Irvin D. Yalom

 4,2 Sterne bei 1.011 Bewertungen
Autor von Und Nietzsche weinte, Die rote Couch und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Irvin D. Yalom

Irvin D. Yalom wird 1931 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren. Seine Familie wanderte kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs von Celtz in die USA aus. Yalom studiert in Washington, D.C. und Boston. 1956 wird ihm der Doktorgrad der Medizin verliehen. Als Autor veröffentlichte er verschiedene psychotherapeutische Standardwerke, Geschichten und Romane. Er gilt als bedeutendster lebender Vertreter der existentiellen Psychotherapie und unterrichtete als Professor für Psychiatrie an der Stanford Universität. 2009 erhält er den Internationalen Sigmund-Freud-Preis für Psychotherapie. Mit seiner Frau, der Autorin und Wissenschaftlerin Marilyn Yalom, hat er vier Kinder. Yalom lebt in Palo Alto, Kalifornien.

Alle Bücher von Irvin D. Yalom

Cover des Buches Und Nietzsche weinte (ISBN: 9783641157371)

Und Nietzsche weinte

 (407)
Erschienen am 27.11.2014
Cover des Buches Die rote Couch (ISBN: 9783641194826)

Die rote Couch

 (136)
Erschienen am 28.01.2016
Cover des Buches Die Schopenhauer-Kur (ISBN: 9783641119782)

Die Schopenhauer-Kur

 (119)
Erschienen am 30.05.2013
Cover des Buches Das Spinoza-Problem (ISBN: 9783442748778)

Das Spinoza-Problem

 (57)
Erschienen am 11.05.2015
Cover des Buches Die Liebe und ihr Henker (ISBN: 9783442746279)

Die Liebe und ihr Henker

 (58)
Erschienen am 09.04.2013
Cover des Buches Der Panama-Hut (ISBN: 9783641119768)

Der Panama-Hut

 (42)
Erschienen am 28.05.2013
Cover des Buches Unzertrennlich (ISBN: 9783442772155)

Unzertrennlich

 (26)
Erschienen am 11.07.2022
Cover des Buches Jeden Tag ein bißchen näher (ISBN: 9783641188504)

Jeden Tag ein bißchen näher

 (27)
Erschienen am 30.11.2015

Neue Rezensionen zu Irvin D. Yalom

Cover des Buches Das Spinoza-Problem (ISBN: 9783442748778)
Vera-Seidls avatar

Rezension zu "Das Spinoza-Problem" von Irvin D. Yalom

"Die Arme der Einsamkeit"
Vera-Seidlvor einem Monat

"Als er schließlich von Franco keine Spur mehr erkennen konnte, trat Bento langsam von der Anlegestelle zurück und begab sich wieder in die Arme der Einsamkeit."


 


Beiden Hauptfiguren, Bento de Espinosa und Alfred Rosenberg gesellt Irven D. Yalom einen fiktiven Freund hinzu, um die Charaktere der beiden Einzelgänger transparent werden zu lassen. 


 


Genannter Franco stammt wie Spinozas Vorfahren aus Portugal. Wie viele andere Juden war seine Familie zum Katholizismus konvertiert. In Amsterdam hat er Schwierigkeiten mit dem Judentum und dessen dogmatischen Gesetzen. "Franco schloss die Augen. 'Ich dachte: Was ist der Unterschied zwischen diesem Spektakel und dem Spektakel - nein, ich will es geradeheraus sagen - und dem Unsinn, der während der katholischen Messe stattfand, die wir Neuchristen besuchen mussten.'"


 


Der junge Spinoza erläutert ihm seine Ansichten. Die Thora, die Bibel sei von Menschen geschrieben, nach Mose gab es laut der Schrift keine Propheten mehr, der Mensch sei nicht nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, es gebe keine Wunder und kein Leben nach dem Tod. 


 


Gott und die Natur seien identisch, Gott also immanent. Er sei eine ewige Substanz, deren Eigenschaften konstant blieben. "Unter Substanz verstehe ich das, was in sich ist und durch sich begriffen wird, das heißt das, dessen Begriff, um gebildet werden zu können, den Begriff eines anderen Dinges nicht bedarf." (Die Ethik nach geometrischer Methode dargestellt)


 


Als Religionslehrerin hatte ich mit Spinozas rationalen Ansichten ganz schön zu kämpfen. Aber gerade deshalb hat mir der Roman "Das Spinoza-Problem" so gut gefallen. 


Natürlich war eine Aufklärung im 17. Jahrhundert und danach dringend notwendig war. Aber wie Franko am Ende feststellt, war Spinoza nicht so leidenschaftslos, wie gern wollte. 


 


Im 21. Jahrhundert muss ich sagen, dass es mir gleich-gültig ist, ob Gott immanent oder transzendent ist. Wunder gibt es für die, die daran glauben. "Der Glaube versetzt Berge", sagt ein Sprichwort. Medizinisch könnte man auch vom Placebo-Effekt sprechen. Was das Leben nach dem Tod betrifft, gefällt mir immer noch Theodor Fontanes Gedicht "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" am besten, in welchem auf dem Grab des Herrn ein Birnbaum wächst und den Vorübergehenden Birnen spendet, wie es der Lebende getan hatte. 


 


Bei Franciskus van den Enden lernt Spinoza nach dem Hebräischen die alten Sprachen und deren Sprecher kennen. Besonders dankbar bin ich Yalom, dass er mich an Epikur erinnerte. "Für Epikur war ataraxia das einzig wahre Glück. Und wie erreichen wir es? Weder durch Platons Harmonie der Seele noch durch Aristoteles' Erlangen von Vernunft, sondern schlicht durch das Ausschalten von Sorge und Furcht." Die größte Angst sei die vor dem Tod. Epikurs Rezept dagegen: "Wo Leben ist, ist kein Tod, und wo Tod ist, ist kein Leben."


 


"Die Arme der Einsamkeit" wählte sich Spinoza selbst, so Yalom. Er wusste, welche Folge die Verbreitung seiner Ansichten haben würde. Am 27. Juli 1656 wurde er von der Amsterdamer portugiesischen Synagoge mit dem Bann, Cherem ausgeschlossen.


 


Nur zu Franko hat er in großen Abständen Kontakt, ein Überbleibsel an Heimat und Geborgenheit. Aber auch das verliert er am Ende, als Franco, der jetzt Rabbiner ist, in die Neue Welt aufbricht, um dort das Judentum zu verändern.


 


Für Spinoza gibt es zwei Arten von Gemeinschaft, die "die sich aneinanderschmiegen, um einander zu wärmen und sich sicher zu fühlen, und den Menschen, denen eine aufgeklärte, freudige Sicht auf die Natur oder Gott gemeinsam ist."


Um Letzteres zu erreichen, müsse er seine "eigene Identität abwerfen, das heißt meine Bindung an mich selbst - und alles vom absolut Adäquaten und der wahren Perspektive aus betrachten."


 


"Was geschehen ist, ist, dass ich keinen Bedarf mehr an ihren Diensten habe, Herr Oberleutnant Pfister. Kehren Sie augenblicklich auf Ihren Posten nach Berlin zurück."


 


Das sind die letzten Worte, die Alfred Rosenberg an seinen Freund, den Psychiater Friedrich Pfister richtet, nachdem er kurz zuvor von Hitler endlich die Anerkennung erhalten hat, nach der er sich sehnte.


 


Auch Alfred Rosenberg ist ein Einzelgänger. Aber er hat dieses Schicksal nicht selbst gewählt, so Yalom in Übereinstimmung mit seiner Figur Friedrich Pfister. Seine Mutter starb zwei Monate nach seiner Geburt, sein Vater war krank und verschied, als Alfred elf Jahre alt war. Fortan waren es zwei Tanten, die sich um den Jungen kümmerten.


 


Schuldgefühle am Tod der Mutter werden angesprochen und noch mehr die Suche nach einem Ersatzvater. Die Gefühle der Minderwertigkeit und Schuld werden auf die Juden und Bolschewisten übertragen. Im Autor Housten Stewart Chamberlein findet Rosenberg einen Vater, den er verehren kann.


 


Nachdem er Russland und dem Baltikum den Rücken gekehrt hat, wird Dietrich Eckart, der Chefredakteur des Völkischen Beobachters zu seinem Mentor. Ihm folgt Adolf Hitler, der ihm einen Schreibtisch schenkt und später, nach dem gescheiterten Putsch am 9. November 1923, die Führung der NSADAP überträgt.


 


Immer wieder lässt er sich von Hitler ködern, aber in den "inneren Zirkel" gelangt er erst, als er nach dem Krieg mit 21 anderen Größen der Nazi-Zeit auf der Anklagebank sitzt. Aber im Gegensatz zu ihnen widerrief Rosenberg niemals.


 


Die erste Beschäftigung mit Spinoza wird vom Direktor und dem Deutschlehrer der Petri-Realschule in Reval erzwungen. Aber "Das Spinoza-Problem" lässt Rosenberg nicht mehr los, bis es ihn schließlich ins Spinoza-Museum nach Rijnsburg führt. Der ERR (Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg) räumt dann das Museum, ohne die beiden Jüdinnen im Spitzboden des Hauses zu bemerken. 


 


"Der ERR hatte ein seltsames Interesse an Spinoza. Der Mitarbeiter Rosenbergs, der Nazi, der die Bibliothek auf seinen Befehl hin plünderte, hinterließ in seinem offiziellen Bericht einen vielsagenden Satz: 'Auch diese Bibliotheken ... enthalten ausserordentlich wertvolle frühe Werke, die zur Erforschung des Spinozaproblems (sic!) von besonderer Bedeutung sind'", bekam Yalom beim Besuch des Museums zu hören. Die Inspiration für seinen Roman.


 


Mir hat das Innenleben Spinozas in den Augen Frankos viel besser gefallen, als die psychoanalytischen Deutungen von Friedrich Pfister. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich nicht glaube, dass die Welt nicht nur aus Ursache und Wirkung besteht. Viele Physiker, angefangen bei Marie Curie, würden das bestätigen. 


 


Für die Dramaturgie und noch mehr für das Verständnis von Spinozas Philosophie war die Geschichte Alfred Rosenbergs unerlässlich.


 


Ich verneige mich vor Irven D. Yalom und bedanke mich herzlich.


 


Vera Seidl


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

Kommentieren
Teilen
Cover des Buches Unzertrennlich (ISBN: 9783442772155)
RadikaleResignations avatar

Rezension zu "Unzertrennlich" von Irvin D. Yalom

Hoch emotionales Miteinander
RadikaleResignationvor einem Monat

Er und sie schreiben darüber, wie es ist, wenn einer geht. Einer, mit dem man (Mann) seit über 60 Jahren das Leben geteilt, Kinder bekommen und Abenteuer erlebt hat. Das Buch nimmt uns mit auf eine Reise, die emotional keinen kalt lässt. Man lacht mit, Maja trauert mit. Ich fand das Buch sehr authentisch und wunderschön geschrieben!

Kommentieren
Teilen
Cover des Buches Unzertrennlich (ISBN: 9783442772155)
birdies_buecherwelts avatar

Rezension zu "Unzertrennlich" von Irvin D. Yalom

Eine Liebeserklärung an die Liebe
birdies_buecherweltvor 6 Monaten

Irvin D. Yalom und seine Frau Marilyn Yalom sind seit 65 Jahren verheiratet. Beide sind weit über 80 und blicken auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Irvin als Psychiater und Schriftsteller, Marilyn als Kulturwissenschaftlerin. Die Literatur, ihre Kinder und Familie und die unendliche Achtung voreinander, schweißen sie ein Leben lang zusammen. Als bei Marylin ein multiples Myelom diagnostiziert wird, beginnt das Ehepaar mit dem Schreiben dieses Buches. Es ist ein Abschiednehmen voneinander, ein letztes gemeinsames Projekt, das Irvin alleine zu Ende bringen wird.
Ungefiltert berichten die beiden von ihren Gefühlen, ihren Ängsten und ihrer Aussicht auf die Zukunft. Eine Zukunft, die unweigerlich mit dem Tod verbunden ist. Es wird nichts überdramatisiert oder herunter gespielt; es geht um das Sterben und den Tod. Irvin muss erkennen, dass selbst er, als jahrzehntelang praktizierender Psychologe, bei sich selbst und der eigenen Trauer an seine Grenzen gerät.
Dieses Buch geht sehr zu Herzen. Es ist ergreifend, bestürzend und hat mich an einigen Stellen völlig unerwartet in Tränen ausbrechen lassen. Ich wurde an den Verlust geliebter Menschen erinnert und habe dabei zwangsläufig alte Wunden aufgerissen von denen ich glaubte, sie wären längst verheilt.
Keine leichte Lektüre, aber unvergleichlich ehrlich und glaubwürdig.
Wer sich mit dem Älterwerden, dem Abschiednehmen, dem Sterben und der Frage, was von uns bleibt, auseinander setzen möchte, wer sich traut, sich diesem Thema auszusetzen, dem lege ich dieses Buch sehr ans Herz. 

Kommentieren
Teilen

Gespräche aus der Community

Liebe Irvin D. Yalom-Fans, anlässlich des Kinostarts zu "Yaloms Anleitung zum Glücklichsein" gibt es bei uns zwei Pakete zu gewinnen. Ein Paket besteht aus einem Filmplakat sowie dem Buch "Und Nietzsche weinte".

Teilnehmen könnt ihr hier:
http://www.booknerds.de/2014/09/yaloms-anleitung-zum-gluecklichsein-gewinnspiel-2-x-und-nietzsche-weinte-buch-plus-filmplakat-zu-gewinnen/

LG
Chris
1 BeiträgeVerlosung beendet
esposa1969s avatar
Letzter Beitrag von  esposa1969vor 8 Jahren
Habe ich gerne mitgemacht!

Zusätzliche Informationen

Irvin D. Yalom wurde am 13. Juni 1931 in Washington, D.C. (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Irvin D. Yalom im Netz:

Community-Statistik

in 1.132 Bibliotheken

von 185 Leser*innen aktuell gelesen

von 25 Leser*innen gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks