Chigozie Obioma

 4,2 Sterne bei 53 Bewertungen
Autor von Der dunkle Fluss, Das Weinen der Vögel und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Chigozie Obioma

Afrikanische Exzellenz: Der 1986 in Nigeria geborene Schriftsteller und Essayist studierte Kreatives Schreiben, Englisch und Literatur in den USA und auf Zypern. Mittlerweile lehrt er selbst als Professor für Kreatives Schreiben, Englisch und Afrikanische Literatur in den USA.

Obioma zählt zu den einflussreichsten Schriftstellern unserer Zeit. Seine Essays, Kurzgeschichten und Lyrikbeiträge sind preisgekrönt. Sein Debütroman „Der dunkle Fluss“ war 2015 für den Booker Prize und weitere renommierte Preise nominiert. Die Geschichte einer Familie in Nigeria wurde in über 25 Sprachen übersetzt und für die Bühne adaptiert. Sein zweiter Roman „Das Weinen der Vögel“ erschien 2019 und schaffte es erneut auf die Shortlist des Booker Prize.

Von Kritikern wird Obioma als Nachfolger von Chinua Achebes und Cormac McCarthy gehandelt.

Alle Bücher von Chigozie Obioma

Cover des Buches Der dunkle Fluss (ISBN: 9783746632421)

Der dunkle Fluss

 (44)
Erschienen am 05.12.2016
Cover des Buches Das Weinen der Vögel (ISBN: 9783492059381)

Das Weinen der Vögel

 (7)
Erschienen am 14.10.2019
Cover des Buches The Fishermen (ISBN: 9780316338370)

The Fishermen

 (2)
Erschienen am 14.04.2015

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Chigozie Obioma

Cover des Buches Der dunkle Fluss (ISBN: 9783351035921)sabatayn76s avatar

Rezension zu "Der dunkle Fluss" von Chigozie Obioma

‚[...] denn die Zukunft war das, was wir aus ihr machten'
sabatayn76vor einem Jahr

‚[...] denn die Zukunft war das, was wir aus ihr machten, eine leere Leinwand, auf die sich alles Mögliche projizieren ließ. Das alles war vorbei, als Vater wegzog.‘ (Seite 10 der gebundenen Ausgabe)

Der neunjährige Ich-Erzähler Ben lebt zusammen mit seinen älteren Brüdern Ikenna, Boja und Obembe, seinen Eltern sowie dem kleinen Bruder David und dem Baby Nkem in Akure, einer Stadt im Südwesten Nigerias.

Das Leben der Familie verändert sich deutlich, als der Vater ins mehr als 1000 Kilometer entfernte Yola im Norden des Landes zieht und nur noch an den Wochenenden zu seiner Familie zurückkehrt. Ein weiterer Wendepunkt tritt ein, als die Brüder beginnen, im dunklen Fluss zu fischen, was die Eltern streng verboten hatten, da hier schon viele Erwachsene verschwunden sind.

Die Brüder werden am Fluss beobachtet und verraten, und nach den Prügeln des Vaters distanziert sich der Erstgeborene Ikenna immer mehr vom Rest der Familie und verändert sich mehr und mehr.

Ich war noch nie auf dem afrikanischen Kontinent, aber ich habe viel über Afrika und von afrikanischen Autoren gelesen, so dass ich mit dem Kontinent bestimmte Gedanken, Gefühle, Vorstellungen etc. verbinde.

Chigozie Obioma hat mich direkt mit nach Afrika im Allgemeinen und Nigeria im Besonderen genommen: Sein Roman ist stimmungsvoll, unheilvoll und durchweg glaubwürdig.

(Schwarze) Magie und Zauberei haben einen festen Stellenwert in ‚Der dunkle Fluss‘ und im Leben der Menschen im Handlungsort des Romans. Ich fand diese düstere Szenerie sehr gelungen und sehr atmosphärisch, und meiner Meinung nach eignet sich ‚Der dunkle Fluss‘ hervorragend, um die spirituelle Seite Nigerias besser kennenzulernen, in eine ganz andere Welt abzutauchen und mehr über diese Facetten Nigerias zu erfahren.

Weitere Themen des Romans sind Trauer und Verlust sowie psychische Erkrankungen und psychiatrische Behandlungen in Nigeria, was weitere Komponenten des Romans sind, die mich besonders faszinierten.

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Cover des Buches Der dunkle Fluss (ISBN: 9783351035921)Irisblatts avatar

Rezension zu "Der dunkle Fluss" von Chigozie Obioma

Nigerianische Familientragödie mit selbsterfüllender Prophezeiung
Irisblattvor 2 Jahren

In Akure, einer nigerianischen Stadt, unweit des verfluchten Flusses Omi-Ala, wohnt der 10-jährige Benjamin mit seinen Eltern und fünf weiteren Geschwistern.  Familienvater Eme plant ein besseres Leben für seine Söhne, sieht sie als zukünftige Ärzte, Richter, Professoren und Ingenieure. Als der Vater aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt zieht, vernachlässigen Ikenna, Boja, Benjamin und Obembe die Schule und gehen regelmäßig zum verbotenen Fluss, um dort zu angeln. Ihre Mutter ahnt nichts davon. An einem schicksalsträchtigen Tag begegnen die vier Brüder dem verrückten Obdachlosen Abulu, der bereits in der Vergangenheit Unglücke voraussagte. Er prophezeit Ikenna, dem ältesten Bruder, einen gewaltsamen Tod. Von diesem Tag an beginnt Ikenna sich negativ zu verändern und eine Familientragödie, die alles zerstört, nimmt ihren Lauf. 

Bis zur Mitte hat mir der Roman gut gefallen. Die Geschehnisse sind spannend, die Alltagsbeschreibungen bildhaft, so dass ich mir das Alltagsleben und das Wohnumfeld der Familie, die einer ethnischen Minderheit angehört, gut vorstellen konnte. Immer wieder gibt es auch Bezüge zur Mythologie und zur politischen Situation in den 1990er Jahren. Politische Unruhen sind an der Tagesordnung, das Leben gefährlich. In den Text verwoben sind Reime, Sprichwörter und Liedtexte in den Sprachen Ibo (Igbo) und Yoruba. Neben diesen afrikanischen Sprachen gibt es Einschübe in Pidgin English. Diese Sprachenvielfalt hat die Geschichte für mich sehr authentisch gemacht und mir gut gefallen. 

Ab der Hälfte verlor die Geschichte aus meiner Sicht an Dynamik und sie zog sich in die Länge. Die letzten Kapitel habe ich dann wieder mit Spannung gelesen.

Insgesamt ein geteiltes Lesevergnügen mit starkem Anfang, schwachem Mittelteil und intensivem Ende. Ich schwanke zwischen 3,5 und 4 Sternen.

Chigozie Obioma wurde in Nigeria geboren und lebt heute in den USA. Sein Debüt „Der dunkle Fluss“ wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt.


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Cover des Buches Das Weinen der Vögel (ISBN: 9783492059381)skiaddict7s avatar

Rezension zu "Das Weinen der Vögel" von Chigozie Obioma

Ein sprachliches Meisterwerk
skiaddict7vor 2 Jahren

„Solange die Beute nicht ihre eigene Version der Geschichte erzählt, werden in den Geschichten von der Jagd immer die Raubtiere die Helden sein. (Igbo-Sprichwort)“

Der junge Chinonso ist Geflügelbauer in Umuahia (Nigeria). Er hat seine Eltern früh verloren, seine Schwester hat das Dorf verlassen. Einzig mit seinem Onkel und einem guten Freund hat er regelmäßig Kontakt. Eines Tages trifft er auf einer Brücke eine Frau, die sichtlich hinunterspringen möchte. Er hält sie davon ab, indem er zwei seiner Hühner hinunterwirft. Monate später trifft er Ndali zufällig wieder. Sie verlieben sich, und die Dinge nehmen ihren Lauf. Ndali kommt aus einer angesehenen Familie, die Eltern heißen die Beziehung ihrer Tochter zu einem einfachen Geflügelbauer nicht gut. So beschließt Chinonso, zu studieren, um Ndali würdig zu werden. Doch das stellt sich nicht als besonders einfach dar. Ein Freund überzeugt ihn, zum Studieren nach Zypern zu gehen. Hierfür verkauft er seinen gesamten Besitz, den Stolz seiner Eltern, und übergibt das Geld seinem Freund, um allein nach Zypern zu fliegen… Die Geschichte wird von Chinonsos Chi (seinem Schutzgeist, nach der Kosmologie der Igbo) erzählt. Dieser zieht für ihn vor das himmlische Gericht, um seine späteren Taten dort zu verteidigen.

Zuallererst möchte ich erwähnen, dass es kein Leichtes ist, dieses Buch zu rezensieren. Es strotzt vor sprachlicher Schönheit, sodass mir die Worte fehlen. Chigozie Obioma beschreibt unglaublich poetisch die Geschichte des jungen Geflügelbauern. Immer mit dabei ist die Kultur und spirituelle Welt der Igbo, einer ethnischen Gruppe aus Nigeria. Dies mag den Leser vielleicht anfangs verwirren, vor allem da viele fremde Begriffe vorkommen, ich konnte mich aber gut in die Geschichte einfinden. Das Buch ist zwischendurch etwas langatmig, was mich persönlich nicht störte. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und habe gefühlt tausende Stellen als Zitat vermerkt, da sie so schön zu lesen waren. Für mich ein sprachliches Highlight, welches ich ganz klar weiterempfehlen kann.

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