B. Traven

 4,1 Sterne bei 134 Bewertungen
Autor von Das Totenschiff, Der Schatz der Sierra Madre und weiteren Büchern.
Autorenbild von B. Traven (©Kein Urheberrecht mehr)

Lebenslauf von B. Traven

B. Traven wurde 1882 oder 1890 geboren. Bis 1915 war er unter dem Pseudonym Ret Marut als Schauspieler und Regisseur in Norddeutschland tätig. Es folgte der Umzug nach München, wo er 1917 die radikal-anarchistische Zeitschrift ›Der Ziegelbrenner‹ gründete und sich an der bayerischen Räteregierung beteiligte, die 1919 gestürzt wurde. Nach seiner Ankunft in Mexiko 1924 schrieb er Bücher (darunter sein wohl bekanntester Roman ›Das Totenschiff‹) und Erzählungen, die in mehr als 40 Sprachen veröffentlicht und weltweit über 30 Millionen Mal verkauft wurden. 1951 wurde er mexikanischer Staatsbürger, heiratete 1957 Rosa Elena Luján, seine Übersetzerin und Agentin, und starb am 26. März 1969 in Mexiko-Stadt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von B. Traven

Cover des Buches Das Totenschiff (ISBN: 9783257210989)

Das Totenschiff

 (57)
Erschienen am 26.08.2015
Cover des Buches Der Schatz der Sierra Madre (ISBN: 9783257211016)

Der Schatz der Sierra Madre

 (18)
Erschienen am 26.08.2015
Cover des Buches Die Rebellion der Gehenkten (ISBN: 9783257211085)

Die Rebellion der Gehenkten

 (10)
Erschienen am 27.01.2016
Cover des Buches Die Brücke im Dschungel (ISBN: 9783257211009)

Die Brücke im Dschungel

 (10)
Erschienen am 27.01.2016
Cover des Buches Die Baumwollpflücker (ISBN: 9783257210996)

Die Baumwollpflücker

 (9)
Erschienen am 27.01.2016
Cover des Buches Der Schatz der Sierra Madre. (ISBN: 9783763220908)

Der Schatz der Sierra Madre.

 (3)
Erschienen am 01.01.1978
Cover des Buches Die Weiße Rose (ISBN: 9783257211023)

Die Weiße Rose

 (2)
Erschienen am 26.08.2015

Neue Rezensionen zu B. Traven

Cover des Buches Das Totenschiff (ISBN: 9783257210989)
PoeEA1809s avatar

Rezension zu "Das Totenschiff" von B. Traven

"Wer hier eingeht, des Nam' und Sein ist ausgelöscht."
PoeEA1809vor einem Monat

Gales, ein amerikanischer Matrose aus New Orleans, verpasst im Hafen von Antwerpen die Abfahrt seines Schiffs. Schlimm ist, dass seine Papiere an Bord geblieben sind. Es folgt die Odyssee eines Menschen ohne Papiere durch das bürokratische Europa der frühen 1920er Jahre. Eine kafkaeske Schilderung dessen, was einem im Ausland gestrandeten Seemann passieren kann, der - ohne Papiere - auf keinem ordentlichen Schiff der Welt mehr anheuern kann. Im Hafen von Barcelona lässt Gales sich schließlich doch anheuern, obwohl er dem Schiff mit Namen ‚Yorikke‘ selbst schon ansieht, dass es von den Eigentümern nur noch zum Abwracken auf See vorgesehen ist. 

Gales arbeitet auf dem Dampfschiff als sogen. Kohlenzieher, Hilfsarbeiter der Heizer und steht zusammen mit seinem Kollegen Stanislaw auf der untersten Stufe der Hierarchie an Bord, sie sind der letzte Dreck, und müssen als solcher auch die letzte Drecksarbeit verrichten. Seine Schilderung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse an Bord könnte man umschreiben mit „wie in der Hölle, nur schlimmer“. Während man einerseits kaum glauben mag, was man da liest, sind die Schilderungen doch so eindrücklich und realistisch, dass klar wird, so oder so ähnlich hat sich das in den Kesselräumen mancher heruntergekommner Dampfschiffe jener Zeit tatsächlich abgespielt. 

B. Traven schildert all das in der einfachen Sprache eines Arbeiters, mischt ungeniert den Slang der internationalen Seemannssprache hinein und zieht den Leser auf die Seite dieser geschundenen Menschen. Man spürt die Sympathie, die er für die Klasse der Arbeiter hat, und gleichzeitig den Abscheu, den er dem menschenverachtenden System der Ausbeutung entgegenbringt, in dem diese gefangen sind. Eine unglaublich eindrückliche Schilderung, 5 Sterne dafür. 

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Cover des Buches Die Brücke im Dschungel (ISBN: 9783257211009)
PoeEA1809s avatar

Rezension zu "Die Brücke im Dschungel" von B. Traven

Die Brücke im Dschungel
PoeEA1809vor 10 Monaten

Der US-Amerikaner Gales ist im mexikanischen Dschungel unterwegs um sich als Jäger zu versuchen. Er erreicht eine kleine Siedlung, die an einem Fluß liegt. Eine Pumpstation auf der einen Seite, eine Indiosiedlung auf der anderen, verbunden durch eine Holzbrücke. Abends soll ein Tanzfest stattfinden, zu der die Menschen aus der ganzen Gegend zusammenkommen. Doch dann geschieht ein Unglück: ein kleiner Junge wird zunächst vermisst, dann gesucht und spät in der Nacht ertrunken im Fluß gefunden. Gales ist Augenzeuge der Geschehnisse dieser Nacht und des folgenden Tages. 

Die typische Drehbuch-Fabrik in Hollywood würde sagen, dass das noch keine Story sei, dass darin etwas fehle. Ist ein Verbrechen geschehen? Nein, nur ein Unglück. Hat jemand Schuld an diesem Unglück? Nein, niemand. Dann ist es keine Story, würde Hollywood sagen. Doch, ist es, wenn man erzählen kann, wie B. Traven es konnte. 

Ich kannte den Autor bisher nur dem Namen nach, als Schöpfer der literarischen Vorlage für den berühmten John-Huston-Film „Der Schatz der Sierra Madre“ (1948) mit Humphrey Bogart. Und wie die meisten ging ich davon aus, dass es sich bei B. Traven um einen Schreiber von ganz ordentlichen Abenteuerromanen handelt. Die Brücke im Dschungel zeigt aber einen Autor, der viel mehr ist: nämlich ein erstklassiger Beobachter einer fremden Kultur (der indigenen mexikanischen), und der Einflüsse des modernen Westens auf diese Kultur. Dazu kommt großes erzählerisches Talent, eine einfache, klare Sprache, ohne unnützen Firlefanz. Mit  Verständnis und Einfühlungsvermögen, immer wieder aufgelockert durch humorvolle Momente, schildert ein (mutmaßlich) in Deutschland geborener Autor eigene Erlebnisse im Dschungel Mexikos. Es gelingen ihm einige unvergesslich gute Szenen, die dieses Buch zu einem echten Leseerlebnis machen. 


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Cover des Buches Das Totenschiff. (ISBN: B0022X11RO)
Herbstroses avatar

Rezension zu "Das Totenschiff." von B. Traven

„Wer hier 'reingeht, ist ledig aller Qualen!“
Herbstrosevor 5 Jahren


Als der amerikanische Seemann Gale vom Landgang in Antwerpen zum Hafen zurück kommt, ist sein Schiff, die S.S. Tuscaloosa, weg. Ausgelaufen ohne ihn, aber mit seinem ganzen Hab und Gut, seinem Seemannsbuch und seinem Pass. Unmöglich, ohne Seemannsbuch ein anderes Schiff zu bekommen, und noch unmöglicher ein neues Seemannsbuch ohne Pass oder einen neuen Pass ohne Identitätsnachweis. Er ist nun ein „Niemand“, er existiert einfach nicht. Diese leidvolle Erfahrung bleibt Gale nicht erspart, der nun als „Staatenloser“ von einem Land zum anderen abgeschoben wird. In Portugal schließlich gelingt es Gale, auf der Yorikke, einem Schmuggelschiff bei dem man es mit den Papieren nicht so genau nimmt, als Kohlenschlepper anzuheuern. Bald muss er feststellen, dass es sich um ein Totenschiff handelt, denn auch die anderen Seeleute sind ohne Papiere, also „lebende Tote“. Dort lernt er auch einen weiteren Kohlenschlepper, Stanislaw Koslowski, kennen, den ein ähnliches Schicksal auf das Schiff verschlagen hat und der bald sein bester Freund werden sollte. Bei einem Landgang im Hafen von Dakar werden die beiden shanghait und landen auf der Empress of Madagascar, einem Totenschiff der anderen Art. Mit ihrer wertlosen aber hoch versicherten Ladung Alteisen soll sie mit Mann und Maus versenkt werden, um der Reederei und dem Kapitän ein hübsches Sümmchen einzubringen. Doch anders als geplant läuft sie auf einem Riff auf, Gale und Stanislaw können sich total erschöpft auf eine Planke retten und treiben nun hilflos im Ozean …

B. Traven, geb. 1882 – gest. 1969, nannte sich der Autor, der wie viele andere auch anonym veröffentlichte. Er schrieb zwölf Romane, einige Erzählungen und einen Reisebericht, alle in seiner ironisch-sarkastischen Ausdrucksweise und alle verbinden Abenteuer mit kapitalismuskritischem Hintergrund. Wie 1974 festgestellt wurde, soll Traven mit dem Theaterschauspieler und Anarchisten Ret Marut, der 1924 nach Mexiko floh, identisch sein. Recherchen bestätigten dann 2012, dass B. Traven und Ret Marut beides Pseudonyme eines gewissen Otto Feige, Maschinenschlosser und Gewerkschaftssekretär aus Schwiebus in der preußischen Provinz Brandenburg, sein sollen.

Ganz egal wie sich der Autor genannt haben mag, schreiben konnte er, und zwar sehr gut. Traven lässt seinen Protagonisten selbst erzählen, manchmal wütend und traurig, manchmal ironisch und sarkastisch, voll hintergründig beißendem Humor, aber immer hoffnungsvoll und zuversichtlich. Man wird geradezu in die Geschichte hinein gezogen, in das traurige Los des heimatlosen Seemannes ohne Schiff und ohne Papiere, der eigentlich nur überleben will. Engstirniger Bürokratismus einerseits und aufopferungsvolle Hilfsbereitschaft und Freundschaft andererseits berühren den interessierten Leser. Obwohl nicht allzu viel geschieht und die Handlung nur wenige Höhepunkte hat, fand ich das Buch nie langweilig. Auch die ab und zu verwendeten seemännischen Ausdrücke dürften jedermann geläufig sein und bereiteten mir keine Schwierigkeiten. Die Thematik ist heute, bedingt durch die vielen Flüchtlinge ohne Ausweis, aktueller denn je. Darf man, ja soll man, einer Person auf Treu und Glauben gültige Papiere ausstellen, obwohl man deren Identität nicht feststellen kann? Gewiss hat man heute ganz andere Möglichkeiten (der Roman entstand 1926) als damals, dennoch bleibt das Problem. Ein weiteres großes Thema des Romans ist die Ausbeutung der Schwächeren durch die jeweils Höhergestellten, was sich in der Hierarchie bis ganz nach oben fortsetzt und auch heute noch seine Gültigkeit hat.

Fazit: Nicht einfach nur ein einzigartiger Abenteuerroman, sondern auch eine Anklage gegen Bürokratismus und Geldgier und nicht zuletzt eine Hymne an die Freundschaft.

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