Christina Eibl

 5 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Christina Eibl

Christina Eibl, Studium der Geschichte und Polit. Wissenschaft in München, Stuttgart und Harvard. Promovierte Historikerin. Tätig u.a. für die SZ, Focus, FAZ, Stiftung Wissenschaft und Politik. 1993 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kurtschatow-Institut in Moskau, 2006-2008 CEO bei Gruner + Jahr, Moskau.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Rezensionen zu Christina Eibl

Wunderbar erzählt, glänzend geschrieben, dazu informativ und ... lebensnah, wollte ich gerade schreiben, und das stimmt ja auch, nur dass man, was Christina Eibl in Moskau erlebt hat, eben lieber geschildert kriegt als selber erlebt. Zugegeben, ich rede von mir.

"Nicht alle Russen ..." ist die Art von Einführung in ein Land, die man sich wünscht, denn wer würde nicht gerne wissen, wie man auf unbekanntem Territorium überlebt. Christina Eibl zeigt uns, wie sie es gemacht hat, und sie tut das witzig, lehrreich und gekonnt, denn sie verfügt nicht nur über einschlägiges historisches Wissen, sondern auch über ein ausgeprägtes Gefühl für Rhythmus und ein Händchen für Dramaturgie.

"Wir pendeln über den Wolken. Ein dumpfer Schlag reisst mich aus dem Sitz. Ich blicke aus dem Fenster: Rauchwolken steigen über dem Flügel auf ..." Wer würde da nicht weiter lesen wollen!

Damit wir uns recht verstehen: Russland ist kein exotisches Land, auch wenn einem vieles (eigentlich fast alles), was hier geschildert wird, ausgesprochen exotisch vorkommt. Exotisch sind Länder wie Deutschland oder die Schweiz, denn sie sind die Ausnahmen. Russland hingegen ist eher die Regel. "Schon Dostojewskij schrieb, dass es einem jeden Russen unmöglich sei, sich einem künstlich erschaffenen Regelwerk zu unterwerfen. Man fühlt. Dass die Schwingung mehr zählt als das schlichte Vertragswerk, liegt im Verlauf der Geschichte begründet." Das ist auch in Brasilien so. Oder in Thailand. Oder in Afrika. Eigentlich fast überall. Und liegt vermutlich auch dort in der Geschichte begründet. Oder eben auch nicht, doch die Autorin ist Historikerin.

Trotzdem ist Russland natürlich ein exotisches Land, denn wo parkt ein Mann schon mal sein Pferd auf dem Balkon im sechsten Stock, weil unten kein Platz gewesen war? Ein Land auch, wo "zwar fast alles ein Geheimnis ist, aber jeder davon weiss."

Einen Überlebensbericht nennt Christina Eibl ihr in jeder Hinsicht überzeugendes Werk, und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Mit 40 Grad Fieber und Koliken im Bauch findet sie sich eines Tages in einem der besseren Krankenhäuser Moskaus wieder. Man findet nichts.
"'Ich habe 40 Grad Fieber, verdoppelte Leukozyten, und Sie behaupten da ist nichts?' - Dewuschka, Mädchen, regen Sie sich nicht auf. Gehen Sie nach Hause, trinken Sie Tee. Wenn der Bauchschmerz wieder kommt, rufen Sie die Ambulanz und stellen sich nochmals bei mir vor.' Am übernächsten Mittag lag Dewuschka in einem Frankfurter Krankenhaus und wurde auf eine grosse Bauchraum-Operation vorbereitet."

Man ist froh um dieses Buch, es sollte mehr davon geben. Weil wir wegen solcher reflektierter Erfahrungsberichte eine Vorstellung davon kriegen, was in Ländern, die wir nicht aus eigener Anschauung kennen, wirklich los ist, denn die gängige Berichterstattung sagt uns darüber herzlich wenig

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Cover des Buches Nicht alle Russen haben Goldzähne, sind immer betrunken und auch nicht jeder russische Beamte ist korrupt (ISBN: 9783940888099)
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Rezension zu "Nicht alle Russen haben Goldzähne, sind immer betrunken und auch nicht jeder russische Beamte ist korrupt" von Christina Eibl

Rezension zu "Nicht alle Russen haben Goldzähne, sind immer betrunken und auch nicht jeder russische Beamte ist korrupt" von Christina Eibl
Birkhennevor 12 Jahren

Meine erste Begegnung mit diesem Buch war bei Facebook. Ich stolperte quasi über den wirklich witzigen, originellen Titel und das dazugehörige Cover.
Meine Neugierde war geweckt. Bei dem Titel des Buches dachte ich unwillkürlich an einen Inhalt im Stil eines Wladimir Kaminer. Weit gefehlt!
Nur allein der Titel des Buches brachte mich dazu dieses sofort im Internet zu bestellen.
Dann fuhr ich erst einmal zur Leipziger Buchmesse. Dort lernte ich dann überraschenderweise auch noch die Autorin des Buches bei einer Lesung persönlich kennen. Was ich da hörte gefiel mir aber von einem Wladimir Kaminer keine Spur.
Es handelt sich tatsächlich um ein ernsthaftes Buch, indem Christina Eibl ihre Erfahrungen und Erlebnisse im russischen Alltag schildert.
Sie hat weitreichende Russlanderfahrungen nach ihren zweimaligen mehrjährigen Moskauaufenthalten (beim zweiten Mal von 2006 an als Ländergeschäftsführerin des Verlagshauses Gruner + Jahr).
Wie die Autorin sagt handelt es sich bei diesem Buch um einen ungeschönten Erfahrungsbericht, der anhand skurriler und auch grausamer Erlebnisse im Überlebenskampf einer Firmenchefin ein tieferes und für manchen völlig neues Verständnis der russischen Durchschnittskultur möglich macht.
Dieses Buch zu lesen war für mich sehr interessant, da ich selbst in den 80iger Jahren für drei Jahre in Moskau gelebt und gearbeitet habe.
Einige Dinge ändern sich nie.
Besonders gut haben mir an den Schiderungen von Christina Eibl die historischen Bezüge zu vielen Verhaltensweisen der Russen gefallen, von denen mir einige wirklich neu waren.
"Der August ist ein trügerischer Monat. Das wissen die Russen. Im August kommt das Unheil. Im August erklärte Deutschland Russland den Krieg, im August 2000 bombte man den Fußgängerübergang beim Puschkin-Platz hoch, im selben Monat im Jahr 2004 sprengte sich eine Attentäterin in der Moskauer Metro Rischskaja in die Luft. Im August flog der Tscherkisowskij-Markt in Stücke, im August 2008 begann der Georgien-Konflikt. Im August liegt Russland still. Moskau ist heiß und leer."
Als ich das letzte Mal im August 2002 zusammen mit meiner Tochter, die in Moskau geboren ist, die Stadt besuchte, ist uns glücklicherweise nichts passiert und ich habe es damals auch nicht für so gefährlich gehalten.
Nach dem Lesen dieses Buches wurde ich eines Besseren belehrt.
Wer sich also für Russland und seine Menschen interessiert sollte unbedingt den Erfahrungsbericht von Christine Eibl lesen.

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