John Boyne

 4,3 Sterne bei 3.803 Bewertungen
Autorenbild von John Boyne (©(c) Mark Watkin)

Lebenslauf von John Boyne

Klare Sprache, fesselnde Geschichten und starke Charaktere: John Boyne ist ein irischer Schriftsteller. Sein bekanntester Roman „The Boy in the Striped Pyjamas“, der im Jahr 2006 unter dem deutschen Titel „Der Junge im gestreiften Pyjama“ erschien, wurde 2007 in Budapest verfilmt. Von der bewegenden Weltkriegs- und KZ-Geschichte verkauften sich weltweit über neun Millionen Exemplare. Auch andere Publikationen des Schriftstellers sind international geachtet und in insgesamt 51 Sprachen übersetzt worden. Sein Missbrauchs-Roman „A History of Lonelyness“ erschien 2014 (dt. „Die Geschichte der Einsamkeit“, 2015). Boyne schreibt sowohl Romane als auch Jugendbücher. Ein Werk speziell für Teenager veröffentlichte er im Jahr 2015 unter dem englischen Originaltitel „The Boy at the Top of the Mountain“ (dt. „Der Junge auf dem Berg“, 2017). John Boyne studierte in Dublin Englische Literatur und Kreatives Schreiben in Norwich. Neben seinen zahlreichen Romanen verfasste Boyne auch diverse Kurzgeschichten. Eine erste Auszeichnung erhielt der Ire im Jahr 1993 mit dem Hennessy Literary Award für das Werk „Shortlist“. Anschließend folgten zahlreiche weitere Ehrungen und Preise. 2015 wurde Boyne mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher für das Jugendbuch „So fern wie nah“ ausgezeichnet. Der 1971 geborene Autor lebt und arbeitet in Dublin.

Neue Bücher

Cover des Buches Die Geschichte eines Lügners (ISBN: 9783492318808)

Die Geschichte eines Lügners

Neu erschienen am 31.03.2022 als Taschenbuch bei Piper.

Alle Bücher von John Boyne

Cover des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama (ISBN: 9783596856916)

Der Junge im gestreiften Pyjama

 (2.267)
Erschienen am 24.08.2017
Cover des Buches Der Junge auf dem Berg (ISBN: 9783733502706)

Der Junge auf dem Berg

 (277)
Erschienen am 27.03.2019
Cover des Buches Das Haus zur besonderen Verwendung (ISBN: 9783492272650)

Das Haus zur besonderen Verwendung

 (170)
Erschienen am 01.11.2011
Cover des Buches Der Junge mit dem Herz aus Holz (ISBN: 9783596810949)

Der Junge mit dem Herz aus Holz

 (174)
Erschienen am 24.04.2014
Cover des Buches Haus der Geister (ISBN: 9783492307994)

Haus der Geister

 (132)
Erschienen am 01.03.2016
Cover des Buches Das späte Geständnis des Tristan Sadler (ISBN: 9783492302555)

Das späte Geständnis des Tristan Sadler

 (83)
Erschienen am 17.09.2013
Cover des Buches So fern wie nah (ISBN: 9783596812417)

So fern wie nah

 (74)
Erschienen am 20.08.2015

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu John Boyne

Cover des Buches Die Geschichte eines Lügners (ISBN: 9783492059633)A

Rezension zu "Die Geschichte eines Lügners" von John Boyne

Eine Satire über schriftstellerischen Ehrgeiz, verpackt in einen Psychothriller.
Ariusvor 21 Tagen

Maurice Swift ist ein junger Mann, der als Autor Erfolg haben möchte. Er würde alles tun, um in den Olymp der umschwärmten Autoren aufzusteigen. Aber es gab ein großes Problem, das ihm dabei im Weg stand – ihm fehlt es an Kreativität. Obwohl er schreiben kann, sind seine Geschichten langweilig. Er hat keine Handlungen, keine Charaktere. Gefangen in dieser misslichen Lage wird er zu einem geschickten Experten darin, das was ihm fehlt, auf andere Weise zu beschaffen: Er stiehlt Ideen.

Picasso soll einmal gesagt haben: „Gute Künstler kopieren; große Künstler stehlen“. Es ist das Motto, nach dem Maurice Swift, der soziopathische und hypnotisierende Antiheld in John Boynes „Die Geschichte eines Lügners“ sein Leben gestaltet.

Maurice ist heimtückisch, magnetisch, einschmeichelnd, vampirisch. Er weiß genau, wie er die Leute anzieht und manipuliert, die seine Karriere vorantreiben können. So macht er sich an ältere, schwule Romanautoren herran, die nach der Aufmerksamkeit eines hinreißenden Schülers dürsten. Niemand wird ausgebeutet, argumentiert Maurice; Jede Seite bekommt etwas, von dem, was er sich wünscht.

Während „Die Geschichte eines Lügners“ definitiv eine Charakterstudie ist, weicht seine scheinbar ruhige Natur bald dunklen Geheimnissen und unglaublichen Schrecken. Die Kapitel drehen sich durch verschiedene Schauplätze, Perspektiven und Strukturen und zeigen die bemerkenswerte literarische Bandbreite des Autors, selbst wenn er über einen Mann mit keiner schreibt.

Das Buch war nicht das, was ich erwartet hatte. Bei Ideendiebstal dachte ich gleich an Plagiate. Doch dem hat sich Maurice Swift, die Hauptfigur von John Boynes Roman über die Geschichte eines Lügners, nicht schuldig gemacht. Seine Werke waren zwar Plagiate, doch seine Verbrechen gingen noch viel weiter. 

Dieses Buch war außergewöhnlich. Ich kann mir keine treffendere Art vorstellen, es auszudrücken. Es ist eine Geschichte, die aus faszinierenden Charakteren, amüsanter Literaturkritik, fantastischen Dialogen und Momenten von so schrecklicher Verzweiflung und Schrecken besteht, dass ich mit großen Augen auf jede einzelne Zeile gestarrt habe.

„Die Geschichte eines Lügners“ ist kein Buch, das jemand lieben möchte. Sein Bösewicht, Maurice Swift, ist kaltblütig, frostig und ätzend, ein Mann, der vor nichts zurückschreckt, um literarischen Ruhm zu erlangen. Die Spannung steigt, als John Boyne mit der Frage spielt, wie weit Maurice für eine erfolgreiche Idee gehen wird.

Jeder "Abschnitt" des Buches beginnt harmlos, aber durch sorgfältig ausgearbeitete Charakterdynamiken entwickelt sich daraus etwas Unheimliches.

Der Eröffnungsabschnitt – eine perfekt konstruierte Novelle, die Henry James neidisch gemacht hätte – ist ein erschreckendes Bekenntnis von Verlangen und Dummheit. Erich Ackermann, ein fünfundsechzigjähriger homosexueller Mann, ist unser Erzähler für diesen Teil des Romans.

Alles beginnt 1988 in Berlin, als der renommierte Schriftsteller Erich Ackermann auf Maurice trifft, der als Kellner im Savoy arbeitet. Wider besseres Wissen kommt Erich mit dem gutaussehenden Kellner ins Gespräch und entdeckt, dass dieser junge Mann ein Fan seiner Arbeit ist. Der alternde Autor ist vom ersten Augenblick an berauscht von Maurices „kraftvoller Mischung aus Vitalität und impulsiver Sexualität“. Um mit ihm in Kontakt zu bleiben, stellt er Maurice „in der leicht nebulösen Rolle des persönlichen Assistenten“ ein, und so ist die Falle gestellt.

Was als nächstes passiert, ist grausam, aber seltsam faszinierend, wie eine Kröte, die beschreibt, wie es war, von einer Schlange hypnotisiert und gefressen zu werden.

Über einen längeren Zeitabschnitt verteilt, erzählt Erich dem jungen Maurice die Geschichte seiner Jugend in Nazi-Deutschland, seine unerwiderte Liebe zu einem männlichen Freund, und ein schreckliches Verbrechen, das Erich vierzig Jahre lang geheim gehalten hat.

Maurice muss immer wieder nachbohren. Doch Stück um Stück, holt er die Geschichte hervor. John Boyne baut die Spannung von Maurices heimtückischen Fragen mit meisterhafter Präzision auf und lässt den Leser Maurices doppelzüngige Absichten lange vor dem naiven Erich verstehen. Was folgt, ist eine köstlich dunkle Geschichte über Ehrgeiz, Verführung und literarischen Diebstahl, in der Maurice schamlos einen Roman veröffentlicht, der auf der Geschichte des älteren Mannes basiert – und seine eigene Karriere startet, während er Erichs Karriere beendet.

Erich ist ein komplexer Charakter – alt, einsam, verzweifelt, ein schreckliches Geheimnis in sich tragend. Auf den ersten Blick mag seine Bestrafung sogar angemessen erscheinen. Aber ist es das? Gibt es schlimme Umstände, die Ausnahmen erfordern? Vielleicht. Jedenfalls ist es schwer, Genugtuung über seinen Untergang zu empfinden.

Was so bemerkenswert und so köstlich böse ist, ist die Subtilität von Maurices Methode: Er lässt immer sein Opfer die Führung übernehmen. Als Erich realisiert, was Maurice ihm angetan hat, muss er zugeben: „Ich war buchstäblich der Autor meines eigenen Unglücks.“

Der nächste Abschnitt ist das Glanzstück des Romans. In einem Kapitel mit dem Titel Zwischenspiel: Das Schwalbennest, finden wir uns in Gore Vidals Haus an der Amalfiküste. Gore Vital (1925 – 2012) ist eine historische Persönlichkeit, ein US-amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Schauspieler und Politiker. Im Roman erwartet er die Ankunft von Maurice mit einem anderen erfolgreichen Schriftsteller, dem er sehr verbunden ist. Vidal ist hier unser Erzähler und wird zur einzigen Figur im Roman, die schlau genug ist, Maurices Spiel zu durchschauen.

Dieser erhabene Abschnitt ist in der dritten Person aus Vidals Blickwinkel geschrieben – ein Akt von fast Bauchreden, der den herben Humor und die hochmütige Anmut des Autors einfängt. Die Geschichte ist nahtlos in die wahren Details von Vidals Leben eingewoben. 

Wir treffen Maurice das nächste Mal, als seine Karriere ins Stocken geraten ist. Er ist jetzt mit Edith verheiratet, die an der University of East Anglia lehrt, während sie an ihrem zweiten Roman arbeitet. Dieser erschreckende Abschnitt wird von Edith selbst erzählt. Sie richtet sich dabei direkt an Maurice.

Das Lesen dieser Seiten ist wie das Anschauen eines Hitchcock-Films. Wir können in unserem Rückgrat spüren, wie grausam sich das Entwickeln wird, und wir wollen unbedingt, dass das Mädchen entkommt.

Boynes Schreiben ist so anschaulich und so gruselig, dass es keine gute Idee ist, diesen Abschnitt vor dem Schlafen zu lesen. 

Wie in Maurices Beziehung zu Erich vermittelt John Boyne auf beängstigende Weise Ediths Blindheit gegenüber Maurices Grausamkeit, seiner Mobbing- und Zwangskontrolle. Mit einem schleichenden Gefühl der Bedrohung erkennen wir, was Maurice plant. Der Effekt ist fesselnd und beängstigend: Als würden wir uns einen Horrorfilm ansehen und das Mädchen anschreien, es solle das Zimmer verlassen, weil sich der Bösewicht unter ihrem Bett versteckt. Das Ende dieses Abschnitts ist sowohl kraftvoll als auch äußerst beunruhigend.

Unsere nächste Begegnung mit Maurice findet in New York statt, wo er jetzt Herausgeber einer Literaturzeitschrift und Vater eines durch Leihmutterschaft gezeugten Sohnes ist. Von dort ziehen wir nach London, wo sein Leben in Alkoholismus und Selbstmitleid versunken ist und wo ein Treffen mit einem jungen Biographen den Kreis seiner Geschichte schließen wird. Dieser Abschnitt wird aus Maurices Sicht erzählt. Wir tauchen tief in sein Denken ein. 

Mit Maurice Swift hat uns John Boyne einen unvergesslichen Protagonisten geschenkt, der gleichermaßen gefährlich und unwiderstehlich ist. Das Ergebnis ist ein genial konzipierter Roman, der John Boyne als einen der selbstbewusstesten Schriftsteller seiner Generation bestätigt.

John Boynes brillante wechselnde Standpunkte und seine Beherrschung eines der am stärksten selbstrationalisierten Psychopathen in der modernen Literatur, werden die Leser nach dem Lesen der Schlussfolgerung verfolgen. Aber es ist Gore Vidals Frage, die sinngemäß über der Handlung des Romans schwebt: „Wie oft sehen wir Menschen so, wie wir sie haben wollen, und nicht so, wie sie wirklich sind?“

Maurice ist ein faszinierender Charakter in einem Meer faszinierender Charaktere. Er ist ein attraktiver Mann, der sein Aussehen und seine sorgfältige Manipulation nutzt, um seine Ambitionen voranzutreiben. Er ist ein Geschichtendieb, der Menschen für ihre Ideen benutzt und wegwirft, sobald er bekommen hat, was er braucht. Er saugt den Menschen die Seele aus dem Leib, saugt sie bis zu dem Punkt aus, an dem sie ihm und der literarischen Welt nichts mehr zu bieten haben. Seine Bereitschaft, jeden zu benutzen, der seinen Aufstieg vorantreiben kann, ist in seiner reinen Bösartigkeit bewundernswert. Er ist buchstäblich köstlich verabscheuungswürdig.

So sehr ich ihn auch verachtete, war ich fasziniert von Maurice und konnte es kaum erwarten zu sehen, was er tun würde, um seinen Status zu behalten. Maurices Charakter ist brillant ausgearbeitet – es war, als ob ich von Maurice in die Seiten hineingezogen würde, noch bevor ich seine Stimme erleben konnte, die viel über John Boynes Schreibfähigkeit aussagt.

„Die Geschichte eines Lügners“ erinnert uns daran, dass gute Literatur oft die einzige Gelegenheit ist, wertvolle Zeit mit wirklich grässlichen Menschen zu verbringen. Im wirklichen Leben würden wir vor solchen Teufeln zurückschrecken, aber in der illegalen Sicherheit eines Romans können der Mörder, der Dieb und der Betrüger unwiderstehlich erscheinen. Sie streicheln unser Ego und bestätigen unsere moralische Überlegenheit, während sie uns die Kammern ihrer giftigen Herzen lecken lassen.

Es ist wirkungsvoll, wie sich die dunkleren Aspekte dieser Geschichte in das einschleichen, was zunächst wie eine ruhige Charakterstudie über Kunst und Schreiben erscheint. John Boyne erkundet die feinen Linien zwischen erster Liebe und Besessenheit, zwischen Wettbewerb und Eifersucht, zwischen Ehrgeiz und Fanatismus … und er tut dies alles mit einer Prise Witz und Humor.

Maurice mag ein absurder Fall sein, aber er ist ein fachkundiger Führer, in die von Neid durchsetzter Welt des anspruchsvollen Verlagswesens, ein Reich der „begehrlichen Feindseligkeit“, in dem Erfolg öffentlich bewundert und privat verspottet wird. 

Jahrzehnte im Geschäft haben John Boyne eindeutig dazu gebracht, die Sprache des literarischen Kampfes fließend zu sprechen. Er weiß genau, wie bestimmte Schriftsteller ihre Kollegen mit spitzen Komplimenten durchbohren und sie mit herabsetzendem Lob demütigen.

John Boyne persifliert sanft die Verlagswelt, nicht zuletzt die Unwägbarkeiten von Preisen, die Unaufrichtigkeit von Autoren, die sich auf Festivals treffen, und die endlose Reihe neuer Bücher, die eine Bestätigung erfordern. Der Autor hellt die tiefen Schatten und die Amoralität des Buches mit amüsanten Seitenhieben auf das Ruhmspiel hinter dem literarischen Leben auf, mit seinen Klappentexten und Preisen, Akolythen und endlosem Neid.

„Die Geschichte eines Lügners“ ist eine absurd interessante Kritik an der literarischen Welt. John Boynes Spiel mit Perspektive, schwarzem Humor und der ständigen moralischen Infragestellung, die der sich selbst rationalisierende Protagonist zu provozieren schafft, sorgt für eine äußerst fesselnde Erfahrung.

John Boynes Schreibstil ist erstklassig. Aufwändig gezeichnet, voll scharfem Witz und mehrdimensional komplexen Charakteren. Es ist keine glückliche Geschichte, aber es ist sicherlich eine verführerische, die mir unter die Haut gegangen ist. 

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Cover des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama (ISBN: 9783596806836)P

Rezension zu "Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne

Ein sehr schwieriger Start
Pikamadsvor 23 Tagen

Ich hatte wirklich ein paar Probleme mit dem Buch. Besonders der Anfang ist mir sauer aufgestoßen und ich war kurz davor abzubrechen. Die Naivität von Bruno (auch wenn sie die Intention von John Boyne war) und seine "Wortneuschöpfungen", um es mal so zu formulieren, haben sich für mich während des Lesens einfach nur falsch angefühlt.

Ich habe das Buch also erst mal beiseite legen müssen und es für einige Tage nicht mehr zur Hand genommen. Stattdessen habe ich mit einer Kollegin darüber geredet und konnte mir so ein wenig den Frust darüber von der Seele reden. Als ich das Buch dann heute wieder zur Hand genommen habe, konnte ich die Geschichte mit einem klareren Blick doch noch fortsetzen.

Mit etwas Abstand konnte ich daraufhin Brunos Naivität beim Lesen soweit ausblenden und habe seine Wortneuschöpfungen mit dem richtigen originalen Laut für mich gelesen und konnte dem letzten größeren Teil weit besser folgen, als ich es zu Beginn noch geglaubt habe.

Das Ende hat mich, ich möchte sagen natürlich, emotional berührt und ich bin dankbar für die Pause, die ich mir genommen habe um dem Buch eine zweite Chance zu geben.

Aus diesem Grund kann ich auch nur 3 Sterne geben, da mich die oben genannten Elemente einfach zu sehr gestört haben. Ich bin mir sicher, dass John Boyne mit einer guten Absicht an sein Werk gegangen ist, aber gerade mit dem Gedanken an das Tagebuch der Anne Frank im Hinterkopf kann ich das einfach nicht guten Gewissens ausblenden.

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Cover des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama (ISBN: 9783596856916)A

Rezension zu "Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne

Nicht empfehlenswert
Anni121vor 23 Tagen

Dieses Buch stand lange Zeit ungelesen in meinem Bücherregal und da ich gerade ein Buch mit der gleichen Thematik beendet hatte, habe ich mich an dieses gewagt.

Ich hatte schon vorher viel über dieses Buch gehört, vor allem Positives und dass es einen zu Tränen rührt. Mit diesen Erwartungen bin ich nun an das Buch heran gegangen. Doch ich muss leider sagen, dass ich mich den ganzen positiven Meinungen über "Der Junge im gestreiften Pyjama" nicht anschließen kann. Ich habe auch lange überlegt, ob ich zu diesem Buch eine Rezension schreiben sollte, doch ich finde es auch irgendwie wichtig, dieses Buch aus einem anderen Sichtwinkel zu betrachten.

Zu allererst möchte ich sagen, dass ich das Buch nicht komplett schlecht finde. Der Schreibstil des Autors war wirklich sehr gut zu lesen. Ich kam sehr zügig beim Lesen voran.

Auch sehr gelungen und berührend empfand ich die Schilderungen von Schmuel. Wie er von seinem früheren Leben berichtet, sein Umzug in ein Ghetto und die Zustände dort und schließlich der Transport nach Auschwitz.
Doch leider wurden diese schmerzhaften Bilder von Bruno im nächsten Moment schon wieder zerstört und für mich auch verharmlost, indem Bruno sich mit Schmuel und seiner Situation vergleicht. Auch hatte ich das Gefühl, dass er den Schilderungen von Schmuel nur wenig Glauben schenkt. So zum Beispiel betont er mehrmals, dass die Waggons doch Türen zum Aussteigen hätten, obwohl Schmuel ihm beteuert, dass bei ihm im Waggon keine gewesen wären.
Viele diese Szenen waren für mich unerträglich und fast schon grotesk.

Wobei ich bei meinem größten Kritikpunkt wäre und das wäre Bruno. Dieser ist ein neunjähriger Junge und auch aus seiner Sicht wird die Geschichte dieses Buches erzählt. Dabei setzt der Autor vor allem auf die Naivität des Jungen. Aber für mich war dies viel zu unrealistisch und unglaubwürdig. Besonders mit Brunos familiären Hintergrund.
Denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein neunjähriger Junge, dessen Vater der Lagerkommandant von Auschwitz ist, noch niemals von Juden gehört hat. Ganz zu schweigen davon, dass Bruno die Worte Auschwitz und Führer nicht richtig aussprechen kann.
Außerdem scheint Bruno nicht zu erkennen, dass es Schmuel schlecht geht und er Hunger leidet. Einem Kind in diesem Alter traue ich doch schon mehr zu.
Bruno hätte schon in der Schule mit der Propaganda der Nazis in Kontakt kommen müssen und dementsprechend schon gewusst haben, was Juden sind. Und wenn nicht dort, dann doch wohl höchstwahrscheinlich Zuhause, denn sein Vater ist ein hohes Tier bei den Nazis. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass dieser Vater seinem Sohn nicht auch diese grässliche Rassenlehre beigebracht hat. Für mich alles sehr unbegreiflich und mit der Naivität eines Kindes auch nicht mehr zu rechtfertigen.

Dieses Buch war für mich schwer zu ertragen und dies lag nicht an den grausamen Schilderungen über Auschwitz. Sondern eher daran, dass ich das Gefühl bekam, dass hier ein sehr ernstes Thema einfach verharmlost wird.
Neunjährige Jungen im KZ Auschwitz? Und davon Hunderte? In Auschwitz wurden Kinder fast immer sofort selektiert und vergast.
Ein unbewachter Zaun in Auschwitz, an dem sich zwei Kinder treffen, sich stundenlang unterhalten können und unter dem man sogar durch kriechen kann, ohne dass es jemand bemerkt? In Auschwitz undenkbar.
Wurde hier schlecht recherchiert? Anders kann ich mir diese Unstimmigkeiten eigentlich nicht erklären. So wirkt es als wäre es ja alles nicht so schlimm gewesen. Was ich wiederum sehr fatal finde.

Der Junge im gestreiften Pyjama wird auch für den Schulunterricht empfohlen, doch meines Erachtens ist es dafür nicht geeignet und wenn dann nur mit einer sehr kritischen Herangehensweise und dem Vermerk, dass hier vieles beschönigt und verharmlost wird.

Ich kann mich den vielen positiven Stimmen zu diesem Buch leider nicht anschließen und kann es überhaupt nicht empfehlen.

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Gespräche aus der Community

"Der Junge auf dem Berg" / "The Boy at the Top of the Mountain" wird NICHT verlost, jeder nimmt mit seinem eigenen Exemplar teil, im Original oder übersetzt.

Die Aufteilung habe ich mir "gemopst" bei Marina_Nordbreze https://www.lovelybooks.de/autor/John-Boyne/Der-Junge-auf-dem-Berg-1457681331-w/leserunde/1475124378/

27 Beiträge
S
Letzter Beitrag von  StefanieFreigerichtvor 4 Jahren
mir hätte da nicht viel gefehlt. Eine tatsächliche Aktivität in der Hitlerjugend und die Verführung der Gruppenzugehörigkeit oder irgendein Erlebnis, dass er hätte unter "Feindbild" zuordnen können. Aber es fehlte halt, ja

Ein Junge und der Führer

Mit "Der Junge im gestreiften Pyjama"  hat John Boyne bereits einen ergreifenden Roman geschrieben, der die Leser sprachlos zurückgelassen hat. 10 Jahre später, in Zeiten eines wachsenden Rechtspopulismus erzählt der Bestsellerautor in seinem neuesten Buch eine weitere historische Geschichte, die nichts an ihrer Aktualität verloren hat. "Der Junge auf dem Berg" erzählt von Pierrot, einem Jungen im zweiten Weltkrieg, von einem Berghof der besonderen Art und von Schuld und Unschuld ... und lässt uns begreifen: das was dem kleinen Pierrot passiert, kann auch uns passieren.


Über das Buch     
Als Pierrot seine Eltern verliert, nimmt ihn seine Tante zu sich in den deutschen Haushalt, in dem sie Dienst tut. Aber dies ist keine gewöhnliche Zeit: Der zweite Weltkrieg steht unmittelbar bevor. Und es ist kein gewöhnliches Haus: Es ist der Berghof – Adolf Hitlers Sommerresidenz. Schnell gerät der Junge unter den direkten Einfluss des charismatischen Führers. Um ihm seine Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit – auch zum Verrat.

>> Hier geht es zur Leseprobe!

Über John Boyne
      
John Boyne wurde 1971 in Dublin, Irland, geboren, wo er auch heute lebt. Er ist der Autor von sechzehn Romanen, darunter ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹, der sich weltweit sechs Millionen Mal verkaufte, zahlreiche internationale Buchpreise gewann und mit großem Erfolg verfilmt wurde. John Boynes Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt.

Gemeinsam mit FISCHER vergeben wir in unserer Leserunde 25 Exemplare von "Der Junge auf dem Berg". Was du tun musst, um dabei zu sein? Bewirb dich bis einschließlich 13.08. über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und beantworte folgende Frage:   

Warum möchtest du an dieser Leserunde teilnehmen? 

Ich bin schon gespannt auf eure Antworten und drücke euch ganz fest die Daumen.         

Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Leserunden.
730 BeiträgeVerlosung beendet
M
Letzter Beitrag von  MeLi94vor 5 Jahren
Danke für deine Hilfe :) Hab mir jetzt einfach meinen Laptop geschafft. Normalerweise erledige ich alles auf lovelybooks über mein Smartphone. Hoffentlich ist die Funktion bald auch auf dem Smartphone freigeschaltet

Liebe Lovelybooks-Leser,

Pünktlich zur Erscheinungswoche starten wir mit einem hervorragenden neuen Titel von John Boyne. Viele von euch kennen sicherlich sein Buch The Boy in the Striped Pyjamas, das später auch verfilmt wurde. 

Sein neuer Roman nimmt uns auf eine Reise nach Irland. Angefangen in den 40er Jahren bis zur Gegenwart zeigt er uns ein Land, dass in teif geprägt hat auf seiner Suche nach Identität und Selbstverwirklichung. 


Hier geht's zur Leseprobe


Book Description
Cyril Avery is not a real Avery or at least that’s what his adoptive parents tell him. And he never will be. But if he isn’t a real Avery, then who is he?

Born out of wedlock to a teenage girl cast out from her rural Irish community and adopted by a well-to-do if eccentric Dublin couple via the intervention of a hunchbacked Redemptorist nun, Cyril is adrift in the world, anchored only tenuously by his heartfelt friendship with the infinitely more glamourous and dangerous Julian Woodbead.

At the mercy of fortune and coincidence, he will spend a lifetime coming to know himself and where he came from – and over his three score years and ten, will struggle to discover an identity, a home, a country and much more.

In this, Boyne's most transcendent work to date, we are shown the story of Ireland from the 1940s to today through the eyes of one ordinary man. The Heart's Invisible Furies is a novel to make you laugh and cry while reminding us all of the redemptive power of the human spirit.

Author
John Boyne was born in Ireland in 1971. He is the author of ten novels for adults, five for young readers and a collection of short stories. Perhaps best known for his 2006 multi-award-winning book The Boy In The Striped Pyjamas, John’s other novels, notably The Absolutist and A History of Loneliness, have been widely praised and are international bestsellers. In 2015, John chaired the panel for the Giller Prize, Canada’s most prestigious literary award. The Heart’s Invisible Furies is his most ambitious novel yet.

Bewerbt euch einfach auf eines unserer Leseexemplare. Wir freuen uns. 

Liebe Grüße auf dem grauen London,
Ulrike @ PRH UK


429 BeiträgeVerlosung beendet
D
Letzter Beitrag von  danielamariaursulavor 5 Jahren

Zusätzliche Informationen

John Boyne wurde am 30. April 1971 in Dublin (Irland) geboren.

John Boyne im Netz:

Community-Statistik

in 4.764 Bibliotheken

von 842 Lesern aktuell gelesen

von 34 Lesern gefolgt

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