Alexander Bartl

 4,5 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Alexander Bartl

ALEXANDER BARTL wurde 1976 in Wien geboren, wo er eine Ausbildung an der Ballettschule der Wiener Staatsoper absolvierte. Danach studierte er Film-, Theaterwissenschaft und Publizistik in Mainz und Edinburgh. Als Journalist schrieb er auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und für das österreichische Nachrichtenmagazin Profil. Heute arbeitet Alexander Bartl als Textchef für Focus in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Alexander Bartl

Neue Rezensionen zu Alexander Bartl

Ich dachte eigentlich, es würde sich bei dem Buch um einen historischen Roman handeln, der die ganzen Ereignisse um Weltausstellung, Hochquellleitung und Cholera in hübsche Prosa verpackt. Da dem nicht ganz so ist, waren die ersten paar Kapitel erstmal gewöhnungsbedürftig. Noch dazu gab es ständig Wechsel in der Zeit und auch im Thema, was das Lesen etwas mühsam machte.


Doch mit zunehmendem Verlauf kam ich besser in das Buch hinein, und fand es sehr interessant zu lesen, wie das Wien vor ca. 150 Jahren aussah und tickte. Im direkten Vergleich von Cholera und Corona muss man sagen, dass es nicht überall viel Veränderung gegeben hat. Auf eine Pandemie, die in Wellen immer wieder kommt, zu spät reagieren zum Beispiel. Oder die Leugner, die sagen es gäbe gar keine Cholera und wenn dann aber zumindest nicht hier in ihrer Stadt. All das kam mir erschreckend bekannt vor.


Aufgrund der vielen Information und Namen, mit denen das Buch gespickt ist (und die ich dann oftmals näher googeln musste), hat es deutlich länger gedauert, bis ich das Buch durch hatte. Aber es lohnt sich durchaus, wenn man an Geschichte interessiert ist, oder an der Stadt Wien. Im besten Fall an beidem, dann sollte man dieses Buch unbedingt lesen!

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Cover des Buches Walzer in Zeiten der Cholera – Eine Seuche verändert die Welt (ISBN: 9783749902385)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Walzer in Zeiten der Cholera – Eine Seuche verändert die Welt" von Alexander Bartl

Wie sauberes Gebirgswasser zu den Wiener kommt ...
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Der Wiener Journalist Alexander Bartl hat mir mit diesem Sachbuch große Freude bereitet. Als historisch interessierte Wienerin lese ich gerne Bücher aus der Geschichte Wiens. Dabei muss es nicht unbedingt um zuckersüße Walzerseligkeit oder die Welt der Adeligen gehen, sondern darf auch das Wien der Bürger, Handwerker und der einfachen Leute vorkommen.  

Das Thema hier: eine Seuche, die durch verunreinigtes Trinkwasser hervorgerufen wird (was man damals noch nicht weiß), betrifft alt und jung, arm oder reich. Auch wenn die Vermögenden durch Latifundien außerhalb Wiens bessergestellt sind, so macht die Cholera vor niemandem Halt. 

Alexander Bartl versteht es großartig, die für manchen Leser trocken erscheinende Geschichte der Verbesserung der Trinkwasserqualität darzustellen. So lesen wir von enervierenden Gemeinderatssitzungen, dem ewigen Gezänk um die Finanzierung dieses Großprojektes und lernen einige Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts kennen, der Namen uns heute als Straßenbezeichnungen geläufig sind. 

Doch bevor es noch zur Errichtung der Hochquellenwasserleitung geht, müssen wir uns mit der Ausbreitung der Cholera beschäftigen. Hier wird der geneigte Leser die eine oder andere Parallele zu heute wiedererkennen, wenn es darum geht, eine Pandemie kleinzureden.  

Worauf Alexander Bartl nur kurz hinweist, ist das zweite Großprojekt dieser Zeit: die Donau-Regulierung. Auch sie hat zahlreiche Befürworter bzw. Gegner, ist allerdings wegen der Schiffbarkeit der Donau von überregionaler Bedeutung, sodass hier eher die Ministerien als die Stadt Wien federführend sind. Aber, dieses Bauvorhaben wäre wohl ein anderes Buch wert.

Als die Hochquellenwasserleitung mit dem Hochstrahlbrunnen im Oktober des Jahres 1873 endlich in Betrieb geht, neigt sich ein Jahr mit Höhen und Tiefen dem Ende zu. Zum einem hat die Wiener Weltausstellung mit einem Verlust von 14 Millionen Gulden nicht annähernd den Erfolg gehabt, den Initiator Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn den Stadtväter versprochen hat und zum anderen ist die Cholera wieder aufgeflammt und hat Tausende Todesopfer, darunter auch Besucher der Weltausstellung gefordert, was der Veranstaltung nicht sonderlich gutgetan hat. Über diese Weltausstellung können wir ebenfalls einige sehr interessante Details nachlesen.  

Wir sind mitten in der Gründerzeit. Jeder will ein Stück vom Kuchen und schnell und (möglichst) ohne harte Arbeit reich werden. Doch dann reißt der Börsenkrach vom 9. Mai 1873 die Monarchie beinahe in den Abgrund. Die Spekulationsblase platzt und stürzt zahlreiche Unternehmen in die Pleite. 

Meine Meinung: 

Obwohl dieses Buch ein Sachbuch ist, liest es sich locker und flüssig. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich konnte die Debatten, die Streitereien während der Gemeinderatssitzungen im Alten Rathaus in der Wipplingerstraße förmlich hören. 

Wie der Autor in seinem Nachwort erklärt, gehört eine penible Recherche zum Gelingen eines solchen Werkes unbedingt dazu. Ich hätte mir hier noch ein Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur gewünscht. Die zahlreichen Abbildungen lockern das Buch auf.  

Die Wiener Bevölkerung ist sich des Schatzes „Hochquellenwasserleitung“ oft gar nicht mehr bewusst. Man dreht am Wasserhahn und das saubere Nass fließt heraus. Vielleicht sollten wir ein wenig innehalten und die Kostbarkeit bewusst genießen sowie den Pionieren Eduard Suess und Cajetan Felder Respekt zollen. 

Fazit: 

Wer Interesse an der Geschichte Wiens im 19. Jahrhundert hat, die mit feiner Sprache erzählt wird, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne. 

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Cover des Buches Walzer in Zeiten der Cholera – Eine Seuche verändert die Welt (ISBN: 9783749902385)
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Rezension zu "Walzer in Zeiten der Cholera – Eine Seuche verändert die Welt" von Alexander Bartl

Wiens Hochquellwasserleitung
annluvor einem Jahr

*Das Jahr der Wiener Weltausstellung hatte sich zur Katastrophe entwickelt...*


Wien, 1873: Die Stadt hat nicht nur eine Weltausstellung hinter sich, die sich finanziell als Fiasko herausstellte, sondern auch eine Choleraepidemie, die sich nur bis zu einem bestimmten Punkt totschweigen lies. In diesem Jahr aber sollten die Bemühungen einiger Männer zu einem Abschluss kommen und die Wiener Hochwasserleitung eingeweiht werden – frisches Trinkwasser für Krankheiten eindämmen und die Stadt auf das Niveau einer europäischen Metropole heben. 



Der Titel und der Klappentext lässt darauf schließen, dass sich das Buch auf die Cholera und ihren Einfluss auf Wien befasst. Allerdings ist das nur ein Aspekt des Buches. Obwohl auch einige Kapitel der Cholera und ihrem Aufschwingen zu einer Pandemie gewidmet sind, steht sie nicht im Mittelpunkt. Vielmehr nimmt dieses erzählende Sachbuch den Bau der Wiener Hochwasserleitung in den Fokus, der frisches Quellwasser aus den Alpen in die Hauptstadt bringen soll. Das umstrittene Projekt wird von einigen Männern in unterschiedliche Positionen verteidigt und vorangetrieben. Sie sind es, die im Mittelpunkt stehen. 


Um sich das Ausmaß und die Neuheit des Projektes vorstellen zu können, wird ein Eindruck der passenden historischen Verhältnisse geliefert. Dazu bekommt der Leser Informationen zu vorangegangenen Katastrophen, die mit dem Wasser zu tun hatten – Fluten und Krankheiten durch verschmutztes Wasser inklusive. Aus heutiger Sicht ist es unverständlich, wie das Projekt, das den Grundlagen der Hygiene entspricht (wer will schon kontaminiertes Wasser – vielleicht sogar solches, das vorher durch Friedhöfe gesickert ist), so stark abgeschmettert wurde. Dadurch, dass das Buch nicht rein ein Sachbuch ist, sondern die auftretenden Personen auch in eine - fiktive aber durchaus mögliche – Geschichte setzt, kann man sich als Leser die Umstände dazu besser vorstellen. 


Das Buch zeigt nicht nur in Bezug auf die Seuche Parallelen zur Gegenwart, auch die politischen Kämpfe, die immer höher werdenden Kosten eines städtischen Projektes, die angesprochene Finanzkrise – vieles wirkt näher als gedacht. 


Fazit: Zu dem Buch gegriffen habe ich, weil ich mehr über die Cholera erfahren wollte. So war ich erst einmal überrascht davon, dass diese hier nicht das Hauptthema war. Mit voranschreitender Lektüre fand ich dann den Bau der Hochwasserleitung immer interessanter. Also – nicht vom Titel und Klappentext in die Irre führen lassen. 

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