Bodo Kirchhoff

 3,9 Sterne bei 313 Bewertungen
Autor von Widerfahrnis, Schundroman und weiteren Büchern.
Autorenbild von Bodo Kirchhoff (©(c) Ulrike Bauer)

Lebenslauf von Bodo Kirchhoff

Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff wurde in Hamburg geboren wuchs aber in Süddeutschland auf. Er hat Pädagogik studiert und promovierte in Frankfurt über Jacques Lacan. Er veröffentlicht Erzählungen, Romane aber auch Drehbücher. Sein Debütroman "Zwiefalten" erschien 1983, sein bekanntestes Werk ist "Der Sandmann" aus dem Jahr 1992, das er seiner Tochter widmete. Er lebt und arbeitet in Deutschland und am Gardasee in Italien, wo er Workshops zu Kreativem Schreiben gibt. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Für sein Werk erhielt er unter anderem die „Carl-Zuckmayer-Medaille“ für Verdienste um die deutsche Sprache. 2012 schaffte es sein Roman "Die Liebe in groben Zügen" auf die Longlist des deutschen Buchpreises. Im Jahr 2016 schließlich war es soweit - Bodo Kirchhoff erhielt den Deutschen Buchpreis für "Widerfahrnis".

Alle Bücher von Bodo Kirchhoff

Cover des Buches Widerfahrnis (ISBN: 9783627002282)

Widerfahrnis

 (94)
Erschienen am 01.09.2016
Cover des Buches Schundroman (ISBN: 9783596160754)

Schundroman

 (40)
Erschienen am 01.12.2003
Cover des Buches Die Liebe in groben Zügen (ISBN: 9783627002695)

Die Liebe in groben Zügen

 (29)
Erschienen am 30.08.2019
Cover des Buches Verlangen und Melancholie (ISBN: 9783423145176)

Verlangen und Melancholie

 (17)
Erschienen am 26.08.2016
Cover des Buches Infanta (ISBN: 9783423140294)

Infanta

 (17)
Erschienen am 01.09.2011
Cover des Buches Parlando (ISBN: 9783596156337)

Parlando

 (11)
Erschienen am 01.12.2004
Cover des Buches Wo das Meer beginnt (ISBN: 9783423145909)

Wo das Meer beginnt

 (11)
Erschienen am 05.05.2017
Cover des Buches Dämmer und Aufruhr (ISBN: 9783627002534)

Dämmer und Aufruhr

 (9)
Erschienen am 29.06.2018

Neue Rezensionen zu Bodo Kirchhoff

Cover des Buches Infanta (ISBN: 9783423140294)D

Rezension zu "Infanta" von Bodo Kirchhoff

Infanta ist eine wundervolle Liebesgeschichte ohne falsche Sentimentalität
dunkelbuchvor 13 Tagen

Die Hauptperson des vorliegenden Romans ist "Mister Kurt" . Mister Kurt ist als deutscher  Journalist auf der Insel Luzzon unterwegs, wird Zeuge der Krise und des Sturzes des Marcos- Regimes in Manila, unternimmt diverse Abstecher in die Provinz zu kauzigen Missionaren und lernt dabei die wundervolle Mayla kennen, ein Mädchen wie aus Milch und Honig, das dem fremden Deutschen ihr Herz schenkt, ehe sie, wie das in jeder Liebesgeschichten so sein muss, auf tragische Weise ihr Leben verliert. Das wird bei weitem nicht so klischeehaft erzählt, wie es sich in dieser Kurzfassung anhört, sondern behutsam und stilvoll. Wo Kirchhoff in anderen Romanen auch schon mal ins stiltechnische Fettnäpfchen tritt, bleiben derartige Ausfälle diesem Werk erspart. Mehr noch: Bodo Kirchhoffs Infanta ist eine wundervolle Liebesgeschichte ohne falsche Sentimentalität -  und meisterhaft erzählt  auch  vor dem Hintergrund  europäischer und asiatischer Psychologie.

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Cover des Buches Die Liebe in groben Zügen (ISBN: 9783423143172)B

Rezension zu "Die Liebe in groben Zügen" von Bodo Kirchhoff

Ehe als Pulverfass
Babschavor 5 Monaten

Bernhard (schon 64) und Verena (noch 52) sind ein Ehepaar aus Frankfurt mit erwachsener Tochter und ausgestattet mit allen stereotypen Attributen der „gehobenen Mittelschicht“  wie schicker Wohnung, Ferienhaus am Gardasee, dickem Auto, weltläufigem Lebensstil, gleichgesinnten pseudointellektuellen Freunden usw.. Nach bald dreißigjähriger Beziehung hat man sich allerdings als Paar auseinandergelebt und funktioniert weitgehend nur noch in den Mustern langjähriger Eheroutine. Da bleibt natürlich eine Menge auf der Strecke, jeder macht letztlich frustriert nur noch sein eigenes Ding und auch die Hinwendung zu neuen Sexualpartnern auf beiden Seiten ist somit nicht überraschend. Die Dinge beginnen sukzessive außer Kontrolle zu geraten, als Verena sich auf eine amour fou mit dem Wintermieter ihres Hauses am See einlässt.   

Hätte der Autor seinen Buchtitel wirklich konsequent umgesetzt, hätte maximal die Hälfte der Seiten ausgereicht, um das Kernthema des Romans, die Komplexität von Liebe in Beziehungen, abzuhandeln. Und das hätte dann sowohl Buch wie Leser besser getan und vor allem die Lesefreude der Zielgruppe mit Sicherheit aufrechterhalten. So aber gerät das Ganze leider zu einer überbordenden, zerfasernden, teils lebensfremden, weitgehend überflüssigen und damit anstrengenden Geschichte um vier Hauptprotagonisten, die dem Leser einen extremen Durchhaltewillen abverlangt und diesen dann nach weit über 600 mehr oder minder bedeutungsschwangeren Seiten noch nicht mal mit einem gelungenen Abschluss belohnt .

Während Bernhard hier als typischer saturierter Mittsechziger auf dem Weg zum Alter skizziert wird, der sich mit seinen Hobbies und täglichen Routinen über Wasser hält und in der bestehenden Situation irgendwie einrichtet, läuft der Gefühlshaushalt seiner jüngeren Frau in ihrer ungesunden vollständigen Fixierung auf ihren neuen Liebhaber komplett und bis an die Grenze der Glaubhaftigkeit aus dem Ruder.  

Bremswirkung bis hin zum Stillstand der Lesefreude löst leider aus, dass ein gefühltes Drittel des Buches sich parallel zur laufenden Handlung mit der historischen Gestalt des Franz von Assisi befasst, dessen in tiefsten Tiefen erzählte Lebens- und Liebesgeschichte zwar Vorbild für das Denken und Handeln von Verenas Geliebtem, letztlich aber für das eigentliche Buchthema völlig unerheblich ist. Gleiches gilt für die im Google-Maps-Stil vom Autor bis in kleinste Verästelungen dargelegte Beschreibung der Städte, Landschaften und Verbindungsrouten Norditaliens. Hier hätte massiv gestrafft werden sollen/können.

Fairerweise ist anzumerken, dass die am Beispiel von Bernhard und Verena dargelegte Gesamtproblematik und Kompliziertheit einer langjährigen Ehe mit all ihren Höhen, Tiefen und Auswirkungen auf Denken und Fühlen der Beteiligten hier streckenweise geradezu brillant und ganz nah am wahren Leben ausgearbeitet ist. Damit werden die beiden Protagonisten in ihren ganzen verschachtelten Persönlichkeiten und Gedankenwelten sehr gut greifbar. Eine Aufrundung auf knappe drei Sterne für das Buch erscheint hierdurch vertretbar.

Fazit: Kann man lesen, muss aber nicht.    

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Cover des Buches Die Liebe in groben Zügen (ISBN: 9783627002695)L

Rezension zu "Die Liebe in groben Zügen" von Bodo Kirchhoff

Poetisches Porträt eines alternden Ehepaares
LaKativor 5 Monaten

Zunächst einmal gefiel mir der Schreibstil des Romans, er ist poetisch, amthmosphärisch dicht, mit Andeutungen und Umschreibungen.

Für seine über 600 Seiten ist der Roman allerdings recht handlungsarm. Es ist eher das Portrait eines Ehepaares, Vila und Renz, sie Anfang 50, er Mitte 60, dessen Tochter aus dem Haus ist. Beide haben mit dem Älterwerden zu kämpfen. Wie gehen sie damit um? Mit sich selbst? Mit der komplizierten Beziehung, Liebe zwischen ihnen?

Darüber hinaus gibt es Affären und Seitensprünge auf beiden Seiten, mehr oder weniger offen. Es ist ein Ehepaar der gehobenen Mittelschicht in Frankfurt am Main. Beide sind beim Fernsehen beschäftigt.


Leser:innen erfahren viel über die Gefühle, die Stimmungen der einzelnen Figuren. Dennoch bleiben diese einem unnahbar, unzugänglich. Mit keiner Figur entwickelt sich Sympathie. Irgendwann ist man eher genervt. Auch die Art und Weise wie der Sex beschrieben wird, war für mich irgendwann zu abstoßend und schwülstig – wie in einem Groschenheft.

Ich konnte den Roman nicht am Stück lesen und musste immer wieder Lesepausen einlegen. Zwischenzeitlich war ich wieder gut drin, genoß den Schreibstil und konnte mich einlassen. Dann wieder aufsteigenden Ärger, dass es inhaltlich nicht vorangeht, Unverständnis gegenüber den Figuren.


Dennoch zeigt der Roman eine Vielschichtigkeit und Deutungsvielfalt, wenn man sich daraufeinlässt. Das Auseinandersetzen mit dem Älterwerden, der darausresultierenden Veränderung der eigenen Wahrnehmung, des Aussehens, der Attraktivität, des körperlichen Verfalls, dem gesellschaftlichen Status, des Seexuallebens, der Partnerschaft uvm. ist ein unangenehmes Thema, dem sich Leser:innen hier stellen müssen. Vielleicht auch daher der ungnädige Blick auf den handlungsarmen Roman, auf die manchmal nervtötende Schreibweise und die anstrengenden Figuren. Am sympathischsten ist wahrscheinlich noch Vilas Liebhaber Bühl, der in seiner Vergangenheit viel durchgemacht hat, wie man stückchenweise erfährt und daraus gegen Ende des Romans seine ganz eigenen Konsequenzen zieht.

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Bodo Kirchhoff wurde am 06. Juni 1948 in Hamburg (Deutschland) geboren.

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