Karin Boye

 4,3 Sterne bei 24 Bewertungen
Autor von Kallocain, Kallocain und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Karin Boye

Karin Boye (1900 bis 1941) war eine schwedische Schriftstellerin und Lyrikerin. Wie viele Intellektuelle der Zwischenkriegszeit kehrte sie enttäuscht und desillusioniert von einem Aufenthalt in der Sowjetunion zurück. "Kallocain" gilt als ihr Hauptwerk und wird in einem Atemzug mit Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" und George Orwells "1984" genannt. Peter Weiss setzte ihr im dritten Band seiner "Ästhetik des Widerstands" ein literarisches Denkmal. Karin Boye nahm sich 1941 in einem Wald bei Alingsås das Leben.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Sämtliche Gedichte (ISBN: 9783941725645)

Sämtliche Gedichte

Erscheint am 15.03.2022 als Taschenbuch bei Verlag Razamba.

Alle Bücher von Karin Boye

Cover des Buches Kallocain (ISBN: 9783442757756)

Kallocain

 (20)
Erschienen am 29.10.2018
Cover des Buches Sämtliche Gedichte (ISBN: 9783941725645)

Sämtliche Gedichte

 (0)
Erscheint am 15.03.2022
Cover des Buches Kallocain (ISBN: 9783453305281)

Kallocain

 (3)
Erschienen am 01.05.1982
Cover des Buches Astarte (ISBN: 9783890290225)

Astarte

 (1)
Erschienen am 01.01.1990

Neue Rezensionen zu Karin Boye

Cover des Buches Kallocain (ISBN: 9783442757756)K

Rezension zu "Kallocain" von Karin Boye

Die Gedanken sind frei?
katzenminzevor 2 Monaten

Karin Boye entwirft in Kallokain eine dystopische Welt, in der die Überwachung fast allumfassend ist. Selbst im eigenen Zuhause wird man ständig von Polizeiauge und -ohr überwacht. Eine Haushaltshilfe hat nach der Arbeit Bericht zu erstatten, was in der Familie passiert und die Kinder werden so früh wie möglich auf einen künftigen Nutzen für den Staat gedrillt. Denn der Staat ist wichtiger als der einzelne Bürger.

Leo Kall arbeitet in diesem perfekt organisierten Kosmos als Chemiker in Chemiestadt Nr 4. Und er hat etwas erfunden, dass seinen geliebten Staat noch sicherer machen wird: Eine Droge nämlich, die jeden die Wahrheit sagen lässt. Jede Verschwörung ließe sich damit im Keim ersticken! Doch was Anfangs nach einer perfekten Erfindung klingt, erweist sich schon sehr bald als weitaus gefährlicher als gedacht. Denn welcher Bürger eines Unterdrückerstaates kann sich schon von kritischen Gedanken freisprechen?

Die Grundidee dieses Roman ist furchtbar interessant. Boye beschreibt recht anschaulich, wie jemand auf die absurde Idee kommen kann, etwas zu erfinden, das ihn doch auch selbst ins Verderben stürzen kann. Etwas, das den letzten privaten Raum auslöscht der noch existiert. Aber die Indoktrination ist so allumfassend, dass diese Schlussfolgerung erst viel zu spät kommt. Und wenn niemand niemandem vertraut, ist die Versuchung einer Wahrheitsdroge einfach zu verlockend.

Sprachlich fand ich den Roman leider etwas schwergängig. Der im Nachwort gepriesene sprachliche Unterschied mit und ohne Kallokain war eher marginal. Das hätte man durchaus deutlicher machen können. Auch war es mir oft zu unkonkret was die „Geständnisse“ oder Kalls Gefühle, Befürchtungen und seltsame Träume anging. Andererseits war seine schleichende Erkenntnis wieder sehr gelungen beschrieben aber so richtig wollte der Funke bei mir trotzdem nicht überspringen. 

Kallokain ist eine grundsätzlich gekonnt erzählte Geschichte mit einer wirklich interessanten wie zeitlosen Idee, zu der jeder Dystopie-Fan getrost greifen kann. Besonders erfreulich ist es, dass hier mal ein Klassiker einer weiblichen, schwedischen Autorin die Zeit überdauert hat. Ich hatte leider trotzdem meine Schwierigkeiten mit dem Roman und war letztlich nicht ganz so begeistert, wie ich es mir erhofft hatte.

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Cover des Buches Kallocain (ISBN: 9783442757756)R

Rezension zu "Kallocain" von Karin Boye

Ein Blick in das Grauen
reneevor einem Jahr

Ein wirklich unangenehmer Mensch der Gattung Untertan blickt auf den totalitären Staat. Leo Kall, Untertan und egozentrischer Chemiker mit Geltungsdrang. Ein düsterer und überzeugender und abschreckender Blick wird hier in "Kallocain" geworfen! Karin Boye, eine schwedische Autorin, schreibt dieses Buch 1940. Dabei merkt man diesem Buch sein Alter nicht unbedingt an. Das mag vielleicht an der 2018 erfolgten Übersetzung von Paul Berf liegen. 2018 gibt btb dieses Buch als bisher dritte Übersetzung ins Deutsche heraus. Vielleicht hatte die Autorin aber auch einen etwas zeitlosen und passenden Schreibstil. Eine Dystopie wurde hier 1940 geschrieben, ein Blick auf einen totalitären Staat und das in einer Zeit, wo es einige beunruhigende Beispiele zu diesem Thema gab. Diese Dystopie ist nachhallend und düster und hat leider ihre Authentizität nicht verloren. Denn auch heute gibt es Beispiele in der Welt, die verstörend sind und deren Herrscher sich über ein Wahrheitsserum wie Kallocain sicherlich sehr freuen würden. Wie es auch heute Menschen gibt, die Kallocain erfinden würden und keinerlei Unrechtsbewusstsein hätten und andere Menschen ohne ein Wimperzucken bei höhergestellten Institutionen anschwärzen würden, ohne an die Folgen zu denken, oder sogar froh über diese Folgen wären. Ein wichtiges Buch! Immer noch. Und wahrscheinlich noch sehr lange. Wie dies auch gerade der Umgang mit einem gefährlichen Virus hervorragend zeigt! Denn Menschen neigen leider zu recht selbstzerstörerischem Verhalten. Wie keine andere Art. Und dies trotz ihres hohen Intellekts. Obwohl man manchmal an diesem hohen Intellekt zweifeln könnte, wie manch vorhandene und gegangene Diktatur zeigen und zeigten und der Umgang mit diesem Virus gerade so anschaulich zeigt. 

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Cover des Buches Kallocain (ISBN: 9783442757756)J

Rezension zu "Kallocain" von Karin Boye

gefällt mir besser als 1984
JuliaGoldfeuervor 2 Jahren

»Kallokain« erschien 1940 im schwedischen Original als letzter Roman der Autorin Karin Boye. Sie studierte 1920, als das noch sehr wenige Frauen taten, und wurde zu einer Größe der schwedischen Literatur im 20. Jahrhundert, bevor sie sich mit nur 40 Jahren das Leben nahm. Sie verarbeitete in diesem Werk die beiden totalitären Systeme der damaligen Zeit, mit denen sie in Berührung kam: die stalinistische Sowjetunion und das nationalsozialistische Deutschland.

Wir begleiten den Protagonisten Leo Kall, der rückblickend von seinem Leben in einem totalitären Staat erzählt, wo er als Chemiker tätig ist und eine Art Wahrheitsserum hervorbringt, das die Probanden dazu bringt, ihre tiefsten Gedanken und Gefühle zu äußern, die sie sonst für sich behalten würden. Der nicht genauer benannte »Weltstaat«, der in diesem Werk beschrieben wird, dringt vollständig in das Privatleben seiner Bürger ein und daher besteht äußerst großes Interesse daran, auch die letzte Hürde, die Gedankenwelt, noch zu nehmen. Die gleichförmigen, knapp bemessenen Wohnungen sind mit Bild- und Tonübertragung überwacht, bis hinein ins ehleliche Schlafzimmer, daher ist es so gut wie unmöglich, ein privates, ehrliches Gespräch zu führen. Dies wirkt sich natürlich auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus, die quasi nicht existent sind. Intensivere Gefühle füreinander können kaum entstehen. Zwar werden noch Kinder gezeugt und dies ist auch vom Staat erwünscht, doch diese werden in externen Einrichtungen von Staatspersonal erzogen. Die Abwesenheit von Vertrauen führt dazu, dass man in jedem Menschen einen potentiellen Verräter sieht, selbst innerhalb der eigenen Familie. Diese Abkehr vom Individuum und Zusammenhalt in der Bevölkerung hin zur vollständigen Aufopferung für den Staat wird hier sehr drastisch und überspitzt aufgearbeitet, doch der Weltaufbau gefiel mir wirklich unheimlich gut.

Weniger warm wurde ich mit der Hauptfigur. Man merkt ihm zwar aufgrund des Erzählens im Nachhinein eine gewisse Emotionalität an, aber es war für mich teilweise fast anstrengend, seinen Gedanken zu folgen, die sehr lange von seinem engstirnigen Weltbild bestimmt sind. Das er kein Sympathieträger ist, ist natürlich Dreh- und Angelpunkt des Buches, dennoch habe ich mich manchmal trotzdem an ihm gestört.

Es hat einen gewissen Anspruch, liest sich aber schöner und spannender als so manch andere klassische Literatur und bringt es durch seine Kürze auf den Punkt. Da das Buch nicht erkennen lässt, zu welcher Zeit oder an welchem Ort es spielt, büst es nichts an Aktualität ein. Zwar bietet der Handlungsstrang keine riesigen Überraschungen, dennoch bin ich der Meinung, »Kallocain« ist ein Klassiker, den jeder gelesen haben sollte und der sich auch problemlos lesen lässt. Greift ruhig einmal dazu.

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