Gerhard Roth

 3,8 Sterne bei 164 Bewertungen

Lebenslauf von Gerhard Roth

Vom Schreiben besessen: Gerhard Roth, geboren am 24.Juni 1942 in Graz, ist ein österreichischer Schriftsteller. Als 1945 das Haus der Roths bombardiert wurde, flohen sie nach Deutschland. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich besuchte Roth die Grazer Karl-Franzens-Universität und studierte dort Medizin. Kurze Zeit später brach er sein Studium ab und arbeitete als Organisationsleiter in Graz. In dieser Zeit fing er dann an zu Schreiben und veröffentlichte seine erste literarische Arbeit. Anlässlich der Verfilmung seiner Bücher und der Veröffentlichung seines Autoren Porträts „Ich war süchtig nach Bildern“ reiste er oft nach Amerika. Aus diesen Reisen konnte er dann zahlreiche Inspirationen für seine Werke sammeln. Er schloss sich Autorenvereinigungen an und ging im Rahmen eines Förderprogramms nach Hamburg, wo seine Fotografien und Romane ausgestellt wurden. Als er dann seinen heutigen Wohnsitz in Wien bezog, fing er an, an seinem berühmtesten Werk „Die Archive des Schweigens“ zu arbeiten. Nach Veröffentlichung wurde dieses Werk als Prosa der Aufmerksamkeit gerühmt. Für seine literarischen Arbeiten gewann er bereits zahlreiche Literaturpreise, den Alfred-Döblin Preis, den Würdigungspreis für Literatur, den Peter-Rosegger Preis, den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels, das Ehrenzeichen des Landes Steriermark, den Jean-Paul-Preis und viele Andere.

Alle Bücher von Gerhard Roth

Cover des Buches Der Plan (ISBN: 9783104008325)

Der Plan

 (18)
Erschienen am 07.01.2011
Cover des Buches Das Labyrinth (ISBN: 9783104013183)

Das Labyrinth

 (11)
Erschienen am 12.04.2011
Cover des Buches Eine Reise in das Innere von Wien (ISBN: 9783104903484)

Eine Reise in das Innere von Wien

 (8)
Erschienen am 06.08.2016
Cover des Buches Der Berg (ISBN: 9783104013176)

Der Berg

 (8)
Erschienen am 12.04.2011
Cover des Buches Der See (ISBN: 9783104013190)

Der See

 (7)
Erschienen am 12.04.2011
Cover des Buches Das Alphabet der Zeit (ISBN: 9783104013169)

Das Alphabet der Zeit

 (6)
Erschienen am 12.04.2011
Cover des Buches Der Strom (ISBN: 9783104013213)

Der Strom

 (8)
Erschienen am 12.04.2011

Neue Rezensionen zu Gerhard Roth

Cover des Buches Die Imker (ISBN: 9783103974676)
Sikals avatar

Rezension zu "Die Imker" von Gerhard Roth

Zwischen Gesellschaftskritik und wirrem Gedankenkarussell
Sikalvor 19 Tagen


 

Eines Tages zieht ein Nebel auf, nachdem alle Menschen verschwunden scheinen. Doch einige Menschen sind nach der Katastrophe noch da, darunter Franz Lindner als Ich-Erzähler und Patient einer psychiatrischen Einrichtung für Künstlerinnen und Künstler. Er sowie sämtliche Ärzte, Patienten und Besucher verbleiben in dieser neuen Welt. Diese Gemeinschaft muss nun lernen mit der neuen Situation zu leben und sich zu organisieren. Das ist der Grundgedanke dieses Buches. Doch irgendwie scheinen nur kurze Sequenzen aneinandergereiht zu werden, man findet sich in einem wirren Gedankenkarussell wieder und folgt dem unendlich schwadronierenden Erzähler auf seinen Exkursen. 

Laut Klappentext soll das Menschsein im Fokus stehen sowie das Rätsel des Todes. Leider kann ich hier keinen roten Faden erkennen und irgendwie verliert sich die Geschichte in der Abstraktion.

 

Die Frage, was tatsächlich von uns bleibt, wenn wir nicht mehr sind, zeigt uns Roth mit seinem Blick auf die leere Hülle (Kleider, Autos, Häuser, …) – doch was bleibt sonst noch? 

 

Der letzte Roman von Gerhard Roth ist vor allem eines: irgendwie seltsam. Visionen und Realität verschwimmen und lassen mich mehrmals ratlos zurück. Was will uns der Autor mit dieser Geschichte sagen? Die Antwort auf diese Frage hat sich mir bis zuletzt nicht erschlossen. Meine Erwartungen wurden ganz und gar nicht erfüllt, daher auch nur 3 Sterne

 

Kommentare: 1
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Cover des Buches Die Imker (ISBN: 9783103974676)
Poesiesosos avatar

Rezension zu "Die Imker" von Gerhard Roth

Über die Verwandtschaft von Bienen und Schreiben
Poesiesosovor 4 Monaten

An einem 1. April der Gegenwart wird die österreichische Ruhe durch einen scheinbar aus dem Nichts aufsteigenden gelben Nebel gestört. Franz Lindner, der Erzähler von Gerhard Roths letztem Roman, beobachtet hinter dem Fenster stehend die bedrohliche Szenerie. Das “Haus der Künstler“, ein Gebäude der Nervenanstalt, wird für ihn als Schriftsteller und Patient einmal mehr zum Schutzgebäude, denn schnell ist klar, dass alle Menschen außerhalb dieser Mauern verschwunden sind.


„Die Selbstverständlichkeit, mit der es geschehen war, machte mich orientierungslos.“ (S. 17)


Ab diesem Zeitpunkt gerät alles aus den Fugen. Insassen, Pfleger*innen und Besucher müssen sich neu organisieren und an einem anderen Ort einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt aufbauen. Ihr (Imker-)Dasein wird zunehmend von unbewussten Emotionen wie Eifersucht, Verzweiflung, Verliebtheit oder Zorn geflutet, neue Theorien werden gesponnen und abenteuerliche Unternehmungen initiiert. Es werden Filme von David Lynch und Gedichte von Edgar Allan Poe gelesen, aus dem Kunsthistorischen Museum tragen sie ein Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren in ihren Lieferwagen und wägen die Bedeutsamkeit Freuds gegenüber Buñuel und Dalí ab. Der eine würde das Unbewusste des Menschen nur widerspiegeln, während die anderen es illustrieren. Illustriert ist jedenfalls auch dieser Roman. Zwischen den Kapiteln sind Zeichnungen des Künstlers Erwin Wurm zu sehen, zarte Aquarelle wie die Umschlagabbildung. Diese Seiten verhelfen dem Roman zu etwas Leichtigkeit, wo man die 548 Seiten sonst hochkonzentriert lesen muss, um stets zwischen Wahrheit und Fälschung unterscheiden zu können. Die einzige Konstante dieses Erzählkonstrukts ist nämlich die Natur mitsamt der Bienen. Alles andere erscheint zunehmend obskur. 


„Ich verspüre beim Schreiben eine Verwandtschaft mit den Bienen. Wörter sind für mich wie Blütenpollen. Ich liebe sie und wünsche, ihren Nektar zu saugen und ihn zu Honig zu verarbeiten.“ (S. 101)


Auch die wiederkehrenden Kapitel mit fragwürdigen Gedichten und essayistischen Passagen verleihen dem Roman noch mehr Tiefe, verwirren aber stellenweise auch und unterbrechen den Fluss der Geschichte. Zwar wird von Roth durchweg eine subtile Spannung aufgebaut, aber viel mehr im Fokus sind das neue Sein der Welt und die Frage: Gibt es eine äußere und eine innere Wahrheit?

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Cover des Buches Die Imker (ISBN: 9783103974676)
L

Rezension zu "Die Imker" von Gerhard Roth

Wenn (zu vieles) in verdrehter Weise wieder von Neuem beginnt
Lesefreund6203vor 7 Monaten

Wenn (zu vieles) in gleicher Weise wieder von Neuem beginnt


 


Es macht schon durchaus Sinn in diesem Roman, liest man sich langsam durch die Ereignisse, dass es gerade die Insassen und Pfleger einer psychiatrischen Anstalt, dem „Haus der Künstler“  das „Massensterben der Menschheit“ überleben. Denn so steht Gerhard Roth in diesem, letzten Roman eine vielfache Breite erkennbar ausgeprägter „Persönlichkeitsausprägungen“ zum einen zur Verfügung und, indem auch behandelnde Ärzte und Personal „vom Neben verschont bleibt“, auch eine eigentlich mitzudenke „Hackordnung“ impliziert wird. Denn die „Gesunden“ (Fachleute) müssen ja wohl die Federführung bei der Organisation des „neuen Lebens“ übernehmen. Oder nicht?


 


Und doch kommt alles anders, aber auch wiederum vertraut, wenn Gerhard Roth in seiner bildreichen und Sprache diesen besonderen Neuaufbau als „Volk der Imker“ als Rahmen setzt für seine reflektierten und lebenserfahrenen Betrachtungen der menschlichen Kultur und Antriebskräfte.


 


„Wir waren die ersten Menschen, die die Gegenwart als Vergangenheit erlebten, denn die Zeit war durch einen Dammbruch aus ihrem Stausee in die Tiefe gestürzt, und wir begannen sie erst jetzt wieder zusammenzusammeln. Es war keine Weiderholung eines bekannten Zustandes, sondern ein Neubeginn. Die Zeit musste einen neuen Weg finden und neue Stauräume erschaffen“.


 


Mit der Besonderheit, dass ein roter Faden, eine klar erkennbare Geschichte von „A-Z“ erzählt, nicht im Mittelpunkt des Romans steht. Sondern ein Mann. Franz Lindner, Künstler seines Zeichens nach, vor allem aber an Schizophrenie leidend. Und damit der „neuen Welt“ im „gelben Nebel“ und den Bienen und den anderen überaus „zwiespältig“ gegenübersteht.


 


Somit verbleibt auch von Beginn des Romans an die Frage im Raum, was denn nun „echt“ und was „eingebildet“, was sorgsam erzählt und was fabuliert von Franz Lindner durch dessen Augen und (teils verzerrter) Wahrnehmung vor die Augen des Lesers geführt wird.


 


Mehr und mehr nun organisiert sich ein neues Leben, entstehen vertraut erscheinende Hierarchie wieder neu, sammeln sich andere Überlebende tröpfelnd zur neuen „Dorfgemeinschaft“ hinzu, Liebesgeschichten deuten sich an und werden dann handfester, wie man sich das so vorstellt nach dem ersten Schock eines von Menschen und vielen Tieren entleerten Planeten (der hier natürlich nur in einem Mikrokosmos aufersteht).


 


Das all dies auch, und nicht leise, deutliche Kritik und einen fast verzweifelten Blick auf die Menschheit an sich der Gegenwart beinhaltet, benötigt bei der Lektüre keiner besonderen Betonung. Wenn von den „ausradierten“ Menschen ausschließlich die „ausgeschmückte Hülle“ zurückbleibt (ein Kleiderhaufen samt „Dingen“, die bei sich geführt oder am Körper getragen wuden), dann ist bereits klar, woran Roth beim Blick auf das menschliche Leben leidet und seit langem schon gelitten hat. Die „Kurzfristbefriedigung“ inneren Lust-Impulse steht über allem und zerstört das mögliche an Miteinander und friedlicher Koexistenz.


 


Das alles poetischer Sprache verfasst, voller Bilder, kraftvoller Sätze, sacht beschreibender Assoziationen ist sprachlich auf jeden Fall ein Genuss, wenn auch der Überblick über das „große Ganze“ nicht selten verloren geht und eher die vielfachen Episoden im Roman für sich alleine stehen. Und ebenso kann man sich auf offenere oder verdeckte Spurensuche in der Kunstgeschichte begeben, denn vieles im Buch findet seinen symbolischen Ausdruck in bekannten Kunstwerken.


 


Am Ende verbleibt eine  Vielfalt von Eindrücken und Assoziationen, ein wenig verstehen, worum es denn nun ganz genau ging und ein Aufruf, das alles zu verbrennen. Was den Leser zwischen angeregter Lektüre und vielen Fragezeichen zum Teil leicht ratlos, aber literarisch gefüllt zurücklässt.

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Gerhard Roth wurde am 24. Juni 1942 in Graz (Österreich ) geboren.

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