Deborah Feldman

 4,4 Sterne bei 298 Bewertungen
Autorin von Unorthodox, Überbitten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Deborah Feldman

Die US-amerikanisch-deutsche Autorin Deborah Feldman wird 1986 in New York geboren. Da ihre Eltern getrennt leben, wächst Feldman bei ihren Großeltern im stark jüdisch geprägten Stadtteil Williamsburg auf, die sie streng nach dem Glauben der Satmarer Chassiden erziehen. Als Muttersprache lernt Feldman Jiddisch, da Englisch als zu weltlich gilt. Feldmans Jugend ist von vielen Verboten geprägt, beispielsweise muss sie Körper und Haar vollständig bedecken und darf nichts Rotes tragen. Sie besucht eine private religiöse Mädchenschule und wird auf ein Leben als Mutter und Ehefrau vorbereitet. Heimlich liest sie englischsprachige Romane und geht mit einer Freundin ins Kino. Mit siebzehn Jahren heiratet Feldman einen Satmarer Chassiden, den ihre Familie für sie ausgesucht hat und mit neunzehn bekommt sie einen Sohn. Ohne dass ihr Mann es weiß, schreibt sich Feldman am Sarah Lawrence College ein und studiert englische Literatur. Heimlich plant sie, die Satmarer Chassiden zu verlassen, sobald ihr Sohn drei Jahre alt ist. Sie betreibt einen anonymen Blog über ihr Leben als chassidische Frau, laut ihrer Autobiographie ihr erster schriftstellerischer Erfolg. Nachdem sie schließlich mit ihrem Sohn wegzieht, erscheint 2012 ihr autobiographischer Roman „Unorthodox“, der von der Kritik hoch gelobt wird und es sofort auf die Bestsellerliste der New York Times schafft. Heute lebt Deborah Feldman mit ihrem Sohn in Berlin.

Alle Bücher von Deborah Feldman

Cover des Buches Unorthodox (ISBN: 9783442770205)

Unorthodox

 (246)
Erschienen am 10.02.2020
Cover des Buches Überbitten (ISBN: 9783641269937)

Überbitten

 (31)
Erschienen am 13.04.2020
Cover des Buches Miriam (ISBN: 9783630876665)

Miriam

 (0)
Erscheint am 08.09.2022
Cover des Buches Unorthodox (ISBN: 9783958620070)

Unorthodox

 (15)
Erschienen am 12.09.2016
Cover des Buches Miriam (ISBN: 9783844543391)

Miriam

 (0)
Erschienen am 20.09.2021
Cover des Buches Unorthodox (ISBN: 9781439187012)

Unorthodox

 (5)
Erschienen am 02.10.2012
Cover des Buches Exodus: A Memoir (ISBN: 9780142181850)

Exodus: A Memoir

 (1)
Erschienen am 24.02.2015

Neue Rezensionen zu Deborah Feldman

Cover des Buches Unorthodox (ISBN: 9783442770205)V

Rezension zu "Unorthodox" von Deborah Feldman

Nur wo Grenzen sind, können sie gesprengt werden.
Vera-Seidlvor einem Monat

Wenn ich eine unangenehme Aufgabe zu bewältigen habe, wozu zum Beispiel das Streichen eines Zimmers mit geleimter Wandfarbe unter erschwerten Bedingungen wie bröckelnder Putz gehört, male ich mir immer aus, dass es noch viel schlimmer sein könnte. Ich könnte zu dieser Arbeit gezwungen und überwacht werden, die Raumtemperatur könnte im Minusbereich liegen, die Farbe würde gefrieren und ich mit ihr ...

Auch bei den Einschränkungen durch Corona bin ich so verfahren, habe mir eine Bestimmung zum Tragen eines Schutzanzugs ausgemalt oder eine Impfpflicht.
Indem ich gedanklich die Grenzen sehr eng schraube, weitet sich sich mein Bewusstsein, um den Reichtum dieser Welt dankbar wahrnehmen zu können.

Hätte Deborah Feldman ihre Unschuld beim heimlichen Lesen des Talmuds verloren, wenn ihr jede Lektüre erlaubt gewesen wäre? Sie entdeckt im Talmud die Fehlbarkeit König Davids, was sie zum Hinterfragen bringt.
Beim Lesen von "Die Erwählten" hält sie dagegen an ihrer Unschuld fest, lehnt die zionistische und abtrünnige Haltung des assimilierten Juden Reuven ab.

"Es ist eben diese Unschuld, die mir Zeidi eifrig einflößte ... und die ich schließlich beinahe vollständig abgelegt habe, abgesehen von ihren wirklich grundlegenden Wurzeln im Herzen meines Wesens. Jahre später, als ich mit offenen Augen auf die Welt blickte, hatte ich mir diese Unschuld in meinem Herzen noch immer bewahrt."
Ich nenne das nicht Unschuld, sondern Urvertrauen, lieber noch Gottvertrauen. Deborah Feldmann gefällt vielleicht der Begriff Selbstvertrauen besser.

Zeidi ist ihr Großvater, Bubby die Großmutter, Überlebende des Holocaust, die sich der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, angeschlossen haben, um einer Wiederholung ihrer Vergangenheit zu entgehen. Bei ihnen wächst Deborah auf und in die strengen Regeln der Satmarer hinein.

Auf den rasierten Schädeln der Frauen dürfen nur noch Kunsthaarperücken oder gar Shpitzel, ein Turban, getragen werden. Weder Männer noch Frauen werden aufgeklärt, Deborah Feldman wusste nicht einmal um die Existens ihrer Vagina vor den Hochzeitsvorbereitungen. Um die Reinheit und Unreinheit der Mädchen und Frauen wird solch ein Theater gemacht, dass sich die Muskulatur beim Sex verschließt, so dass eine Penetration unmöglich wird.

Die Überlebenden des Holocaust haben sich von der Opferrolle befreit, indem sie sich nicht mehr von anderen quälen lassen, sondern sich selbst kasteien. Ich tue das in meiner Phantasie. Die Wirkung ist in beiden Fällen dieselbe. Wir wechseln auf die Metaebene zum Beobachter-Ich, wo wir nicht mehr Opfer sind, sondern den nötigen Abstand finden, um Freiheit zu gewinnen. Nur wo Grenzen sind, können sie gesprengt werden. Umso enger sie sind, umso größer die Sprengkraft.

Deborah Feldmann kennt sich in der Metaebene hervorragend aus. Als Beobachterin beschreibt sie das Leben in der Gemeinde, ohne es zu bewerten. Aus der Rückblende wird aus scheinbaren Defiziten in der Kindheit und Jugend ein göttlicher Plan, der sie zu einer selbstständigen, erfolgreichen, achtsamen, weitblickenden Frau, Mutter und Schriftstellerin werden ließ. Wie vollkommen ist diese Welt!
Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin auch bei ihrem Ausstieg aus der Gemeinde Beobachterin blieb und sich nicht Schlammschlachten bei der Scheidung der Zwangsehe und dem Kampf um das Sorgerecht ihres Sohnes hingab.

"Ich habe mich von meiner Vergangenheit befreit, aber ich habe sie nicht losgelassen. Ich schätze diese Augenblicke und Erfahrungen, die mich geformt haben. Ich habe meine Geschichte gelebt ... Es gibt Tage, an denen ich platzen möchte vor Dankbarkeit, so weit gekommen zu sein, weiter, als ich es je zu hoffen wagte."

Diese letzten Sätze des Buches "Unorthodox" kann ich nur noch unterschreiben und Deborah Feldman von Herzen danken, dass sie ihre Geschichte aufgeschrieben und der Öffentlichkeit preisgegeben hat. Ich wünsche ihr alles Gute für ihre Zukunft und für die ihres Sohnes.

 Vera Seidl 

 

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Cover des Buches Unorthodox (ISBN: 9783442770205)T

Rezension zu "Unorthodox" von Deborah Feldman

Lesenswert
teddicavor 3 Monaten

Die Hauptfigur kämpft sich durch einen Alltag voller religiöser Regeln, die für sie als Mädchen und später als junge Frau viel zu restriktiv sind, obwohl sie in dieser Kultur aufwächst. Ein autobiografischer Roman, der durch die Spannung lebt, die der Titel aufbaut. Man möchte verfolgen wie sie diesem uns wenig bekannten Leben voller Einschränkungen entfliehen wird. Es wäre schön, wenn diese Flucht irgendwie „spektakulärer“ und die neue Freiheit mehr beschrieben worden wäre.
In jedem Fall habe ich ihre Geschichte von ihrer Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter mit Spannung verfolgt, obwohl der Höhepunkt der Geschichte leider nicht ausgebaut wurde. Ich stelle mir vor, dass es schwer gewesen sein muss, seine eigene Lebensweise zu finden, nachdem alles minutiös im Alltag für einen durchgeplant wurde. Dazu hätte ich mir im Schlussteil ein bisschen mehr Einblick gewünscht. Trotzdem hat es mir so gut gefallen, dass ich gerne die Fortsetzung der Geschichte lesen wollen würde. 

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Cover des Buches Unorthodox (ISBN: 9783958620070)H

Rezension zu "Unorthodox" von Deborah Feldman

Interessante Geschichte, welche sehr ans Herz geht
Hausivor 9 Monaten

Anfangs war ich sehr gespannt, wie diese Geschichte verläuft und welche merkwürdigen Bräuche oder Szenarien ich vorfinden werde. Das Hörbuch wurde wirklich sehr toll vertont. Die Gedanken und Gefühle, welche die Protagonistin empfunden hat, kamen bei mir sehr gut an. Bewundernswert fande ich, dass die Protagonistin schon mit jüngeren Jahren anfing sich Gedanken über das zu machen, was jeder in ihrer jüdischen Umgebung tut und ob das alles richtig für sie erscheint. Immer wieder gab es Momente, in denen ich mich fragte, wie überhaupt ein Mensch solchen Regeln und Bräuchen folgen kann ohne diese dabei in Frage zu stellen. Die Entscheidung, die sie schlussendlich getroffen hat, kann ich nur nachvollziehen. Ein wirklich sehr interessanten Buch zu diesem Thema!

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