichtsverhandlungen und dem täglichen Leben. Sämtliche Bücher dieser Meisterin der Spannung versprechen erstklassigen Nervenkitzel.

Alle Bücher von Mary Higgins Clark

Cover des Buches Mein ist die Stunde der Nacht (ISBN: 9783641100766)

Mein ist die Stunde der Nacht

 (237)
Erschienen am 29.11.2012
Cover des Buches Hab acht auf meine Schritte (ISBN: 9783641100773)

Hab acht auf meine Schritte

 (218)
Erschienen am 29.11.2012
Cover des Buches Du entkommst mir nicht (ISBN: 9783641100728)

Du entkommst mir nicht

 (189)
Erschienen am 30.11.2012
Cover des Buches Warte, bis du schläfst (ISBN: 9783641100681)

Warte, bis du schläfst

 (185)
Erschienen am 29.11.2012
Cover des Buches Daß du ewig denkst an mich (ISBN: 9783641100476)

Daß du ewig denkst an mich

 (151)
Erschienen am 29.11.2012
Cover des Buches Das Haus auf den Klippen (ISBN: 9783641100759)

Das Haus auf den Klippen

 (154)
Erschienen am 14.06.2013
Cover des Buches Schwesterlein, komm tanz mit mir (ISBN: 9783641100605)

Schwesterlein, komm tanz mit mir

 (147)
Erschienen am 31.01.2013
Cover des Buches Weil deine Augen ihn nicht sehen (ISBN: 9783641100711)

Weil deine Augen ihn nicht sehen

 (148)
Erschienen am 29.11.2012

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Mary Higgins Clark

Cover des Buches Where Are the Children? (ISBN: 9781451662566)
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Rezension zu "Where Are the Children?" von Mary Higgins Clark

Albtraum am Cape Cod
Janoshvor einem Monat

Eigentlich schrieb sie schon immer, die am Heiligabend des Jahres 1927 in New York geborene Schriftstellerin irischer Abstammung, die von dem Volk der Iren, dem sie sich ebenso zugehörig fühlt wie ihrem Geburtsland, sagt, dass es sich bei ihnen um geborene Geschichtenerzähler handelt: "The Irish are, by nature, story tellers". Und dass man in der Regel nicht von heute auf morgen zur Erfolgsautorin wird, sondern dass dazu neben dem Quäntchen Glück immer auch harte Arbeit und, ob der unzähligen Zurückweisungen der mit so viel Herzblut geschriebenen Geschichten, ein dickes Fell und Ausdauer vonnöten sind, weiß Mary Higgins Clark nur allzu gut.

Als sich der erste wirkliche Erfolg einstellte, war die New Yorkerin mit dem Faible für ausgesucht schöne Wohnungen und Kleidung, was immer wieder in ihrem Werk durchschimmert oder gar sehr explizit wird, immerhin schon beinahe fünfzig Jahre alt! Damals, 1974 war es, bot ihr der Verlag Simon & Schuster, dem sie übrigens bis heute treu geblieben ist, für ihr Erstlingswerk auf dem Gebiet der Spannungsromane, das im folgenden zu besprechen ist, 3000 Dollar; der große Erfolg von "Where are the children?" ( deutscher Titel: "Wintersturm" ) erhöhte dieses Honorar rasch und schon für ihren nächsten Thriller erhielt sie 1,5 Millionen Dollar, was 14 Jahre später noch gesteigert wurde, denn da unterzeichnete sie bei ihrem Verlag einen Vertrag, der ihr sage und schreibe 64 Millionen Dollar für drei Romane garantierte! Diese Zahlen sprechen für sich - und für die Qualität der mit Preisen hochdekorierten Schriftstellerin, deren Schaffenskraft selbst im hohen Alter nicht nachlässt und deren neuester Roman "Kiss the Girls and Make them Cry" soeben auf den amerikanischen Markt gekommen ist.

Bereits in ihrem Thriller-Erstling wird klar, warum sie nun schon seit 45 Jahren ein Anrecht auf den Titel "Queen of Suspense" hat, denn auch ihr frühes Werk "Where are the children?" trägt ihre unverwechselbare Handschrift,zeigt ihren eleganten Stil und ihr feines Gespür für Atmosphäre und subtile Gänsehaut-Schwingungen. Die in kurzen Kapiteln sich kontinuierlich entwickelnde Handlung ist temporeich und wird von Seite zu Seite spannender - spätestens nach dem ersten Viertel kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen -, um dann in einem furiosen Showdown zu enden. Ihre Charaktere sind immer und ohne Ausnahme sehr sorgfältig, sehr differenziert ausgearbeitet, der Leser erfährt ihre Geschichten, und die Autorin erreicht damit ihr erklärtes Ziel, dass sich die Leser nämlich mühelos mit den Protagonisten identifizieren können. Letztere sind für gewöhnlich, was auch für vorliegenden Thriller zutrifft, starke und unabhängige Frauen der gehobenen Mittelklasse, die in gefährliche Situationen geraten oder mit traumatischen Erfahrungen ihrer Vergangenheit konfrontiert werden.

In "Where are the children?" begegnen die Leser Nancy Harmon Eldrige am Morgen ihres 32. Geburtstages. Ihrem Mann Ray gelingt es nur mit Mühe, sie zu überreden, diesen Tag nicht wieder zu ignorieren wie die Jahre zuvor und wozu die junge Frau auch allen Grund hatte! An ihrem 25. Geburtstag nämlich verschwanden Peter und Lisa, ihre Kinder aus erster Ehe mit Professor Carl Harmon und wurden wenig später ermordet aufgefunden. Anhand von Zeugenaussagen konnte nur Nancy selbst, damals depressiv, verschlossen und seltsam abwesend, als Mörderin in Frage kommen! Aus Gram darüber nahm sich ihr Mann das Leben, während Nancy selbst vom sicheren Tod in der Gaskammer lediglich durch einen Formfehler während des Prozesses und dem plötzlichen Verschwinden des Hauptbelastungszeugen bewahrt wurde. Der Prozess wurde eingestellt, die junge Frau jedoch nie rehabilitiert. Wider alle Wahrscheinlichkeit gelang Nancy ein Neuanfang; sie zog von der Westküste ans entgegengesetzte Ende der Vereinigten Staaten, auf die zauberhaft schöne Halbinsel Cape Cod in Massachusetts - dem Schauplatz der Handlung -, begegnete dort ihrem zweiten Mann, Ray Eldrige, und ist inzwischen Mutter von Michael und seiner kleinen Schwester Missie. Die Vergangenheit aber wirft lange Schatten, denn im Hintergrund lauert jemand, ein kranker Geist, der Nancy um jeden Preis zerstören und ihr das Liebste nehmen möchte, das sie besitzt: ihre Kinder! Und so scheint sich an eben jenem Geburtstagsmorgen die Vergangenheit zu wiederholen - ihre Kinder, die sie trotz der Kälte wie gewöhnlich kurz zum Spielen im Garten gelassen hatte, verschwinden spurlos! Ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der gleichzeitig ein Kampf gegen den unsichtbaren, den erbarmungslosen Feind im Verborgenen ist, von dessen Existenz lange Zeit nur der Leser weiß, während für die Ermittler der Fall klar ist! Da Vorurteile nur schwer auszurotten sind, gerät Nancy, deren wahre Identität in einem perfiden Zeitungsartikel just am selben Morgen enthüllt wurde, erneut in Verdacht, womöglich auch ihre neuen Kinder getötet zu haben....

Ein perfekter Thriller - so empfinde ich auch nach den vielen Jahren, als ich Mary Higgins Clarks Erstlingswerk zum ersten Mal gelesen hatte! Ein Thriller, bei dem einfach alles stimmt, der virtuos mit Ängsten, mit dem überwältigenden Gefühl der Ausweg- und Hoffnungslosigkeit spielt, ein Thriller auch, der ohne die so überflüssigen Prologe auskommt und den Leser unmittelbar hineinzieht in den Strudel der sich sehr bald überschlagenden Ereignisse und der mühelos ohne plakative Gewaltszenen auskommt. Die Spannung wird, wie das bei einem guten Psychothriller sein sollte und wie es schon der Name sagt, auf dem Gebiet der Vorstellungskraft erzeugt - ganz so, wie es dem Stil der berühmten Autorin entspricht, dem sie bis heute treu geblieben ist! Und da ist niemand weit und breit, der es ihr gleichtun könnte....

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Cover des Buches Gnadenfrist (ISBN: 9783641122157)
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Rezension zu "Gnadenfrist" von Mary Higgins Clark

Atemberaubender Wettlauf gegen die Zeit
Janoshvor einem Monat

Mary Higgins Clark, die amerikanische Schriftstellerin mit irischen Wurzeln, auf die sie sich immer wieder gerne beruft, ist eine wahre Meisterin der Spannung! Das zeigt sie bereits zur Perfektion in ihrem zweiten, 1977 veröffentlichten, Thriller, der so nervenzerfetzend aufregend ist, dass man, hat man ihn einmal aufgeschlagen, nicht von ihm lassen kann bis zu seinem furiosen Finale, das, so bemängeln die ewigen Nörgler, zu schnell kommt und vieles offenlässt. Eine Kritik, die ich nicht teilen kann, denn Schlusssequenzen dieser Art sind typisch für die New Yorkerin, die dem intelligenten Leser zutraut, sich den weiteren Lebensweg ihrer Protagonisten eigenständig auszumalen – was nicht schwer sein dürfte, nachdem man diese sehr genau während der schnell voranschreitenden, die Spannung kontinuierlich steigernden Handlung kennenlernen konnte. Man weiß Bescheid über ihre Lebensgeschichten, weiß auch, was in ihnen vorgeht, kann sich ein klares Bild von ihnen machen. Warum dann explizit beschreiben, was die Leser sich ohnehin denken können?

Ein derartiges Ende muss freilich gekonnt sein – und Mary Higgins Clark beherrscht es, wie sie alles beherrscht, das zum Schreiben eines perfekten Thrillers notwendig ist – und ihr seit beinahe 45 Jahren ungebrochener Erfolg gibt ihr Recht! Sie ist und bleibt die „Königin der Spannung“, eine Ausnahmeerscheinung unter den amerikanischen Autoren, wie ich über die Jahre feststellen konnte, jemand, dem man die Treue hält, selbst wenn ihre sehr späten Romane nicht mehr den Glanz von einst haben.

Für „A Stranger is Watching“ ( deutscher Titel: „Gnadenfrist“ ) sucht sie sich als Hauptschauplatz der auf 52 Stunden angelegten Handlung den imposanten und irrgartenmäßig verzweigten New Yorker Bahnhof „Grand Central Terminal“, üblicherweise „Grand Central Station“, aus, der 1913 eingeweiht, über die meisten Gleise weltweit verfügt. Hier wurde kurz zuvor, nämlich im Jahre 1976, ein Bombenattentat von kroatischen Nationalisten verübt – und es darf davon ausgegangen werden, dass die Autorin, die sich für die Themen ihrer Romane gewöhnlich durch die aktuellen Nachrichten inspirieren lässt, die sie stets akribisch verfolgt, dieses Attentat im Kopf hatte, als sie ihren zweiten Thriller nach „Where are the Children?“ zwei Jahre zuvor, konzipierte.

Doch wie immer gibt es da nicht nur ein einziges Thema, denn im Zentrum des vorliegenden Romans steht ein perfides und brutales Kidnapping, das unweigerlich zu einem der klassischen Rennen gegen die Zeit führen muss, denn während sich die Journalistin Sharon Martin und Neil, der sechsjährige Sohn ihres Freundes Steve Peterson, ebenso im Zeitungsgeschäft tätig, in der Gewalt eines komplett wahnsinnigen und ebenso eiskalten und mörderischen Entführers befinden, tickt die Uhr unaufhaltsam!

Doch es ist nicht allein die fieberhafte Suche nach Sharon und Neil, die den Leser in Hochspannung versetzt, sondern gleichzeitig das Schicksal des jungen Ronald Thompson, der sich im Todestrakt eines Gefängnisses befindet und auf seine Hinrichtung wartet, die zum gleichen Zeitpunkt stattfinden soll, zu dem, wie der Entführer androht, die Bombe hochgehen soll – im Grand Central Terminal, was freilich bis ganz zum Schluss nur der Leser weiß, der, wie man das von Mary Higgins Clark kennt, die Handlung aus mehreren Perspektiven verfolgen kann und damit nicht nur immer auf dem Laufenden ist, sondern ganz tief in die Köpfe des irren Killers und aller anderen Protagonisten bis hin sogar zu den Nebenfiguren, eindringen kann. Das ist im übrigen auch einer der völlig ungerechtfertigten Kritikpunkte, die einige nie Zufriedene anbringen – der Leser weiß zuviel! Wer eine solche Kritik äußert hat, so ist zu mutmaßen, den Roman nicht wirklich gelesen, denn auch der auktoriale Leser weiß eben nicht alles! Die Identität des Entführers wird ihm gleichzeitig mit den Ermittlern, also erst gegen Ende der Handlung, enthüllt, die Spannung also bleibt ungebrochen. Er kennt jedoch den Grund für die Entführung, weiß recht schnell, dass der Todeskandidat Ron Thompson, um dessen Rettung sein Anwalt verzweifelt kämpft, die Tat, für die er verurteilt wurde, nicht begangen hat, sondern dass es der mörderische Bösewicht, der sich selbst „Foxy“ nennt, höchstselbst war, und dass der Mord an Stevens Frau und Neils Mutter Nina zwei Jahre zuvor der Grund für die Entführung ist. Der kleine Neil hat nämlich die Tat mitangesehen, obwohl er sich an nichts erinneren kann, und seine Augen gehen Foxy nicht aus dem Kopf, quälen ihn bis zur Unerträglichkeit.

Verflochten mit der Handlung, sie wie ein roter Faden durchziehend, ist eine vehemente Debatte pro und contra Todesstrafe, die angesichts der bevorstehenden Hinrichtung, der ersten seit Jahren im Bundesstaat New Jersey, entflammt ist. Die Journalistin Sharon Martin ist eine entschiedene Gegnerin der Todesstrafe, während Steve, der Mann, den sie liebt, die entgegengesetzte Position vertritt – verständlich nach dem Mord an seiner Frau. Doch während die erschütternde Wahrheit allmählich ans Licht kommt, ändern sich auch die jeweiligen Standpunkte der Protagonisten. Und das schildert die Erfolgsschriftstellerin, die weiß, wie kaum jemand sonst, wie man Spannung aufbaut, wie die unterschiedlichen Handlungsebenen und die Charaktere selbst zusammengeführt werden, so intensiv und elegant und absolut glaubhaft, dass daraus ein großartiger Psychothriller geworden ist, den man gerne entstauben und aus der Versenkung herausholen kann!

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Cover des Buches Stillwatch (ISBN: 9780743484282)
Janoshs avatar

Rezension zu "Stillwatch" von Mary Higgins Clark

Mörderische Machtspiele in Washington D.C.
Janoshvor einem Monat

Mit „Stillwatch“, zu Deutsch „Das Haus am Potomac“, ihrem fünften Psychothriller, der im Jahre 1984 erschienen ist, hatte die New Yorkerin Mary Higgins Clark bereits ihren festen Platz in der amerikanischen Krimiszene. Wenn auch ihr sehr spannender Erstling, „Where are the Children?“ schon ganz und gar ihre ganz eigene Handschrift trägt, entwickelte sie sich weiter und fand zu einem Stil, dem sie in den 80er und 90er Jahren treu blieb und in dieser Schaffensperiode immer mehr perfektionierte.

In „Stillwatch“ beginnt sie erstmals, verschiedene Nebenstränge einzubauen, deren Verbindung zur eigentlichen Geschichte erst allmählich ersichtlich werden und die sie langsam und schlüssig immer mehr zusammenlaufen lässt, bis zum Schluss, der – daran hat sich auch in ihren späteren Autorenjahren nichts geändert! - immer so furios ist, dass man unwillkürlich den Atem anhalten muss, ohne es überhaupt zu merken. Die letzten zwanzig Seiten verschlingt man geradezu, denn das Buch aus der Hand zu legen, ist spätestens zu diesem Zeitpunkt undenkbar!

Die Handlung des vorliegenden Thrillers – denn genau das ist er, auch wenn ihre unvermeidlichen Kritiker anders darüber denken – siedelt die Autorin in Washington DC an, inmitten des Machtzentrums der amerikanischen Politik, inmitten von Senatoren, Kongressabgeordneten und Botschaftern aus aller Welt, die sich im Dunstkreis des Weißen Hauses bewegen. Und in genau dieses möchte die Senatorin aus Virginia, Abigail Jennings, unbedingt einziehen! Die Chancen stehen gut, denn die Abdankung des schwer erkrankten Vizepräsidenten wird täglich erwartet und es ist an der Zeit, dass endlich die erste Frau wenn auch nicht die höchste, so doch die zweithöchste Stelle im Staat besetzt.

So kurz vor dem Ziel ihrer Träume, auf das sie all die Jahre mit brennendem Ehrgeiz und äußerster Disziplin hingearbeitet hat, ist Senatorin Jennings nicht bereit, sich ihre Ambitionen zerstören zu lassen. Und Gefahr wittert sie von Seiten der eben nach Washington gekommenen Fernsehjournalistin Patricia Traymore, die sich durch ihre Serie „Women in Government“ bereits einen nicht unbeträchtlichen Namen gemacht hat und die nun plant, die ehrgeizige Senatorin, die sie seit Jahren bewundert, zur Hauptperson einer neuen Folge zu machen. Die Bedenken der Senatorin Jennings scheinen berechtigt zu sein, denn Patricia, die sich weigert, aus ihrer Dokumentation eine bloße Publicity-Show zu machen, gräbt, gegen den Widerstand ihres Chefs, einem lange vor der „Me Too“- Bewegung munter übergriffigen Macho, und der Senatorin selbst, tiefer in Abigails Vergangenheit und stößt dabei auf eine Reihe von auffälligen Ungereimtheiten und privaten Geheimnissen, die die Senatorin auf keinen Fall ans Licht der Öffentlichkeit kommen lassen möchte. Und eines der Geheimnisse betrifft die junge Journalistin selbst, die einst Opfer einer Tragödie war, die sich vor über zwanzig Jahren in der Hauptstadt abgespielt hatte, nämlich genau in dem Haus, in das sie entgegen der Warnungen ihrer Adoptiveltern gezogen ist: ihre leiblichen Eltern sind damals auf dramatische Weise durch vermuteten Mord und Selbstmord ums Leben gekommen und die zu der Zeit dreijährige Patricia wurde dabei schwer verletzt, um danach von der Großmutter, die sie schützen wollte, der Öffentlichkeit gegenüber für tot erklärt zu werden.

Während sie bei ihren Recherchen immer neue verstörende Einzelheiten ans Licht bringt, kommen bei Patricia langsam Erinnerungsfetzen jenen schrecklichen Tag betreffend zurück, die sie in höchste Gefahr bringen, denn die Sorge darum, dass die Geschichte um Pats leiblichen Vater, Dean Adams, für alle Zeiten begraben bleibt, ruft einen gewissenlosen Mörder auf den Plan....

Selbst wenn in vielen Kritiken beklagt wird, dass man als Leser sehr bald weiß, wohin die Reise geht, kann ich das nicht bestätigen! Aber ja, man bekommt irgendwann schon eine Ahnung, doch weiß man bis zu den bereits erwähnten zwanzig letzten Seiten keineswegs, ob man richtig liegt! Da gibt es, wie gesagt, die Nebenschauplätze – und auf denen tummeln sich so einige seltsame Figuren, wie etwa ein zunehmend mehr dem Wahnsinn verfallender religiöser Fanatiker, der sich für so etwas wie den verlängerten Arm Gottes hält und als solcher noch eine Rechnung mit Pat Traymore zu begleichen hat, und nicht nur mit ihr! Da ist das Umfeld der Senatorin und schließlich die immer unsympathischer werdende Dame selber, die vor allem eines beherrscht, nämlich die Bewahrung des schönen Scheins, eines der Kennzeichen der großen Politik, zu denen auch Manipulation und die unersättliche Gier nach Macht zählen.

Ja, natürlich geht es zu einem nicht geringen Teil um Politik in „Stillwatch“, was logisch ist bei diesem Setting und daher als Kritikpunkt nicht ernst genommen werden kann, genausowenig wie der Vorwurf der Oberflächlichkeit. Im Gegenteil hat sich Mary Higgins Clark wie üblich sehr genau informiert, nicht nur darüber, wie Fernsehsender arbeiten, sondern eben auch über Washington und seine Strukturen; die langjährige Residentin der Hauptstadt, Frances Humphrey Howard, die Schwester des ehemaligen Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey höchstpersönlich, nebst ihres großen Freundeskreises, teilte ihre profunden Kenntnisse großzügig mit der Autorin, wie diese selbst in einem Vorwort zu einem anderen ihrer Romane schrieb.

Mary Higgins Clark hat ihren eigenen Stil, sie ist eine Meisterin der gepflegten Sprache, die gelegentlich als langweilig missdeutet wird, meidet Gewalt- und Sexszenen weitgehend und nutzt stattdessen ihren scharfen Blick für elegante Kleidung und stilvolle Wohnungseinrichtungen, um ein sehr authentisches Ambiente zu kreieren, in dem sich ihre Charaktere bewegen. Dass dabei des öfteren Markennamen fallen, ist typisch für Higgins Clark – und für mich eine nette kleine Beigabe und ganz gewiss nicht der Stein des Anstoßes, der er für die Nörgelfraktion ist, die auch an den jeweiligen Protagonistinnen der „Queen of Suspense“ mit Vorliebe herummäkelt, wiewohl Pat Traymore relativ ungeschoren davonkommt! In der Tat ist sie die bisher stärkste von Mary Higgins Clarks bevorzugten Frauenfiguren, zeigt auch in den widrigsten Situationen, in die sie gerät, Courage und Format, behält ihre Nerven auch dann, wenn man durchaus Verständnis dafür hätte, wenn sie stattdessen zu einem verängstigten Häuflein Elend reduziert wäre. Also – Hut ab vor Pat Traymore, dem Prototypen für all die weiblichen Handlungsträger, die die Autorin in ihren weiteren Bestsellern auftreten lassen wird! Und die im Übrigen allesamt Geschichten sind, die man ganz sicher nicht so schnell wieder vergisst, an deren Handlung man sich auch dann noch erinnert, wenn man sie ein weiteres Mal liest, mit einem Zeitabstand von dreißig Jahren dazwischen, und die man bei jenem zweiten Lesen ebenso spannend findet wie beim ersten Mal. Nicht die schlechteste Empfehlung für eine hervorragende Schriftstellerin und Meisterin der gepflegten Hochspannung!

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Mary Higgins Clark wurde am 24. Dezember 1927 in New York (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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