Lukas Hartmann

 3,9 Sterne bei 218 Bewertungen
Autor von Bis ans Ende der Meere, Finsteres Glück und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lukas Hartmann

Bücher für Kinder und Erwachsene: Lukas Hartmann ist das Pseudonym des Schweizer Schriftstellers Hans-Rudolf Lehman. Er wird im August 1944 in Bern geboren und studiert Musik, Germanistik und Psychologie. Als Autor - er schreibt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene - ist er vor allem für seine zahlreichen Romane bekannt. Sein wohl bekanntestes Kinderbuch wird im Jahr 1984 unter dem Titel "Anna annA" veröffentlicht und nur wenige Jahre später verfilmt. Neben der Schriftstellerei ist Hartmann als Journalist tätig und leitet auch immer wieder diverse Schreibwerkstätten. Für seine Bücher erhält der Autor mehrere Auszeichnungen, zum Beispiel den Buchpreis der Stadt Bern für "Die Seuche" und den Ersten Großen Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern für das Gesamtwerk.

Alle Bücher von Lukas Hartmann

Cover des Buches Bis ans Ende der Meere (ISBN: 9783257600162)

Bis ans Ende der Meere

 (25)
Erschienen am 24.04.2012
Cover des Buches Finsteres Glück (ISBN: 9783257240948)

Finsteres Glück

 (21)
Erschienen am 22.11.2011
Cover des Buches Der Sänger (ISBN: 9783257245370)

Der Sänger

 (18)
Erschienen am 26.08.2020
Cover des Buches Ein passender Mieter (ISBN: 9783257244014)

Ein passender Mieter

 (16)
Erschienen am 29.11.2017
Cover des Buches Räuberleben (ISBN: 9783257242058)

Räuberleben

 (17)
Erschienen am 25.06.2013
Cover des Buches Ein Bild von Lydia (ISBN: 9783257244694)

Ein Bild von Lydia

 (13)
Erschienen am 24.07.2019
Cover des Buches Ins Unbekannte (ISBN: 9783257072051)

Ins Unbekannte

 (12)
Erschienen am 28.09.2022
Cover des Buches Die Seuche (ISBN: 9783257600186)

Die Seuche

 (12)
Erschienen am 21.02.2012

Neue Rezensionen zu Lukas Hartmann

Cover des Buches Ins Unbekannte (ISBN: 9783257072051)
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Rezension zu "Ins Unbekannte" von Lukas Hartmann

Träume und Scheitern
Renate1964vor einem Monat

Am Buch hat mich primär die Verbindung zu C. G. Jung gereizt, auch die Idee einer Doppelbiografie mit realen biographischen und geschichtlichen Hintergrund. Das Cover macht durch die Schemenhaftigkeit neugierig. 

Die Protagonisten sind Sabina Spielrein, die - aus wohlhabenden, russischen und jüdischen Haus- 19 jährig als Hysterikerin nach Burghölzi zu Jung zur Analyse kommt, sich in ihn verliebt, verlassen wird, Medizin studiert und als Psychoanalytikerin erfolgreich ist. Sie arbeitet mit Piaget., kehrt nach Russland zurück.

Fritz Plattens Leben sehen wir retrospektiv 1941/42 vom Gefangenenlager Lipowo aus. Er war überzeugter, aktiver Sozialdemokrat, beteiligt 1905 am Streik in der Schweiz, wird Kommunist, ermöglicht Lenins Russlandreise und rettet ihm das Leben. Er zieht mit Eltern und Frau nach Russland, scheitert und wird schließlich im Rahmen der Säuberungsaktionen,die sehr realistisch beschrieben werden, verhaftet.

Das annähernd gleichzeitige Ende der Beiden erschüttert. Die Darstellung der Personen idealisiert nicht, sondern zeigt Brüche,sich Verrennen in Wünsche und Träume, Verdrängung und Schwächen. 

Automatisch sucht man zwischen ihnen Verbindungen. Geographisch kann man Russland und die Schweiz finden. Analyse im weitesten Sinn: bei Sabina in Therapie und Beruf,  bei Fritz durch Selbstreflexion. Beide scheitern im Privaten,  Fritz weigert sich lange, sich einzugestehen, das seine Vorstellung der besseren Welt Schall und Rauch sind.

Durch die kapitelweise abwechselnd Betrachtung ist es noch spannender. Die Kapitelüberschriften mit Ort und Zeit machen die Einordnung leicht. 

  • Ein Werk, das lange nachklingt und philosophische Fragen aufwirft.


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Cover des Buches Ins Unbekannte (ISBN: 9783257072051)
lesehorizonts avatar

Rezension zu "Ins Unbekannte" von Lukas Hartmann

Gescheiterte Träume
lesehorizontvor 2 Monaten

"Ins Unbekannte" ist der erste Roman, den ich von Lukas Hartmann las. Angesprochen hatte mich der Roman insbesondere wegen des Erzählstrangs über Sabina Spielrein, die in einer psychiatrischen Klinik landet und dort von C. G. Jung behandelt wird. Ich muss zugeben, dass mir der Name Fritz Platten hingegen gar nichts sagte, mir auch im Vorfeld nicht bewusst war, dass der Roman auf zwei wahren Biographien beruht. Manchmal ist es aber durchaus lohnenswert, sich überraschen zu lassen. 

Im Roman gibt es zwei Handlungsstränge, von denen einer sich um den Lebenslauf von Sabina Spielrein, der andere um den von Fritz Platten  dreht. Sabina wird wegen hyterischen Anfällen von ihren Eltern in die psychiatrische Klinik Burghölzli in Zürich eingewiesen. Sie sehen sich zunehmend überfordert und erhoffen sich Heilung für ihre Tochter. Sabina wird in der Klinik von Carl Gustav Jung behandelt. Sabina entwickelt schnell ein größeres Interesse für Jung, als gut für sie ist. Ihr Zustand verbessert und stabilisiert sich, aber zwischen ihr und Jung beginnt sich eine besondere, etwas intimere Beziehung zu entwickeln. Sabina träumt von Heirat und Kindern, doch Jung lässt sie enttäuscht und desillusioniert zurück. Dennoch ist er wichtig für ihren weiteren Werdegang, beginnt sie ein Studium und wird später selbst Ärztin und Psychoanalytikerin. Privat läuft es für sie weniger erfreulich als beruflich. Sie heiratet recht leidenschaftslos Pawel, von dem sie auch zwei Kinder bekommen wird. Doch erst als dieser sich deutlich in Richtung einer anderen Dame zu orientieren beginn, folgt sie ihm nach Russland und bricht ins Unbekannte auf. Doch die Zeiten sind schwer, besonders Jüdinnen wie sie...

Träume treiben auch Fritz Platten an. Ihm bleibt aufgrund des Arbeiterstatus' der Familie der Besuch des Gymnasium versagt. Früh beginnt er sich im Arbeiterbund zu organisieren. Später wird er überzeugter Kommunist. Sein Privatleben leidet stark unter seinem politischen Engagement. Von seinen Beziehungen zu den Frauen prägt ihm Beata am stärksten. Als er von ihrem Tod erfährt, geht ihm dies sehr nah. Seine Auswanderung in die Sowjetunion erweist sich rückblickend als fatal...

Zwei Lebensläufe, zwei Schicksale. Es gibt einige wenige Berührungspunkte, so beispielsweise eine kurze Begegnung in der Schweiz, die Reise ins Unbekannte, Träume, die schweitern, ihr Schicksal insgesamt. Da ich über beide Persönlichkeiten vorab nichts wusste, war der Roman für mich auf jeden Fall informativ. Interessanter fand ich jedoch stets den Lebenslauf von Sabina Spielrein. 

Der Schreibstil ist angenehm, konnte mich aber nicht begeistern. Das Geschehen an sich auch nicht, doch verfolgte ich mit einer gewissen Neugier die Entwicklung von Sabina. Natürlich fragt man sich als Leser unweigerlich, was die beiden Erzählstränge und damit die beiden Biographien miteinander verbindet. Leider ist dies im Roman nicht explizit heraus gearbeitet, ich hätte mir etwas mehr Konzentration auf diese Berührungspunkte gehofft. So bleibt der Titel als Anhaltspunkt sowie einige erwähnte Aspekte, die wir dem Roman entnehmen könnnen.

Ein informativer Roman, den ich zwar durchaus gerne gelesen habe, der mich aber leider nicht begeistern konnte. 


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Cover des Buches Ins Unbekannte (ISBN: 9783257072051)
alascas avatar

Rezension zu "Ins Unbekannte" von Lukas Hartmann

Sachlich, aber dennoch erschütternd
alascavor 3 Monaten

„Ins Unbekannte“ beschreibt eine Zeit der Umbrüche – politisch kommt die Idee der sozialen Gerechtigkeit auf, die sich zum Ideal des Sozialismus steigert. In der Medizin entsteht die Disziplin der Psychologie, die auf neuartige Weise das Innenleben der Menschen erforschen und verletzte Seelen heilen will.

Hartmann stellt hierfür zwei Biographien kapitelweise nebeneinander, die sich nur einmal räumlich kurz annähern, ohne sich je zu berühren. Einmal die der russischen Jüdin Sabina Spielrein, die aufgrund der Diagnose Hysterie in die Züricher Burghölzl-Klinik eingeliefert und von C. G. Jung behandelt wird. Aus dem Arzt-Patientin-Verhältnis wird eine Liaison. Spielrein wird selbst Psychoanalytikerin und pflegt später mit Jung eine kollegiale Freundschaft, in der fachlicher Austausch Vorrang hat. Sie gilt als Pionierin der Psychoanalyse und Entwicklungspsychologie des Kindes. (Wikipedia)

Die zweite Biografie betrifft Fritz Platten, bekannt als derjenige, der Lenin zurück nach Russland brachte und als dessen Lebensretter bei einem Attentat. Seine Biographie ist, im Gegensatz zu Spielreins, durch rein ideologische Motive bestimmt. Wo Spielrein danach strebte, dem Einzelnen zu helfen, interessiert Platten sich nur für die Masse, die es kollektiv vor dem Kapital zu retten gilt. Hierfür ist ihm kein Opfer zu groß – nur muss meist nicht er selbst das Opfer bringen. Er hat Partnerinnen und Kinder für sein Ideal verlassen und nun, im Gulag, viel Zeit, seine Prioritäten zu bereuen.

Vor allem seine verschwundene letzte Frau Berta füllt jahrelang seine Gedanken – als er erfährt, dass sie längst tot ist, bricht er zusammen. Spielrein arbeitet sich immer wieder an ihrer prägenden Beziehung zu Jung ab, die dieser feige abbrach, nicht ohne ihr die Rolle der schuldigen Verführerin zuzuschieben. Die sensible Beschreibung der inneren Kämpfe der Protagonisten verleihen der teils sehr knappen, sachlichen und informationslastigen Erzählweise Leben. Spielrein war für mich dabei die weitaus interessantere und spannendere Figur. Auf der Zeitebene gibt es, vor allem im Platten-Strang, ein paar Flüchtigkeitsfehler, die für Irritation sorgen, aber letztlich nicht ins Gewicht fallen - nur schade bei einem solchen Profi wie Hartmann.

Gemeinsam ist beiden Protagonisten, dass sie sich dazu entschließen, die sichere Schweiz zu verlassen und nach Russland zu gehen, als Stalin bereits an der Macht ist. Sabina fällt dort mit ihrer Familie der deutschen Judenverfolgung zum Opfer, Platten wird nach langer Haft in einem russischen Straflager exekutiert. Beide haben sich „Ins Unbekannte“ gewagt, beide bezahlten dafür mit dem Leben. Dies wird von Hartmann respektvoll zurückhaltend erzählt. Erschütternd ist es dennoch.

Mir waren weder Spielrein noch Platten vor der Lektüre bekannt – und hierin sehe ich die eigentliche Stärke des Romans – diese beiden Persönlichkeiten ins Bewusstsein zu holen, die historischen Fakten mit der Wucht des gelebten Dramas zu verbinden. Hartmann rollt diese beiden Leben auf und bringt uns ihre Tragik näher. Er erinnert uns auch daran, dass totalitäre Regime zu allen Zeiten dieselben Kennzeichen haben, an denen man sie leicht erkennen kann. Das kann vielleicht helfen in einer Zeit, in der Gewissheiten schwierig scheinen.

Fazit: Trotz kleiner Mängel ein beeindruckender Roman mit Nachhall.

Kommentare: 1
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Zusätzliche Informationen

Lukas Hartmann wurde am 29. August 1944 in Bern (Schweiz) geboren.

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