Artur Becker

 3,8 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor von Der Lippenstift meiner Mutter, Wodka und Messer und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Artur Becker

Artur Becker, geb. 1968 in Bartoszyce (Polen), lebt seit 1985 in Deutschland, zurzeit als Artist in Residence im Hotel Lindley in Frankfurt am Main. Er ist Lyriker, Essayist, Romancier, Publizist und Übersetzer und debütierte 1984 mit Gedichten in der Gazeta Olszty?ska. Seit 1989 schreibt er auf Deutsch. 1997 erschien sein erster Roman "Der Dadaj see", 1998 sein erster Gedichtband "Der Gesang aus dem Zauberbottich". Mittlerweile hat er mehr als 20 Bücher veröffentlicht, u. a. die Romane "Wodka und Messer. Lied vom Ertrinken" (2008), "Der Lippenstift meiner Mutter" (2010) und "Drang nach Osten" (2019). Er schreibt für die Frankfurter Rundschau, die Neue Zürcher Zeitung und Rzeczpospolita. Becker wurde mit dem Chamisso-Preis (2009) sowie dem Dialog-Preis (2012) ausgezeichnet und hielt 2020 die Dresdner Chamisso-Poetikdozentur.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Links (ISBN: 9783864893544)

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Neu erschienen am 02.05.2022 als Hardcover bei Westend.
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Alle Bücher von Artur Becker

Cover des Buches Der Lippenstift meiner Mutter (ISBN: 9783442742967)

Der Lippenstift meiner Mutter

 (4)
Erschienen am 13.02.2012
Cover des Buches Wodka und Messer (ISBN: 9783940888280)

Wodka und Messer

 (4)
Erschienen am 08.09.2008
Cover des Buches Die Zeit der Stinte (ISBN: 9783423404266)

Die Zeit der Stinte

 (3)
Erschienen am 01.09.2010
Cover des Buches Wodka und Messer. - Lied vom Ertrinken (ISBN: 9783442740536)

Wodka und Messer. - Lied vom Ertrinken

 (2)
Erschienen am 03.05.2010
Cover des Buches Das Herz von Chopin (ISBN: 9783423136891)

Das Herz von Chopin

 (2)
Erschienen am 01.09.2008
Cover des Buches Onkel Jimmy, die Indianer und ich (ISBN: 9783455004328)

Onkel Jimmy, die Indianer und ich

 (1)
Erschienen am 01.08.2001
Cover des Buches Sieben Tage mit Lidia (ISBN: 9783863370657)

Sieben Tage mit Lidia

 (1)
Erschienen am 01.09.2014
Cover des Buches Czerwonka (ISBN: 9783518418369)

Czerwonka

 (0)
Erschienen am 18.09.2006

Neue Rezensionen zu Artur Becker

Cover des Buches Der Lippenstift meiner Mutter (ISBN: 9783442742967)M

Rezension zu "Der Lippenstift meiner Mutter" von Artur Becker

Gelungenes Kaleidoskop aus den Elementen einer masurischen Kleinstadt
Mary2vor 2 Jahren

 Schauplatz dieses Romans ist das fiktive Städtchen Dolina Rosz in Masuren Anfang der 80er Jahre. In Polen ist der Kommunismus Realität und die Bevölkerung hat sich mehr oder weniger mit den Umständen arrangiert.

Der 15-jährige Bartek verbringt seine Schultage im Technikum, seine Nachmittage in der Schusterwerkstatt von Herrn Lupicki und seine freie Zeit mit Träumen von einer Zukunft weit weg von der Kleinstadt und den Eltern. Da begibt es sich, dass der abgetauchte Großvater zurückkehrt – mit viel Lebenserfahrung, einer langen Vergangenheit und einem Problem im Gepäck.

Gar nicht viel Handlung enthält dieser Roman mit autobiographischen Anteilen. Den Schwerpunkt bildet vielmehr der Blick auf die zahlreichen Bewohner des Städtchens, ihre „sieben Gangarten“, ihre Liebschaften, Antipathien, Wohnungen und Berufe.

Aus dem Blickwinkel des Jugendlichen werden Cafe und Kino, Krankenhaus und Schule, Marktplatz und Kirche dargestellt. Onkel und Tanten sind zahlreich vorhanden, Schulfreunde und -feinde geben sich die Ehre ebenso wie die stadtbekannten Persönlichkeiten mit Behinderungen. 

In einer herrlichen, keinesfalls zimperlichen Sprache komponiert Artur Becker ein Stadtporträt mit skurrilen Protagonisten – und mittendrin ein Teenager mit der typischen extremen Gefühlslage des Heranwachsenden. 

Nach der Lektüre kennt man dieses Städtchen und seine Bewohner, hat den masurischen Winter gefühlt und ist über den Marktplatz geeilt – und ist gleichzeitig froh, die Pubertät hinter sich gelassen zu haben.

Ein sprachlich gelungenes Kaleidoskop aus den vielen farbenfrohen Elementen einer masurischen Kleinstadt – geschrieben zwar in deutscher Sprache, aber gespickt mit polnischen Ausdrücken.

Authentisch und unterhaltsam, ein Roman und gleichzeitig ein Zeitporträt.

Volle Leseempfehlung!

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Cover des Buches Sieben Tage mit Lidia (ISBN: 9783863370657)S

Rezension zu "Sieben Tage mit Lidia" von Artur Becker

Sieben Tage mit Lidia
SitataTirulalavor 7 Jahren

Ich will bloß frei sein, und das ist womöglich mein Fehler, so wie es dein Fehler ist, Lidia, dass du reich werden willst. Man kann sich seine Wünsche oder Träume nicht erfüllen, das ist eine Illusion, man erfüllt bloß seine Bestimmung und denkt dabei, man habe einen freien Willen und eine Vorstellung von den Dingen.

Andrzej besucht seinen Freund Jaczek in Venedig, den er seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Eigentlich will er nur zwei Wochen dort bleiben, doch dann kommt Jaczeks Tochter Lidia aus London zu Besuch und stellt alles auf den Kopf. Kurz darauf wird in Andrzejs Heimat Polen das Kriegsrecht verhängt. Während er verzweifelt versucht, seine daheim gebliebene Frau Monika und den gemeinsamen kleinen Sohn zu erreichen, führt er in Venedig ein Parallelleben - mit Lidia als seiner Geliebten, die ihn ebenso wie sein Freund dazu drängt in Venedig Asyl zu beantragen. Doch kann er wirklich seine Heimat zurücklassen, seine Familie, um in Lidias Armen ein neues Leben zu beginnen?


Ein wunderschönes Cover und ein knackig kurzer Umfang haben mich gleich gelockt. Eine Novelle bietet nicht so viel Spielraum für Charakterentwicklungen wie beispielsweise ein Wälzer von 800 Seiten. Das war von vorne herein klar, aber schon ziemlich zu Anfang des Buches war ich davon enttäuscht, wie unglaubwürdig manche von Andrzejs Gedanken und Handlungen rüber kamen. Gut, dass es in der Ehe mit seiner Frau Monika nicht besonders gut läuft, das hab ich recht schnell verstanden. Aber dass er bei ausbrechendem Kriegsrecht und Kampfhandlungen in der Heimat kaum einen Gedanken an seinen Sohn verschwendet? Er begnügt sich mit einem Anruf pro Tag und wenn er niemanden erreicht? Tja, Pech, dann kann man ja immer noch mit Lidia ausgehen und sich zwischen den Laken wälzen. Eine Er-kam-er-sah-er-liebte-Liebesgeschichte, die mich einfach vorne und hinten nicht überzeugen konnte.
Abgesehen von dieser meiner Ansicht nach wenig einfühlsamen und nicht nachvollziehbaren Charakterzeichnung beleuchtet Becker aber eine Zeit, die ich bisher persönlich selbst gar nicht so im Blick hatte, nämlich die Verhängung des Kriegsrechts 1981 in Polen unter Jaruzelski. Dafür wählt er den ungewöhnlichen Blickwinkel von Andrzej, der zwar Pole ist, aber zu dieser Zeit im fernen Venedig einen alten Freund und Emigranten besucht. Einen Hauch Interesse konnte dann doch der Zwiespalt in Adrzej wecken, ob er dem Rat seiner Freunde folgt und in Venedig Asyl beantragt oder ob er zu seiner Familie in die Ungewissheit zurückkehrt. Der Rest des Buches beschäftigt sich im Wesentlichen mit Lidia und Andrzej, die jeweils finden nicht gut genug füreinander zu sein, nur um sich dann doch tagtäglich in einem Stundenhotel einzumieten und von großer Liebe und dem Verlassenwerden zu säuseln, sowie endlosen Beschreibungen von Venedigs Straßen, Kanälen und Gebäuden.

Das Buch hat mit dem Aufmerksammachen auf diese politische Phase in Polen zwar sicherlich zu meiner Allgemeinbildung beigetragen, war sonst aber eher blass und farblos für mich - obwohl es vor der wunderschönen Kulisse Venedigs spielt. Beim besten Willen nur zwei Blümchen.

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Rezension hier: http://licentiapoeticae.blogspot.de/2015/06/br-artur-becker-sieben-tage-mit-lidia.html

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Cover des Buches Der Lippenstift meiner Mutter (ISBN: 9783940888570)K

Rezension zu "Der Lippenstift meiner Mutter" von Artur Becker

Rezension zu "Der Lippenstift meiner Mutter" von Artur Becker
Kornelisvor 12 Jahren

http://www.lovelybooks.de/autor/Artur-Becker/Der-Lippenstift-meiner-Mutter-489966532-w/

„Wenn Artur Becker eines kann, dann ist es dies: erzählen!“, lobte Tim Schleider in der Stuttgarter Zeitung vom 5. Oktober Beckers jüngsten Roman. „Der Lippenstift meiner Mutter“, der im Herbst diesen Jahres erschienen war, hat seitdem durchweg begeisterte Kritiken erhalten. Als geradezu euphorisch kann man die Porträts von Radio Bremen, dem HR2 und Matthias Balzners Kritik in der Berliner Zeitung bezeichnen, ohne dabei zu übertreiben. Klaus Hübner zeigte sich in der WELT am 9. Oktober darüber verwundert, weshalb Beckers jüngstes Werk nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises zu finden sei. Der Lippenstift sei der „beste Roman“ Beckers.

“Artur Becker ist schon lange kein Unbekannter mehr in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.”

Seinen Verfasser, den 1968 in Polen geborenen Dichter, Poeten und Übersetzer, bezeichnete er als „einen wortgewaltigen Chronisten“ des menschlichen Lebens in all seinen bunten Facetten. Nach 13 Büchern, zahlreichen Essays zur deutschen und polnischen Literatur, Geschichte und Kultur, diversen Aufenthaltsstipendien und Preisen (darunter 2009 der Adelbert-von-Chamissopreis) und über 400 Lesereisen ist Artur Becker kein Unbekannter in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur mehr. Ein solch einstimmiges Kritikerlob wie für den Roman „Der Lippenstift meiner Mutter“ hat Becker aber bisher noch für keines seiner anderen Bücher erhalten – und in der Polarisierung der Kritikermeinungen hat er bisher auch noch nichts Schlechtes gesehen, wie der Autor auf einer Lesung während der Frankfurter Buchmesse verkündete. So zeigte er sich ein wenig misstrauisch angesichts der einstimmigen Lobeshymnen, die ihm, der als 17jähriger nach Deutschland gekommen war, im Lande Thilo Sarrazins plötzlich entgegenschlagen.

Was macht den Reiz dieses Buches aus?

Dolina Roz – von den deutschen Bewohnern einst Rosenthal genannt, ist der Schauplatz des temporeich erzählten Romans. Ein masurisches Nest in den späten 70er Jahren, im Würgegriff der grauen Realität des Sozialismus – könnte man meinen. Aber bereits mit den ersten Sätzen wird klar, dass hier, genau hier, im „Wilden Osten“ Polens, die Zeit reif ist für einen sensationellen Widerstand, ja, eine Revolution im Kleinen. Das finden zumindest der 15jährige Bartek und seine Freunde, und es soll nicht lange dauern, bis eine Serie von Brandanschlägen den eisigen Winternächten Dolina Rozs mächtig Leben einhaucht.

“Das Herzstück des Romans bildet aber gar nicht seine Handlung, sondern der reiche Kosmos seiner Figuren.”

Das Herzstück des Romans bildet aber gar nicht seine Handlung, sondern der reiche Kosmos seiner Figuren. Das wird auch durch den Schutzumschlag verdeutlicht, auf dem sie alle versammelt sind: die stalinistische Dichterin Natalia, der verschlagene Schtschurrek, der Mörder und Wunderheiler Baruch, die verführerische Dorfschönheit Maria, der weibstolle Verführer Opa Franzose und natürlich die Schuster des Städtchens, deren Schusterwerkstatt zum Nabel der Welt, zu einem kleinen Europa wird: der preußische Soldat Opa Monte Cassino und sein patriotischer Widersacher Kronek ebenso wie der chassidische Jude Lupicki, der aus der Ukraine stammt. Alle diese und noch einige weitere Figuren lernt der Leser während der Lektüre kennen und lieben, kann über sie lachen, wenn sie nackt vor dem Spiegel tanzen und mit ihnen fühlen, wenn sie unglücklich verliebt sind und in ihrem pubertären Zorn vor allem eins wollen: von zu Hause abhauen. Unter der Oberfläche verhandelt der Roman die Themen Sexualität und pubertäre Selbstfindung auf verblüffend neuartige Weise. So kommt bspw. dem titelgebenden Lippenstift ein symbolischer Wert zu. Außerdem greift Becker das problematische Verhältnis vieler Polen (und Deutscher) zur Homosexualität auf.

Daneben brilliert der Roman auch mit seinem reichen Fundus von literarischen Anspielungen auf vor allem polnische Autoren wie Bruno Schulze, Witold Gombrowicz, Wislawa Szymborska, Adam Mickiewicz und Czeslaw Milosz. Letzterer hatte seine polnischen Leser 1982 mit der „Hymne von der Perle“ bekannt gemacht, jenem gnostischen Text aus den Thomasapokryphen, der in poetischen Versen und Bildern vom Fall und Aufstieg der Seele kündet. Becker lässt den gealterten Eisenbahner und Abenteurer „Opa Franzosen“ seinem Enkel Bartek eben diese Geschichte erzählen, kurz vor dem Einschlafen in abgetragener Unterwäsche auf Rand eines Bettes sitzend. Aber auch Fryderyk Nietzsche, der sich selbst als einen Abkömmling eines polnischen Adelsgeschlecht stilisierte, geistert durch den Roman.

Das Buch ist sehr dicht, dabei flott und mit viel Freude am Fabulieren erzählt – ein Hauch von Phantastik und ein Schuss mit eingeflossener Biographie des Autors geben dem brillianten Roman Beckers den letzten Schliff. Die Stimmung ist wesentlich heiterer als in den letzten Bücher Beckers – da bereitet die Lektüre gleich doppeltes Vergnügen.

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