Frances Cha

 4,4 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor*in von Hätte ich dein Gesicht, If I Had Your Face: A Novel und weiteren Büchern.
Autorenbild von Frances Cha (©)

Lebenslauf von Frances Cha

Koreanische Literatur: Frances Cha ist eine koreanische Schriftstellerin. Sie studierte an der Dartmouth Universität und fing nach ihrem Abschluss an als Reise- und Kulturreporterin für CNN in Soeul zu arbeiten. 

Ihre ersten Geschichten verfasste sie bereits mit acht Jahren. Ihr Debüt als Autorin gab sie schließlich mit „IF I HAD YOUR FACE“. Heute lebt sie zusammen mit ihrer Familie in New York.

Alle Bücher von Frances Cha

Cover des Buches Hätte ich dein Gesicht (ISBN: 9783293005860)

Hätte ich dein Gesicht

 (10)
Erschienen am 11.07.2022
Cover des Buches If I Had Your Face: A Novel (ISBN: 9780593158449)

If I Had Your Face: A Novel

 (6)
Erschienen am 21.04.2020
Cover des Buches If I Had Your Face: A Novel (ISBN: 9780593129487)

If I Had Your Face: A Novel

 (1)
Erschienen am 13.04.2021

Neue Rezensionen zu Frances Cha

Cover des Buches If I Had Your Face: A Novel (ISBN: 9780593129487)
nina11s avatar

Rezension zu "If I Had Your Face: A Novel" von Frances Cha

Not so great
nina11vor 5 Monaten

I had some difficulties with this book. First of all, I had a hard time getting into the story and liking the characters. It was just a bit too much of everything and became unnecessarily superficial. The story is about four different women and their fates. None of them were likeable to me, even though you definitely feel sympathy while reading. The story is kind of boring from the first page, although it is actually short. The book is sad and leaves you with a strange feeling. Mainly because,..

SPOILER

the ending is completely open and meaningless. You don't know more at the end than you did at the beginning....

Kommentieren
Teilen
Cover des Buches Hätte ich dein Gesicht (ISBN: 9783293005860)
B

Rezension zu "Hätte ich dein Gesicht" von Frances Cha

Toxischer Schönheitswahn
buchlesenliebevor 6 Monaten

„Schon als Kind wusste ich, dass ich mein Gesicht verändern müsste, um etwas zu erreichen. Wenn ich mein Spiegelbild betrachtete, wusste ich, alles daran musste sich ändern […] (S.35).

In Südkorea boomt die Schönheitsindustrie. Weltweit werden hier die meisten Schönheitsoperationen vorgenommen. Augenlidoperationen, Augenvergrößerungen, Kieferverengungen…nur eine kleine Auswahl an operativen Eingriffen, die als (vermeintliche) aussichtsreiche Investitionen gelten, um die Chancen auf dem Heirats- und Arbeitsmarkt zu erhöhen und um den eigenen sozialen Status zu verbessern. „Schönheit“ - das ist in Südkorea gesellschaftlich verankerte Norm.
Vor diesem Hintergrund porträtiert Frances Cha in ihrem Debütroman die Schicksale von fünf jungen Frauen, die in einem Appartementkomplex wohnen.
Kyuri, mehrfach operiert, ist ein sogenanntes „Room-Salon-Mädchen“ und unterhält in den geheimen Escort-Bars trinkfreudige und spendable Männer. Ihre Freundin Sujin hofft auf eine ähnliche „Karriere“, muss sich jedoch erst von ihrem eigenen chirurgischen Eingriff, einer schmerzhaften zweifachen Kieferoperation, erholen.
Die stumme Ara arbeitet in einem Friseursalon im angesagten Edel-Viertel Gangnam und ist besessen von einem K-Pop-Star. Miho, die als Kunststipendiatin in Amerika gelebt hat, führt eine eher perspektivlose Beziehung mit Hanbin, von dessen wohlhabenden Eltern sie als ehemaliges Waisenkind abgelehnt wird.
Und schließlich ist da noch Wonna, seit kurzem verheiratet, unglücklich im Job, schwanger und durch ihre drei vorherigen Fehlgeburten extrem traumatisiert und verunsichert.

Die fünf Frauen stehen stellvertretend für eine weibliche Generation in Südkorea, in der Selbstoptimierung und Körperkult zum Status Quo gehören, der soziale Druck in einer weiterhin stark patriarchalisch geprägten Gesellschaftsordnung enorm ist und tradierte Hierarchien vorherrschen. Gemein ist den Frauen auch eine große finanzielle Unsicherheit sowie die Abwesenheit von Eltern, die sie auf ihrem steinigen Weg der Emanzipation begleiten und unterstützen. 

"Hätte ich dein Gesicht“ ist ein lesenswerter und teilweise erschütternder Roman über Träume, Sehnsüchte und Sorgen von fünf Frauen im zeitgenössischen Südkorea, über weibliche Solidarität und - nicht zuletzt durch das Ende versinnbildlicht - auch eine Hommage an die Kraft der Freundschaft zwischen Frauen. Hinsichtlich der Figurenzeichnung hätte ich mir ein wenig mehr Fokussierung gewünscht, liest sich das Buch für mich doch weniger als ein kohärenter Roman, sondern eher als eine Sammlung von Stories über fünf weibliche Charaktere, die mehr oder weniger miteinander in Verbindung stehen und deren Einzelschicksalen immer wieder, aber sehr „zeitversetzt“ ein Kapitel gewidmet ist. Dadurch und auch durch die Fülle an Themen, blieben einzelne Figuren und ihre Geschichten etwas unnahbar und konnten mich emotional nicht gleichermaßen ansprechen. Das ist mein kleiner Kritikpunkt. Nichtsdestotrotz eine klare Leseempfehlung!

Kommentare: 1
Teilen
Cover des Buches Hätte ich dein Gesicht (ISBN: 9783293005860)
A

Rezension zu "Hätte ich dein Gesicht" von Frances Cha

Weibliche Homunculi oder künstliche Paradiese
Almut_Scheller_Mahmoudvor 7 Monaten

                                            

Mein Wissen über Korea ist sehr oberflächlich. Stichwortartig: Die Trostfrauen im 2. Weltkrieg, Teilung des Landes in Nord und Südkorea durch den Koreakrieg Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Aufstrebender technikaffiner Tigerstaat - z.B. Autos, seit einiger Zeit auch Pop-Musik und Filme. Die Moon-Sekte und koreanischen Ginseng. Von seinen uralten Traditionen weiß ich nur, dass das Land und die Menschen stark durch den Konfuzianismus und den Buddhismus geprägt wurden.

                       

Der vorliegende Roman, in dem in wechselnden Kapiteln die weiblichen Protagonisten von sich, ihrem Leben, ihren Wünschen, Träumen und ihrem Alltag erzählen, gibt Einblick in ein Weltbild, das mir sehr weit weg, sehr fremd erscheint. Ich fühlte mich bei der Lektüre wie eine Außerirdische und kann das dort beschriebene Streben nach plastifizierter Schönheit nicht nachvollziehen. Schönheit – was ist das? Schönheit liegt im klassischen Sinne im Auge des Betrachters. Ein geschultes Auge, ein menschliches Auge sieht nicht nur die Oberfläche, sondern auch die durchschimmernde Persönlichkeit. In dieser Suche nach der perfekten Schönheit steckt ein Schuss Misogynie: eine versteckte Abwertung des Weiblichen, „so wie Gott sie schuf“.

                       

Aber an Persönlichkeit und Selbstbewusstsein scheint es den fünf Frauen zu fehlen. Ihr Leben reflektiert das Wettbewerbsdenken und - streben, das die gesamte koreanische Gesellschaft durchseucht. Für mich ist Miho, die Künstlerin, die einzige authentische weibliche Figur.

                       

Ara, die als Friseuse und Stylistin arbeitet und nach einer jugendlichen Gang-Schlägerei stumm ist. Sie ist vernarrt in einen Sänger einer angesagten Musikgruppe.
Sujin arbeitet in einem Nagelstudio. Ihr Traum ist jedoch ein sog. Room-Salon-Mädchen zu werden. Dafür hat sie sich gerade von einem der renommiertesten Schönheitschirurgen Lidfalten, Kinn, Kiefer- und Wangenknochen operieren lassen.

                       

Kyuri ist ein Room-Salon-Mädchen und arbeitet in einem der teuersten Salons der Stadt. Sie ist eine wandelnde, leibhaftige Barbiepuppe.
Miho ist wie Sujin in einem Waisenhaus aufgewachsen. Sie hatte Glück, ihr künstlerisches Talent fiel auf und sie wurde mit einem Stipendium nach New York geschickt.

                       

Sie wie auch Ara sind „natürlich“ geblieben, das bedeutet in diesem Kontext: Gesichter ohne ästhetische Nachpolierung, „freie“ Haare.
Und dann ist da noch Wonna, eine verheiratete Frau, die einen freundlichen „harmlosen“ Mann in vermeintlich guter Position mit gutem Gehalt geheiratet hat. Ein zusätzlicher Pluspunkt: seine Mutter war verstorben. Der Hass der Schwiegermütter auf ihre Schwiegertöchter ist legendär. Wonna hatte bereits 3 Fehlgeburten hinter sich und war nun abermals schwanger.

                       

Alle Frauen leben im gleichen Appartementhaus, einem sog. Officetel.
Alle kommen aus einfachen Verhältnissen, mit komplizierten Familienverhältnissen.
Ihr Leben in der Großstadt ist auch eine Flucht, um dem Fluch der finanziellen und geistigen Armseligkeit zu entkommen.

                       

Natürlich gibt es auch einige männliche Gestalten in diesem Roman, der messerscharf die koreanische Gesellschaft seziert. Da sind Bruce, ein Kunde von Kyuri, Hanbin, der Erbe einer reichen einflussreichen Familie und Geliebter von Miho, der Sänger Taein, angehimmelt von Ara mit seinem Statement: Unsere Wurzeln machen uns zu dem, der wir sind und er würde die Härten der Vergangenheit nicht leugnen, denn sie sind die Quelle seiner Texte und seiner Musik.

                       

Der Manager Oppa aus Kyuris Room Salon, der sich für sie interessiert und Mr. Moon, ein Friseur aus dem Heimatort von Ara, der ihr damals nach der Schlägerei das Leben rettete.
Aber die Männer sind irgendwie blass, obwohl Korea eine männerdominierte Gesellschaft ist.
Die sind die Kunden der Room Salons, besseren Besäufnis-Anstalten, wo sie jeden Abend der Woche nach einem anstrengenden fremdbestimmten Arbeitstag saufen.

                       

Die Mädchen eines solchen Salons, von denen es einfache bis luxuriöse Etablissements, je nach Kundschaft, gibt, sind Animierdamen, die die Gläser der Gäste immer wieder sofort nachfüllen und oft selbst mittrinken. Die Mädchen arbeiten für Geld, um sich doch immer wieder für weitere OPs, neue Glitzerklamotten und teuere Handtaschen neu zu verschulden. So bleiben sie in einem circulus vituosis gefangen, wohl wissend, dass ihr Körper dem Verfallsdatum unterliegt. Im Vergleich zu diesen animierenden Mädchen waren die Giasengs (Geishas) der Vergangenheit hochgebildete Frauen, in vielen Künsten bewandert, auch wenn deren Leben auf eine andere Art ebenfalls hart war.

                                                                                               

Gesichtsverlust ist ein Kennzeichen der koreanischen Gesellschaft. Und so ist der Aufbau eines künstlichen Gesichts vielleicht ein Ausdruck von Angst vor Ächtung und aus dem Rahmen des Status-Denkens zu fallen. Ein manipuliertes, „poliertes“ Gesicht erhöht das Ansehen in der Öffentlichkeit. Social surgery.

                       

Die Autorin beschreibt hautnah und nachvollziehbar die seelischen Gemengelage der Mädchen, kritisiert indirekt die gesellschaftlichen Normen, die zu konsumierenden Obsessionen und Oberflächlichkeit führen. Die Idee zu diesem Roman kam Frances Cha, als sie das erste Mal mit einem Freund einen Room Salon besuchte. Sie wollte hinter die Fassade schauen, unterhielt sich mit vielen Mädchen, deren Erfahrungen als Mixtur dann zu diesem Buch verarbeitet wurden.

                       

Eine verstörende, aber lohnenswerte Lektüre, die uns als Lesende mit den Trends der Moderne konfrontiert: dem Schönheitswahn, der Flucht vor sich selbst, dem Konsumterror.

                       

Das Buch schließt mit angedeuteten Veränderungen. Kleinen Veränderungen, aber vielleicht sind es Schritte in neue Lebenskapitel?

                       

Zum Abschluss: es gibt einen wunderbar passenden Songtext von Sascha Berger: Zeig mir Dein Gesicht. Und das Konzept des Ursprünglichen Gesichts aus dem Zen-Buddhismus:
Was war Dein Gesicht, bevor Du geboren wurdest?

                       

Sometimes I wish a had an extra eye. So I could look with more distance at myself.

                                               

       


    

Kommentieren
Teilen

Gespräche aus der Community

Eine zeitgenössische Geschichte über das Frausein in Korea. Komplex und demaskierend beschreibt Frances Cha die Leben vierer Frauen in einer Welt, die geprägt ist von unerreichbaren Schönheitsstandards und rücksichtslosen sozialen Hierarchien. 

Im Rahmen unseres Fragefreitags am 31. Juli habt ihr die Möglichkeit der
Autorin Frances Cha eure Fragen zu stellen und eins von 5 Exemplaren der
englischen Originalausgabe zu gewinnen.

Willkommen zu unserem heutigen Fragefreitag mit Debütautorin Frances Cha!

Zu diesem Fragefreitag verlosen wir 5 Exemplare der englischen Originalausgabe von "If I Had Your Face" von Random House UK.

Bitte stellt eure Fragen auf Englisch, damit Frances Cha sie beantworten kann!

Außerdem: Bitte versucht neue Fragen zu stellen, damit es zu keinen Doppelungen kommt. Also guckt euch bitte die Fragen der anderen an. Das wäre toll. Danke!

We would also like to welcome Frances Cha to LovelyBooks and thank her for taking the time to answer everyone's questions! We hope you enjoy the interaction and the readers' interest in your books.

98 BeiträgeVerlosung beendet
ChantalSchs avatar
Letzter Beitrag von  ChantalSchvor 2 Jahren

A fascinating read. And shocking. And hypnotizing. Thank you to Lovelybooks and Penguin Random House.

Here's my review:

https://www.lovelybooks.de/autor/Frances-Cha/If-I-Had-Your-Face-2638748074-w/rezension/2695422606/


Community-Statistik

in 53 Bibliotheken

auf 22 Merkzettel

von 2 Leser*innen aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks