Lion Feuchtwanger

 4,1 Sterne bei 296 Bewertungen
Autor von Die Jüdin von Toledo, Die häßliche Herzogin und weiteren Büchern.
Autorenbild von Lion Feuchtwanger (©Gemeinfrei)

Lebenslauf von Lion Feuchtwanger

Lion Feuchtwanger war ein deutscher jüdischer Schriftsteller und einer der meistgelesenen Autoren des 10. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Geboren wurde er am 7. Juli 1884 in München und verstarb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles. Seine ersten Versuche zu schreiben, welche bereits ausgezeichnet worden sind, fanden schon zu frühen Schulzeiten statt Die Schule beendete er mit dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München. Im Anschluss nahm er ein Studium der Geschichte, Philosophie und deutscher Philologie in München und Berlin auf und promovierte 1907 über Heinrich Heines "Der Rabbi von Bacharach", unterließ aber die Habilitation auf Grund von Beschränkungen für Juden. 1908 gründete er die Zeitschrift "Der Spiegel", welche nach finanziellen Problemen mit der Zeitschrift "Die Schaubühne" fusionierte, für die er fortan schrieb. Er heiratete die Jüdin Marta Löffler und gebar mit ihr eine kurz nach der Geburt verstorbene Tochter, welche ihr einziges Kind blieb. Später, nach Ausbruch des ersten Weltkriegs, nahm er am Militärdienst teil. Diesen verließ er allerdings frühzeitig aus gesundheitlichen Gründen. An der Novemberrevolution nahm er aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls nicht teil. Zu dieser Zeit allerdings entwickelte sich eine enge Freundschaft zu Bertold Brecht. Als Schriftsteller sammelte er im Bereich Drama erste Erfolge, verlagerte sich aber dann später auf historische Romane, von denen das Buch "Jud Süß" am erfolgreichsten wurde. Sene Einstellungen neigten zum Kosmopolitismus, somit gegen den jüdischen Nationalismus und ebenfalls gegen den historischen Materialismus. Auch die Gefahr, welche aus Hitler hervorging, hat Feuchtwanger sehr früh erkannt. Später wurden seine Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt und Feuchtwanger gals als einer ihrer intellektuellen Hauptgegner. Da er kurz vor Hitlers Machtergreifung in London und den USA Vorträge hielt konnte er nicht mehr nach Deutschland zurückkehren und fand Exil in Südfrankreich und näherte sich dem Sowjet-Kommunismus an, da ihm die Haltung der Westmächte missfiel. Da die deutschen Truppen vorrückten befand er sich eine Zeit lang im Internierungslager Les Milles und später in einem provisorischen Zeltlager. Als Frau verkleidet wurde er vom amerikanischen Konsulat dort herausgeschmuggelt und floh mit seiner Frau über Umwege durch Spanien und Portugal in die USA. Dort lebte er bis zu seinem Tode in Kalifornien, seine Einbprgerung wurde allerings durch die kommunistischfreundliche Haltung verzögert. In der DDR wurde er als Sympathisant des Kommunismus hochgelobt und erhielt 1953 den Nationalpreis der DDR. 1957 verstarb Feuchtwanger, da er nach vielen Operationen inneren Blutungen zum Opfer fiel.

Alle Bücher von Lion Feuchtwanger

Cover des Buches Die Jüdin von Toledo (ISBN: 9783351023980)

Die Jüdin von Toledo

 (45)
Erschienen am 23.09.2008
Cover des Buches Die häßliche Herzogin (ISBN: 9783746656274)

Die häßliche Herzogin

 (36)
Erschienen am 23.09.2008
Cover des Buches Erfolg (ISBN: 9783351023928)

Erfolg

 (35)
Erschienen am 23.09.2008
Cover des Buches Die Geschwister Oppermann (ISBN: 9783746656304)

Die Geschwister Oppermann

 (35)
Erschienen am 23.09.2008
Cover des Buches Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis (ISBN: 9783351023973)

Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis

 (28)
Erschienen am 23.09.2008
Cover des Buches Jud Süß (ISBN: 9783942656702)

Jud Süß

 (27)
Erschienen am 10.05.2013
Cover des Buches Exil (ISBN: 9783746656311)

Exil

 (14)
Erschienen am 23.09.2008
Cover des Buches Die Füchse im Weinberg (ISBN: 9783746656359)

Die Füchse im Weinberg

 (11)
Erschienen am 24.09.2008

Neue Rezensionen zu Lion Feuchtwanger

Cover des Buches Jefta und seine Tochter (ISBN: 9783746656168)
Vera-Seidls avatar

Rezension zu "Jefta und seine Tochter" von Lion Feuchtwanger

Jahwe öffnet den Frieden
Vera-Seidlvor 10 Monaten

Da ich ein wirklicher Fan der Erfolgsautorin Tanja Kinkel bin, habe ich sogar ihre Doktorarbeit "Naemi, Ester, Rachel und Ja'ala: Väter, Töchter, Machtmenschen und Judentum bei Lion Feuchtwanger" gelesen und rezensiert.

Besonders Feuchtwangers Roman "Jefta und seine Tochter" und deren Deutung durch Kinkel hatten es mir angetan. Doch bevor ich mich dem Werk direkt zuwandte, las ich noch das Buch "Jiftach und seine Tochter: Eine biblische Tragödie" von Rüdiger Lux.

 

So vorbelastet konnte ich mich lange nicht auf Feuchtwangers "Jefta und seine Tochter" einlassen. Verstand nicht, warum Jefta hier nicht nur der uneheliche Sohn, sondern auch noch der jüngste ist.

Im Nachwort schreibt der Autor: "Als ich an den Jefta heranging, sagte ich mir denn auch, es sei eine in unserer Zeit fast unlösbare Aufgabe, das Buch mit jener Geschichtlichkeit zu durchtränken, die der wahre biblische Roman erfordert. Ich wagte es dennoch. Ich hoffte, der Versuch werde seinen Lohn in sich selber tragen."

 

Feuchtwangers Roman hat so viel Geschichtlichkeit, dass ich das hier kaum zusammenfassen kann. Sein Jefta ist der Lieblingssohn des Jakob, ist der Josef, der von seinen Brüdern beneidet und verstoßen wird, aber am Ende trotzdem oder gerade deshalb zum großen Friedensstifter wird.

 

Immer wieder blitzen andere alttestamentliche Geschichten durch. Ketura lacht hinterm Zeltvorhang, wie es von Sara berichtet wurde. "Hier bei Penuel, war der Gott des Flusses dem Stammvater Jakob entgegengetreten und hatte die ganze Nacht hindurch mit ihm gerungen. Der Stammvater aber hatte ihm die Hüfte ausgerenkt und ihn nicht freigelassen, bevor er ihn segnete. Von da an wurde der Stammvater 'Israel' genannt, der Mann, der auch mit einem Gott streiten und ihn besiegen kann."

 

Wem die Landnahme in der Richterzeit im 13. Jahrhundert vor Christus zu fremd und vergangen erscheint, den verweise ich auf die jüdische Herkunft des Schriftstellers. Sein letzter Roman erschien 1957, also ein Jahr nach der Sues-Kampagne. Am 29. Oktober 1956 waren israelische Truppen in den Gazastreifen und den Sinai vorgestoßen, und am 5. November hatten britische und französische Truppen mit mit der Landung begonnen. Doch unter dem Druck der Vereinigten Staaten und der UNO hatten sich die drei Angreifer bis zum März 1957 aus den besetzten Gebieten zurückziehen müssen.

 

Wer immer noch an der Aktualität des Werkes zweifelt, der schaue sich seine Konflikte mit seinen Nachbarn oder anderen Nächsten an.

 

Sehr gefallen hat mir die Darstellung der Ja'ala, der Tochter Jiftachs. Sie ist die Debora, die Sängerin, eigentliche Richterin und Prophetin, die nicht zögert, das Gelübde des Vaters durch ihren Opfertod zu erfüllen. Ihr Sühneopfer erinnerte mich sofort an das Jesu.

Ja'ala heißt kleine Ziege, während es im Christentum von Jesus als dem Lamm Gottes gesprochen wird.

 

Jefta kann mit "Jahwe öffnet" übersetzt werden. Jahwe eröffnet Jefta die Möglichkeit seinen Hochmut in Demut zu wandeln.

Der hochmütige Sohn des Richters Gilead wird nach dem Tod des Vaters von seinen Halbbrüdern vertrieben, rottet sich in der Wildnis mit Gleichgesinnten zusammen, erstarkt und wird schließlich als Feldherr und Richter zurückgeholt, um die Ammoniter zu schlagen. Damit ihm dies gelingt, gelobt er Jahwe, ihm denjenigen zu opfern, der ihm nach seinem Sieg zuerst von seinem Gut entgegenkommen würde, "und wenn er mir das Teuerste ist."

Im anschließenden Siegeswahn lässt Jefta dann auch noch die Efraimiter abschlachten, die ihm zur Hilfe geeilt waren.

 

Der Fall nach diesem Hochmut tritt ein, als ihm seine einzige Tochter Ja'ala entgegeneilt, die zu opfern er keinen Ausweg findet.

Danach ist Jefta ein gebrochener Mann. "Er selber fühlte sich manchmal wie ein Toter, der aus der Höhle herausgedrungen war. Er war wie aus Luft und Nebel, so als ob das Blut des Lebens aus ihm geflossen sei."

 

"Die Männer von Gilead verehrten ihn mehr als irgendwen seit Menschengedenken. Aber ein Unwirkliches war um ihn, er war unter ihnen gegenwärtig und war dennoch abwesend. Ein leises Grauen wich nicht, sie konnten ihm nicht mehr näher kommen. Sogar die Kinder spürten es und ließen ab vom Spiel und Greschrei, wenn sie ihn sahen."

 

Mit jenem Grauen zwingt Jefta am Ende jeden Feind in die Knie und es kommt durch ihn auch zu einer Einigung der Stämme, wie ihm verheißen worden war.

Jahwe öffnet, Jahwe öffnet den Frieden. Aber zu welchem Preis?

Unter den sogenannten kleinen Richtern ist Jiftach derjenige mit der kürzesten Amtslaufzeit.

Der Roman endet mit den Worten: "Im siebenten Jahre seiner Richterschaft, im vierzigsten seines Lebens, wurde er versammelt zu seinen Vätern."

 

Am Ende war mir dieser Jefta lieb geworden. Ich hatte großes Mitgefühl für ihn. Für ihn und auch für dessen Verfasser, der ein Jahr nach dem Erscheinen seines Romans seinem Krebsleiden erlag. Ich danke der Seele von Lion Feuchtwanger herzlich für seinen "Jefta und seine Tochter".

 

"Darin magst du recht haben, daß Jahwe, wenn weitere sieben oder zweimal sieben Geschlechter gekommen und gegangen sind, Opfer wie das deine nicht mehr wird haben wollen. Taten des Mutes und der Hingabe indes, wie du sie getan hast, wird er immer brauchen."

 

Schalom

Vera Seidl

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Cover des Buches Die Jüdin von Toledo (ISBN: 9783746656380)
Yolandes avatar

Rezension zu "Die Jüdin von Toledo" von Lion Feuchtwanger

Ein interessanter Ausflug in die spanische Historie
Yolandevor 10 Monaten

Lion Feuchtwanger gehörte zu den einflussreichsten Literaten der Weimarer Republik. In seinen Werken beleuchtete er immer wieder das schwierige Leben der Juden in den verschiedensten Jahrhunderten. Er war einer der Ersten, die die Gefahr durch Hitler und die NSDAP erkannten und ging während der NS-Zeit ins Exil, zuerst nach Frankreich, später dann in die USA, wo er bis zu seinem Tod 1958 lebte.

Die Jüdin von Toledo erzählt die Geschichte des jüdischen Kaufmanns Jehuda Ibn Esra und seiner Tochter Rachel, die im 12. Jahrhundert in Toledo, der Hauptstadt Kastiliens, lebten. Jehuda ist der Geldbeschaffer und Kronrat Königs Alfonso VIII. Es ist die Zeit der Kreuzzüge und der Reconquista, die südliche Hälfte Spaniens gehört noch zum muslimischen Reich (al-Andalus). Auch die jüdische Bevölkerung wird nur geduldet und obwohl der König ein großes Misstrauen gegenüber Jehuda hegt und lieber heute als morgen in den Krieg gegen die Ungläubigen ziehen will, profitiert sein Königreich von dem wirtschaftlichen Sachverstand des Juden und dem herrschenden Frieden. König Alfonso nimmt sich die Tochter Jehudas zur Nebenfrau und zwischen ihm und Rachel entsteht eine große Liebe und Leidenschaft, wodurch er sich völlig von seiner Ehefrau Leonor zurückzieht. Diese brennt deshalb vor Eifersucht und sie versucht, die Kriegsleidenschaft ihres Mannes zu entfachen, weil sie glaubt, dadurch würde er die Liebe zu Rachel vergessen. Sie sät Misstrauen gegenüber den Entscheidungen Jehudas und sucht sich Unterstützer, die den "Heiligen Krieg" ebenfalls befürworten. Schließlich gelingt es ihr und Alfonso bricht den Friedensvertrag mit dem Emir von Sevilla. Obwohl die spanischen Ritter in der Unterzahl sind, stürzen sie sich in die Schlacht gegen die Muslimen und werden bei Alarcos vernichtend geschlagen. Die bestürzte Bevölkerung Toledos sucht einen Sündenbock für diese fatale Niederlage, es gehen Gerüchte um, die Juden hätten den Moslems die Kriegspläne verraten. Leonor facht diese Geschichten noch an und ihr Racheplan gelingt. Rachel und ihr Vater werden vom Mob ermordet. Alfonso wendet sich nun endgültig von Leonor ab. Durch den Verlust seiner Geliebten und die wirtschaftlich verheerenden Auswirkungen des Krieges wandelt sich der König, er schließt einen neuen Friedensvertrag mit den Muslimen und führt sein Land zu neuer Blüte.

Trotz seiner etwas altertümlichen Sprache lässt sich das Buch sehr gut lesen. Es wird zwar als Liebesgeschichte angepriesen, aber meiner Meinung nach ist es vielmehr ein interessanter und informativer Ausflug in die spanische Historie. Trotz der Glaubenskriege leben Christen, Juden und Muslime in Spanien noch Seite an Seite und profitieren von den verschiedenen Kulturen. Aber die Verachtung gegenüber den anderen ist immer spürbar, es schwelt unter der Oberfläche. Jede Gruppe fühlt sich den Andersgläubigen gegenüber moralisch und intellektuell überlegen und angefacht durch christlichen Klerus kommt es schließlich zur Katastrophe. Eigentlich kann man sich nur an den Kopf greifen, aber wie die aktuellen Ereignisse zeigen, hat die Menschheit bis heute nichts dazugelernt.

Die Geschichte hat mir gut gefallen, es gibt zwar ein paar Längen und gerade zu Beginn sollte man konzentriert lesen, um die ganzen Beziehungen und Scharmützel zwischen den einzelnen Herrscherhäuser und Landstrichen zu verstehen. Es hat mir richtig Lust gemacht, mich näher mit der spanischen Historie zu beschäftigen und was will man von einem Buch mehr erwarten. Ich denke, es wird nicht mein letztes Buch von Lion Feuchtwanger gewesen sein. Ein sehr empfehlenswerter Historienklassiker. 

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Cover des Buches Simone (ISBN: 9783746656113)
Josseles avatar

Rezension zu "Simone" von Lion Feuchtwanger

Verbeugung vor einer jugendlichen Heldin und Patriotin
Josselevor einem Jahr

Simone ist ein Roman Feuchtwangers, dessen wesentlicher Inhalt bereits 1942/1943 als Drama mit dem Titel „Die Geschichte der Simone“ erschien, das Feuchtwanger und Brecht zusammen schrieben. 1944 machte Feuchtwanger einen Roman daraus.

Erzählt wird die Geschichte der erst 15-jährigen Simone, die 1940 in dem von den deutschen Faschisten besetzten Frankreich, inspiriert von ihrem Wissen und den Träumen über Jeanne d’Arc, einen Anschlag auf den Fuhrpark ihres Onkels verübt, als die deutschen Soldaten in ihr Heimatdorf einmarschieren, um zu verhindern, dass Fahrzeuge und Benzinvorräte in die Hände der Deutschen geraten.

Die Sprache ist logischerweise zum Teil etwas altertümlich, aber stets gut verständlich und lesbar, z.B. „…drei Polizisten hielten Wacht.“ (Aufbau TB, 1. Aufl. 1996, S. 92) oder der „Einholekorb“ statt Einkaufskorb.

Feuchtwanger, der alte Meister des historischen Romans zeichnet hier Parallelen zwischen der französischen Nationalheiligen Jeanne d’Arc und einer jungen, patriotischen Französin der Gegenwart im Zweiten Weltkrieg. In beiden Fällen werden die Protagonistinnen von den mächtigen Menschen ihrer Umgebung verdammt und nur von einzelnen machtlosen Menschen bewundert. Erst in der Rückschau von nachfolgenden Generationen kommt ihnen die Bewunderung und der Respekt zu, den sie sich verdient haben.

Die Bewunderung und Aufmunterung, die Simone am Ende des Romans von der Menschenmenge zuteil wird, deutet bereits an, dass ihre Tat später in einem anderen Licht betrachtet werden wird. Insofern steckt in diesem Roman auch Hoffnung auf das Ende dunkler Zeiten. Drei Sterne.

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Lion Feuchtwanger wurde am 06. Juli 1884 in München (Deutschland) geboren.

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